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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-22 · 29 (22.7.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr 29 Seite 493 Dr. Vlochs Wochenschrift. seinem Sohn können wir den Namen Wahl feststellen. Majer Wahl, Sauls Sohn, ist Rabbiner von Brzesc Litewski und Obmann und Begründer der separaten Organisation der Juden Lithauens (Lithauens Länder- Synode). Saul allein wird in den Akten nur mit des Vaters Namen: Iudycz — Sohn Judas — genannt. Die Katzenellenbo gen waren eine bedeutende Familie. Ihr Ahnherr Juda Menz 'kam im Jahre 1469 aus Mainz nach Padua und fand hier als Rabbiner Aufnahme?) Der Großvater Sauls: Men Katzenellenbogen (Sohn Jsaak's) ging aus Katzenellenbogen im Nassau 'scheu nach Polen, um dort zu studieren. Von dort kam er nach Padua in die I e s ch i b a des Juda Menz (Minz-Meinz) und heiratete dort die Enkelin seines Lehrers Chana. Ihr Vater Abraham Ha-Lewy Menz war Rabbiner in Padua; nach dem Tode des Schwiegervaters übernahm Me'i'r das Rabbinat und verwaltete es bis zu seinem im Jahre 1565 erfolgten Ableben?o) Ihm folgte im Amte sein Sohn Samuel Juda, ehemaliger Rabbiner in Venedig, und bekleidete es bis zu seinem im Jahre 1597 erfolgten Tode. Samuel Juda war ein bedeutender Talmudist: wie sein Vater, war auch er Verfasser mehrerer talmudischer Werke und bildete während seines langen Lebens viele Schüler aus. Von den bedeutendsten sind zu nennen: Elia Kapsali, Jakob Heilprin, nachmaliger Rabbiner in Padua, Abtalion aus Konsili, der das Bild seines Lehrers im Schulzimmer aufhängte, die Brüder Jakob und Jekutiel Rappoport usw. Der Sohn Samuel Judas Saul ging von Italien nach Polen (Lithauen). wie es scheint um zu studieren und lieh sich in Brzesc Litewski nieder. Hier heiratete er die Tochter des angesehenen Bürgers und Gemeindehauptes Dawid Drucker und hatte mit der Frau (Debora) elf Kinder, von denen der Sohn Meir Wahl das Rabbinat in Brzesc Litewski übernahm.^) Saul ist der Held der Königslegende und ein Rätsel für die Forscher der Geschichte Polens. Womit beschäftigte sich Saul, wo lag sein großer Einfluß? „Er heiratete — schreibt Bloch — ließ sich in Brzesc nieder und hielt daselbst talmudische Vorträge, bis er eines schönen Tages den Talmudfolianten zuklappte, seine Schüler entließ, um — wir wissen nicht und erfahren nicht, was er begonnen und getrieben. Hier klafft eine Lücke, welche später die Phantasie wobl reizen mußte, zumal wir aus sicherer Quelle hören, daß er große Reichtümer erwarb usw." Und da schon einmal der Phantasie Tür und Tor offen stand, betrat auch Bloch diesen Weg und kalkuliert folgendermaßen: „Daß er etwa Arzt gewesen, ist völlig ausgeschlossen, aber ebensowenig ist eine Spur davon zu entdecken, daß er auf irgend einem Gebiete der hohen Finance Besonderes geleistet habe, ja überhaupt tätig gewesen wäre."^) Daraus zieht Bloch den Schluß, „daß Saul Wahl vom Fürsten Radziwill als politischer Berater und Agent benützt rourbe.13) Der Schluß Philip Bloch's ist unrichtig, denn wir erfahren keine Silbe von der politischen Tätigkeit Sauls, auch geben uns die Quellen keinen Aufschluß *9 Graetz: Geschichte VIII 281. 