Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 472 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 28 5 Jahre die .!. k. Akademie der bildenden Küvste in Wien, woselbst er seine Ausbildung unter den Professoren Ban der Nüll, v. Siccardsburg, Rösner und Dombaumeister Schmidt erhielt. 1862 gründete Stiaßny gemeinschaftlich mit-einigen Genoffeu.die Wiener Bauhütte, einen noch gegenwärtig in der Akademie der bildenden Künste bestehenden und. schaffenden Verein. 1867 wurde Stiaßny durch das k. k. Handelsministerium zur Pariser Weltausstellung . entsendet, woselbst er an den Jnstallationsarbeiten der Ausstellungskommisfion beteiligt war und an der internationalen Jury für Arbeiter teilnahm. Im Jahre 1868 begann Stiaßny seine Tätigkeit als selbständiger Architekt, und hat er über 200 Paläste, Schulen, Wohn- Fabriksgebäude, Spitäler, Siechenhäuser, Synagogen rc. gebaut. Hievon find insbesonders zu erwähnen: das von Paron Anselm von Rothschild gestiftete Spital der, israelitischen Kultusgemeinde am Währinger-Gürtel in Wien, bei dessen Vollendung (1873) er von. Sr. Majestät mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet wurde; das von JonasFreiherrn v. Königswarter gestiftete israelitische Blinden-Jnstitut auf der Hohen Warte in Wien, welches 1837 infolge einer Schenkung der Baronin Hirsch-Gereuth durch Aufbau eines zweiten Stockwerkes erweitert wurde; die Hermannstraße (jetzt Reithlegasse) in Ober-Döbling, welche als eine nach einem Gesamtpläne errichtete Villenstraße erbaut wurde; Zeremonienhalle und Nebengebäude auf der israelitischen Abteilung des Wiener Zentral- Friedhofes, sowie Friedhofgebäude in Kojetein (Mähren); das unter dem Protektorate Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Erzherzogin Marie Therese stehende Seehospiz in Rovigno; Pollack von Rudin'scher Kindergarten im II. Bezirk in Wien; die Synagogen in Malaczka (Ungarn). Gablonz a. N. (Böhmen), für die polnyche Gemeinde in Wien, deren.Ehrenmitglied Baurat Stiaßny war, Czaslau, Wr.- Neustadt und die große Synagoge in Kgl. Weinberge (Böhmen); das freiherrlich von Rothschild'sche Altersversorgungshaus in Gaming; Siechenhaus der israelitischen Kultusgemeinde in Wien; den von den Freiherren von Rothschild gestifteten chirurgischgynäkologischen Pavillon als Erweiterungsbau zum Spitale der israelitischen Kultusgemeinde in Wien; Palais Neumann (mit steinerner Faffade), Palais Baron Liebig, Palais Alfred Straßer in Wien, Jubiläumshospiz in Karlsbad rc. rc. Im Jahre 1873 wurde Stiaßny mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet. 1876 wurde Stiaßny durch das k. und k. Ministerium des Aeußern in die internationale Jury der in Brüssel abgehaltenen I. Allgemeinen Ausstellung für Sanitäts- und Rettungswesen entsendet. Er bekleidete daselbst das Amt eines Schriftführers und Berichterstatters für den Bau und die technische Einrichtung von Spitälern, Gefangenhäusern, Irrenhäusern, Arbeiterhäusern, dann für Kanalisation und Assanierung von Städten. Von 1878 bis zu den letzten Wahlen im April d. I., also durch volle 32 Jahre, war Stiaßny Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien, nach Einbeziehung der ehemaligen Vororte durch einige Zeit auch Stadtrat, nach der im Jahre _ 1895 erfolgten Auflösung des Gemeinderates war Stiaßny Mitglied des Beirates. Im Gemeinderate hat Stiaßny mehr als 1500 Referate erstattet, auch war er Obmann-Stellvertreter der Rathaus-Kommission. 1861 wurde Stiaßny unmittelbar nach dem Ringtheaterbraude in die damalige Theater-Sicherheitskommiffion berufen, später als Mitglied in die Theater-Landeskommisfion. 