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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-15 · 28 (15.7.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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N? .28 Dr. Blochs NZochenfchrfft. ®<ite 477 Saul war bei dem hohen Adel sehr, beliebt und Gewalt nicht zu scheuen. Ein guter Freund Sauls bekam angesehen, da er überaus klug war. Der König von stunde von der feingefponnenen Intrigue und . meldete Polen war damals gestorben. Bei dem Hochadel Polens dem Vater noch in der letzten Skund^ die Gefahr, von besteht nun der Wahlmodus, datz man vorher, ehe^man welcher seine Tochter bedroht sei. Saul entschlotz sich zur Stimmabgabe schreitet, einen Tag festsetzt, an welschnell, er begab sich zu seinem Freund S o l o m o chem absolut eine gültige Wahl zu Stande kommen mutz. Schorr, Oberrabbiner von BrZesc, teilte ihm Der'Tag war erschienen, es gab grotze Meinungsvermit, was gegen ihn im Werke sei und bot ihm, der schiedenheiten, und man konnte sich über Thronkandiein Witwer und siebzig Jahre alt war, seine Tochter baten nicht einigen. Der Abend rückte heran und man sofort zur Frau an. Die Heirat wurde auf der Stelle sah, datz es nicht möglich sein würde, die gesetzliche Frist vollzogen, und — was als eine besondere göttliche Füzur Königswahl einzuhalten. Um gegen ein solches gung angesehen wurde — die ungleiche Ehe erfreute Grundgesetz nicht zu verstotzen und den Tag.denn doch sich noch des Kindersegens." ... mit einer Königswahl zu beschlietzen, kamen alle Fürsten Das ist der trockene Tert der Legende. Hierzu überein, den Saul Wahl provisorisch für diesen Tag sind unzählige Varianten, die manches Unverständliche' und die nächste Nacht zum König zu proklamieren. So erklären wollen. Hier geben wir eine, die beantworten geschah es auch. Sie huldigten Saul und riefen in will, wie Fürst Radziwill nach Padua kam. ihrer Sprache: Es lebe unser Herr und König! Die JIa Fürst Radziwill hatte eine wüste, wilde Juganze Nacht hindurch wurde ihm wie einem König begend verbracht. Vor den Einfällen seines Uebermuts gegnet, man übergab ihm das Buch, in welches jeder und den Ausbrüchen seiner Heftigkeit war niemand seiner Herrscher gesetzliche Bestimmungen nach seiner Einsicht ein- Untertanen sicher, am schwersten hatten die Juden zeichnet und verordnet, und Saul Wahl schrieb darunter zu leiden, mit. deren Leib und- Leben er ein allerlei Bestimmungen und Privilegien zu schonungsloses, grausames Spiel trieb. Als er jedoch Gunsten der Juden ein. Der andere Tag darauf in die Jahre kam, wachte plötzlich das Gewissen in ihm führte zu einer Verständigung. Saul trat zurück, und auf. Er begab sich nach Rom zum Papst, beichtete ihm man wählte den König, auf den man sich verständigt dort alle seine Schandtaten und verlangte Absolution, hatte, — ' Der Papst legte ihm die Butze auf, datz er drei Jahre II. Wie aber kam denn Saul in Polen zu solchem lang, Rang, Reichtum und Vaterland entsagend, in ärm- Ansehen und Glanz, da ja sein Vater Rabbiner in Padua lichem Gewand, einem Bettler gleich, in der Fremde um- und Venedig war? Saul wollte andere Länder sehen, herirren müsse. Der Fürst tat gewissenhaft,- wie ihm verlietz Padua und kam schlietzlich nach Brzesc, liefe sich geheitzen war, nur behielt er sein Wappenschild in kostdort nieder und heiratete die Tochter des David barer Stickerei tief verborgen unter der Bettlertracht bei. Drucker, mit der er in ziemlich dürftigen Verhält- Die Prüfungszeit neigte zum Ende, als der Fürst nach nissen lebte. Zu gleicher Zeit unternahm der Fürst Ra- Padua kam und auf einer Stufe gegenüber dem Hause dziwill, welcher nach demKönig der vornehmste Mann des Samuel Juda Katzenellenbogen sich nieim ^Reiche war, grotze Reisen, entfaltete unterwegs viel derlietz. Im selben Augenblicke trat der Rabbi ans Fen- Pracht und