Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 29 (22.7.1910)
- Date
- 1910-07-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. L9 Seite 488 Korrespondenzen Baurat WilhelmZStiaßny. Die außerordentliche Beliebtheit, Hochachtung und Verehrung, deren sich Baurat S t i a ß n y in den weitesten Kreisen erfreute, dolumentierten sich denn auch im reichsten Maße durch die große Beteiligung am Leichenbegängnisse, das Donnerstag den 14. d. M. von der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes aus stat!- fand. In der überaus zahlreichen Trauerversammlung waren zu bemerken: der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem VizrPräsidenten Hofrat Dr. B. R a p p a p o r t, die Vorstandsmitglieder Dr. Breuer, Dr. Leopold K o h n, Moriz Edler v. K u f f n e r , Dr. Artur K u r a n d a, Prof. Dr. E h r m a n n, Adolf Schrämet, Dr. M. Spitzer und S. Steiner und der Sekretär Dr. Emil Adler, die Mitglieder des Bcthausvorstandes Theodor K o h n, Dr. Elias Münz, S. A. Wasservogel und kais. Rat Jg. Wilhelm, Prof. S u l z e r, Vizebürgermeister Hierhammer, Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler, der ehemalige Reichsrats- und Landtagsabgeordnete Konstantin N o s k e, der englische Botschafts- Pfarrer Rev. William H. H e ch l e r, die Universitätsprofesforen Hofrat Dr. Schauta, Hofrat Prof. Dr. Oser, Dr. Benedikt, von der Technik Hofrat S ch o e n mit den Architekten K i r t t n e r, K r o n e s und W e g e l e, die Gcmeinderäte Dr. v. D o r n, E d e r, Dr. Hein, Hohensinner, Melcher, Dr. Mittler und Josef Stein, der ehemalige Gemeinderat A l l m e d e r, die Vorstandsmitglieder der Armenanstalt Josef Jelinek und Julius Wolf, die kais. Räte Arnold Fröhlich, Johann Lichten st ad t, Saborsky und N. S ch e f f t e l, Kommerzialrat Alfred P o l l a k Ritter v. R u d i n, der Präsident der türkisch-israelitischen Gemeinde A d u t t, Obmannstellvertretec des Bethausvereines „Beth Israel" Jg. I o l l e s, die Direktoren Max Fischer vou der Kinderbewahranstalt und S. H e l l e r vom Blindeninstitut, die Religionsschul-Jnspektoreu Professor Dr. M. K a n i tz und Dr. L. L a n g f e l d e r, Kustos Dr. Frankfurter, Bibliothekar Dr. B. Münz, die Bankdirektoren W. Kux und Kraus, die Rabbiner Dr. S ch m i e d l, Dr. G e l b h a u s, Dr. R e i ch und P a p o, Magistratsrat Koujakowsky, die Konsulen Hartwig und S t i a ß n y, die Advokaten Doktor Baumgarten, Doktor Schnabel, Dr. S ch o r st e i n, Dr. Adolf Stein und Dr. Geza Winter, Oberinspektor R. F. Engel, die Industriellen Emil Karpeles, Johann Kremeneczky, Karl Lemberger und Isidor v. Löti. Architekt Modern, Dr. Knöpfmacher als Präsident der humanitären Brudervereinigungen, Frau kais. Rat Hirsch, Frau Dr. G e l b h a u s als Delegierte des „Frauenhort", Deputationen vieler humanitärer, kultureller und sonstiger Wohltätigkeit?