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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-15 · 28 (15.7.1910) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 38 Seite 476 Dr. Blochs Wochenschrift. daß Me ganze israelitische Bevölkerung des Ortes an seiner Beerdigung teilnehmen möchte, weshalb, nachdem er verschieden war, die Hinterbliebenen Geistlichen dieser Paraphie der Verwaltung der Tuschiner jüdischen Gemeinde den Wunsch des Verstorbenen mitteilten, bittend, denselben zu erfüllen. Am Beerdigungstage schlossen denn auch die dortigen Juden ihre Geschäfte und beteiligten sich mit den 'Vorstehern ihrer Gemeinde an der Spitze an dem. Trauerzuge, um dem Verschiedenen das Geleit zur letzten Ruhe zu geben. Es wurde ihnen sogar gestattet, ihre Mützen auf dem Haupte zu behalten. Am Grabe ermahnten die Geistlichen die Katholiken, dem israelitischen, als dem ältesten Volte, mit Ehrerbietung entgegenzukommen und friedsam nebeneinander zu leben. S^hzigjahriges Schriftstellerjubiläum. Am 13. Juli beging der in Minsk lebende hebräische Schriftsteller Josef Brill sein 60-jähriges Schriftstellerjubiläüm. Brill, der seine Arbeiten unter dem Namen „Jjob Minnunsk" veröffentlichte, begann zuerst im „Hamagid" zu schreiben. Aus seiner Feder stammen Mehrere Bände. humoristischen Inhalts, die noch heute gerne gelesen werden. So z. B. „Mischnath mebakrim", „Megillath Ta'amith", „Midrasch Sof'rim" usw. Brill hat sich bis zum heutigen Tage als Stundengeber kümmerlich durchgebracht, da die hebräische Schriftstellerei ihren Mann noch immer nicht nähren kann. Anlählich seines Jubiläums sollen die ungedruckten Arbeiten Brills zur Ausgabe gelangen. Konftqntmopel. Die türkische Kammer hat die Abgeordneten Faraggi und Mazliach Cffendi mit der Verttetung des türkischen Parlaments auf der interparlamentarischen Konferenz in Brüssel betraut. Dichtung ruM& Wahrheit über den Gintagsknnig' non Pole« Kant Mahl. Von Dr. Majer Balabau, Lemberg. ' ' ■ IV , Lange spukt in der polnischen Geschichte die Sage von Saul.Wahl. Einen Tag oder eine Nacht war er König von Polen und hat während dieser kurzen Regierungszeit viele Judenfreih eiten erlassen. Bis heute leben seine Nachkommen in den Ländern des alten polnischen Königreiches zerstreut und sind stolz auf ihre Herkunft und ihren königlichen Ähn. In einer Lemberger Volksschule lietz sich ein kleines Mädchen von der Lehrerin nicht moralisieren, da sie „aus königlichem Hause sei" und im galizischen Landtage sprach der berühmte Franz Smolka ganz ernst von dem Mythus.über einen jüdischen König in Polen. Zwar versetzte der Redner die ganze Begebenheit in die grauen Anfänge Polens, aber immerhin nahm er die ganze Sache sehr ernst und wollte, .daß sie von anderen so hingenommen werde!1 j Im Jahre 1854 gab H. Edelmann ein Merkchen über Saul Wahl heraus, in dem er die Berichte über den Gegenstand zusammengestellt 2) und im Jahre 1888 schrieb der gelehrte Rabbiner von Posen, PH. Bloch, y Die Debatten über die Judenfrage in der Session des galizischen Landtags vom Jahre 1868. Seite 49. y Gdulath 'Schau! . biK® rfrna geschrieben für einen Londoner reichen Nachkommen. Saui's: Denis M. Samuel Esg. bc-. steht ans Bneftn des Rabbiners von Brzesc Jakob Majer, des Rabbiners von Zolkiew, C h a j e s rc. einen hochinteressanten Aufsatz: „D i e Sag e v o n S a u l Wahl, den Eintagskönig von