Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021902--19423-3044405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 28 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 469 Pflege gegeben. Wie notwendig diese Maßregel ist, um diese verlassenen Binder dem Judentums zy retten, geht aus der Erfahrung hervor, die dex Patronage- Verein bisher gemacht hat. Der größte Teil der bei christlichen Pflegeeltern erzogenen jüdischen Kinder wird systematisch zu Antisemiten erzogen. So ereignete es sich jüngst, in dem Marktflecken Nagy-Käta, wo die Fenster der dortigen Synagoge durch Steinwürfr zertrümmert wurden. Die Untersuchung ergab, datz sich unter d.en Uebeltätern nicht weniger als acht jüdische verlassene Kinder befanden: ein 12-jähriges jüdisches Mädchen, das einer Bäuerin abgenommen und bei einer jüdischen Familie untergebracht wurde. Das Kind weigerte sich hier zu essen, weil ihr ihre frühere Pflegemutter erzählte, daß die Juden in ihre Speisen Christenblut mengen. Eine Erinnerungsfeier in Nma. Vorige Woche wurde in Nizza in feierlichster Weise düs Erinnerungsfest an die vor 50 Jahren erfolgte Wiedervereinigung der Stadt mit Frankreich begangen. Die Einverleibung wurde dann am 15. April 1861 durch Plebiszit ratifiziert. Aus diesem Anlasse gewinnt eine Proklamation an Interesse, das der „President de l'Universite israelite de Nice," Chevalier Septime Avigdor drei Tage vor dem Plebiszit an seine Glaubensgenossen erlassen hat. Die Proklamation hatte folgenden Wortlaut: „Meine Herren! Im Sinne des Vertrages vom 24. März sind Sie gleich den übrigen.Bürgern berufen, ihre Meinung im Wege der allgemeinen Abstimmung abzugeben. In einem so feierlichen Momente fühle ich mich glücklich, konstatieren zu können, daß Sie ausschließlich das religiöse Interesse im Auge haben. Meine Herren! Sie dürfen nicht vergessen, datz trotz der Emanzipation, die vom König Karl Albert dekretier: wurde — dessen Andenken in uns stets in Achtung fortleben wird — die verantwortlichen Erekutivorgane der Macht aus Vorurteil gegen uns gewisse Ausnahmsgesetze aufrechterhielten, die ebenso erniedrigend für uns, wie dem Geiste und dem Wortlaute des Gesetzes widersprechend sind. Die Spezialschulen in Sardinien sind unseren Kindern nach wie vor verschlossen. Nach wie vor kann ein jüdischer Ehegatte, wenn er zum Katholizismus Übertritt, in den sardinischen Staaten eine neue Ehe eingehen, ohne der Bigamie angeklagt zu werden. Die Konstitution, die eine Rechtsgarantie bildet für alle Bürger, wurde uns gegenüber wenigstens in ihrem Effekte wirkungslos gemacht. Mit nicht geringerem Schmerze müssen wir daran denken, datz die Staatsgrundgesetze nach dem Belieben der verantwortlichen Machtfaktoren in Bezug auf unsere Gleichheit vor dem Gesetze außer Kraft gesetzt werden konnten. Es ist zwecklos. 'weiter mit den Konsequenzen eines Zustandes sich zu beschäftigen, der, wie es scheint, sich wenig erhalten soll. Aber nicht zwecklos erscheint es. Sie daran zu erinnern, datz Frankreich es war, das die Rechtsgleichheit aller Bürger nicht nur proklamiert hat, sondern auch auf alle seine Kinder, ohne Unterschied des"'Glaubens, anwendet. Ein Prinzip, das in den Augen jedes intelligenten Menschen die wahre Freiheit bedeutet! Unsere Stimme für die Vereinigung mit Frankreich geben, bedeutet für uns eine Gewissensfrage, die uns über Alles gilt. Es lebe Frankreich!" Ein