Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 455 Nr 27 Dr. Blocks Wochenschrift. Tempelbau, wie ihn der geehrte Herr Einsender mit allen idealen Forderungen der Neuzeit schildert, sich erfüllen! Den Dank für eine so große Tat würde der löbl. Vorstand der Wiener isr. Kultus - Gemeinde darin finden, daß sie sich selbst und das Leben und die Gesundheit ihrer Mitglieder bei Ausübung ihrer Andacht, so weit es in ihrer Macht steht, schützen wollen. Mit bestem Dante zeichnet hochachtungsvoll! L. W. im Namen vieler regelmäßiger Besucher des Tempels im ersten Bezirke Wiens. Zur Entstehung des Bodenkauf-Berbotes in Palästina. Das in vier Sprachen (auch in hebräischer) erscheinende Jerusalemer Blatt „Haemeth" schreibt die Entstehung des mit aller Strenge durchgeführten Bodenkauf-Berbotes in Palästina hauptsächlich der verfehlten, viel zu lärmhaften Taktik der Zionisten zu. Dies beziehe sich nicht nur auf die jetzige Auffrischung des bereits bestandenen Verbotes, sondern auch auf die ursprüngliche Entstehung des Verbotes selbst. Zur Erhärtung der letzteren Behauptung führt das Blatt — wie es sagt — auf Grund authentischer Informationen die folgende historische Tatsache an: „Es war nach dem ersten Kongreß, nachdem in Basel proklamiert wurde, daß die Zionisten die Erwerbung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina anstreben. Bald darauf wurde der Sultan gewarnt, den Zionisten auch nur die geringsten Konzessionen zu machen, weil sonst im Lande eine Revolution der orthodoxen Mohammedaner entstehen könnte. Auch Papst Leo XII. gab dem Sultan Abdul Hamid den Protest der Katholiken gegen den Plan der Zionisten bekannt. „Meine Katholiken — soll der Papst damals geschrieben haben — beklagen sich ohnehin über die Verfolgungen, die sie von den anderen christlichen Sekten in Palästina zu erdulden hatten, so daß es schon öfter zu Blutvergießen kam, was würde erst aus ihnen werden, wenn auch die Juden, die natürlichen Feinde des Christentums, sich zu ihren Verfolgern gesellen würden." Hierauf sei vom Großvezier das folgende Antwortschreiben an den Papst abgegangen: „Mein Herr, der Sultan, befahl mir, Eurer Heiligkeit wiffen zu lasten, daß Seine Majestät der Sultan seine freundschaftlichen Beziehungen zu seinen katholischen Untertanen nach keiner Richtung geändert habe. Die Gerüchte, welche von Konzessionsgewährungen an die Zionisten zu erzählen wiffen, entbehren jeder Grundlage." Ein ahnenstolzer Levite. Einer der Referenten der kürzlich abgehaltenen Jahresversammlung der „Personal-Right-Astociation", einer auch über die Grenzen Englands hinaus bekannten politischen Gesellschaft, war Mr. I. H. Levy, der u. a. ausführte: „Ich glaube kaum, daß ich über meine unmittelbaren Vorfahren viel Beachtenswertes zu sagen hätte, aber oft blicke ich weiter zurück auf die lange Reihe meiner älteren Ahnen bis hinauf zu den alten Propheten Judäas und frage mich, ob es nicht meine heilige Pflicht sei, ebenso unerschrocken die Sache der Wahrheit und des Rechtes zu vertreten, wie sie es getan haben". Eine vielbemerkte Szene im englischen Unterhause. Während der Debatte über die Aenderung des Textes des Königseides kam es zn einer vielbemerkten Auseinandersetzung zwischen dem zweiten Sohn Lord Rofeberrys, Ms. Niel Primrose und dem einzigen Antisemiten im englischen Unterhause, Mr. Bellock. Bellock, der Katholik ist, unterstützte die^Gesetzesvorlage, wonach die Stellen im Königseide, die sich gegen die Katholiken richten, eliminiert werden sollen. Mr. Bellock berief sich hierbei auf die Toleranz, die den Konfessionen gegenüber geübt werden müsse. Hierauf ergriff Mr. Niel Primrose, der, wie bekannt, mütterlicherseits von den Rothschilds abstammt, das Wort und wies