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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-08 · 27 (8.7.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dp. Bloch’s mm««™™ Zenttalotgan kür die gesamten Interessen des Judentums. -□-□- Wien, 8. Juli 1910 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adrefse: Wie», ix/i, Hahngafse 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. oo" -=öo p Befugaprefa für Vekkerrrirh: C Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare SO Heller. Für'a Apaland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespal- O tene Petttzeile 24 Heller. o O -O o A. k. PofisparkralfeNÄMi Slesring-Verkebr Mr. S10.S76. Redaktion und Administration: Wien EX/i, Hahngaffe Nr. 15. 'Telefon Nr. 14.847. Inhalt: Leitartikel : Die Korruptionstöter. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Oberstabsarzt Wolfgang Derblich s. A. Jüdische Soldaten. König und Täufling. Der Bericht der Antisemiten. Warum verleugnete Kolumbus seine spanische Abkunft. Ein Wormser jüdischer Heilkünstler. — Der Schmuck im Talmud. — Korrespondenzen: Ergänztes Verzeichnis getaufter jüdischer Kurärzte. Zar Tempelfrage im ersten Bezirke Wiens. Zur Entstehung des Bodenkaufverbotes in Palästina. Ein ahnenstolzer Levite. E>ne vielbemerkte Szene tm englischen Unterhause. Die Finnländer als Bedrücker. Ein Wort Roosevelts. Das Denkmal Peter deS Großen. Einweihung des neuerbauten Kaiser Franz Joseph I. Jubilänmstempels in Kremsier am 3. Juli. Holleschau. „Schafsköpfige Stadtverordnete und Banausen." Die Eltern vertrieben, die Kinder getauft. Das europäische Gewiffen rührt sich. Ein Jude als ex offo- Verteidiger eines Huligans. Der Eindruck des Pogrombildes. Einsturz alter Gheltohäuser. Minister Rufus Israel bei König Georg von England. Eine Serenade jüdischer Schüler vor dem Sultan. Der Gouverneur von Entre Rios über die jüdischen Kolonisten. Jüdische Neger. Zurückweisung russischer Juden in Kanada. — Vermischtes. — Feuilleton: Boten. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate Me Korrnplionstöter. Man fragt sich verwundert, wieso es den Christlich-Sozialen überhaupt möglich ist, sich noch einen Tag in der Herrschaft zu erhalten. Es finden zwar momentan keine Wahlen statt, aber die Entrüstung ihrer Wähler müßte diese Leute zwingen, ihre Mandate augenblicklich niederzulegen, solange überhaupt noch etwas zu retten ist. Eine Korruptionsaffäre schließt knapp an die andere an und die folgende ist womöglich immer noch größer und schmutziger. Dem Herrn Vergani hat es nichts mehr geholfen, daß er zum Schweigen geblasen hat, um den Ab schluß eines Vertrages mit der Parteileitung zu ermöglichen, welche ihm zu seiner Million auch noch die nötigen Ehren geben soll. Ueber diese Million sagt Herr Bielohlawek Verschiedenes, über die Millionen Geßmanns sagt Vergani Verschiedenes und über alle zusammen, über die ganze Gemeinschaft deutsch-arisch-ehrenfester Korruptionstöter, Ehrenmänner und Volksretter sagt Herr Hraba Verschiedenes, alles Dinge, die man nicht nachsprechen darf, weil man sich doch nicht wegen dieser wohledeln Sippschaft Advokatenspesen, Zeitverlust und Scherereien bei Gericht zuziehen wird. Einander klagen sie ja doch nicht, so daß es den Anschein hat, als fürchteten sie sich vor den gegenseitigen Beweisen. Wer aber keine Dokumente in Händen hat, dessen Gedanken müssen leider leise bleiben. Das Traurige an der Sache ist nur, daß die ckristlichsyziale Herrschaft den Wiener Wählern überhaupt die Gedanken ausgetrieben hat. Dagegen bleibt der Trost, daß es den christlichsozialen Größen, über deren Macht sich zukünftige Historiker wohl wundern werden, doch nicht möglich ist, das Heinezitat zu erfüllen. „Bis wir' wieder zuhause sind, wird sich schon alles finden." Sie hätten sehr gerne ein Geschäft in sich gemacht, sich mit weiterer Verachtung der Wählermassen gegen Erlaubnis zum weiteren „Mitfressen" — Bielohlaweks glänzender Ausdruck im Gemeind erat — herzinnig versöhnt. Aber ihre Korruption ist eine Lawine geworden, welche sich nicht mehr aufhalten läßt. Weil man ungeschickt und unehrlich gewesen ist. Hat den Hraba für dümmer und schwächer gehalten, als er tatsächlich ist. und geglaubt, ihm seine Hälfte des Vertrages ohne Gegenlohn ablisten zu können. Er sollte seine Beschuldigungen widerrufen, aus denen hervorgmg, daß sich viele Leute materielle, politische und moralische Vorteile in der schmutzigsten Weise erworben haben. Er hatte von seinen Parteigenossen eine bessere Meinung als sie verdienten und nahm zurück: aber nun wurde er ausgelacht und zum Besten gehalten. Das ist mehr, als eiserne Parteidisziplin aushält. Er mußte doch den Leuten zeigen, daß er keineswegs ihr Bub und Bummel sei, daß er nicht etwa in der Trunkenheit oder aus ohnmächtiger Rachsucht gesprochen habe, daß er sich nicht die allgemeine Verachtung seines christlichsozialen Kreises gefallen lassen werde. So hat er denn nochmals gesprochen und seine Vorwürfe doppelt und dreifach mit der Konstatierung unterstrichen, daß ihn die Gegenseite um den Widerruf förmlich gebettelt hätte. Wenn diese Leute wirklich reine Hände und ein gutes Gewissen hätten, warum haben sie eine so zarte Rücksicht auf den bisherigen Freund gehabt, der sie beinahe vernichtet hätte, wenn wir nicht in Krähwien, sondern in einer Residenzstadt auch der Moral und des Geistes lebten? Es hat den Anschein, als hätte Hraba. der frühere Finanzreferent, der Einblick in viele Brieftaschen hatte, nicht aus einer leeren Dokumentenmappe herausgesprochen. und als würde manche Butter die Wärme des Gerichtssaals nicht vertragen. Das Schöne an der Sache ist nur, daß Hraba über die bisher behaupteten Tatsachen in der freisinnigen Presse weit hinausging. Diese konnte sich nur an bestimmte Personen und Tatsachen halten, Hraba mäht aber seine bisherigen Freunde gleich reihenweise nieder und reißt von der christlichsozialen Verwaltung die Tore so weit auf. daß man einen ganzen Augiasstall erblicken kann. Die Vürgermeisterwahl — natürlich in vollster Ordnung. Die christlichsozialen Massenmillionäre - natürlich die redlichsten Leute. Die Bauüberschreitungen beim Steinhof natürlich unvorgesehene Millionen. Die Hrabaaffäre — natürlich widerrufen. Die Baukreditbank - natürlich eine soziale Einrichtung. Der Fleischbezug Bielohlaweks aus der Irrenanstalt - natürlich

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