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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-08 · 27 (8.7.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite ns Kr. Blochs Wochenschrift. Nr. 2? Das Mädchen schämt sich aufzuschauen und widmet scheinbar ihre ganze Aufmerksamkeit der Stickerei: nur ab und zu wirft sie einen verstohlenen Blick zum Fenster hin. — Und das Sternlein verschwindet.-Das zweite Sternlein, das vorher das Mädchen beobachtet hatte, flog jetzt zum Hause des Jünglings hin und lieh sein goldenes Licht durch eine Spalte im Fensterladen in die Stube fallen, bis der Jüngling aufmerksam wurde und von seinem Buche aufsah. Und das Sternlein spricht: „Mach' Dir keinen Kummer! Das Mädchen denkt an Dich bei Tag und Nacht. Sie grüßt Dich und näht für Dich einen Tefilim-S-ick als Vräutigamsgeschenk. Der Jüngling schämt sich. Er beugt sich über das Buch und sieht nur von Zeit zu Zeit verstohlen auf, ob das Sternlein noch vor dem Fenster ist. Und das Sternlein verschwindet. * * * Und die Sternlein jagen über Tal und Berg, über Weg und Steg. — Und die Zeit jagt dahin, als würde sie vom Sturmwind getrieben. — Das Mädchen und der Jüngling begegnen einander eines Tages. Sie sprechen kein Wort und sehen zur Seite. . . Mit gesenktem Haupt gehen sie an einander vorüber. (Deutsch von Hermann Vlumenthal.) Literat«». E A. Horodezky Rabbi Nachman von Brazlaw. Beitrag zur Geschichte der jüdischen Mystik. Berlin 1910. Verlag von M. Poppelauer. Der Chassidismus wird allmälig literaturfähig und d e weltverzückten Frommen werden aus ihrer stillen Klause in das Helle Licht der Moderne gezogen. Martin Buber hat mit seiner „Legende des Baal-Schem" einen glücklichen Anfang gemacht und es werden sich des exotischen Stoffes gewiß auch andere bemächtigen. Horodezky geht nicht novellistisch, sondern wissenschaftlich vor, doch liest sich vorliegendes Buch, obzwar die deutsche Diktion mangelhaft ist, auch als Erzählung recht hübsch, besonders da auch einige Märchen des Rabbi Nachman verarbeitet werden. Der Verfaffer hat bereits in zahlreichen hebräischen Arbeiten, die zumeist in den Zeitschriften „Hagoren" und „Haschiloach" erschienen sind, seine Vertrautheit mit der chafsidischen Gedankenwelt und dem chaffidischen Schrifttum bewiesen und man muß ihm Dank dafür wiffen, daß er dieses nicht gerade anziehende Feld uns näher zu rücken sucht. Der Grundzug des Chaffidismus ist die Mystik, doch nähert er sich auch dem Pantheismus und anderen Systemen, aber es heißt zu weit gehen, wenn man für zufällige Uebereinstimmungen an Augustin, Schleiermacher, Külpe (S. 57) und andere Philosophen anknüpft. Dazumal ist es immer fraglich, ob auch R. Nachman, der sich immer nur aphoristisch ausdrückte, sich des philosophischen Inhalts seiner Worte bewußt war? Die von diesem Mystiker eingeführte Beichte wird nicht verfehlen, Aufsehen zu machen. Der Kampf der „Rabbinitcn" also (wie sich Horodezky ausdrückt) gegen diese Sektterer scheint uns vollauf berechtigt, und der Verfasser hätte ihnen mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen sollen. Der Stil des Buches wird Mißfallen erregen, da er gleich feinem Thema allzu aphoristisch ist. Der Druck ist auch nicht korrekt, denn auf Seite 41 und 47 finden sich ganze Zeilen versetzt. Die Umschreibung vvn hebräischen Worten ist recht fehlerhaft, oft zum Beispiel Schwoche MahJran (lies Scbibche), Awoth (lies Aboth) usw. Prof. Dr. Samuel Krauß. Leffiugs Briefwechsel mit Mendelssohn und Ni co l a i L b er d a s Tr au e rspi e l. Herausgegeben und erläutert von Prof. R. P e t s ch. Leipzig, 1910. DLrr'sche Buchhandlung. M. 3.—. In der gründlichen Einleitung wird insbesondere der Einfluß von Mendelssohns Theorie der Tragödie auf die deutsche Literatur erörtert. Nachdem vor Allem Goldstein und Poensgen den Gegenstand eingehend gewürdigt haben, faßt der Verfaffer die Ergebnisse seiner Forschung in das Urteil zusammen (S. Xl,ll.): „Diese Verschmelzung stoischer, platonischer und neuplatonischer Gedankenreihen konnte gerade Mendelssohn den deutschen Zeitgenoffen übermitteln, der durch die starre, christlich-dogmatische Überlieferung nicht in dem Maße beeinflußt war wie Leffing. Er sah die Dinge mit frischen Augen an, und weil er sich selbst aus den engen Fesseln nationaler Tradition und aus sozialer Bedrückung hatte emporringen müffen, so sprach ihm die freiere, autonome, englische Ethik besonders zum Herzen" usw. Charles Dickens, David Copperfield, Roman in drei Bänden (Band 2 bis 4 der äusgewählten Romane und Geschichten). Deutsch von Gustav Meyrink. Umschlag- und Titelzeichnnng von Prof. W. Tie mann. Preis geheftet M. 9.—. in drei Pappbände gebunden M. 12,—, in drei Äiebhaber-Halbfranzbänden M. 18.