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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-29 · 30 (29.7.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 506 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 30 offizielle Bureau die Daten darüber, wie viele Grundbesitze seit dem Jahre 1880 ihren Eigentümer gewechselt haben und wer die neuen Besitzer sind. In dem vom Amte ausgegebenen Fragebogen kommen u. A. auch folgende Fragen vor: „Welcher Religion gehört der neue Grundbesitzer an? Welche ist seine Muttersprache? Wo ist er geboren? Wohin ist er zuständig? Der Beschluß, diese Statistik anzufertigen, ist das Ergebnis einer Beratung, die zwischen dem Handelsminister und dem Ackerbauminister stattgefunden hat. Maßgebend für diesen Beschluß war der Umstand, daß „manche Kreise es in ihrem Interesse gelegen finden, den Irrglauben zu verbreiten, daß in Ungarn der sämtliche Grundbesitz von eingewanderten galizischen Juden Zusammengekauft werde. . . ." Der Vukarester Bürgermeister und die jüdischen Schächter. Aus Bukarest wird uns geschrieben: Bei der Einweihung der hiesigen neuen Schlachtbrücke hat der Direktor des Schlachthofes Dr. Carcianu eine neue Hausordnung erlassen, in welcher den jüdischen Schächtern die Untersuchung der Lunge nach jüdischer ritueller Vorschrift wegen angeblicher Gesundheitsschädlichkeit (?!) untersagt wird. Dieses Verbot hat nunmehr der Bürgermeister von Bukarest, an den die Juden rekurrierten, bestätigt. Infolgedessen haben sämtliche Schächter Bukarests nach eingehender Besprechung mit dem Vorsitzenden des Beth Din, Rabbiner Samuel Schorr, beschlossen, den Schlachthof bis auf Weiteres zu boykottieren, daselbst insolange nicht zu schlachten, bis das Verbot aufgehoben sein wird. Die Vukarester Juden erhalten auf diese Weise kein Koscher-Fleisch, es sei denn, daß solches aus der Fremde herbeigeschafft wird, was jedoch bei dieser heißen Jahreszeit nur schwer durchführbar ist. Die hiesigen Schlachtunternehm er, die durch diese Zustände großen Schaden erleiden, betrauten Rabbiner Schorr damit, in dieser Angelegenheit beim Minister des Innem vorstellig zu werden. Vorn allstavischen Kongreß in Sofia. Aus Sofia schreibt man der „N. I. K." : Von dem hiefigen allstavischen Kongreß haben fich die fortschrittlichen Elemente des Slaventums aller Länder zum größten Teile ostentativ ferngehalten. Dafür nahmen jedoch die allerreaktionärsten Kreise, insbesondere aus Rußland, in großer Anzahl am Kongreße teil. Diese versuchten auch, den Verhandlungen ein antisemitisches Gepräge zu geben, was jedoch von den bulgarischen Teilnehmern entschieden zurückgewiesen wurde. Gleich nach Eröffnung des Kongresses, als Profefior Danailoff über die ökonomische Lage des bulgarischen Volkes referierte, unterbrach der russische Delegierte General Karnilowaky aus Odessa den Referenten durch fortwährende Zwischenrufe, in denen er fich voll Neugier erkundigte, ob die Juden in Bulgarien viel Land besäßen und ob nicht etwa die ganze Industrie in ihrer Hand sei. Der Herr General wurde von Profefior Danailoff sehr kurz und entschieden abgefertigt. Im Uebrigen fand vor Eröffnung des Kongreffes eine von fortschrittlichen Studenten, Schriftstellern, Lehrern usw. veranstaltete Protestversammlung statt, in der auch die unmenschliche Bedrückung der Juden in Rußland eingehend besprochen und im Zusammenhänge damit nachdrücklich betont wurde, daß es in Bulgarien für Hooligans, Echtruffen und gesinnungsverwandte Elemente keine Sympathien gebe und daß das bulgarische Volk fich mit tiefem Abscheu von denjenigen Kreisen abwende, die in Rußland die schmachvolle Politik der Pogrome