die heuchlerische Berufung Bellocks auf Toleranz energisch zurück: „Bellock ist der letzte, der von Toleranz sprechen dürfe", sagte Primrose, „denn er selbst übt die ungerechteste Toleranz gegen eine Rasse, mit der verwandtschaftlich verbunden zu sein ich stolz bin. Als meine Ureltern gezwungen wurden, in Egypten die härteste Arbeit zu verrichten, waren es sicherlich die Urahnen Bellocks, die in wilder Intoleranz die Marter für Israeliten ausgeheckt haben. Ich bin stolz darauf, einem Volke zu entstammen, das die Kraft in sich hat. Tausenden und Abertausenden solcher Bellocks mit Erfolg zu widerstehen." Die Rede Mr. Prkmroses, von dem erst jüngst berichtet wurde, daß seine Verlobung mit der Prinzessin von Connaught bevorstehe, hat im englischen Unterhause großes Aufsehen hervorgerufen. Die Finnländer als Bedrücker. Während die Finnländer die ganze zivilisierte Welt in Aufruhr setzen, weil sie von den russischen Machthabern bedrückt werden und es gerne sehen, daß es zumeist Juden sind, die in Europa Stimmung für ihre Rechte machen, werden diese „Unterdrückten" in ihrer Heimat nicht müde, es in der Verfolgung der Juden ihren russischen Unterdrückern gleichzutun. Der Finnländische Polizeichef in Helsingfors wendet sich in einem „off.neu Brief" gegen die „frechen" Juden, die sich unterfangen, gegen seine Ausweisungsbefehle an den Senat zu appellieren. Der Polizeimeister droht, die schärfsten Maßregeln gegen die Juden anzuwendeu, wenn sie nicht von selbst das Land verlassen. Es handelt sich um einen Ausweisungsbefehl gegen 100 jüdische Familien, die seit langer Zeit in Finnland leben und sich nie etwas zu schulden kommen ließen. Der finnländische Polizeimeister will auch in der barbarischen Form der Ausweisungsbefehle nicht hinter seinen russischen Kollegen Zurückbleiben. So bat ein Ausgewiesener um einen Aufschub, weil seine Frau schwer erkrankt und nicht transportfähig sei. Der Herr Polizeimeister wies den Mann mit der zynischen Bemerkung ab, er hätte das Land verlassen sollen, ehe seine Frau erkrankt ist. Eine jüdische Deputation, die beim Gouverneur in dieser Angelegenheit vorsprechen wollte, wurde gar nicht vorgelassen. Ein Wort Roosevelts. Der berühmteste lebende Bürger der amerikanischen Republik war bei seiner Rückkehr in seine Heimat Gegenstand der ehrendsten Ovationen. Von allen Aeußerungen über seine jüngste Europareise ist wohl diejenige am interessantesten, die sich auf jene Länder beziehen, welche Roosevelt nicht besucht hat. Roosevelt hat geflissentlich jene Länder gemieden, die sich durch ihre religiösen Verfolgungen einen unrühmlichen Namen gemacht haben. Roosevelt habe — so berichten die amerikanischen Blätter — Rußland und Rumänien mit Absicht nicht im Reiseprogramm ausgenommen. Als Oberhaupt eines Staates ist man oft durch diplomatische und Handelsrücksichten gezwungen, den Verkehr mit solchen Staaten aufrechtzuerhalten, wenn aber ein freier Bürger eines freien Staates zu seinem eigenen Vergnügen reist, so wird er es ablehnen, der Gast von Ländern zu sein, in denen religiöser Haß und Verfolgung das politische Leitmotiv bilden. Die Entgegennamhe von Brot und Salz hätte ihn mit Recht in den Verdacht gebracht, daß. er die Brutalitäten der Regierungen dieser Länder gutheiße und mit seiner Autorität zu decken beabsichtige. Das Denkmal Peters des Großen. In Petersburg wurde dieser Tage das Denkmal Peters des Großen enthüllt. Das Denkmal ist ein Meisterwerk des jüdischen Bildhauers Ahrousohn. Mit diesem Denkmal besitzt jetzt Petersburg drei Statuen des großen russischen Kaisers, die von jüdischer Künstlerhand geschaffen wurden. Die eine, die vor einigen Jahren auf einem anderen Petersburger Platze Aufstellung fand, ist das Werk Bern-