Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 453 schmückt (tivVpNv) oder nicht, blickt nicht alles nach — Fluch über sie, wenn sie sich nicht schmückt! Aber einer ledigen Frau, ob sie sich nun schmückt oder nicht, blickt alles nach — Fluch über sie, wenn sie sich schmückt!“ Sie sprechen namentlich von der Ausschmückung der Braut, deren vollen Staat sie aus 24 Stücken bestehen lassen, als von einer höchst verdienstvollen Tat. Schon aus letzterem Ausspruch, der auf des. 3, 18—23. 24 basiert, ist ersichtlich, dass der Schmuck weiter gefasst wurde als in unserer Zeit, indem es vorzüglich Kleidungsstücke sind, mit denen man die Frau geschmückt sein lässt, und es ist bezeichnend, dass in der pompösen Sprache der späteren Zeit für „Kleider" geradezu „Geschmeide“ gebraucht wird. In anderen Fällen sind es Salben und Pomaden, Dinge, die zur Körperpflege gebraucht werden, die den Namen „Schmuck“ tragen. In letzterem Sinne heisst es, dass es eine uralte, auf Ezra zuiückdatierte Institution wäre, dass Krämer in den Landstädten umherziehen, damit die Töchter Israels leicht zu ihren Putzsachen kämen, deren Wert daraus erhellt, dass sie von alten Frauen nicht minder, und wie es heisst, selbst noch am Bande des Grabes, gebraucht wurden, während es vom richtigen, goldenen Schmuck in einem anderen Ausspruch heisst, der „Schmuck“ gezieme nur dem jugendlicheu Körper. Selbst Sabbat und Feiertag dämmte die diesbezüglichen Arbeiten nicht ein, und selbst die notwendige Trauer um Jerusalem veranlasse die Bahbinen nicht, den Frauen das Schmücken zu untersagen, sondern sie legten ihnen nur die Pflicht auf, es nicht bis zur höchsten Vollendung zu bringen. Der Schmuck im engeren Sinne des Wortes besteht aus Edelmetallen (Gold und Silber), Perlen und Edelsteinen. Als überaus wertvoller Besitz wurde der Schmuck dort, wo er in grösseren Bestän len vorhanden war, nach den Quellen in ausserjüdischeu, d. i. zumeist in römischen Kreisen, in eigenen Schatzhäusern, in Fässern, Kisten und Kassetten verwahrt und versiegelt — entsprechend der Bezeichnung K’bü'p — xs'pyjXtov Kleinodien —, nur zu besonderen Anlässen, z. B. die Braut zu beschenken, herausgeholt, von den jüdischen Frauen auch nicht jeden Tag, sondern nur au Feiertagen getragen und zur Zeit der Trauer natürlich überhaupt nicht augelegt. Das Geschmeide trug man entweder als selbständige Stücke, z. B. Fingerringe, oder an Kleidungsstücken angebracht, wie es z. B. die Perlen waren, die an der paragauda den Effekt erhöhten. Das Bohmaterial, wie Gold und Silber, musste natürlich erst bearbeitet werden (Abschn. VII). Korallen (p^mp — */.opa)JUcv). aram. 8JVD3, werden selten erwähnt; sie wurden zu Schiffe aus dem Meeresgruude geholt (prpn) und zwar angeblich mehr von den ßömern, während die Perser mehr Perlen fischten. Ungemein gross ist die Bekanntschaft mit den Perlen — margarita); neben diesem gr.-lat. Namen erscheint der'arabische Name n*H nur nebenbei. Gleichwohl findet sich die Perle gerade im Besitze des Königs der „Sarazenen“, und es ist anzunehmen, dass der Handel damit in den Händen der Araber lag. Die hauptsächlichste Arbeit an ihnen ist das Schneiden (■>,£}) und Bohren (mp)- Sie sind nicht gross, glänzend weiss, haben runde, tropfenartige Form, werden auf Schnüre gereiht (Tin) oder, mit Edelsteinen abwechselnd, in Diademe gesetzt (yjp), wohl auch in Edelstein gefasst, oder umgekehrt: der Edelstein wird in die Perle gefasst. Dem letzteren Modus nach gilt der Edelstein für kostbarer