Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 452 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 27 sein, als er zum Oberstaatsanwalt befördert wurde, und ließ sich taufen. Als Teixera beim König in Audienz erschien, um für die Ernennung zu danken, wurde er huldvollst empfangen und der König, der nicht wußte, daß er es mit einem Renegaten zu Lun habe, lobte den Oberstaatsanwalt besonders dafür, daß er seinem alten angestammten Glauben treu geblieben sei. Betroffen antwortete Teixera, daß er nicht mehr Jude, sondern römisch-katholisch getauft sei. Der König maß den Abtrünnigen mit verächtlichem Blicke, würdigte ihn keines Wortes mehr und verließ den Audienzsaal. So berichtet „Corriere della Sera". Der Bericht des Antisemiten. Einer der gefährlichsten Antisemiten Frankreichs während der letzten zwanzig Jahre, Raphael Vian, hat sich ein Buch vom Herzen geschrieben, das einen wertvollen Einblick bietet in den Geschäftsantisemitismus, wie er den Antisemiten aller Länder gemeinsam ist. Das soeben bei Charpentier in Paris erschienene Buch Vians, „Vingt ans d'Antisemitisme" (Zwanzig Jahre Antisemitismus") reumütige Berichte eines alten Antisemiten, der, nunmehr geheilt, sich seiner Jugendsünde schämt und nun froh ist, der schädlichen Krankheit glücklich entronnen zu sein. Und Vian ist sicher kompetent, ein Urteil über die Entstehungsgründe, Entwicklung und Verfall des französischen Antisemitismus zu fällen, war er doch fast zwei Jahrzehnte hindurch der Privatsekretär des Propheten der französischen Antisemiten, Drumont, und erster Mitarbeiter der antisemitischen „Libre Parole".- Mit fast grausamer Unerbittlichkeit deckt Vian die Falschheiten der antisemitischen Führer in Frankreich auf, wie. sie den Antisemitismus für ihre Privatzwecke fruktifizierten, erinnert er an das aufsehenerregende Duell zwischen den Antisemiten Mores mit dem jüdischen Kapitän Armand Mayer, in welchem der jüdische Soldat für die Ehre seiner Glaubensbrüder sein Leben ließ, wie die antisemitische Presse das Anti-Dreyfus-Fieber künstlich zum Sieden brachte, wie dann Drumont und Max Regis Algier in Aufruhr brachten und das Leben der dortigen Juden bedrohten und wie schließlich die französische Nation sich diese Blutegel vom Leibe schüttelte „energisch mit dem Fuße stampfte und aufschrie: „Ich will frei sein!" Ich habe die Bewegung verlassen — sagt Vian — und bin nun an jenem Wendepunkt des Lebens angelangt, wenn der Mensch mitleidig über sich selbst lächelt, wenn er daran denkt, daß bis dahin seine Ambition seine Liebe und seinen Haß erregt. „Ich war ein irregeführter Jüngling, wie so viele Andere, die durch die Machenschaften der Führer entnüchtert wurden.... Tont comme cliez nous! Warum verleugnet«; Columbus seine spanische Abkunft. In einer spanischen Zeitschrift beschäftigt sich der spanische Geschichtsforscher Don Fernando de Anton de Olmet in einem längeren Artikel mit der wahren Heimat Christoph Columbus. Demnach stammt Columbus aus Spanien. Nach Ansicht des Verfassers find alle vorhandenen Dokumente und angeblichen Beweise, laut welchen der berühmte Entdecker in Genua geboren worden sei, nichts als Fälschungen. Es ist wohl wahr, daß Columbns sich in einer Aeußerung selbst einen Genueser nennt, dies habe er aber bloß deshalb getan, um nicht als heimatlos angesehen zu werden. Diego Mendes, sowie andere Zeitgenoffen, die ihn persönlich kannten, nennen ihn einen Ligurier. All dies find nun, wie Don Fernando de Anton de Olmet angibt, nichts als Behauptungen, die dmch nichts unanfechtbar bewiesen werden. Columbus konnte überhaupt nicht italienisch, sowie keine seiner hinterlaffenen Schriften in italienischer Sprache verfaßt ist. Warum er sich trotzdem einen Genueser nannte, erklärt Don Fernando einerseits damit, daß die Genueser Schiffer zu jener Zeit in großem Ansehen standen, andererseits aber um auf diese Weise seine jüdische Abstammung zu verbergen, denn nach Ansicht des spanischen Forschers steht es außer Zweifel fest, daß Columbus mütterlicherseits jüdischer Abkunst war. Dies war auch der Hauptgrund, weshalb Columbus seine wirkliche Abstammung verleugnete, um auf diese Weise den Verfolgungen der Inquisition zu entgehen. Ein Wormser jüdischer Heilkünstler. In einem Vortrage über die „Wormser Aerzte des 1«. Jahrhunderts", den Professor Dr. Weckerling in der letzten Hauptversammlung des Wormser