1883 wurde Stiaßny durch die Verleihung des Titels eines k. k. Baurates ausgezeichnet, 1893 ehrten ihn seine Mitbürger durch die Verleihung des taxfreien Bürgerrechtes der Stadt Wien. 1893 bis 1896 gehörte Stiaßny der Kommission für die Wiener Verkehrsanlagen als Ersatzmann, 1878 bis. 1896, demnach durch 18 Jahre, der Donauregulierungs-Kommisfiyn als Mitglied an und entfaltete daselbst eine fruchtbare Tätigkeit, indem er auf die Schaffung der Donaustadt und auf die Umwandlung des Donaukanales in einen Schiffahrtskanal Einfluß nahm. .Von 1884 bis 1899, also durch 15 Jahre, war er auch Mitglied des Wiener Bezirksschulrates. Seit 1879 gehörte Stiaßny dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien, an; bis vor einigen Jahren bekleidete er in dieser Korporation das Amt eines Vsrtreters. 1895 gründete Stiaßny die „Gesellschaft.für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums", deren Präsident er bis an sein Lebensende war. Endlich war er seit 40 Jahren auf humanitärem Gebiete tätig und befand sich zum Teile an der Spitze, zum Teile im Vorstande mehrerer gemeinnütziger und Wohltätigkeitsvereine. Im Jahre 1903 verlieh der Monarch Baurat Stiaßny daß Offizierskreuz des Franz Joseph-Ordens. Stets dem Zuge der Zeit Rechnung tragend, wirkte Baurat Stiaßny an der Gründung des „Jüdischen Kolonisationsvereines" in Wien mit, der in ihm nicht nur seinen Präsidenten, sondern auch seinen unermüdlichsten Arbeiter und Förderer verliert. Mit hingebungsvoller Liebe vertiefte er sich in das jüdische Kolonisationsproblem; ihm ist es zu verdanken, daß der Gedanke der jüdischen Anfiedlung im Orient auch in jene jüdischen Kreise Eingang gefunden, die ihm bis dahin ganz ferne standen. Dieser Liebe für seine bedrängten Brüder in den östlichen Ländern Europas. entsprang auch ein Entwurf einer Musterkolonie in Palästina, den er vor einem Jahre auch der Oeffentlichkeit übergab. Wie sein öffentliches Leben, so war auch sein Familienleben ein mustergiltiges, patriarchalisch-jüdisches. In seiner Gattin, der Frau Julia Stiaßny, geb. Taussig, fand der Verstorbene eine edle, gleichgesinnte Mithelferin in den zahl^ reichen Aktionen zur Linderung der Not seiner Mitmenschen. Der tiefgebeugten Gattin, seinem einzigen Sohne, dem bekannten Arzt Dr. Siegmund Stiaßny, und der in der Wiener Gesellschaft angesehenen, trauernden Familie wendet sich nun die allgemeine Teilnahme an dem Verluste ihres verdienstvollen Oberhauptes zu, die in zahllosen Beileidskundgebungen zum Ausdrucke gelangt. Fast bis zur letzten Minute seines Lebens war Baurat Stiaßny für das Wohl seiner Mitmenschen und seines Volkes tätig. Er gehörte zu den noch wenig Ueberlebenden einer alten Zeit, denen nichts Menschliches, aber auch nichts Jüdisches fremd war. Sein Andenken wird stets in Ehren gegalten werden. Die Leiche des Verstorbenen wurde von Ischl nach Wien überführt, woselbst sie Donnerstag den 14. d. M., vormittags 11 Uhr vom Zentralfriedhofe aus zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Hilfsverein der Deutschen Juden. Am 22. Juni d. I. fand unter dem Vorsitze des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Außschuffes des Hilfsvereines der Deutschen Juden statt. Mit großer Genugtuung nahm der Ausschuß von der Mitteilung des Vorsitzenden Kenntnis, daß dem Hilfsverein der Deutschen Juden im Laufe der letzten 9 Monate für die Hauptgebiete seiner Tätigkeit erhebliche Mittel .zugeflossen seien. Jedoch reichen diese Mittel noch immer nicht für die großen Aufgaben, die der Hilfsverein im Jahre 1910 zu erfüllen hat und die wiederum eine halbe Million Mark erfordern dürften. Zu Gunsten der russischen Juden, deren Lage immer trauriger und trauriger wird, sind rund 120.000 Mark eingegangen. Außerdem erhielt der Verein von 4 hochherzigen Spendern 80.000 Mark, und zwar von den Erben der Frau Adelheid Bleich rüder 30.000 Mark,, ans dem Nachlasse der Frau Kommerzienrat Cäsar W o l l h e i m 10.000 Mark: Herr Bezirksrabbiner Dr. Salveudi, Mitglied des .geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereines, der : unermüdliche, tatkräftige Förderer seiner Begebungen, machte