Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 30 (29.7.1910)
- Date
- 1910-07-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 505 ger. viele angesehene Burger von Skole mit ihren Familien, Baron und Baronin Eroedel und viele andere. Die Gäste begaben sich unter Vorantritt der Musikkapelle des Lemberger Waisenhauses in das neuerbaute Ferienheim, roo sie von den nett gekleideten Pfleglingen begrüßt wurden. — Nach einem einleitenden Gesänge der Binder sprach der Vorsitzende Dr. Lilien einige herzliche Begrüßungsworte, und dankte im Namen des Ausschusses allen, die an hiesem Werke mitgeschaffen haben. * :;*!:' :;£' In Vertretung des Lemberger Rabbinates nahm hierauf Religionsprofessor Dr. Ballaban die religiöse Weihe des Hauses vor, woran er eins alle Anwesenden zu Tränen rührende Festrede knüpfte, in der er die Bedeutung der Institution eingehend würdigte. — Der religiöse Teil schloß mit der Befestigung der Mezuza an der Eingangstür. — Finanzrat Dr. Grabscheid überbrachte hierauf in herzlichen Worten die Glückwünsche der Lemberger Kultusgemeinde, Herr Chajes jene des Bürgerklubs, Fräulein Kutten sprach einige warme Worte namens der Lehrerschaft, worauf der Vereinssekretär dem Damenkomitee, vor allem der unermüdlichen Vizepräsidentin Fanny Stroh Dank für die Bemühungen zum Besten des Vereines aussprach. Nun wurden noch einige Glückwünsche aus der Ferne verlesen, so vom Lemberger Kultusvorstand, vom Spitalsrat, wie auch ein in sehr herzlichen Worten gehaltenes, von einer Spende begleitetes Schreiben des Reichsratsabgeordneten Adolf Stand. Die eindrucksvolle Feier schloß mit der von der Waisenkapelle vorgetragenen Volkshymne, worauf die Gäste unter Führung des Arch. Ulam das Haus eingebend besichtigten. — Sämtliche Anwesenden wurden hierauf vom Vereinsausschutz zu einem reichlichen Imbiß eingeladen, wobei die Damen Ämbes. Buber, Lilien und..Strohsdie Honneurs machten. — Man blieb noch mehrere Stunden nt zwangloser Unterhaltung beisammen, ergötzte sich an dem Spiele der Kinder und schied mit dem Bewußtsein, einen schönen Tag verbracht zu haben. MM mm- *!*: - Jwn. Antisemitismus in Karlsbad. Von einem gelegentlichen Mitarbeiter wird uns geschrieben : Gestatten Sie mir, daß ich wieder einmal so frei bin, Ihre werte Aufmerksamkeit auf eine Erscheinung in unserer Stadt zu lenken, welche es verdient, ein wenig beleuchtet zu werden: es handelt sich zwar nur um eine Berufssache, allein sie hat einen antisemitischen Geschmack, und Ihr geschätztes Blatt ist, soweit ich weiß, das einzige. welches sich derartiger Mitteilungen annimmt. In Karlsbad besteht seit einer Reihe von Jahren die eigentümliche Einrichtung, daß seitens der Stadtgemeinde einige Vertreter auswärtiger Zeitungen, darunter der größten Wiener und Berliner Zeitungen, ignoriert werden: dieselben erhalten weder diejenigen Begünstigungen, welche die anderen Journalisten erhalten, wie z. B. freien Eintritt in die Bäder und offiziellen Veranstaltungen der Stadlgemeinde, noch erhalten sie Programms oder Verständigungen zu den Gemeindesitzungen: ebenso wie sie z. B. bei Neueröffnungen von Badehäuschn, Festen der Stadtgemeinde usw. keine Eintrittskarten erhalten: selbstverständlich auch niemals eine Verständigung, wenn Persönlichkeiten anlangen: wenn sich Vorfälle ereignen, die einen offiziellen Charakter haben, so daß man eigentlich ohne Scheu sagen kann, einige Journalisten Karlsbads werden vom Stadtrate in Karlsbad seit Jahren boykottiert. Eine Ausnahme wurde bisher nur dann gemacht, wenn sich irgend ein unliebsamer Vorfall ereignet hat, den man verschweigen wollte: in solchen Fällen wurde die verhängte Sperre aufgehoben