Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 30 (29.7.1910)
- Date
- 1910-07-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 504 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 30 Weiters seien noch folgende Deputationen angeführt: Herr kaiserlicher Rat Dr. Schneider gratuliert namens der Beamtenschaft des Bielitzer Bürgermeisteramtes, Herr V.-B. Eichler namens des Volksverbandes, Herr Gemeinderat Vogt namens des Deutschfortschrittlichen Vereines, Herr Professor Feuerstein namens des Vereines „Ferienheim", nachdem schon vorher sich zwei Zöglinge eingefunden hatten, um dem Jubilar zu gratulieren, Herr Pfarrer Dr. Schmidt namens des Stadtbezirksschulrates, Herr Notar Dr. Michl namens des Gesang-Vereines, Wachmann Kobiela namens der Bielitzer Polizeiwache, Herr K e st e l namens des isr. Handwerkervereines u. v. a. Für jeden fand der in so hohem Matze Gefeierte ein freundliches Wort des Dankes und der Freude über die so vielen unverhofften Ehrungen und Gunstbeweise. Stolzen Auges und mit berechtigtem Hochgefühl konnte der Jubilar auch die grotze Schar der erschienenen Gratulanten mustern. Repräsentierten sie doch in ihrer Gesamtheit die Bevölkerung der ganzen Stadt Bielitz, durch deren Mund die gesamte Oeffentlichkeit dem Jubelgreise huldigte. Liebe, Freundschaft und Verehrung, des rechtschaffenen Mannes schönster Lohn für ein arbeitsreiches Leben, sie wurden Herrn raiserl. Rat Pollak in höchstem Matze zu Teil. Er hielt an diesem Tage gleichsam Emte und die Saat, die er mit nimmermüder Hand Zeit seines Lebens ausgestreut, sie war glanzend aufgegangen, und in den Herzen seiner Mitbürger üppig aufgegangen in die Halme herzlicher Dankbarkeit. Hinzufügen möchten wir noch, datz dem Jubilar aus Anlatz seines Geburtsfestes eine Unzahl von brieflichen und telegraphischen Beglückwünschungen von Vereinen, Korporationen, Privatpersonen, auswärtigen Kultusgemeinden, dem Gemeindebund usw. gugekommen sind. Die Zahl der durch Post- und Telegraphenboten zugestellten Glückwünsche beträgt weit über Tausend, gewitz eine Zahl, die durch ihre imponierende Höhe einen Begriff davon gibt, wie weit über die Grenzen unserer Städte hinaus sich die Beliebtheit des Jubilars erstreckt. Erste jüdische Ferienkolonie in Galizien. Eine der segensreichsten, weit über das rein charitative Gebiet hinausreichende Schöpfung der Wohlfahrtspflege sind die Ferienkolonien für arme Schulkinder. Wer nur einiges Verständnis für moderne Sozialhygiene besitzt, mutz jeden Fortschritt auf diesem Gebiete freudigst begrützen. Das jüdische Ghetto mit seinen Schlupfwinkeln, in die weder ein Sonnenstrahl, noch ein frischer Lufthauch dringt, bildet das Milieu, in dem viele Tausende junger Menschenblümlein in den ersten Daseinsjahren geknickt werden. — Blutarmut, Skrophulose, Erkrankungen des Herzens und die Tuberkulose in ihren verschiedenen Abarten sind nur zu häufige Gäste im jüdischen Armenviertel, wo sie in manchen Familien geradezu verheerend wirken. Der seit 25 Jahren in Lemberg bestehende Verein jüdischer Ferienkolonien hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach Matzgabe der aufgebrachten Mittel die ärmsten dieser armen Wesen für einige Sommerwochen zn günstigere Daseinsbedingungen zu versetzen, ihnen einen gesunden Landaufenthalt bei guter Pflege zu bieten, um sie so für den schweren Lebenskampf widerstandsfähiger zu gestalten. — Die Notwendigkeit, von Jahr zu Jahr nach einem provisorischen, weniger als entsprechenden Heim Umschau hallen zu müssen, hemmte den normalen Entwicklungsgang des Vereines, der heute an 120 Kinder. (60 Mädchen und 60 Knaben) in die Ferienkolonie entsendet. : . y Dr. Adolf