betreiben oder auch nur im Entferntesten begünstigen. Der pogromlüsterne General und die übrigen Echtruffen — es befand fich unter i)nen sogar ein Vertreter des berüchtigten Verbandes des Erzengels Michael — sollen sehr enttäuscht und verstimmt die Heimreise angetreten haben. Cm jüdisches Museum in Budapest. Die ungarisch-israelitische literarische Gesellschaft beschloß, in Budapest ein ungarisch-jüdisches Museum zu errichten, zu welchem Zwecke die Gesellschaft ein Museum-Komitee eingesetzt hat. Die Gesellschaft richtet an die jüdischen Gemeinden Chewra - Kadischa und sonstigen konfessionellen Körperschaften, wie auch an alle Juden des Landes einen Aufruf, in welchem einerseits um materielle Unterstützung, andererseits auch darum gebeten wird, Gegenstände, die sich irgendwie auf das historische Judentum beziehen, dem zu gründenden Museum schenkweise oder bei Aufrechterhaltung des Eigentumsrechtes zum Zwecke der Ausstellung im Museum zu überlassen. Ueber die Aufgabe des Museums sagt der Aufruf: „Mit der neuen Institution wünschte die Gesellschaft nicht nur der ähnlichen Arbeit der ausländischen Iudenschaft zu folgen, sondern strebte vornehmlich darnach, durch die Einsammlung der Andenken an die jüdische Vergangenheit, durch die Darstellung der Schaffenskraft des jüdischen Geistes das Selbstbewußtsein der vaterländischen Iudenheit zu entwickeln, in diesem Lande von Jahrhunderte langer Kulturtätigkeit, von moralischem, wissenschaftlichem, literarischem und künstlerischem Werte einen mehr als alles andern beredten und wirkungsvollem Eindringen in unsere Vergangenheit, und für die Wertschätzung der Bestrebungen der Juden in der Gegenwart einen bedeutsamen Faktor zu schaffen". Diplomatische Intervention wegen der Judenverfolgungen in Persien. Infolge der Vorstellungen, die bei den europäischen Gesandtschaften ttt Teheran wegen der Angriffe auf Juden in verschiedenen persischen Städten, namentlich in Hamadan, erhoben worden waren, beauftragte der britische Gesandte den Konsularagenten in Hamadan, eine genaue Untersuchung einzuleiten. Der Direktor der dortigen Allianceschule übergab dem britischen Konsularagenten das Aktenmaterial über den jungen Juden, der unter falscher Beschuldigung verhaftet worden war. Auch der französische Botschafter in Teheran hat an den persischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten eine dringende Rote in dieser Sache gerichtet und versprach dem Direktor der Allianceschule, den weiteren Verlauf der Angelegenheit mit der größten Aufmerksamkeit verfolgen zu wollen. Der türkische Minister des Innern in einem jüdischen Spital. Vor einiger Zeit wurde im türkischen Parlament anläßlich der Vudgetberatung von antisemitischer Seite der Versuch gemacht, die Streichung einer vorgeschlagenen Subvention für das jüdische Spital „Or-Hachajin" durchzusetzen. Es fiel damals auf, daß die vier jüdischen Deputierten der türkischen Kammer diese Angriffe stillschweigend Hinnahmen, während der Minister des Innern Talaat Vey in längerer Rede die Juden in Schutz nahm und insbesondere auf die hervorragenden Leistungen des jüdischen Spitales, in dem Kranke ohne Unterschied der Konfession Aufnahme finden, hinwies. Die Kammer hat die Post auch angenommen. Nun hat Talaat Bey das jüdische Spital mit seinem Besuche ausgezeichnet und nach eingehender Inspektion den versammelten Mitgliedern des Kuratoriums seine vollste Zufriedenheit über das Gesehene ausgedrückt und .hinzugefügt, daß fein heutiger Besuch ihn in seiner im Parlamente zum Ausdrucke gebrachten Anschauung über die Juden nur noch bestärkt habe.

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