10) Eisenstadt: Daat Kdoschim (anrmp njn) S. 82 ff. Der ganze Stammbaum der Familie Katzenellenbogen und Katzenellenpogen S. 82—135. Ueberdies vide: Bloch l. c. S. 24?. ") E i s e n st a d t l. c. S. 83—86. ia) Block l. c. 250. ") Bloch l. c. 251. über sein Verhältnis zum Fürsten Radziwill „Panie Kochanku". Auf zwei andere Dinge dagegen weisen die Quellen hin, auf die Finanztätigkeit Sauls und seine Intervention beim König zum Wohl seiner Glaubensgenossen. Leider ist das uns zugängliche Aktenmaterial sehr knapp, da die Archive von Brzesc Litewski noch sehr wenig Bis heute benützt wurden, einiges hat schon Verschadzki in der oben angeführten Broschüre verwertet. Saul Iudycz ist Kaufmann im großen Stil, seine Hauptbeschäftigung bilden Pachtungen von Staatseinnahmen, Zöllen. Mauten und Brücken. Die meisten reichen Juden in Polen und Lithauen tun dasselbe. Schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts war ein Jude Generalpächter aller Zölle und Staatseinkommen. Es war Michael Esophowicz. der Bruder des getauften Finanzministers Abrahams Esophowicz. Er blieb Jude und wurde trotzdem im Jahre 1525 von König Sigismund I. zum Ritter geschlagen. Er ist auch der einzige geadelte Jude in Polen und Lithauen. Solche Zollpächter gab es noch früher. König Ladislaus Jagiello (1387—1434) hatte seinen Hoffaktor und Zollpächter Wolczko, einen Juden in Lembergll) und gleichzeitig mit Saul lebte in Lemberg der uns bekannte Isaak Nachmanowicz?-') Somit bildet Saul keine Ausnahme und seine Geschäfte sind ganz normal und alltäglich. Im Jahre 1578 (17. Mai) .waren in Lithauen die Salzsiedereien wieder eingeführt: — das ganze Geschäft pachtet bei der Regierung Saul Iudycz. Die Siederei befand sich in Kodno, von wo das Salz in Fässern nach Krakau transportiert und im Weichsslhafen verladen wurde. Der Pächter zahlte für den „Last" Salz 20 Gulden und erhielt in Krakau 1 Gulden pro Faß?o) Das Geschäft hält Saul nur zwei Jahre, denn die Akta enthalten einen Vertrag aus dem Jahre 1580 (20. März), in dem der Staat die Salzsiederei in Kodno an die Juden von Brzesc Litewski: Tobias B ogd anowicz, Lazar Abromowicz und Lipmann Schmerlew icz, unter denselben Bedingungen „wie sie der Jude Saul gehabt" verpachtet?') Das zweite Geschäft Sauls bildet die Pachtung sämtlicher Einkünfte der Starostei zu Brzesc und zwar des Brückenzolls, des Fischens, der Mühlen und der ganzen Branntwein- und Bier-Propination. In dem Pachtdekret vom 11. Februar 1588 schreibt der König Sigismund III. wie folgt: „Auf Empfehlung einiger Großherren, die die Ehrlichkeit des Juden von Brzesc Saul Iudycz gerühmt, da er während der glorreichen Regierung unserer Vorgänger durch seinen Witz und seine Fähigkeit oftmals dem Staate in Zoll- und Mautsachen viel eingetragen hat. . . . übertragen wir ihm auf 10 Jahre die Einnahmen des Schlosses zu Brzesc usw." IS) Aus einem Dokument aus dem I. 1589 (1. Mai) 19). erfahren wir, daß er zu all' diesen Geschäften einen Kompagnon E z o f (Joseph) gehabt hat. Das betreffende Dokument rührt von einem Prozeß der beiden Pächter mit dem Bischof von Luck her, der die Jurisdiktion über ein Stadtviertel in Brzesc ausübte und dir Pächter in der Ausübung ihrer Rechte störte. Die großen Pachtungen Sauls brachten ihn dem 14) Balab an: Wolccko Hoffaktor Jagiello's (poln.). Hiflor. Vierteljahrschrift, Lemberg 1910. Heft 3—4. ") Sieh' Skizze I: Isaak Nachmanowicz. 4°) Berßadzkibei Nußbaum. Historya Zydöw Bd. V. S. 189. 17) Akten der Wilnaer Kommission Bd. III, 304 (Russisch) in den Regesten. R e g e st y i N a d p i s y. St. Petersburg 1899. Bd. I, Nr. 614. 18) Kronmatrikel Lithauens 79, 282 (bei Berschadzki). ") Akten der Wilnaer Kommission. Bd. 28, Nr. 34, S. 23 Wilna 190l.

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