Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 456 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 27 stamms und überdies befindet sich im Alexander-Museum eine vom berühmten Antokolski geschaffene Büste Peters des Großen. Einweihung des ueuerbaute» Kaiser Franz Joseph I. Jubiläumstempels in Kremsier am 3. Juli In überaus feierlicher Weise, in Anwesenheit von Deputationen vieler mährischer Gemeinden, der Spitzen der politischen Behörde, des Bezirkshauptmannes G a l u s e k in Vertretung des Statthalters, des Bürgermeisters V e s e l s k y, des Obersten und der Offiziere des in Kremsier garnisonierenden Landwehr-Regimentes, des jüdischen Veteranenvereines aus Holleschau und unter außerordentlich großer Teilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Kremsiers und der Nachbarstädte fand am 3. d. M. die Weihe der vom Architekten I. Gärtner erbauten neuen Synagoge in Kremsier statt. Sagen wir es gleich: Herr Architekt Gärtner hat zu seinen vielen Synagogenbauten ein neues, prächtiges Werk hinzugefügt, das allgemeine Bewunderung fand. Am Sabbathe, 25. Siwan (2. Juli), fand ein feierlicher Abschiedsgottesdienst in der alten Synagoge statt, die nun, ein Denkmal alter Bauten aus dem 17. Jahrhundert, erhalten und dem Vereine zur Bewahrung alter, ehrwürdiger Baulichkeiten übergeben werden soll. Der Gottesdienst, bei welchem Herr Rabbiner Dr. A. Frankl-Grün unserer frommen Ahnen in ergreifender Weise gedachte, nahm einen sehr würdigen Verlauf. Herrlich leuchtete die Sonne zur Einweihung der neuen Synagoge am Sonntag, 3. Juli. Man kann sagen vom frühen Morgen war die ganze Bevölkerung Kremsiers auf den Beinen. Zunächst wurden nach kurzem Gottesdienste die Thorarollen aus der alten Synagoge in die neue, reich im Flaggenschmucke prangende neue Synagoge übertragen. An der Spitze schritt Herr Vorsteher Ignatz K n ö p f e l m a ch e r, dessen unablässigen, energischen Bemühungen dieser Neubau der Synagoge recht eigentlich zu danken ist. Ihm standen wackere Mitarbeiter an der Seite: die „Tube Hakahal" : die Herren Leopold Färber, Heinrich I o k l u. A. Beim Anzünden des ewigen Lichtes sprach Rabbiner Dr. Jakob Fr ei mann aus Holleschau schöne Worte über die Bedeutung der Zeremonie. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. A. Frankl- Grün. Die Predigt machte auf die Anwesenden großen Eindruck. In tschechischer Sprache hielt die Weihepredigt Herr Rabbiner Prof. Dr. Julius Re ach aus Gaya. Die Rede, eindrucksvoll vorgetragen, brachte mächtige Wirkung hervor. Den Gesangsteil besorgte Oberkantor Reich a rd aus Kremfier in Verbindung mit einem wohlgeschulten Chore. Außer den schon oben genannten Persönlichkeiten und einem ungemein zahlreichen jüdischen und nichtjüdischen Publikum wohnten dem Gottesdienste die Kremfierer Kinder, Herr Notar Dr. Julius Beermann aus Wien, Herr Leopold Otto aus Wie n, Prof. Dr. Max G r ü n f e l d, der Letztere auch in Vertretung der Brünner Kultusgemeinde, und andere Kremfierer bei, die jetzt meist in hervorragenden Stellungen, aus der Ferne herbeigeeilt waren, um diesen Festtag ihrer Gemeinde mttzuseiern. Die Tempeüveihe wurde mit dem Gebete für den Monarchen und der Volkshymne beendet. Der Nachmittag vereinigte mehr als 120 Festteilnehmer zu einem gemeinsamen Mahle im „Konkordia"-Saale. Viele schwungvolle Toaste in deutscher und tschechischer Sprache wurden allsgebracht: Vom Vorsteher Herrn Ignaz K n ö p f e l m ach e r auf den Kaiser, vom Rabbiner Doktor Frankl-Grün auf den S t a t t h a l t e r, vom Bürgermeister V e s e l s k y auf den Vorsteher Knöpfelmache r, vom Vorstandsmitgliede Heinrich I o k l auf den. Altbürgermeister Pistßcky, von diesem auf das Blühen der Gemeinde, vom Rabbiner Dr. Freimann auf Rabbiner Dr. Frankl- Grün, vom Profeffor Dr. G r ü n f e l d auf die Jugend unseres Volkes. Die Toaste wurden mit begeistertem Jubel von der in gehobener Stimmung fich befindenden Versammlung, in der auch viele Damen waren, ausgenommen. Die ganze Handlung der Weihe verlief in feierlicher, durch keinen Mißton gestörten Weise. Allgemein war man voll Bewunderung für die Eintracht, die in Kremsier zwischen den Konfessionen herrscht und die sich an diesem Tage glänzend kundtat. Es ist dies nicht am wenigsten das Verdienst des um den Bau des Tempels hochverdienten Vorstehers Herrn I. K n öp f e l m a ch e r, der bei seinem Werke von den Behörden und dem Bürgermeister V e s e l s k y unterstützt wurde. Möge die neue Synagoge der Ehre des Herrn dienen, aber auch bleiben ein Wahrzeichen der Menschenliebe, des Friedens