und die betreffenden Journalisten wurden in der liebenswürdigsten Weise ersucht, solche Vorfälle nicht an ihre Blätter abzugeben. Vor längerer Zeit wurde nun einmal die Anfrage an die kompetente Stelle gerichtet. aus welcher Ursache jener Boykott verhängt ist, und da wurde die Aufklärung gegeben, daß „auf Wunsch der Concordia" nur solche Personen als Journalisten aufzufassen seien, welche bei einer Redaktion mit einem firen Gehalt angestellt seien. Da diese famose Auslegung. durch welche die Hälfte aller Journalisten als Wildlinge dargestellt werden, unmöglich von der „Wiener Concordia" ausgehen konnte, kam man auf die Idee und dafür sprach auch der Charakter dieser Darlegung, daß nur entweder die „ungarische Walzmühle Concordia", oder die in Reichenberg bestehende Versicherungsgesellschaft „Concordia" irgend einen Einfluß auf die Stadtgemeinde Karlsbad gewonnen habe, und diesen Erlaß resp. diese Auffassung, die etwa 12 000 Journalisten und Schriftsteller vor den Kopf stoßt, geboren habe. Eine dritte Möglichkeit wäre nur noch die, daß ein vor Jahren hier in Karlsbad gegründeter angeblicher Iournalistenverein „Concordia", der sich keiner Sympathien erfreute und gleich nach der Geburt einging, für den obigen Erlaß vorgeschoben wurde. In neuester Zeit wird nun eine andere Aufklärung gegeben, welche viel eher eine Berechtigung der Richtigkeit für sich hat. als alles andere: es wird nämlich auf die auffallende Tatsache hingewiesen, daß es merkwürdigerweise gerade Juden, respektive israelitische Vertreter der auswärtigen Presse sind, die durch den Boykott seit Jahren getroffen und ignoriert werden, während bei christlichen Journalisten nicht nur die Vorschrift und Auffassung nicht aufrecht erhaltett wird, sondern solange der Betreffende nur Nichtjude ist, drückt man auch ein oder beide Augen zu, selbst wenn er gar nicht dem journalistischen Berufe angehört und lediglich als Setzer. Faktor. Komptoirist oder in einer anderen Stellung in einer Druckerei angestellt ist — nur Jude darf er nicht sein. Die Sache hat trotzdem einen lichten Punkt und zwar wird die Aufklärung gegeben, daß der Bürgermeister und der Stadtrat von Karlsbad zu sehr beschäftigt sind, um dieser Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit zu schenken, und daß die Sache auf die Handlungsweise eines oder zwei antisemitisch angehauchter Beamten zurückzuführen ist, welche im Einverständnisse mit Gesinnungsgenossen in dieser Weise seit Jahren Vorgehen. Da nun der "betreffende oder die betreffenden Beamten einen nicht geringen Einfluß auf die Stadträte ausüben, so bleibt es seit Jahren bei diesem Boykott. Daß aber etwas Derartiges gerade in Karlsbad denkbar ist und man in der Stadt, welche die Presse mehr wie jede andere braucht, die Korrespondenten der größten Blätter, die zufällig Juden sind, nach einem gewissen System ignoriert. scheint kaum begreiflich, ist aber eine vollständige Tatsache und bleibt es selbst, wenn es widersprochen werden sollte. Eine Statistik der jüdischen Grundbesitzer in Ungarn. Die Antisemiten in Ungarn verbreiten mit Vorliebe die Behauptung, daß der ungarische Boden immer mehr in die 'Hände der Juden, und zwar hauptsächlich aus Galizien eingewanderten Juden gerate. Daß solche falsche Behauptungen besonders auf die Bauern und Kleingrundbesitzer verhetzend wirken müssen, ist klar. Die ungarische Regierung hat nun ein originelles Mittel ersonnen, um diesen Gerüchten ein Ende zu machen. Sie hat das königl. ung. statistische Zentralbureau beauftragt, eine genaue Statistik über 'den Grundbesitzverkehr in den letzten 30 Jahren anzufertigen. In Ausführung dieses Auftrages sammelt jetzt das genannte