Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 29 (22.7.1910)
- Date
- 1910-07-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite -191 dern die Staatsschulen frei und offen stehen" — meint Herr Abr. Stern, Direktor der Volks- und Bürgerschule der jüd. Gemeinde Pests — „kann die jüdischen Lehrer nicht befriedigen. Nie und nimmer wird die Staatsschule in sittlich-religiöser Beziehung dem jüd. Kinde das bieten, was ihm seine Schule, die jüdisch-konfessionelle, bietet. Es liegt ja auch, abseits ihrer Aufgabe". Der Generalredner Adolf Szabo aus Jaszbereny wies mit authentischen statistischen Daten nach, was die jüdische Volksschule für die nationale Kultur geleistet und dah sie durch das Apponyische Gesetz lahmgelegt wurde, wenn nicht die jüdischen Gemeinden, ja alle Juden Ungarns überhaupt, Opfer zur Erhaltung ihrer Schulen bringen wollten. Und wie Honigseim träufelt es von den Lippen des Oberrabbiners Dr. Sani. Kohn, der an der Hand der jüdischen Geschichte nachwies, daß die Erhaltung des Judentums in erster Reihe der jüdischen Schule zu verdanken ist. In diesem Sinne sprach auch Dr. M. Stiller im Namen der Pester isr. Gemeinde, dies hob auch der gediegene Redner Oberrabbiner Dr. Hevesi hervor, der die anwesenden, von allen Enden des Landes zugeströmten Lehrer aneiferte und anspornte, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Recht der jüdischkonfessionellen Schule zu wahren, und er selber stimmt nicht nur mit seinem Votum dem Anträge bei. das; ein jüdischer Schulverein gegründet werde, dessen alleinige Aufgabe die Unterstützung, beziehungsweise die Erhaltung, ja sogar Gründung jüdisch-konfessioneller Volksschulen sei. sondern er will mit Rat und Tat an dem Zustandekommen des jüd. Schulvereins Mitwirken. Es waren nahezu sechshundert Lehrer anwesend und einhellig. einstimmig wurde der Antrag zum Beschluß erhoben. Auch nach unserer Auffassung stehen zwei Tatsachen felsenfest: 1. Ohne beträchtliche Eeldopfer kann die jüdisch-konfessionelle Schule nicht bestehen. 2. Sowohl der Kultur, als auch der magyarischen Nationalität wird durch Auflassung einer jüdischen Schule ein ansehnlicher Schaden zugefügt. Die jüdische Schule nahm und nimmt ihren Lehrer aus der isr. Landeslehrerpräparandie, wo die ungarische Sprache intensiv und mit bestem Erfolg gepflegt wird: kommt nun ein solcher Lehrer nach Oberungarn, wo die slavische Sprache vorherrscht, oder in den südöstlichen Teil des Landes, wo die rumänische Sprache verbreitet ist, er magyarisiert die jüdischen Binder, weil er alle Lehrgegenstände, Religions- und Sittenlehre mitinbegriffen, in ungarischer Sprache unterrichtet. Sowohl seine Befähigung, als auch äußere und innere Zustände seiner Schule ermöglichen, ja erleichtern es dem jüdischen Lehrer, daß er seine Schüler zu tüchtigen Magyaren heranbilde. Das kann die Staatsschule nicht leisten. Warum nicht? Das brauche ich dem ungar. Kultus- und Unterrichtsministerium nicht auseinander zu setzen. Wer also die Gründung eines jüdischen Schulvereins auch nur vom kulturellen und nationalen Gesichtswinkel aus betrachtet, muß dieser Bewegung lobend zustimmen, und sollte auch von Seiten der liberalen Christen ohne Bedenken unterstützt werden. Budapest. Josef Schöm Der neue Präsident des französischen Konsistoriums. Aus Paris wird gemeldet: Baron Edmund Rothschild hat seine Stelle als Präsident des Zentralkomitees der französischen Juden niedergelegt. An dessen Stelle wurde sein Neffe, Baron Eduard de Rothschild, ein Sohn des verstorbenen Barons Alphonso Rothschild, gewählt. Freiheitsfeier