Polen"?) in einem. Jahrgang des Woschod in Petersburg (1889) veröffentlichte Berschadski eine Arbeit: Jewrej l o r o I e m w Polfche (Ein Jude König in Polen), dessen genauen. Inhalt wir bei Nutz bäum wiederfinden?) Letztens .erschien in der polnischen Wochenschrift : „W i d n o kr e g i" (Horizonte), ein glänzend geschriebener Artikel: ,-Die Legende von der polnischen Krone", der auf Bloch und Edelmann basiert?) Im Jahre 1904 oder 1905 kam zu mir ein schöner, hochgewachsener Mann und überbrachte mir eine Empfehlung vom Hofrat Balzet, dem Professor für polnisches Recht an der Lemberger Universität. Er hieß Saul Wahl und war Maler von Beruf, sein ganzes Leben suchte er nach. Dokumenten über seinen Urahn und Namensvetter und führte mit sich gar manches Dokument mit. Es fehlten ihm aber einige Glieder in der Stammbaumkette und damit kam er zu mir mit der oben erwähnten Empfehlung. Ueberdies.hatte er in Händen ein Dokument, in dem sein Ahn, der große Saul, zum Hofdiener König Sigismunds ernannt wurdö; seiner Meinung nach wurden nur Adelige zu Hofdienern ernannt, somit sollte Saul Wahl geadelt worden sein, was sein Urenkel anstrebte. Ich wollte ihm anfangs wohl manches widerlegen und erklärte' ihm, daß Hofhiener gar nicht geadelt werden müßten, ich bat ihn, die Papiere .mir für eine kurze Zeit zu überlassen, Herr Wahl wollte es nicht, nahm alles mit und ging fort. Seit der Zeit sah ich ihn nicht mehr, er starb vor kurzem und die Papiere — die Frucht seiner mühsamen Nachforschung — gingen verloren. Niemand und sogar sein in Lemberg lebender Bruder weiß etwas davon. Seit meiner Unterredung mit dem verstorbenen Maler dachte ich sehr oft an die ganze Geschichte und suchte gelegentlich in Aktensammlungen und Archiven.' Leider ist einem jüdischen Forscher das Benützen der russischen Zentralarchive sogut wie unmöglich und daher konnte ich nur kleine Brocken ans Tageslicht fördern^ die nicht sehr viel, zu den Forderungen. Be r sch a d s k i 's hinzutaten und ein sehr knappes Licht über die wirkliche Person Saul Mahls werfen; alles andere mutz für die Zeit belassen werden, in der die -Archive in Vilna und Kiew ohne jede Beschränkung erschlossen werden. -4- Die älteste schriftliche Fixierung der Legende stammt aus dem Jahre 1733. Der Rabbiner von Leipnik Pinchas, — ein direkter Sprosse Sauls in fünfter Generation. — erzählt sie uns mit vielen Episoden, von denen er allein manche als weniger glaubwürdig bezeichnet. Denn schon damals hatte die Legende viele Neubildungen aufzuweisen, was darauf hinweist, daß sie ihren Abschluß erreicht hat. In den 116 Jahren vom Tode ihres Helden hat sich die Legende ausgebildet und Pinchas erzählt sie als etwas Unerschütterliches, ja Selbstverständliches. Wir lassen die Legende.nach. .Bloch s Uebersetzung folgen: o) I. Saul Wahl war der Sohn des ausgezeichneten Talmudisten Samuel Juda Padua. Wie allgemein bekannt ist, erhielt er den Beinamen Wahl, weil er zum König über Polen gewählt wurde und er. für seine Wahl alle Stimmen des Adels für sich hatte (was man auf deutsch „Wahl" nennt) damit verhält es sich folgendermaßen: ‘ 0 Zeitschrift der hist. Gesell, f. d. Provinz Posen, IV.'Jahrg. S. 233—258.! . ' . 0 Histörya Zydow Bd. V. 189 -196. 0 Widnokregi Nr. 5, 1910. (Lemberg) aus der Feder Franz Jaworski's. °) Bloch l. c. S. 335 ff.!

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