Altertumsvereines hielt, erwähnte er auch, daß Juden sich häufig mit der Heilw'.ssenschaft befaßten. Angeregt hierdurch erzählt nun Max Levy-Worms in der Zeitschrift „Vom Rhein", Monatsblatt des Wormser Altertumsvereins, von einem Juden namens Beffuß (noch jetzt gibt es in Frankfurt a. M. eine Familie dieses Namens), der im Jahre 1574 in Worms lebte und nicht gewöhnliche medizinische Kenntnisse gehabt haben muß. An ihn wandte sich der Dekan des Liebfrauenstifts, Stephan Holzapfel, als er vier Tage sprachlos darniederlog, und Beifuß half ihm. Wahrscheinlich auf Betreiben der Aerzte, die von dieser Konkurrenz nicht erbaut waren, wurde dem Beifuß vom Rate der Stadt verboten, „Arztncy zu gebrauchen". Als der erwähnte Dekan im Jahre 1575 wieder ernstlich erkrankte, ersuchte er den Juden Beifuß abermals um Hilfe. Aber dieser mußte sie ihm nach dem Verbote des Rates versagen. Da machte der Dekan eine Eingabe an das Wormser Stadthaupt, den Stattmeister Georg Glaser, damit man dem Beifuß gestatte, ihm behilflich zu sein. Diese Eingabe ist im Wormser städtischen Arch've (Band 12i3) e.halten und lautet nach der Wiedergabe Levys wie folgt: „Demnach ich Sündere nach dem willen Gottes des Allmechtigen mir schwerer Leibspladigkeit, sonderlich eine geelsucht, behafft, also was ich je gebraucht habe und noch, kan ich nit spüren, es mir zu statten kommen thue, sondern muß also besorgen mein leibs dhalber undergang, Hab alsbald heut dato nach einem Juden Beifnß genannt (welch mir verschiedenen Jahrs, zuvorderst durch Gottes hilff, alß ich vier tag lang 'prachloß gelegen, dermaßen hilff und Arztncy erzeigt, dardurch mir geholffen worden, gott sei lob und danck) geschickt und sein Hilff begert, damit ich an meinem leib nit weiteres beschedigt; wiewohl ver gemeldt Jnd Beifuß zu mir kommen, aber mit Wissens gehabt warumb ich ihnen beschickt, als er aber verhilff zu erzeigen, und angezeigt, es seie ime durch einen ersamen wollweisen radt in gemein Arztncy zu gebrauchen verbotten, sonsten da dieses nit were, wolle er mit der Hilff Gottes mir noch wol beförderlich und nützlich sein. Diweil ich nun itzmalen dermaßen also hart beschwert und gesundheit, wie verhoffentlich zu erlangen, so ist an E. F. W. mein gantz demütig und umb Gottes willen und dienstlich bitt: Es wolle doch E. F. W. mehrgemelten Juden Beifußen mir, in hechster meiner Beschwernuß, für stendig und behilflich zu sein gnädig erlauben und verstatten. Desumb E. f. W. bin ich die Zeit meines lebens dankparlich zu verdienen gantz bereitwillig geneigt, umb willfährige antwort bittend thue hiermit E. f. W. dem allmechtigen Gott zu gnaden befellend: Dato heut Montag den 9t. Mai ao 1575. E. f. W. Jed Zeit gantz dienst und bereitwillig Stephan Holzapfel unwürdig Dechand unser frawen stifft hie zu Wormbs. Dem ernvest. fürsichtigen und weisen Herrn Georgn Glasern des heiligen Reichs Stadt Wormbs ordentlichen Haupt und Stattmeistern gemein fürbeliepten E. lieben Herrn zu aignen Händen." Der Stattmeister brachte in der Ratssitzung vom 11. Mai 1575 die Bitte des Dekans Holzapfel, „ihm den Juden ihn zu curieren, zu gönstigen" zur Verlesung, worauf beschlossen wurde: „Ist mit ihme dispensiert, aber der Judd soll sonst der arzt ey sich enthalten." _ Der Kchmrrck im Talmud. Von Prof. Ar. Sam. Kraus. Aus dem demnächst erscheinenden Werke „Talmudische Archäologie". Verlag: Gustav Fock, G. m. b. H., Leipzig 1910. Auszug aus Bd.!. S. 198 f. Oer Schmuck (i2'V2N, Ö'tPpn), namentlich der Frauenschmuck (oft D>tM 'tD'tton, auch j’ölip =%oCT[xtov. püTip y.oa|iapiov. nvbn Geschmeide, doch wie es scheint, vornehmlich auf Perlen beschränkt, bh. nj?), bildet ein hervorragendes Moment im Leben einer Xulturgemein.-chaft, und die Juden der talmudischen Zeit, inmitten des prachtliebenden Orients lebend, standen, trotz der Not der Zeiten, unter dem Zauber der allgemeinen menschlichen Sitte, Nach einer weit verbreiteten Sage waren es die Kainiten bezw. ihre Töchter, die zuerst in verführerischer Absicht den Putz und den Schmuck auf brachten, insofern also als Unsitte und als Unheil für die Welt erkannt, eine Theorie, von dar sich die Praxis weit entfernte, de an die Rabbinen predigen dem Schmucke der Frauen oft das Lob, eiachten ihn als für die Frau unumgänglich notwendig, verhalten den Mann zu seiner Anschaffung und leisten sich folgenden Satz: „Einer verheirateten Frau, ob sie sich nun