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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-22 · 29 (22.7.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 486 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 29 „Ich kenne keine andere dauernde jüdische Grundlage, denn ich bin überzeugt, daß die jüdische Religion eine ewige Zukunft vor sich hat." Ueber seine Ansichten über die Reformbewegungen im Judentum befragt, antwortete der Gelehrte: „Ich bin der Meinung, dah planlose Reformen dem Judentums großen Schaden zufügen müssen, wenn ich auch nicht leugnen kann, daß unsere Zeit der Orthodoxie wenig günstig ist. Ich bin ein entschiedener Gegner der Sonntagsgottesdienste. Was die konfessionellen Schulen betrifft, so bin ich im Prinzip nicht sehr eingenommen von ihnen, aber ich bin ebensowenig überzeugt, daß sie in gewissen Ländern, wie z. V. in Preußen, notwendig und sehr nützlich sind." Professor Senator nimmt an dem öffentlichen Leben der deutschen Juden sehr regen Anteil. Er gilt als einer der Führer des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" und der „Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraelite". Gin Memorandum der Jaffaer Inden. Anläßlich der Anwesenheit des türkischen Großrabbiners Haim Rahum in Jaffa überreichte eine Deputation von Vertretern der Jaffaer Judengemeinde dem Großrabbiner ein Memorandum, in welchem die Wünsche und Beschwerden der palästinensischen Juden niedergelegt sind. Das Memorandum ist ein historisch wichtiges Dokument für die Beurteilung der gegenwärtigen politischen Lage in der Türkei. Das Memorandum hat folgenden Wortlaut: „Eure Eminenz! Unser Führer und Chef! Groß war unsere Freude, als im Lande der Osmanlis die Freiheit verkündet wurde. Die Worte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit klangen in unseren Ohren wie eine göttliche Botschaft; wir hegten die glänzendsten Hoffnungen. Nur kurze Zeit noch, sagten wir uns, und wir werden sein, wie alle übrigen Bürger, nicht nur um die Steuern zu zahlen, sondern auch im Genüsse der Freiheit und aller ihrer Privilegien. Vor der Konstitution sind wir alle gleich. Und wir müssen alle teilnehmen an der Arbeit fürs Vaterland. Es ist unsere Pflicht, unsere Söhne in den Militärdienst zu schicken. Aber wir haben auch das Recht, an der lokalen Administration teilzunehmen. Wir können eines Tages, entsprechend unseren Fähigkeiten, die höchsten Stellen einnehmen, und gleich anderen Bürgern an dem Staatsdienste teilnehmen. Wir werden, so wie es die übrigen Völkerschaften dieses Landes tun, das Recht haben, für unser jüdisches Volk zu arbeiten, unseren Söhnen eine unserem Volksgeiste entsprechende Erziehung geben, unsere Sprache und Literatur fördern können. Wir waren der Meinung, daß all dies mit der Proklamierung der Konstitution werde eintreten müssen, und diese Hoffnung wurde in uns noch bestärkt, als wir erfuhren, daß Eure Eminenz zum Chef der jüdischen Nation in unserem Lande ernannt wurde. Zwei Jahre sind inzwischen vergangen und unsere Lage hat sich in diesem liberalen Lande durchaus nicht geändert. Wir erfreuen uns nicht all der Privilegien, wie die übrigen Elemente des Reiches. Wir zahlen gutwillig die Steuern und Umlagen, wir schicken unsere Söhne in den Militärdienst, wir sind bereit, uns für die Entwicklung und das Aufblühen unseres Vaterlandes zu opfern, kurz, im Geben sind wir genau so wie die übrigen Mitbürger, dagegen empfangen haben wir bisher noch nichts. Schmerzlich berührt es uns, zu sehen, welchen