Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-15 · 28 (15.7.1910) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021873-3021902--19422-3044404
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 26 Seite 468 tes am Herzen. Und manche dieser Leute waren ja gar keine Oesterreicher. Und gar erst vor 1859! Da gab es keinen Reichsrat und keine judenliberale Partei, die Zeitungen standen unter strenger Zensur, die Juden hatten nicht einmal alle bürgerlichen Rechte, in Oesterreich herrschten das Konkordat und der klerikal-reaktionäre Hochadel: ungehindert konnte er für die Armee soviel Geld auswenden als er wollte, und er hat den Staat nach Solferino und beinahe zum Bankerott geführt! Da mutzten die „jüdischen Geldmänner" und die Judenliberalen den Staatskarren aus dem Sumpfe herausziehen. Endlich sieht aber das „Vaterland" ein, datz wer nur einigermatzen die Geschichte Oesterreichs seit 1850 kennt, sich durch solche Verdrehungen und Schimpfereien weder bekehren noch überzeugen lassen wird, und gibt kleinlaut zu, datz auch die Ernennung eines ungeeigneten Armee-Oberkommandanten mit ungeeigneten Persönlichkeiten zur Führung der Generalstabsgeschäfte an seiner (Venedeks) Seite, viel zur Niederlage beitrug." Für die Niederlagen von 1859 macht es wieder den Generaladjutanten FML. Grafen Grünne verantwortlich. Es macht ihn gewissermatzen zum Sündenbock, der in die Wüste geschickt wird, um für alle Sünden der Staatsmänner und Heerführer zu bützen. Wie glücklich wäre das feudal-klerikale Blatt, wenn es ihn für einen Juden oder Judenliberalen ausgeben könnte! Und überhaupt, ein Mensch allein kann nicht für die Mitzregierung einer ganzen Partei verantwortlich gemacht werden. Und diese Partei sucht jetzt wieder sich des Staatsruders zu bemächtigen. M. Vom Jahrmarkt des Lebens. Dr. Simon Hirsch. Der erste jüdische Oberstabsarzt in der österreichischen Armee. Von Moritz Frühling. Im Jahre 1805 zu Horie in Böhmen geboren, wurde Hirsch nach vollendeter Praxis und bestandener Prüfung im Prager Militär-Garnisonsspitale am 16. August .1826 beim Baron Gollner 48. Jnfanterie-Regimente als feldärztlicher Gehilfe assentiert, wo er bis 1. Mai 1834 verblieb. Er diente in den darauffolgenden dreizehn Jahren bei Windischgrätz- Chevaux Legers Nr. 4, Großherzog Toskana 4. Dragoner- Regimente und beim Kaiser Ferdinand 4. Ulanen-Regimente. Am 1. Mai 1844 wurde er üach absolviertem Lehrkurse zum Doktor der Medizin und Chirurgie, dann Magister der Geburtshilfe und Augenheilkunde promoviert und zum Oberarzt ernannt. Nach kaum 30 Tagen, am 1. Juni, erfolgte seine Vorrückung zum Regimentsarzt. In dieser Charge erst heiratete Hirsch am 28. Juli 1844 das Fräulein Antonia Mayer gegen Erlag der Heiratskaution per 3000 fl. C.-M. und wurde ihm am 7. Juni 1845 die Tochter Elisabeth geboren. Am 1. Februar 1847 zum Erzherzog Albrecht 44. Jnfanterie-Regimente transferiert, machte er mit diesem Truppenkörper die Feldzüge 1648/49 in Italien mit, geriet am 23. März 1848 in die Kriegsgefangenschaft, aus welcher er erst am 17. Juni einrückte. Als Regimentsarzt diente Hirsch noch bei Graf Kinsky 47, Erzherzog Stephan 58. Infanterie- und Graf Haller 13. Husaren- Regiment bis zu seiner am 1. März 1858 erfolgten Ernennung zum Stabsarzt. Nun wirkte er in der Eigenschaft eines Chefarztes abwechselnd in den Garnisonsspitälern Josefstadt, Mantua, Venedig und Ragusa, wurde in Anerkennung seiner Verdienste am I. August 1859 mit dem Franz Joseph-Orden dekoriert und rückte am 13. September 1864 in den Oberstabsarztensrang II. Klaffe vor. Am 1. Juni.1866 erfolgte die Ernennung zum Chefarzt des Gärnisonsspitales in Triest und nach 41 jähriger Dienstzeit die.Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand, aus welchem Anlasse ihm der Titel und Charakter eines Oberstabsarztes I. Klasse verliehen wurde. Wann und wo.Oberstabsarzt Hirsch gestorben, ist mir unbekannt und wäre ich für eine diesbezügliche Mitteilung behufs Vervollständigung der Biographie — unter Wien, I., Brieffach — recht dankbar. Eine Stiftung zur Evidenzhaltung der Täuflinge. Dem Verein für Statistik der Iuden in Berlin ist eine bemerkenswerte Förderung zuteil geworden. Der vor wenigen Jahren verstorbene Professor an der Universität zu Berlin, Dr. Wilhelm M e y e r h o f f e r, hat in seinem Testament einen Betrag von 20.000 Frcs. für jüdisch-statistische Arbeiten hinterlaffen, mit dem Wunsche, daß der Evidenzhaltung der aus dem Judentum ausgetretenen Familien besondere Aufmerksamkeit zugewendet werde. Im Sinne des Testators, der zu den ersten Mitgliedern Und eifrigen Förderern des „Vereins für Statistik der Juden" gehört hatte, hat nun seine Witwe Frau Professor Maria Meyerhoffer geb. Bachrach das genannte Kapital als Pr of. Wilhelm Meyerh offer-Stiftung auf Grund einer besonderen Satzung dem Verein für Statistik des Judentums zur Verfügung gestellt. Wie die Familie des Stifters dem Kuratorium des Vereines mitteilte, hat der Verstorbene durch die Evidenzhaltung der aus dem Judentum ausscheidenden Familien nicht nur die Schaffung eines wirksamen Mittels gegen die Taufbewegung bezweckt. Er wollte vielmehr auch festgestellt sehen, inwieweit jüdische Familien nach ihrem Austritt aus dem Judentum sich raffenrein erhalten, inwieweit fie sich mit anderen Völkern vermischen und wie fie sich in intellektueller Und ethischer Beziehung entwickeln. Prof. Meyerhoffer war der Ueberzeugung, derartige Studien würden den Nachweis erbringen, daß die oft gehörte Behauptung von dem. zersetzenden Einfluß des jüdischen Blutes und der jüdischen Raffe unbegründet sei. Zahlreiche, ehemals jüdische Familien hätten in verschiedenen Ländern hervorragende Stellungen eingenommen und auf mannigfachen Gebieten ihrem Geburtslande und der Menschheit große Dienste geleistet. Was der Stifter beleuchtet sehen wollte, war das Marannenproblem in physiologischer und kultureller Hinficht. Prof. Meyerhoffer erachtete dieses Problem als wissenschaftlich so interessant und praktisch so bedeutungsvoll, daß er annahm, sein Beispiel würde Nachahmung finden und der von ihm gestiftete Fond durch Spenden anderer Glaubensgenossen erhöht werden. Doch sollen die Zinsen der Prof. Meyerhoffer-Stiftung auch anderen jüdisch-statistischen Arbeiten zugute kommen. Auch in dieser Hinsicht dürfte die letztwillige Verfügung des verstorbenen Gelehrten vorbildlich wirken. Die Kosten des von dem Verein begründeten Bureaus für Statistik der Juden werden gegenwärtig fast ausschließlich durch Jahressubventionen einer Reihe von jüdischen Gemeinden und Wohlsahrtsorganisationen gedeckt. Das Budget deL Bureaus, ist infolgedessen ein so beschränktes, daß größere Originalerhebungen, insbesondere in jenen Ländern, die keine staatliche Statistik besitzen, vorläufig undurchführbar sind. Bei der grundlegenden Bedeutung der statistischen Erforschung der jüdischen Bevölkerung für alle sozialen Abhilfsaktionen eröffnet sich hier für eine einsichtsvolle, moderne Privatwohltätigkeit ein dankbares Feld. Es ist zu hoffen, daß nach dem Vorgänge von weil. Prof. Dr. Meyerhoffer auch andere wohlhabende Glaubensgenossen größere Fonds . für jüdisch-statistische Arbeiten stiften werden. Erziehung jüdischer Kinder zu Antisemiten. Weit über 1000 verlassene jüdische Kinder gibt es gegenwärtig in Ungarn, die bei christlichen Bauern und kleinen Gewerbetreibenden untergebracht sind. Diese Kinder werden nun. von. dem vor einiger Zeit gegründeten „Israelitischen Patronage-Verein" allmählich in jüdische.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.