mit Judenverfolgung. Dem Krakauer „Tag" wird aus Buenos-Aires geschrieben: Die argentinische Republik hat ihr 100-jähriges Jubiläum gefeiert.... Drei Jahre hat die Regierung sich zu diesem Feste vorbereitet. Die Manifestationen haben schwere Millionen gekostet, die das Volk wird bezahlen müssen. Und diese teure, luxuriöse Parade endete mit einem regelrechten Pogrom im jüdischen Viertel von Buenos-Aires. Und dieser Pogrom wurde nicht etwa von unwissenden Arbeitern, nicht vom Gassenpöbel veranstaltet, sondern von den Trägern der argentinischen Kultur, den Lehrern und Wegweisern auf dem Wege zur Zivilisation: von der akademischen Jugend! Die Akademiker von Buenos-Aires halten zu Ehren des Centenariums einen Manifestationszug durch die Straßen der Stadt veranstaltet. Patriotische und studentische Lieder singend zogen sie durch die Straßen und Gassen, bis sie zuni Iudenoiertel kamen, wo dann die „goldene argentinische Jugend" unter ohrenbetäubendem Lärm die Fenster zertrümmerte, in die Iudenhäuser eindrang, dort Alles kleinschlug, die Insassen insultierte, und selbst vor Plünderungen nicht zurückschrak. ^Also ganz nach Muster der russischen Huligans. Und die Polizei? Auch diese benahm sich russisch: sie schritt erst ein, nachdem die jungen Herren die Zerstörung vollbracht hatten. Wie der Berichterstatter des genannten Blattes weiter berichtet, bemüht sich jetzt die Regierung den Schaden dadurch gut zu machen, daß sie die Beschädigten auffordert, den Schaden namhaft zu machen. Vermischtes. Wien. (Auszeichnung eines Journalisten.) Nach einer amtlichen Verlautbarung der „Wiener-Zeitung" hat Se. Majestät der Kaiser dem Redakteur des „Fremden-Blatt" in Wien. Regierungsrate Wilhelm Neumann den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse taxfrei verliehen. Es ist dies bereits die dritte Auszeichnung, die Herrn Regierungsrat Neumann zuteil wird, da ihm schon früher das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens und der Titel eines k. k. Regierungsrates verliehen worden sind. Professor Löwith. Der Kaiser hat dem Maler Professor Wilhelm Löwith in München in Anerkennung seiner bedeutenden Verdienste um das Zustandekommen und Gelingen der vorjährigen großen deutschen Kunstausstellung im Wiener Künstlerhause, als deren Präsident Professor Löwith fungierte. den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse verliehen. Der Künstler ist rin geborener Oesterreicher und hat einen Teil seiner Studien an der Wiener Akademie absolviert, ehe er sie in München unter Lindenschmidt erfolgreich beendigte. Professor Löwith erfreut sich in München wie in Wien in Kollegenkreisen auch wegen seiner persönlichen Liebenswürdigkeit allgemeinster Wertschätzung. Wien. (Ludwig August Frankl-Denkmal.) Die Teilnehmer an dem 13. Blindenlehrerkongreffe in Wien, welcher vom 25. bis 30. d. stattfindet, die auch das Israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte, um dessen Einrichtungen kennen zu lernen, besuchen werden, finden im Vorgarten ein vor wenigen Tagen aufgerichtetes Denkmal, welches die"Jnschrift trägt: „Dem deutschen Dichter, dem Vater der Blinden Ludwig August Frankl R. v. Hochwart, errichtet zu seinem 100. Geburtstag. 3. Februar 1910". Ludwig August Frankl hat fich das Verdienst erworben, das Israelitische Blindeninstitut, welchem Freiherr Jonas v. Königswarter ein wohleingerichtetes Haus und einen großen Garten widmete, ins Leben gerufen und im Verein mit dem Direktor des k. k. Blindeninstituts Mathias Pablafek die Institution der Blindenlehrerkongresse geschaffen zu haben.