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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-29 · 30 (29.7.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Vlochs Wochenschrift. Seite SOS Ritter von Brill, wurde in diesem Friedhofe begraben. Die meisten Grabinschriften sind hebräisch, deutsch, und nur die Gräber einzelner Honoratioren wurden auch mit ungarischen Inschriften versehen. Bei den Exhumierungen werden mitunter interessante Wahrnehmungen gemacht. So stieß man vor einigen Monaten auf eine Leiche, die fast ganz unversehrt war. Bei einer Frauenleiche kamen ein Seidentuch und verdorrte Blumen zum Vorschein. Die dortige Erdschichte ist stark kalkhaltig und so war es möglich, daß viele Leichen konserviert blieben. Die Pester Chewra Kadischa ließ die meisten Grabinschriften, welche zumeist poetischen Inhaltes sind, kopieren und wird von bewährter Feder die Geschichte des Waizner Friedhofes, welcher mit der Entwicklungsgeschichte der Pester Iudenschaft eng verknüpft ist, schreiben lassen. Korrespondenzen Kaiser!. Rat Salomon Pollak. Aus Bielitz wird uns geschrieben: Am 21. Juli d. I. feierte Herr Kaisers. Rat Salomon Pollak seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar wurde am 21. Juli 1840 in Waag-Neustndtl im Komitat Neutra als der Sohn des Isaak und der Regina ^Pollak geboren. Nach Absolvierung der heimatlichen schulen ging er nach Preßburg und bald darauf nach Wien und besuchte hier die Oberrealschule, später als außerordentlicher Hörer die kommerzielle Abteilung der Technik. Nach Vollendung seiner Studien trat er in Wien in ein Geschäft ein, wo er reiche Erfahrung durch nimmermüden Fleiß und große Ausdauer erwarb. Im Jahre 1860 ging er nach Bielitz, wo er ein eigenes Wollgeschäft begründete. Am 9. Juli 1867 vermählte er sich in Troppau mit Frl. Resi Kunewälder aus Iägerndorf. Dem Ehebunde entsprossen 10 Kinder, von welchen 3 im frühen Kindesalter starben. Trotz der großen geschäftlichen Tätigkeit und der mancherlei Sorgen um die Familie hat Herr Pollak nie aufgehört, sich am öffentlichen Leben unserer Stadt zu beteiligen und seine Zeit, seine Kenntnisse und seine reiche Erfahrung gern und willig in den Dienst seiner Mitbürger zu stellen. Seit über 30 Jahren übt er das verantwortliche Amt eines Zensors der Oesterr.-Ung. Bank aus und dem Präsidium der Eskompte- und Wechslerbank gehört er seit der Gründung derselben an. Von 1890 bis 1898 war er in der Direktion der Sparkasse Vorstand-Stellvertreter und von da ab Direktor. Im Jahre 1888 wird er durch das Vertrauen seiner Mitbürger in den Gemeinderat berufen, wo ihm die Finanzangelegenheiten der Stadt zum Referate zugewiesen werden und wo er als Obmann der Finanzsektion mancherlei Sorgen auf sich nimmt und eine außerordentliche Tätigkeit entfaltet, denn die Aufnahme der Darlehen bei den Kreditinstituten für die verschiedenen Bauten und die Aebernahme der Gasanstalt erforderte nicht nur große Sachkenntnis, sondern auch häufige persönliche Interventionen. Trotz dieser umfassenden Arbeiten findet er noch Zeit, in dem Baukomitee für die Erbauung der Sparkasse, der Zennerbergschule, der Infanteriekaserne, der Wasserleitung, des Spitals, der Mittelschulturnhalle, des Theaters usw. mitzuwirken. Als Mitglied des Orts- und Bezirksschulrates läßt er sich die Förderung des Schulwesens jederzeit angelegen sein und die Gründung des Mädchenlyzeums und der städt. Lehrerinnenbildungsanstalt ist eng mit seinem Namen verknüpft. Im Jahre 1894/95 wurde die elektrische Kleinbahn nach dem Zigeunerwald erbaut und im Dezember 