Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 26 Sette 447 Dr. Bkochs Wochenschrift. Eine interessante Rolle im Bagdader Handel spielen die Juden. Sie monopolisieren sozusagen den Baumwollhandel, der einen jährlichen Wert von einer Million Pfund Sterling repräsentiert. Ueber zwanzig Bagdader Firmen haben Vertretungen in Manchester und London und ihr Absatzgebiet erstreckt sich bis nach Kermanschah und Hamadan in Persien. Die politische Resolution hat in Bagdad noch wenig Veränderungen gezeitigt. Die christlichen und jüdischen Gemeinden haben von der Einführung der Konstitution viel profitiert und zählen zu ihren aufrichtigsten Verfechtern und Beschützern. Die religiöse Intoleranz hat in Bagdad niemals Wurzel fassen können, wie dies in manchen anderen Teilen der Türkei der Fall ist. Obgleich es mit der Sicherheit des Lebens und des Vermögens in Bagdad ganz gut bestellt ist, schwebt doch die prädominirende Stellung der Mohammedaner stets wie ein Damoklesschwert über den „Ungläubigen". Die freiheitliche Aera hat auf die Juden, deren Zahl auf 50.000 geschätzt wird, den günstigsten Einfluß geübt. Die Besserfituierten vertauschen allmählich ihren Wohnsitz im alten Judenviertel mit fashionablen Häusern im Innern der Stadt, kleiden sich immer mehr europäisch, nehmen westeuropäische Sitten an und opfern sehr viel für die moderne Erziehung ihrer Jugend. In einer dieser jüdischen Schulen wird derselbe Lehrplan eingehalten, wie in den staatlichen Militär-Lehranstalten. Einer der Hauptzwecke dieser Schulen ist die Vorbereitung der türkischen Sprache. Die überwiegende Majorität der Bevölkerung von Bagdad ist jedoch die arabische, die von den politischen Aenderungen im Reiche und von der Gleichstellung aller Konfessionen nicht entzückt ist. Im Araber lebt fest der Glauben, daß Mekka mit den Vorgängen in Konstantinopel nicht einverstanden sein könne und diesem fanatisch-religiösen Panislamismus entspringen auch alle Unruhen unter den Arabern, alle Opposition gegen die Kulturbestrebungen der. freiheitlichen Richtung, an deren Spitze die, .Juden, .marschieren. Indische Hygiene. Der Professor am hygienischen Institut der Münchner Universität Herr Dr. Rudolf Emmerich hat ein neues, allen Ansprüchen genügendes Verfahren zur Konservierung des Fleisches erfunden. Der Gelehrte legte seine Methode vor einer großen Zahl. Sachverständiger dar. wobei es von besonderem Interesse ist, daß die Tiere, deren Fleisch in vorerwähnter Weise Verwendung finden soll, nach jüdischemRitusgeschächtet seinmüssen. Das Verfahren, das bereits erprobt, patentiert und auch von der bayerischen Heeresverwaltung praktisch angewendet ist, erfordert keine besonders kostspieligen Anlagen oder Maschinen und kann in jedem größeren modernen Metzgerei-Betriebe ausgeübt werden. Wiederum ein bedeutsames Zeugnis für die Vorzüglichkeit de8 vielgeschmähten Schächtens! _ Ein jüdisches Museum in Prag. In den nächsten Tagen wird ein neues Museum in Prag eröffnet werden, das Museum für jüdische Reliquien und Antiquitäten. Bis in den Anfang des XVII. Jahrhunderts gehen ekttzelne Gegenstände zurück, und blitzartig tauchen bei ihrem Anblick Reminiszenzen an die eigenartige und wechselvolle Geschichte des Prager Ghettos, der Stadt Prag überhaupt auf. Umfangreich und fesselnd für einen Kenner der Vergangenheit Prags ist die Dokumentensammlung. Eigenhändige Schriftzüge zweier Kaiser befinden sich darunter: die Unterschrift Josefs II. steht in klaren einfachen Buchstaben unter einer sauber und schmuckvoll geschriebenen pergamentenen Urkunde, welche dem Michl Jaiteles das Privileg zur Haltung einer Apotheke in Prag erteilt — wohl das erste Apothekerprivileg eines Juden in Oesterreich. Und ^Kaiser Franz II. Namenszug enthält eine zweite Urkunde, die das Apothekerprivileg auf Michls Sohn Benjamin überträgt. Die Namen bekannter böhmischer Adelsgeschlechter erscheinen auf