als die Perle; aber sehr oft hat die Perle geradezu die Bezeichnung: die unbezahlbare, die unschätzbare; kein Wunder, dass sie einen eigenen Behälter (rni" bup n'2' N^JSTpDX) hatte und zu Geschenken vewendet wurde. Das Perlenkollier war entweder ein-, zwei- oder mehrreihig (nv^jiö und je mehr Beiheu, umso kostbarer, wie es sich nur Fürstinnen gönnen konnten, und in einem- Falle, wo die Kaiserin in Born eines verlor, wurde für den glücklichen Finder ein hoher Lohn ausgesetzt. Die Edelsteine (ni^ia D'JIX) werden ebensohäufig wie die Perlen und mit diesen zumeist in Verbindung genannt. In ihrer Wertschätzung giug die h. Schrift voran, indem sie im Brustschilde des Hohenpriesters zwölf Steine, worauf die Namen der zwölf Stämme Israels eingraviert (nna) waren, eingesetzt sein lässt: der Ausgangspunkt vieler Erklärungen und Spekulationen, unter denen diejenigen des Josephus, der Apoka’ypse Johannis und der Bahbinen hier wenigstens summarisch erwähnt werden sollen. Als Schmuck von Menschen und Haustieren war der Edelstein sehr beliebt; er diente ferner zu Amuletten und im Baufach. Im einzelnen lässt sich an Gold, Silber, Perlen und Edelsteinen folgender Schmuck nachweisen. 91. Das Siegel ider der Stempel (nnin, aram. gr- D\2"iöD acppayt's) hatte die Gravierung entweder erhaben (obs) oder vertieft (j?pi£?). Von der Eingravierung rührt der aram. Name KpTJ? her, dagegen Kpiaü'O, ebenfalls Siegelring, pers. eigentlich Fingerhut. Es waren nicht bloss Buchstaben, in erster Beihe der Name des Besitzers, eingraviert, wie wir sie durch Funde aus israelitischer Zeit zur Genüge kennen, sondern auch Figuren it'3'^'2), oft die einer heidnischen Gottheit, weshalb denn der Gebrauch solcher Siegel, besonders bei vertieften Figuren, die dann auf dem Abdruck im Belief herauskommen, den Juden erschwert war; nichtsdestoweniger werden Fakta berichtet, wonach ein vornehmes Geschlecht in Palästina sich der Figurensiegel bediente, und in Jerusalem verfertigte man Siegel mit allerlei Figuren, mit Ausnahme der menschlichen Figur. Gleichzeitig erfahren wir. dass auch andere Schmuckgegenstände; Ketten-, Nasen- und Fingerringe und Halsketten mit ähnlichen Figuren versehen waren, nicht zu vergessen des Papiers, der Feder und der Feder dose, Dinge, die, wie wir wissen, ebenfalls am Körper getragen wurden (w. u.), beide Gruppen ausdrücklich als geschätzte Dinge (ptatsö) bezeichnet, wogegen andere Gebrauchsgeg«nstände: Kessel, Kasserolen, Tigel, Töpfe, Schalen, Linnenzeug und Münzen für geringfügig (pviT:s) galten, so dass den an ihnen allenfalls angebrachten Figuren keine Bedeutung zukam. Es handelt sich da gewiss um die den Gegenständen aufgedrückten Stempel (crustae); aber in den Fällen, wo es fraglich erscheint, ob ein Mann, eine Frau, ob auch Haustiere, die am Halse bzw. am Gewände ein Siegel (anin) tragen, am Sabbat ausgehen dürfen, können nur lose herunterhängende Siegel gemeint sein, richtiger etwa als Embleme zu bezeichnen; namentlich dann so aufzufassen, wenn von „gestempelten“ Kleidern und Sklaven, gesprochen wird, wobei an das soeben erwähnte gestempelte Linnenzeug zu erinnern ist. Von Kleidern heisst es allgemein, dass sie Merkmale (n^trc) tragen, was wohl auf ihren Stempel geht. — 92. Das Siegel hängt aufs engste zusammen mit dem Fingerring (bh. und nh. pjrnts), dessen gravierter Stein ebenfalls oft als Siegel gebraucht wurde; doch gab es Binge auch ohne Siegel, die aber nicht graviert (ppn) waren, es gab feiner welche, wo der Bing