1895 eröffnet. Herr Pollak übernimmt die Präsidentschaft der Bahngesellschaft und im Laufe der Jahre gelingt es ihm, das anfangs passive in ein aktives Unternehmen umzuwandeln. Trotz dieser vielen Arbeit blieb ihm noch Zeit übrige sich auch den Angelegenheiten der israel. Kultusgemeinde zu widmen und auch hier hat er eine ganze und gründliche Arbeit geleistet. Das Vertrauen seiner Glaubensgenossen berief ihn 1870 in den Kultusvorstand und später wurde ihm die Präsidentenwürde der Gemeinde übertragen, die er bis heute zum Segen der Gemeinde inne hat. Der Bau der israel. Schule in der Giselastratze, der Tempelbau, die Zeremonienhalle am Friedhof in Aleranderfeld, die Chewra Kadischa, deren Obmann er war, die Erbauung des israel. Gemeindehauses, die Gründung der israel. Wohltätigkeitsvereine usw., der Allg. österr. isr. Bund, dessen einflußreiches Mitglied der Jubilar ist. sie alle wissen von seinem nimmermüden Wirken für seine Glaubensgenossen zu erzählen. Schon am Vorabend wurde dem Jubilar eine solenne Ehrung zuteil. Ein prächtiger Fackelzug bewegte sich abends 8 Uhr zur Villa des Gefeierten. Die Kolonisten des Zigeunerwaldes waren es. die es sich nicht nehmen ließen, ihrem Mitkolonisten zu huldigen und ihn ihrer aufrichtigen Verehrung zu versichern. In beredten Worten gab Herr Dr. Stekel den Gefühlen der Freude der Kolonisten Ausdruck und entbot dem Jubilar die Glückwünsche derselben, die durch brausende Hochrufe zeigten, daß ihnen der Redner aus dem Herzen gesprochen. Am Iubeltage selbst brachte als erster Herr Vizepräsident Tugendhat namens der israelitischen Kultusgemeinde die Glückwünsche dar, indem er den Jubilar in innig empfundenen Worten als Arbeiter. Mensch und Freund feierte und ihm als äusseres Zeichen der dankbaren Anerkennung der Gemeinde einen großen silbernen Prachtpokal überreichte, auf dem nebst den Initialen des Jubilars der Tempel sowie eine Widmung in erhabener künstlerischer Arbeit angebracht ist. Herr Ignaz Neu mann gratulierte namens der Chewra Kadischa. während Herr Schmelz namens derselben eine Adresse überreichte, die u. a. die folgende Stelle enthält: ..Dankbaren Herzens und in unwandelbarer Anhänglichkeit zu unserem wackeren Führer wollen wir stets seiner unvergänglichen Verdienste eingedenk sein, die er sich im Laufe einer Generation um die Hebung unseres Vereines erworben und insbesondere in dem eifrigen Bestreben. diese mustergiltigr und fromme Institution nicht nur den modernen Zeitbedürfnissen anzupassen, sondern vor allem sie auf dem Boden des traditionellen jüdischen Ritus auszugestalten und zu erhalten." Herr Lehrer E. Kellner gratulierte namens des Lehrkörpers der Schule in der Giselastraße, Herr M. Träger namens der Bialaer israelitischen Schwesterngemeinde. Herr Bürgermeister Hoffmann pries Herrn Pollak als das Sinnbild aller Bürgertugenden und gab seiner Freude Ausdruck, dem Jubilar als Zeichen -er äußeren Anerkennung das künstlerisch ausgeführte Ehrenbürgerdiplom der Stadt Bielitz überreichen zu können. Weiters sprachen namens des evangelischen Presbyteriums Herr Kurator B a t h e l t, der katholischen Pfarrgemeinde Herr Obmann Alscher, namens der Feuerwehr, die in dem Jubilar stets einen warmen Förderer ihrer Interessen hat, Hr. Kommandant Richter, namens des Schützenvereines Hr. Geyer, namens des Verwaltungsrates der Elektrischen Herr Bürgermeister Hoffmann, namens der Beamtenschaft Herr Betriebsleiter P e s ch k e. Aufsichtsrat und Angestellte widmeten dem Präsidenten überdies eine Adresse.

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