Aufwand, so datz er schlietzlich in arge Geldster. Der Wind spielte in den Kleidern des müden Bettverlegenheit geriet. Es widerstrebte ihm, den.fremden lers und entblötzte für eine Weile das kostbare Wappen- Landesadel in Anspruch zu nehmen, um Geld von ihm Zeichen.. Sofort durchschaute der Rabbi den Sachverzu borgen. So kam er nach Padua und wie es die halt: er tiefe den Bettler zu sich bitten und empfing Weise der polnischen Grotzen ist, ihre Geldgeschäfte durch den Eintretenden mit grotzer Ehrerbietung. Der Bett- Juden besorgen zu lassen, wandte er sich an den dorler leugnete beharrlich seine vornehme Herkunft, erst als tigen Rabbiner Samuel Juda Katzenellenboder Rabbi in ihn drang und schlietzlich drohte, ihn entge.n, entdeckte sich ihm und verlangte ein Darlehen, kleiden zu lassen, entschlotz er sich nicht blotz zu dem Der Rabbiner ging mit grotzer Bereitwilligkeit auf alle Geständnis, datz er ein Fürst Polens, Radziwill, sei, seine Wünsche ein und verschaffte ihm, so viel er versondern offenbarte auch dem neuen Freund freimütig langte. Erfreut fragte ihn der Fürst, ob er sich nicht alle seine Schicksale, u»ie seine Butzzeit abgelaufen sei auch ihm in einem Gegendienste gefällig erweisen könne, und ihm nun die Mittel ausgegangen, um standesgemätz Der Rabbiner erwiderte, der Fürst möchte mit den Juauftreten und heimkehren zu können. Samuel Juda erden. die unter seiner Herrschaft stehen, schonungsvoll umbot sich, die erforderliche brumme herbeizuschaffen und gehen, autzerdein habe er einen Sohn in Brzesc, vorzustrecken, bis dahin möge der Fürst sich als seinen für den der Fürst sich interessieren möge. Der Fürst Gast betrachten. Der Fürst wardarüber sehr erfreut, schrieb sich den Namen des Sohnes auf und als er nach er lernte alle Familiengliedsr des Rabbi kennen und Hause zurückgekehrt war, liefe er den Saul vor sich fand Gefallen an ihnen. Das Porträt eines bildhübkommen. Der Mann gefiel ihm wegen seiner Klugscheu Knaben fiel ihm besonders auf, ohne datz er das heit und Einsicht, und er zog ihn an sich heran. Er Kind felbst zu Gesichte bekam. Eines Tages fragte er rühmte und empfahl ihn auch den andern vornehmen seinen Wirt danach. Seufzend antwortete ihm dieser: Herren, bei denen Saul nicht minder Wohlgefallen fand. Es ist mein Sohn Saul, ein vielversprechendes Kind, so datz er der Liebling des hohen Adels wurde. Ich habe ihn reichlich mit Geld versehen nach Polen III. Auch an Gegnern und Neidern hat es Saul geschickt, um seine talmüdischen Studien zu vervollkommnicht gefehlt. Seine jüngere Tochter Hann ah war eine nen. Dort angekommen, wurde er von Räubern überblendende Schönheit und von seltenem Verstand, so datz fallen und ausgeplündert: seitdem bin ich ohne jegliche sie allenthalben Aufsehen erregte und auch manchen Korb Kunde von ihm. Ich weitz nicht, wo er sich aüfhylten äusteilte. Daraus erwuchsen dem Vater allerlei Feindmag und ob er überhaupt noch am Leben sei. Daraufschaften. Der König hatte zu der Zeit seine Frau durch hin bat sich der Fürst das Bild aus und gab djem den Tod verloren. Sauls Gegner veranlatzten nun ein- Vater die Versicherung, datz er alles aufbieten würde, flutzreiche Edelleute, mit denen sie in Verbindung standen, den Sohn ausfindig zu machen und dem Äufgefundenen den König auf das schöne Mädchen aufmerksam zu machen, die hier genossene Freundlichkeit und Gastfreundschaft zu zumal ja Saul einen Tag lang königliche Ehren gevergelten. Zum Abschied veranstaltete der Rabbi ein nassen hatte. Der König willigte ein, man bereitete feierliches Mahl, und alsdann trat der Fürst die Heim-' im geheimen alles vorsichtig vor, um Hannah zu entreise an. Sobald er sein Gebiet betreten hatte, erliefe führen, und war entschlossen, auch die Anwendung von er. in jeder Stadt, die er berührte, den Befehl, datz

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