Monument für den amerikanischen Freiheitshrlden Jehuda Tmo. In Amerika hat jetzt eine intexessante Bewegung eingesetzt. Es gilt, dem großen Freiheilshelden Jehuda Turo im Statuensaal des Weißen Hauses in Washington ein Denkmal zu stellen. Jehuda Turo wurde am 16. Juni 1775 in Newport Arad Island geboren. Sein Vater war der gelehrte Rabbi Jsaac Turo und entstammte. einer portugiesischen Familie. Der Vater Iehudas lebte erst in Jamaica, wurde jedoch später als Rabbiner der jüdischen Gemeinde nach Newport berufen. Newport fiel bald nach dem Ausbruch der Revolution in englische Hände. Die meisten Juden von Newport verließen fluchtartig die Stadt, um sich nicht dem Feinde ergeben zu müssen. Rabbi Jsaac Turo ging nach Jamaica zurück, wo er auch seine Lebenstage beendete. Jehuda Turo ging 1802 nach New-Orleans (Louisiana), einer Stadt, die damals kaum 10 000 Einwohner zählte. Hier unternahm Jehuda verschiedene Geschäfte, die von solchem Erfolg begleitet waren, daß er nach einigen Jahren zu den reichsten Leuten der Gegend zählte und Eigentümer mehrerer großer Schiffs wurde. Als später Louisiana von den Vereinigten Staaten erworben wurde, unterstützte Turo diesen Plan, denn sein Scharfblick erkannte sofort, welch große Bedeutung dieses Stück Land für die Zu^inft der Vereinigten Staaten habe. 1814 brach der Krieg aus. Andrew Jackson verteidigte mit einem Häuflein Krieger Louisiana, jedoch ohne jede Aussicht auf Erfolg, da der Feind von Haus aus mächtiger war. Die vielen reichen Bürger von Louisiana trachteten, so rasch als möglich sich und ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen, und suchten das Weite. Anders Jehuda Turo. Nicht nur. datz er dem Lande, das ihm ans Herz gewachsen war. seine Kassen zur Verfügung stellte und den Krieg mit Geld unterstützte. er selbst tr.at in die Verteidigungsarmee ein und kämpfte als gemeiner Soldat in den vordersten Reihen. Bei einem Treffen wurde er so schwer verwundet, datz er für tot gehalten wurde und man ihn am Felde liegen ließ. Ein Freund rettete ihn dann mit ^eigener Lebensgefahr, wofür ihm Jehuda Turo einen ansehnlichen Teil seines Vermögens übertrug. Nach dem Krieg hat Turo in Gemeinschaft mit Amos Lawrence die Mittel zur Errichtung eines Siegesdenkmals gewidmet. In seinen philantropischen Werken kannte Turo keinen Unterschied der Konfession und der Nationalität. Seine Geburtsstadt Newport verdankt seinem Wohltätigkeitssinn die Entstehung zahlreicher Institutionen. Unter anderem schenkte er der Stadt eine herrliche öffentliche Parkanlage, die noch heute den Namen „Turo-Park" führt. Es gibt fast kein Hospital, das zu seiner Zeit im Lande entstand und nicht von ihm unterstützt worden wäre.- Auch mit dem unvergeßlichen Moses Montefiore stand Jehuda Turo in nahen Beziehungen. Diesen Beziehungen ist es zuzuschreihen, datz Turo auch für die notleidenden Juden in Jerusalem grotze Spenden widmete. Jehuda Turo starb in New-Orleans am 13. Januar 1854. Sein Grab schmückt ein einfacher Stein, der die vielsagende Inschrift enthält: „Als Letzter seiner Familie hat er seinen Namen für ewige Zeiten in das Buch der Wohltätigkeit eingegraben." In seinem Testamente vermachte er wohltätigen Zwecken über eine halbe Million Dollar. Und nun soll sein Standbild denen der gefeiertsten Söhne der Vereinigten Staaten im Repräsentantenhaus des amerikanischen Volkes bügestellt werden.