Lilien, der nunmehrige Vorsitzende des Vereines, mutz bei all seiner Bescheidenheit in erster Reihe das Verdienst in Anspruch nehmen, durch seine Umsicht, Energie und Opferwilligkeit zur Beseitigung dieses Uebelstandes beigetragen zu haben. Nachdem er durch sein tatkräftiges Eingreifen die zerrütteten Finanzen des Vereines konsolidiert hatte, ging er an die schwere Aufgabe, der jüdischen Äugend ein Ferienheim zu schaffen. Diese Aufgabe ist ihm in kurzer Zeit glänzend gelungen und es mag als erfreuliches Zeichen gelten, datz die Verdienste des Vorsitzenden bei jedermann, also auch bei politischen Gegnern, wärmste Anerkennung finden. Dank seiner erfolgreichen Fürsprache widmeten der Gemeinderat der Stadt Lemberg eine Subvention in der Höhe von 10 000 Kronen, die Lemberger Kultusgemeinde eine Subvention von 4000 Kronen. — Baumaterialien und Einrichtungsstücke wurden zum Teile unentgeltlich gespendet. — Der herrlich gelegene, waldumsäumte Baugrund, von dem aus sich ein schöner Ausblick auf das Beskidengebirge bietet, ist eine Schenkung der Barone Grödel, Besitzer der Herrschaft Skole. r— Als sich noch ein edler Stifter in der Person des Herrn Äosef Ehrlich fand, der für das Ferienheim den ansehnlichen Betrag von 10 000 Kronen spendete, konnte der Bau nach dem vom Architekten Michael lllam in uneigennütziger Weise entworfenen Plänen in Angriff genommen werden. Der sehr stilvoll gehaltene, mit schmucken Rotziegeln gedeckte Längsbau erhebt sich in unmittelbarer Nähe der an der Bahnstrecke Stryj—Lawoczne—Budapest befindlichen Haltestelle Debina. Das Haus bietet Raum zur bequemen Beherbergung von 100 Kindern. Es enthält 4 luftige Schlafsäle, einen grotzen Speisesaal, zwei Lehrzimmer, einen Äsolierraum für Patienten, ein Badezimmer, Küchenräume und alle sonstigen Einrichtungen, alles entsprechend den modernsten Anforderungen der Hygiene, einfach aber geschmackvoll eingerichtet, wobei bemerkt sei, datz speziell die schmucken Möbel ausschlietzlich von jüdischen Handwerkern in Skole angefertigt wurden. ' ' Die Anlegung eines Spielplatzes und Gartens iist unmittelbar bevorstehend. — Um den Ännenraum führt eine geräumige Veranda, die von der Äugend bei ungünstigem Wetter benutzt werden soll. Um alle schädlichen Einflüsse der häuslichen Umgebung fernzuhalten, werden die Kinder für die Zeit ihres Aufenthaltes mit vollständiger Leibwäsche versehen, die nach erfolgter Benützung desinfektorisch gereinigt wird. Die Bauarbeiten leitete das Mitglied des Ausschusses, Herr Ulam, am Orte selbst die Herren Schwarzmann und Lipschütz. An den vorbereitenden Arbeiten hatten sich autzer dem Vorsitzenden vor allem dessen Stellvertreter, Frau Fanny Stroh und Herr Hainbach, ganz besonders! aber der Vereinskassier Religionslehrer Rubenzahl beteiligt, welch letzterer in den letzten Tagen einen an Aufopferung grenzenden Eifer bekundete. Nachdem die erste Serie der Kinder (58 Mädchen in Begleitung von 2 Lehrerinnen) entsendet worden, fand die feierliche Einweihung Sonntag den 10. Juli nach Ankunft des Mittagszuges statt. .Zu dieser Feier hatte sich teils aus Lemberg, teils aus den benachbarten Ortschaften eine sehr distinguierte Gesellschaft eingefunden. Es waren erschienen in Vertretung der Lemberger Kultusgemeinde die Herren Finanzrat Dr. Grabscheid und Samuely, vom Ausschuß des Ferienkolonienvereines der Vorsitzende Dr. Lilien mit Gemahlin, die Stellvertreter Fanny Stroh und Hainbach, der Schriftführer Bodek, Kassier Rubenzahl, Frau Vuber, die Herren Glanz, lllam und Horowitz, Bankier Chajes im Namen des Lemberger jüdischen Bürgerklubs, der Bürgermeister von Skole, Herr Mazurkiewicz, der Kultuspräses Herr KL-