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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-29 · 30 (29.7.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 502 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 30 der jüdischen Volksmusik zu veranstalten. Die jüdischen Lieder werden von dem bekannten russischen Opernsänger Medwedjew vorgetragen, worauf dann ein Referat über die Volksmusik erstattet wird. An der Exkursion beteiligen sich die bedeutendsten Künstler und Künstlerinnen Rußlands. Die ersten Versuche in Petersburg waren sehr erfolgreich und fanden sowohl beim russischen Publikum, wie auch in der Presse allgemeinen Anklang. Eine der Hauptarbeiten der Gesellschaft für jüdische Volksmusik besteht jedoch in der sorgfältigen Sammlung und künstlerischen Bearbeitung jüdischer Volkslieder. Vor einiger Zeit erschien die erste Serie der gesammelten jüdischen Volkslieder. Der Sitz der Gesellschaft befindet sich in St. Petersburg, Nikoljewskaja Nr. 12/23. Jüdische Auswanderung im Monate Mai. Im Monate Mai sind 3481 jüdische Emigranten in Newyork gelandet. Von diesen kamen aus: Rutzland .... 1946 Oesterreich .... 803 Ungarn .... 210 England . . ... 198 Rumänien .... 97 usw. Von den Eingewanderten blieben 2668 in Newyork, während der Rest sich auf die verschiedenen Staaten der nordamerikanischen Republik verteilte. Im Mai des Vorjahres wandelten 5018 Juden via Newyork in Amerika ein. Ausgezeichneter Musiker. Der berühmte jüdische Pianist Rosenwasser, der unter dem Pseudonym „Sarema" bekannt ist, hatte dieser Tage die russische Hofopernsängerin bei der Hoftafel in Zarskoje-Selo am Klavier begleitet und mit seinem Spiele so 'sehr den Beifall der Hofgesellschaft hervorgerufen, daß der Kaiser von Rutzland sich veranlaßt Iah, dem Künstler als Andenken eine wertvolle goldene Uhr, mit dem russischen Adler verziert, zu schenken. Wandernde Tote. Aus Budapest wird uns berichtet: In einigen Wochen wird der älteste Pester jüdische Friedhof, der sogen, „alte Waizner Friedhof", von der Bildfläche verschwinden. Inmitten des pulsierenden Lebens, zwischen Fabriksgebäuden und Mietkasernen befindet sich der genannte Friedhof, in welchem seit dem Jahre 1874 keine Leichen mehr bestattet werden und der nunmehr bis spätestens im Oktober d. I. der Hauptstadt als Grundeigentümerin übergeben werden mutz. Der Waizner Friedhof wurde laut den Originaldokumenten, welche in der Pester „Ehewra Kadischa" aufbewahrt werden, im Jahre 1808, also vor nunmehr 102 Jahren, der Pester Iudenschaft zur Verfügung gestellt. Der älteste Pester Friedhof befand sich in der Gegend der heutigen Ferdinandsbrücke. Er wurde im Jahre 1780 vom Pester Magistrat der Pester jüdischen Gemeinde überlassen. Früher gab es auf dem Pester Gebiete keine jüdischen Friedhöfe. In Pest durften sich bis zum Jahre 1780 Juden überhaupt nicht ansiedeln. Aber auf dem rechtsuferigen Gebiete in Ofen und Alt-Ofen gab es schon viele Jahrhunderte früher jüdische Ansiedlungen und demgemätz auch jüdische Friedhöfe. In Ofen hat es schon vor zumindest 800 Jahren einen jüdischen Friedhof gegeben. Als die jetzige königliche Burg erbaut wurde, fand man auf der Christinenstädter Seite bei den Fundamentierungsarbeiten Grabsteine mit jüdischen Inschriften, welche aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammten. Diese alten Funde wurden seinerzeit dem ungarischen Nationalmuseum zum Geschenk gemacht. Der erste Pester jüdische Friedhof befand sich, wie erwähnt, in der Gegend der heutigen Podmanitzkygasse, nächst der Waiznerstratze, und als dieser Gottesacker überfüllt war, schloß der Vorstand der Pester Chewra Kadischa mit dem Pester Magistrate einen Kaufvertrag, laut welchem die königliche Freistadt Pest der Iudenschaft einen anderen auf der Waiznerstratze befindlichen Grund für Fl. 2100.