metallen, das Siegel aus Sandelholz (jte^x) war; nun konnte aber das kostbare Sandelholz selbst der Bing sein und war dann in edles Metall gefasst (naixa)- Die Quellen sprechen von dreierlei Bingen : von dem des Menschen, von dem der Tiere (etwa an ihrem Fasse oder ihrem Halse) und von dem der Geräte (eine Art Stempel, wie in No. 91); doch bezeichnet in der Männerkleidung auch einen metallenen Lendengurt und eine Agraffe auf der Schulter. Der Bing ist ein sehr gangbarer menschlicher Schmuck; er wurde, vielleicht wenn er zugleich ein Siegel war, gewiss auch von Männern an den Fingern getragen, und wenn die Schmucksachen der Frau aufgezählt werden, so figuriert der Bing in einer Beihe mit dem Kopfscfimuck, mit Hals-, Ohren- und Nasenketten. Als Frauenschmuck ist er immer blosser King ohne Siegel, denn Frauen privaten Standes tragen keinen Siegelring, es sei denn die Vorsteherin einer Genossenschaft, und es werden dabei Angaben gemacht, die gewiss aus dem Leben gegriffen sind: der Mann traut der Frau den Siegelt ing, mit dem er alle geschäftlichen Urkunden Unterzeichnete, Briefe und Waren verschloss, höchstens nur so weit aa, dass sie ihn im Hause in den Schrein (xDSip) gehe; umgekehrt musste der Mann den siegellosen Bing der Frau, also ihren Schmuck, zum Künstler (jviX) tragen, damit er repariert werde (fpn), wie es gewiss auch mit anderen Scmuckgegenständen gehalten wurde. Als eine s'ets vorrätige Wertsache wurde der Bing oft als Faustpfand gegeben. Man fühlt sich in die römische Welt versetzt, wenn man liest, in dem gehöhlten Binge stecke tätliches Gift, das man ausschlürft, um einem schmählichen Tode zu entgehen. — 93. Der vorhin genannte Kopfschmuck heisst uh. siT TJ? „goldene Stadt“, das ist ein goldener Kranz, worauf das Bild der Stadt Jerusalem eingraviert war. — 94. Mit den Halsketten der Frauen wurde ein ausserordentlicher Luxus getrieben; an und für sich ist der Hals diejenige Stelle, die von den Frauen am meisten mit Geschmeide ausgestattet wurde und mit den Halsketten, unter dem Namen nr^tap (pl. von y.ccxiXk<x catel'la) überaus häufig genannt, sollen sie den Zweck verfolgt haben, sich molliger zu machen, indem sie die Halskette fast bis zum Würgen (pjn) straff zogen, so dass das Fleisch darunter aufschwoll; ärmere Frauen, die sich mit einer geschlungenen, schmucklosen Schleife (p-Pt) oder mit wollenen oder linnenen Bändern (nvbrt) begnügen mussten, die in das Fleisch einochneiden würden, gingen selbst dieser körperlichen Schaustellung verlustig. An der Halskette unterscheidet man zwei Hauptbestandteile -. die Boutons (potn) und die Schnur (ö'irr), auf die sie aufgezogen sind; die Boutons sind aus edlem Metall auf einer linnenen oder wollenen Schnur, oder aber sind die Boutons von Edelsteinen, Perlen und Glaskügelchen — es können wohl die drei Stoffe in einem und demselben Stück vereint sein — bezw. von rotem Sandelholz (a^D^K) auf eine metallene Schnur aufgezogen; in ersterer Ausführung liegt näher die Möglichkeit, dass die Schnur reisst (pc%n), ia letzterer hingegen, dass die Boutons brechen; auch können diese natürlich herausfallen und verloren gehen, und da hören wir, dass, wenn auch nur ein Bouton geblieben, der Charakter des Schmuckes weiter daran haftet, weil man sich hie und da auch ein Bouton auf den Hals hängt, und kleine Mädchen haben ohnedies mit einer kleineren Schnur genug. Halsketten, gewiss in anderer Ausführung, sind ferner pay, das nach Hobel. 4,9 etwa einen einzelnen Bonton bedeutet, in Ge-