-, sowie Frauenvereine u. v. a. m. Kaiserlicher Rat Oberkantor Singer intonierte unter Asiistenz der ersten Kantoren Jurberger und M a t y a s mit Tempelchor die rituellen Trauerpsalmen, worauf Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n dem Verstorbenen folgenden tiefempfundenen Nachruf widmete: Rede des Oberrabbiners Dr. Güdemann. Wir verlieren in dem allgemein und tief Betrauerten einen der besten Menschen, Bürger und Juden Wiens. Was er seinem Berufe war, vermag ich nicht zu beurteilen, aber ich meine, daß auch in seiner Berufstätigkeit zum Ausdruck kam, was ihn in den drei erwähnten Richtungen auszeichncte. Er war im schönsten Sinne des Wortes ein Idealist. Es gehört viel Idealismus dazu, um einer der besten Menschen, noch mehr, um zumal unter den heutigen Verhältnissen einer der besten Bürger, am allermeisten, um einer der besten Juden zu sein. Der Idealismus ist aber auch der Grundzug der Baukunst, denn sie befreit den Stoff vou seiner natürlichen Schwere und Unbeholfenheit und haucht Leben und Bewegung den aus ihm geformten künstlerischen Gebilden em. Solche Gebilde hat er mehrfach geschaffen, sie werden seinen Namen rühmend verewigen, noch mehr aber ist seine Persönlichkeit ein solches Gebilde, ein np njr ps, „ein ewiger, unvergänglicher, künstlerischer Bau", an dessen Betrachtung, auch nachdem die irdische Hülle zerfallen, ein jeder sich erbauen wird. Vor allen wird diese Betrachtung der schwergeprüften edlen Gattin und dem vortrefflichen Sohne zum Tröste gereichen, denn auch seine Gatten- und Vaterliebe bewies den großen idealen Zug, der sein ganzes Leben durchdringt. Es ist derselbe Zag, der ihn zu einem begeisterten, verständnisvollen Musikfreund machte, der ihn bewog, die Gesellschaft zur Sammlung jüdischer Kunstdenkmäler zu begründen und mit bewunderungswürdigem Eifer zu fördern, der ihn aber vor allem antrieb, mit den Panieren der Glaubenstreue, der Freiheitsliebe, der Freundschaft und Humanität die Burg seines Lebens zu bekrönen. Ein solches Leben -verdient den Nachruf, den in dem dieswöchentlichen Wochenabschnitt Bileam ve:- kündet: inias ■mntf vim anw miss iran „Es sterbe meine Seele den Tod der Frommen und es sei mein Ende dem seinen gleich." Er ziehe hin in Frieden! Hierauf hielt der Präsident der Kultusgemeinde, Doktor Alfred Stern, die folgende Trauerrede: Rede des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Wir waren gute Kameraden, gemeinsames Streben und Wirken vereinigte uns durch ein Menfchenalter in humanitären und gemeinnützigen, in politischen und nichtpolitischen Korporationen, im Rate unserer Kultusgemeinde, im Rate unserer Vaterstadt. Wie in dem letzteren, in dem Gemeinderate der Stadt Wien, der Dahingeschiedene sein vielumfassendes, insbesondere sein berufliches und fachwiffensckaftliches Können, seine hervorragend künstlerische ideal veranlagte Persönlichkeit in den Dienst der Allgemeinheit stellte, mag von anderer Seite gewürdigt werden. Auch unserer gegenüber einer unseligen Bewegung gemeinsam geführten Kämpfe für unsere armen, verfolgten, bedrückten Glaubensbrüder will ick heute hie» an dieser Stelle nicht gedenken. An dieser Stelle des Friedens sei von mir allein und ausschließlich ein schmerzbewegtes Abschiedswort für den Vorstand unserer Kultusgemeinde dem Dahingeschiedenen gewidmet und habe ich Zeugnis abzulegen über dessen vielumfassende, segensreiche Tätigkeit im Dienste unserer Kultusgemeinde. Ein Menschenalter, dreißig Jahre, im Kultusvorstande! Welche Wandlungen haben sich innerhalb dieser Zeit ergeben. Welche neue Aufgaben sind immer und immer wieder an den Vorstand herangetreten, an deren Lösung sich der Dahingeschiedene beteiligte, mit seinem ganzen