Urkunden, die den Bau von Synagogen in Provinzgemeinden gestatten. Aus dem Jahre 1770 liegt ein Bescheinigungszettel des jüdischen Steueramtes (einer Behörde, die bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts bestand) über eine gezahlte Luxussteuer vor. Graphische Kunstwerke find einige Gebetrollen, die um das Jahr 1680 aus Italien importiert worden find. Bon Interesse ist auch eine Sammlung gedruckter deutscher Psalmen aus dem Jahre 1757, also aus der Zeit des siebenjährigen Krieges, die in der „Alt-Neuschul" gebetet worden find, als Friedrich der Große Prag bedrohte. Ebenso beachtenswert find die übrigen Objekte des Museums. Vor allem fällt der reiche Tempelschmuck aus dem Ende des X VII. Jahrhunderts auf, den das Museum bei der Auflassung der drei nunmehr im Kaiser-Franz-Josef- Jubiläumstempel vereinigten alten Synagogen erworben hat, ferner verschiedene alte Kupferstiche, darunter auch Werke des bekannten böhmischen Kupferstechers I. I. Frank, eine Anzahl Porträts hervorragender Männer der alten Prager Judengemeinde (der Tradition nach stammt eines der Bilder von Manes dem Aelteren), die Insignien der ehemaligen jüdischen Fleischhauerzunft und andere. Eine jüdische Deputation vor König Georg V. Der Londoner Korrrspondent der „N. I. K." berichtet: Mittwoch den 23. Juni empfing der König eine größere Abordnung von Mitgliedern des „Jewish Board of Deputies" und der „Anglo-Jewish Association", die dem König das Beileid der englischen Judenheit zum Ableben König Eduards aussprach und ihn zur Thronbesteigung beglückwünschte. Die Deputation bestand aus den folgenden Herren: Leopold de Rothschild, Chief-Rabbi Dr. Adler, Dr. Gaster, Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde. Rev. Morris Joseph, erster Prediger der Reformgemeinde, Minister Sir Rufus Jsaacs, Lord Swaythling, Sir Francis Montefiore, kgl. Rat D. L. Alexander, Gouverneur Sir Mathew Nathan, gewesener Lordmayor Sir I. Faudel-Phillips kgl. Rat A. H. Jesiel, Parlamentsmitglieder Sir Ph. Magnus und B. S. Straus, sowie einer Anzahl weiterer Notabeln der englischen Judenheit. Mr. L. de Rothschild führte die Deputation an und verlas die Adresse, die von Cl. G. Montefiore und D. L. Alexander gezeichnet ist. Der König erwiderte mit der Verlesung einer Adreffe, in der er in seinem Namen und im Namen der Königin für die Loyalität der jüdischen Bevölkerung dankte und seine Freude über den Empfang dieser illustren Deputation aussprach. Mr. L. de Rothschild, Sir Edward Stern und D. L. Alexander küßten hierauf dem König die Hand und die Deputation verabschiedete sich. Drei neue jüdische Baronets. Der Londoner Korrespondent der „ffl. I. K." berichtet: In der Liste der „Birthday Honours", die am 24. Juni, dem Geburtstag des verstorbenen Königs, publiziert worden ist, befinden sich auch drei jüdische Namen: Mr. Adolf Mond, Mitglied des Parlaments, Mr. Adolf Tuck, ein bekannter Führer im jüdischen Gemeindeleben, und Mr. Carl Meyer. Alle drei find vom König in den erblichen Baronetstand erhoben worden. Die französische Staatskommission zur Reformierung des Code Civil. Zu Mitgliedern der Kommission zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über die Verbesserung des Code Civil wurden u. a. ernannt: Staatsrat Camille See. Professor Albert Wahl (Schwiegersohn des Präsidenten der „Alliance Israelite", Narcisse Leven) und Dr. juris A. Cremieur. Letzterer wurde zum Schriftführer der Kommission gewählt. Ein jüdischer Adwiral. Aus New-Iork wird berichtet: „Konteradmiral Adolf M a r i x ist jetzt im Alter von 63 Jahren aus dem aktiven amerikanischen Marinedienst geschieden. Er ist im Jahre 1843 in Sachsen geboren, kam als Knabe nach Amerika und im Alter von 16 Jahren in die Marineakademie. 20 Jahre alt trat er in den Flottendienst und avancierte sehr schnell. Er diente auf der Maine, dem im amerikanisch-spanischen Kriege auf der Reede von