— überlätzt. In dem Kaufvertrag wird betont, daß die Pester Stadtgemeinde zwar verpflichtet wäre, den Grund für Vegräbniszwecke unentgeltlich zü überlassen, aber da, nach jüdisch-religiöser Vorschrift, die Juden nur in eigener Erde begraben werden dürfen, wurde das Grundstück als unveräußerlicher Besitz von der Chewra Kadischa angekauft mit der Beifügung, datz das Grundstück für immerwährende Zeiten der Pester Iudenschaft gehört. Im Anfänge des vorigen Jahrhunderts siedelten sich um Pest sehr viele Juden an und nach kaum 20 Jahren war der Waizner Friedhof überfüllt. Die Pester Chewra Kadischa suchte deshalb bei der Stadtgemeinde an, datz die Friedhofserde mit einer zumindest zwei Meter hohen Erdschichte bedeckt werde, damit über den bereits bestehenden Gräbern neue Grabschichten geschaffen werden können. Die Stadlgemeinde kam diesem Ansuchen nur unter der Bedingung nach, datz die jüdische Gemeinde auf das Eigentumsrecht über den Friedhofsgrund verzichte. Im Jahre 1831 wurde ein in diesem Sinne verfaßter Vertrag auch tatsächlich abgeschlossen. Seit einer langen Reihe von Jahren fordert die Hauptstadt, daß die Chewra Kadischa den Grund des Waizner Friedhofes, der heute einen Wert von zumindest IV2 Millionen Kronen repräsentiert, der Stadt übergebe. In diesem Jahre ist nun die Frist der llebergabe endgültig abgrlaufen und die Chewra sah sich genötigt, an die Ueberlebenden die Aufforderung zu richten, daß sie für die Exhumierung ihrer Angehörigen Sorge tragen mögen, da sonst die Toten exhumiert und in einem gemeinsamen Grabe bestattet werden würden. Mit diesen Exhumierungen wurde nun begonnen, da die Arbeiten bis Oktober d. I. beendet sein müssen. Die Chewra erhielt jetzt von der Hauptstadt anschließend an den jetzigen Friedhof ein großes Grundstück, wo fast ausschließlich die Gebeine der Exhumierten ruhen werden. Nur die irdischen Ueberreste der hervorragenden Persönlichkeiten erhalten besondere Gräber. Der Waizner Friedhof ist zwischen Fabriksgebäuden eingekeilt. In diesem Friedhöfe befinden sich dicht nebeneinander gelagert 7800 Grabstätten mit ebensovielen Grabsteinen. Insgesamt wurden dort innerhalb 66 Jahren ungefähr 52 000 Tote begraben. Die meisten Grabsteine sind verwittert und die Inschriften unleserlich: aber es befinden sich dort auch noch gut erhaltene monumentale Grabdenkmäler. Da erblickt man die Grabstätten der gewesenen Pester Rabbiner Schwab und Meisel. Letzterer ist im Jahre 1868 in der Synagoge während einer Predigt plötzlich gestorben. Dort liegen auch die Vorfahren der noch heute in Budapest existierenden jüdischen Familien Hollitscher, Wolfgang Hollitscher, der im Jahre 1860, noch vor der Emanzipation der Juden, Gemeinderat der Stadt Pest gewesen ist. In einem Massengrab ruhen die im 1848 er Freiheitskampfe gefallenen jüdischen Honveds und auf einer Anhöhe ist ein Denkmal errichtet, als Andenken an die Cholera im Jahre 1866, welche viele Hunderte Pester Juden weggerafft hatte. Ein einziger jüdischer Adeliger, Paul

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