Begrenzungen unsere Brüder ausgesetzt sind, die aus anderen Ländern hierherkommen, um Schutz zu suchen unter der Aegide des ottomanischen Reiches oder um das Heilige Land zu besuchen. Die Schamröte überläuft uns, wenn wir sehen, daß Personen, die einem anderen Volke angehören, selbst wenn sie fremde Untertanen sind, mit Leichtigkeit hierherkommen können und daß bloß unsere Brüder der „schmachvollen.Maßnahme des „Roten Zettels" unterworfen sind. Trotz aller Schritte, die Eure Eminenz unternommen haben, besteht diese Maßregel in voller Strenge aufrecht. Die Beamten der Lokalbehörden nehmen sich die größten Insulten gegenüber den Juden heraus. Dürfen wir nun, trotzdem unsere nationalen Gefühle so tief sind, dies Alles mit Stillschweigen mitansehen? Ist es möglich, daß in einem Lande, in dem Gerechtigkeit herrscht, in einem Lande, in dem unsere Brüder für die Proklamierung der Freiheit gearbeitet haben, für uns selbst keine Gerechtigkeit zu fordern. Unsere Bürgerrechte werden mit Füßen getreten und es findet sich Niemand, der für uns intervenieren würde. Die Entscheidung des Ministers des Innern, den Juden den Bodenerwerb zu verbieten, beraubt uns aller Bürgerrechte. Hat man schon jemals Aehnliches gesehen? Haben wir noch das Recht, uns für „freie Ottomanen" zu halten, die alle Rechte wie die Uebrigen besitzen, wenn die Regierung ihr Ohr den Intriganten leiht und den Reaktionären, die ein Interesse daran haben, uns in unseren Rechten zu verkürzen? Die Haltung der Regierung gegenüber den Juden erniedrigt uns in den Augen der übrigen Elemente, und sie erblicken in uns Menschen, deren Blut straflos vergossen werden kann. Und warum sollten sie es auch nicht tun? Wenn sie sehen, wie die anderen über uns herrschen und daß wir keinen Anteil haben an der Verwaltung der Stadt und der Gemeinde. Hier in Jaffa, wo wir an der Entwicklung der Stadt arbeiten, trifft man weder in der Munizipalität, noch im Gerichtshöfe und anderen öffentlichen Aemtern auch nur einen einzigen Juden. Und wenn wir unsere Rechte fordern, werden wir immer nur vertröstet. Wir haben hier einen neuen Stadtteil geschaffen, der den Ruhm der Stadt bilden und der Regierung eine Einnahme von Tausenden von Francs zuführen wird. Diese Einnahmen sind für die Errichtung von Schulen bestimmt. Nur wir Juden allein erhalten davon auch nicht einen Centimes. Unsere Schulen genießen noch immer nicht jene Vorrechte, die ihnen in allen anderen Ländern der Welt gewährt werden, sie genießen noch immer nicht die Steuerfreiheit. Alle, die es mit uns wohl meinen, rieten unseren Glaubensgenossen, die sich in unserer Stadt befinden, ottomanische Untertanen zu werden, damit sie in den Genuß der Rechte wahrer Bürger treten. Unsere Glaubensgenossen waren noch viel früher, ehe ihnen dieser Rat erteilt wurde, bereit, Mitglieder dieses großen Reiches zu werden, für dessen Größe wir unaufhörlich beten. Das Unglück jedoch ist, daß die Lokalbehörden ihnen große Schwierigkeiten bereiten und fast alle ihre Gesuche zurückweisen. Jetzt, da wir uns die Freiheit nahmen, Eurer Eminenz einen Teil unserer Herzenswünsche vorzulegen, hoffen wir, daß Eure Eminenz unsere Rechte so lange fordern werden, bis es keinen Unterschied geben wird Zwischen uns und den übrigen Bürgern, nicht nur in Bezug auf Versprechungen, sondern auch in Bezug auf Tatsachen. Wir fassen unsere Wünsche wie folgt zusammen: 1. In jeder jüdischen Gemeinde möge ein Conseil gewählt und von der Regierung anerkannt

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