Herzen, mit voller Seele, mit all seinen Kräften, mit Sachkenntnis, mit aller Liebe und Hingebung Mochte es sich handeln um Angelegenheiten des Gottesdienstes, des Unterrichtes/ insbesondere der Wohlfahrtspflege, welch' letztere angesichts der herrschenden Strömung eine weit über die statutarische Grenze hinausreichende Fürsorge des Vorstandes für unsere armen Glaubensbrüder erheischt. Und da stellen sich dem Blicke entgegen die Anstalten, die Bauwerke, die mit ihren Steinen Lob und Preis ihrem Schöpfer sprechen. Da ist unser Krankenhaus, entstammend einer Stiftung des Hauses Rothschild, erweitert durch einen allen hygienischen Anforderungen der Neuzeit entsprechenden, herrlichen Zubau für eine gynäkologische und eine chirurgische Abteilung. Da ist das Altersversorgungshaus mit seiner gleichfalls durch eine wohltätige Stiftung erweiterten Siechenabteilung. Da ist das in künstlerischer Ausstattung prangende Merores-Stiftungshaus für verwaiste Mädchen und nun das aus Anlaß des Kaiser-Jubiläums gegründete Knabenwaisenhaus, dessen Vollendung und Eröffnung zu sehen dem Erbauer leider nicht beschicken ist. Die Steine sprechen saxa loquuntur, sie preisen und loben den Künstler, der, begeistert durch den edlen Zwcck, dem der Bau gewidmet war, sie so herrlich schön zusammengefügt hat. Als Gründer des Hilfsvereincs für Handwerker und Kleingewerbetreibende, als Vorsteher unserer altehrwürdigen Chewra- Kadischa, als Gründer eines Vereines für die Erhaltung und Aufbewahrung jüdischer Kunstgegenstände und Altertümer vereinigten sich in dem Dahingeschiedenen der edelste Wohltätigkeitssinn, Hilfsbereitschaft mit dem lebhaften Empfinden für das Schöne. Wir, die ihn gekannt, denen er nahegestanden, werden des edlen Mannes, des liebenswürdigen Kollegen gedenken, bis an unser Lebensende. Aber auch für unsere Nachkommen möge sein Bild in unserem Sitzungssaale den Bildnissen jener edlen Männer, die seit 160 und mehr Jahren in unserer Gemeinde hervorragend gewirkt, angereiht werden zur sichtbaren Erinnerung an den edlen, feinfühligen Mann, den gottbegnadeten Künstler, den ein Menschenalter hindurch unermüdlich wirkenden und schaffenden Vorsteher unserer Gemeinde, den treuen Glaubensbruder Wilhelm Stiaßnh. Sein Andenken sei gesegnet. Namens der Chewra-Kadischa und des Bethausvorstandes nahm Kultus Vorsteher Dr. Markus Spitzer mit folgenden Worten Abschied vom Verblichenen: Rede des Kultusvertreters Dr. Markus Spitzer. Hochansehnliche Trauerversammlung! Mit Herrn Baurat Wilhelm Stiaßny, an dessen Bahre wir schmerzbewegt und tief ergriffen stehen, hat ein Mann für immer die Augen geschloffen, dessen Leben erfüllt war von reichstem und herrlichstem Inhalte, der durch seine wahrhaft geniale Begabung, seine hervorragende Charaktereigenschaften, den Reichtum an Kenntnissen auf den mannigfachsten Gebieten, seine bewunderungswürdige Aufopferungsfähigkeit für das allgemeine Wohl und nicht zuletzt durch den Zauber seiner Persönlichkeit und den Adel seiner vornehmen Gesinnung hoch emporragte über das Gewöhnliche und Alltägliche und dessen Wirken und Schaffen, entströmt der unversiegbaren Quelle glühender Begeisterung für sein Volk und dessen angestammten Glauben ihm ein Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Kultusgemeinde sichert.