zwischen den Konfessionen und Nationen. Jsch Kremsier. Holleschau. (Fahnenweihe des ersten jüdischen Militär-Veteranenvereines in Oesterreich, gegründet im Jahre 1899 unter der Aegide Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Jakob Freimann). Sonntag den 26. v. M. fand hier in äußerst würdiger Weise das Fest der Fahnenweihe des unter dem Protektorate des Großindustriellen Herrn Friedrich Grätzev stehenden ersten jüdischen Militär-Veteranenveremes der Jsraeliten-Stadt Holleschau statt. Aus diesem Anlasse war die Judenstadt festlich geschmückt, von sämtlichen Häusern wehten schwarz-gelbe Fahnen und mehere Häuser waren reich dekoriert. Obwohl der Veteranenverein ein jüdischer ist, haben sich trotzdem viele auswärtige christliche Vereine mit ihren Fahnen, darunter: Holleschau, Freistadtl, Kremsi r, Göding, Leipnik, Wsetin, Wischau und andere eingefunden und sich an dem Feste beteiligt. Unter den Festqästen waren Herr Rudolf Reichsgraf Wrbna Kaunitz samt Gemahlin Ihrer kgl. Hoheit Elvira Prinzessin von Bayern und deren Tochter Frau Gräfin Radetzky, der k. k. Bezirkshauptmann mit sämtlichen Beamten der politischen Behörde, eine Offiziersdeputation des k. k. Landwehr-Infanterieregiments Nr. 25 aus Kremsier, die Vertretung der politischen Israeliten- und Kultusgemeinde Holleschau, der Kultusvorstand aus Kremsier, sämtliche Herrschaftsbeamten, der Stationsvorstand rc. und nahezu die ganze Bevölkerung von Holleschau. Vor dem Tempel auf einer, Tribüne mit der Kaiserbüste geschmückt stehend, begrüßte der Kommandant des Vereines Herr Angelus Lustig mit schwungvollen Worten in beiden Landessprachen die erschienenen Festgäste und Vereine, wobei er betonte, daß der Verein diese Fahne anläßlich des 80 jährigen Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers weihe, um seine patriotische Gesinnungen kundzugeben. Zum Schlüsse wurde ein dreimaliges Hoch auf den erhabenen Monarchen ausgebracht, in das die nach Tausenden zählende Menge einstimmte. Hierauf ergriff die Fahnenmntter Frau Rosa Grätzer das Wort. Die Rednerin, deren Opferwilligkeit die Anschaffung der Fahne ermöglichte, versichert, auch fernerhin dem Mijitär-Veteranenvereine ihre Fürsorge angedeihen zu lassen. Sie lud die Festversammlung ein, in das Gotteshaus einzutreten, damit das Banner, um welches sich die Veteranen zu patriotischen Kundgebungen stets scharen werden, seine Weihe empfange. Nun erfolgte die Formierung des Zuges in den festlich geschmückten und hell erleuchteten Tempel. Voran schritten weiß gekleidete Schulmädchen und 24 Fahnen, jungfrauen, die Festaäste und Vereine folgten. Im Tempel sang Herr Kantor Michalowsky mit einem Doppelguartett Ma Tauwo, die Ehre Gottes von Beethoven und Halleluja in sehr stimmungsvoller Weise. Den Glanzpunkt des Festgottesdienstes bildete die überaus gehaltvolle und formvollendete Festrede Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner und Feldpredigers Dr. Jakob Freimann. Ausgehend von der Bedeutung der Fahne und deren Geschichte im Judentume, knüpfte der Redner an die Inschrift und Sinnbilder der Fahne an, welche die Heranwachsende Generation ermahnen mögen, sich opferfreudig, tapfer und treu um das Banner Oesterreichs zu scharen, und die Mitbürger stets daran erinnern soll, so wie sie im Kriege treu Zusammenhalten, bereit fürs Vaterland zu sterben, dieselben auch rm Frieden einig und zusammenstehen müssen, um im Vaterland brüderlich nebeneinander zu leben. Sodann fand die eigentliche Weihe der schönen, reich mit Gold gestickten Vereinsfahne statt,' zu der auch Herr Bezirkshauptmann Dr. Hloschek das Wort ergriff und dem israel. Veteranenvcrein seines ferneren Wohlwollens versicherte. Mit der Absingung der Volkshhmne fand der Gottesdienst seinen Abschluß. Nach dem Gottesdienste fand unter den Klängen des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 54 die Defilierung sämtlicher Vereine statt. Den Schluß des schönen Festes blildete nachmittags eine Platzmusik, ein Konzert und Tanzkränzchen, welches sehr animiert verlief und erst um 3 Uhr Früh endete. Um das Gelingen des herrlichen Festes, das allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird, erwarben sich die Mitglieder des Komitees und die Festordner große Verdienste. „Schafsköpfige Stadtverordnete und Banausen." Dessau. Ein interessanter Prozeß spielte sich vor dem hiesigen Schöffengericht ab. Angeklagt war der Führer der anhaltischen fortschrittlichen Volkspartei, Rechtsanwalt und Notar Dr. Hermann Cohn, wegen Beleidigung von zehn statischen Beamten. Der Beschuldigte