—. Verlag von Albert Langen in München. Zum Lobe des „David Cooperfield" selbst braucht man wohl nicht viel Worte zu machen. Er gehört zu den höchsten Meisterwerken der Weltliteratur und hat durch die Fülle von Selbstbiographischem, das der^ Dichter in seine trefflich aufgebaute Handlung verwoben hat, eine Wärme und Lebendigkeit empfangen, die ihn unter den Schriften Dickens selbst einen besonders hohen Rang verleiht. Meyrinks Verdeutschung gibt denen unter uns, die den Roman nicht im. Original lesen können, diesen zum ersten Mal in seiner unberührten Frische, zeigt uns, wie sehr unrecht die hatten, die, nach pedantisch trockenen Uebersetzungen urteilend, manchmal behaupten wollten, die Werke des genialen Briten seien ein wenig verstaubt und altmodisch geworden. Die Ausstattung ist — namentlich auch im Verhältnis zn dem billigen Preise — geradezu musterhaft und von jenem Geschmack, der allem eigen ist, was der in so mancher Hinsicht bahnbrechende Verlag uns bisher geboten hat. R. „Rabbi Lach und seine Geschichten" von M. N u 6 l (Berlin W 30, Hesperus-Verlag G. m. b. H.). Preis M. 2.—, geb. M. 3.—. Ein neuer M. N u e I! Daß es da zu lachen gibt, weiß ohneweiters Jeder, der die bisherigen Schriften 'dieses Humoristen gelesen hat — besonders sein in mehr als zwanzig Auflagen verbreitetes „Büch der jüdischen Witze", das demnächst auch in englischer Uebersetzung erscheint. Daß der „Rabbi Lach" aber seine höchst vergnüglichen Wirkungen nicht durch eine Anhäufung von „Pointen" erreicht, wie sie betriebsame Witzesammler mit Scheere und Kleister zusammenschneiden und zusammenkleben, daß es sich hier vielmehr um die bis ins Kleinste sorgsame und gefeilte, man möchte fast sagen, literarische Ausgestaltung alter und neuer, aber immer köstlicher Humore aus dem jüdischen Leben handelt, das verdient unter allen Umständen hervorgehoben zu werden. Jüdische Unibersalbibliothek. Nr. 1 bis 105. Verlag von Richard B r a n d e i s, Prag, Ladenpreis jeder Nummer 24 Heller. Was hier geleistet ist, erweckt Staunen und verdient alle Anerkennung. Wenn man mit Leuten, die im Verkehr mit Verlegern in der einen oder anderen Hinsicht Erfahrung besitzen, von dem .spezifisch jüdischen Buchhandel in Oesterreich zu sprechen Anlaß hat und da Urteile hören muß, die mit Schmeichelei nicht viel zu tun haben, so wird ein Hinweis auf diese Leistung der altangesehenen Prager Firma genügen, um dem Angriff nicht ganz das Feld räumen zu müssen. Mit diesem Unternehmen wird sich der jüdische Buchhandel Oesterreichs von Jedermann Anerkennung erzwingen. Wer das Verhältnis der jüdischen Leserwelt zur jüdischen Literatur kennt, aus dem sich zum Teile die leidige Lage des jüdischen Buchhandels sehr wohl erklären läßt, wird dem Prager Verlage. einen gewissen Mut nicht absprechen können. Es gehört Kapital und ein sicherer, glücklicher Griff dazu, gerade das zu wählen, was auf den Beifall des Publikums rechnen darf, und es zu so spottbilligem Pre se auf. den Markt zu bringen. Auch die Autorenhonorare werden in die Rechnung einzustellen sein. Denn diese Bändchen sind nicht etwa durchwegs Nachdrucke, wie die bisher in ihrer Art noch kaum übertroffenen „Sippurim", sondern wirklich mit das Beste und Gelungenste, was die jüdische Erzählungskunst uns überhaupt geliefert hat. Wir erwähnen von belletristischen Gaben Werke, wie die des prächtigen Dänen Goldschmidt, Erzählungen von Hause, von H o n i g m a n n, Gordon, Perez. Barber, Plan eck, Dichtungen von Morris Rosenfeld und V r ch l i c k y. Von unschätzbarem Werte ist die ausgezeichnete Sammlung Prager Ghettosagen von den verschiedensten Autoren, Geschichtliches und Kulturhistorisches von Poritzky, Katz, Karpeles, Kohut, Stein, Landau, Herders klassische Arbeiten über hebräische Dichtkunst, Webers biblische Altertumskunde, die aus der Fülle vortrefflicher anderer Beiträge nur eine kleine Auswahl bedeuten. Was Reklams Universalbibliothek für die Verbreitung gediegener Bildung und die Erziehung des Publikums zum B ii ch e r k a u f e n und zur Emanzipation von der Leihbibliothek geleistet hat. das bleibt für die Erschließung jüdischer Stoffe diesem Unternehmen Vorbehalten. Es ist ihm ein voller Erfolg zu wünschen. R. R. Mozarts Briefe. Mit Einleitung und Anmerkungen von Doktor M. Weigel. Verlag von Karl C u r t i u s in Berlin. Preis broschiert M. 2.—, geb. M. 2.50. Diese geschickte und mit liebevoller Sorgfalt ausgewählte Sammlung von Briefen Mozart's gibt ein lückenloses, treues und intimes Bild von dem Werdegang des Menschen Mozart aus den verschiedenen Epochen seines Lebens. Jeder Verehrer Mozart's wird'die charakteristischen Eigenschaften der Musik Mozart's in diesen Briefen wiederfinden. Jene Mischung von Fröhlichkeit und Tränen, von Grazie und Ernst, die der Name Mozart in sich schließt. Dem kundigen Herausgeber gebührt der Dank aller Freunde des Tondichters. Das Buch enthält keine Seite zu viel und keine zu wenig.

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