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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-08 · 27 (8.7.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 460 Nr. 27 Dr. Mochs Wochenschrift. vollbezahlt und nur zur Kontrolle. Das Ehrenbürgertum für Schneider — natürlich wegen seiner Verdienste. Wahrlich. es ist den Christlich-Sozialen selbst schon zu viel und so ereignet sich das politische Wunder, daß sie in die Versammlungen der Freisinnigen kommen und hier wieder — Lamm und Löwe nebeneinander — nicht mit Roheiten, sondern mit Reden gegen die eigenen wankenden Parteigötzen in die Debatte eingreifen. Sie selbst haben den Liberalen Mut gemacht, aus den rein jüdischen Bezirken endlich einmal herauszugehen und der Erfolg war ein großer Sieg in Hietzing. Es ist jetzt nur die eine große Sorge, daß dieser Erfolg nicht ausaenützt wird. Die Freisinnigen sind von früher her entmutigt. in der Agitation nicht gewandt, sie haben keine Mittel und keine verfügbaren Redner, nur eine primitive Organisation, welche im Sommer auseinanderstieben dürfte, und vor allem keine Mittel. Nun ist keine Zeit besser als gerade die jetzige geeignet, aus dem vijelbelpöttelten Witz von der Wiedereroberung Wiens für den Freisinn eme erfreuliche Tatsache zu machen. Aber ohne Organisation und Mittel wird die Sache Nicht gehen. Zur Agitation geeignete Reichstagsabgeordnete sind fast keine vorhanden. Es sind nur ein paar Gemeinderäte da und die können nicht alles aus eigener Kraft bestreiten, zumal die liberale Presse ihnen durchaus nicht entschieden zu Hilfe kommt, noch immer unter der Suggestion der christlichsozialen Allmacht. Wir glauben nun, daß jetzt vor allem die drei Mittel zum Kriegführen, 'Geld, Geld und Geld, in reichem Maße beigestellt werden sollten. Man hat seinerzeit Fonds beigestellt, die sich gegen den Siegeslauf der Christlich- Sozialen als nutzlos erwiesen haben. Jetzt wäre das Geld wohl viel günstiger angebracht, um den Parteiführern einen gangen Stab von Sekretären, Agitatoren und Publizisten beizustellen, welche die vorhandene Bewegung vergrößern und erhalten, Nachforschungen führen, Versammlungen vorbereiten und .durchführen, die Presse mit Nachrichten versehen könnten. Wir leben rasch und die Japaner haben uns gelehrt, im Kriege keine Rücksicht auf die Jahreszeiten zu nehmen. Versäumen wir also keine kostbare Zeit, in welcher sich Zustände einleben und von den Wienern in bekannter Manier geduldig ertragen werden. Die Organisationsarbeit muß auf der Stelle begonnen werden, muß die Unzufriedenheit der Gewerbetreibenden, den Verkauf von Wien an das flache Land, den Druck der antisemitischen Agrarier, die christlichsoziale, geradezu mörderische Korruption ausnützen können. Bis jetzt war alle 'Gegenarbeit umsonst. Aber die Verhältnisse sind nun umgestürzt, die Stimmung verwandelt, es ist für schnelle und energische Leute alle Aussicht vorhanden, die Bande der sattgefressenen Korruptionstöter endlich von der schmachvoll ausgeübten Herrschaft zu vertreiben. Vom Jahrmarkt des Lebens. Oberstabsarzt Wolfgang Derblich s. A. Geehrte Redaktion! Gestatten Sie, daß ich die in der letzten Nummer Ihres Blattes abgedruckte Zuschrift des Herrn Dr. I. Hirsch in Prag- Karolinenthal, Regimentsarzt Derblich s. A. betreffend, mit der wortgetreuen Abschrift des Grundbuchsblattes dieses Militärarztes und „guten Juden", wie ihn Dr. Hirsch mit Recht nennt, ergänze. Es ist eigene Ironie des. Zufalls, daß Derblich, dem ein Platz in der „Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes" unbedingt gebührt, nur dadurch in diesem Geschichtswerke genannt wird, weil ihn Dr. M. Philippson und in wetterer Folge die Bearbeiter des Hecht-Kayserlingschen Lehrbuches für einen Nichtjuden hielten. Indes so ganz „ohne weitere Quellen", wie Herr Dr. Hirsch meint, dürste Philippsohn den Regimentsarzt Derblich nicht angeführt haben. Derblich schrieb unmittelbar nach dem italienischen Feldzuge 1859 einen Artikel für das Wertheimersche Jahrbuch, abgedruckt im Jahrgange 1860 oder 1861, worin er den jüdischen Soldaten das günstigste Zeugnis ausstellt. Ein Militärarzt, der jüdischen Soldaten militärische Tugenden nachrühmt — müsse zweifelsohne Nichtjude gewesen sein. Ec würde es sonst mit seinem Range nicht für vereinbar gehalten haben, so offenkundig aufzutreten. Eine andere Erklärung für diese Annahme gibt es nicht, denn Derblich beschränkte sich nur auf die unter dem Eindrücke des selbst mitgemachten Feldzuges gesammelten Beobachtungen, ohne über seine eigene konfessionelle Zugehörigkeit irgend welche Andeutung zu machen. Das militärische Bild Derblichs ist in seinem Grundbuchsblatte festgelegt. Es lautet: Heft: 2. Blatt:'160. Vor- und Zuname: Dr. Wolfgang Derblich. Geburtsort: Brody in Galizien. Geburtsjahr: 1822. Religion: Israelit. Assentiert am 1. Mai 1849 zum Herzog von Nassau 15. Infanterie-Regiment als Oberarzt. Wirkte vom 5. August 1849 bis 16. Oktober 1850 in den Armeefeldspitälern Nr. 8 und 10 und von diesem Tage ab beim Dragoner-Regiment Nr. 7, in welchem Truppenkörper er für seine aufopferungsvolle Tätigkeit in Behandlung der Typhus- und Cholerakranken vom Kriegsministerium belobt wurde. Gleichzeitig mit seiner am am 1. November 1855 erfolgten Ernennung zum Regimentsarzt 1!. Klasse wurde Derblich zur Sanitätstruppe transferiert, wo er sich die ehrende Anerkennung vom Landes-General-Kommando erwarb. Als Chefarzt der 4. Sanitäts-Kompagnie machte er 1859 den Feldzug gegen Piemont mit und^ nahm teil: Am 30. Mai am Gefechte bei Talestro, 3. Juni an dem von Turbigo und 4. Juni, an der Schlacht von Magenta, in welcher er in Kriegsgefangenschaft geriet. Am 16. Juli aus derselben zurückgekehrt, wurde er für seine hervorragenden Leistungen im abgelaufenen Feldzuge, zufolge Landes-General-Kommando-Verordnung, ddo. Verona, 13. August 1859, Sect. I. Abt. 1 Nr. 3423, mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Am 22. Mai .1860 heiratete Derblich das Fräulein Ester Sobel gegen Erlag der Kaution von 4000 fl. und wurden ihm am 26. April 1861 sein Sohn Leo, am 29. Juni 1863 sein Sohn Jakob geboren. Um diese Zeit beschrieb er im Aufträge des Feldmarschallleutnants Grafen Coronini ein altes, in architektonischer und archäologischer Hinficht merkwürdiges Kloster. Für diese Arbeit erhielt er von Erzherzog Ferdinand Max, dem damaligen Landcsgouverneur der Lombardei und Benetiens, eine Brillant- Busennadel als besonderes Zeichen seines höchsten Wohlwollens. Am 1. März 1864 avanzierte Derblich zum Regimentsarzt I. Klasse, machte bei der Corps-Ambulanz Nr. 14 den Feldzug gegen Preußen im Jahre 1866 mit. Am 1. Mai 1873 rückte er in die Stabsarzt-Charge vor. Mit seiner Pensionierung schließt auch sein Grundbuchsblatt ab. _ Moriz Frühling. Juden als Soldaten. In Horepnik, Bezirk Patzau, lebt ein Glaubensgenosse Emanuel Maler. Der Mann ernährte sich und seine zahlreiche Familie kümmerlich viele Jahre als Hausierer mit Tuchschuhen, seine Söhne haben sich geschäftlich von der Picke aufgeholfen und erhalten ihn jetzt so, daß er seine alten Tage sorgenlos verlebt. Zufolge des mir vorliegenden Abschiedes, hat Emanuel Maler, geboren im Jahre 1834, in Prosetsch (bei Patzau) als Gemeiner Soldat bei dem österreichischen k. k. 14. Linien-Jnfanterie-Regiment Großherzog Ludwig von Hessen durch 8 Jahre und 3 Tage, dann in der Reserve 2 Jahre mit Aktivität, daher zusammen 10 Jahre 3 Tage, ausdrücklich treu, redlich undtapfer gedient. Hat den Feldzug im Jahre 1869 in Italien mitgemacht.

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