Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 36 /Sette 434 lassen. Aus dem Wortlaut ging mit vollster Klarheit hervor, daß Schneider auf den. Justizminister eine Pression ausgeübt hat, in deren Folge die Wiederverhaftuug des bereits als unschuldig aus der Untersuchungshaft entlassenen Hilsner vorgenommeu wurde und die zur Kulturschande von Kuttenberg und Pisek führte. Diesen Druck konnte Schneider angeblich nur im Zusammenhang mit einer Strafrechtsaffäre ausübeu, welche den Judustrnllen Ritter von Leon betraf und mit welcher sich der damalige Justizminister E. v. Ruber befaßte. Ernst Schneider hat sich in offener Landtagssitzung damit gebrüstet, daß es ihm gelang. Gesetz und Recht durch persönliche Einflußnahme auf den Justizminister zu beug u. Durch dieses Vorgehen, h^t er, wie durch viele seiner Taten und Aeußerungeu, bewiesen, daß er die innere Natur eines Führers echt russischer Leute, aber nicht eines Europäers aus dem zwanzigsten Jahrhundert, nicht eines würdc- und ehrenvollen Staatsbürgers besitze. Aber nachdem ihm ein Sieg über das österreichische Gesetz gelang, respektive über den Justizminister Dr. v. Ruber, mit welchem er sich in der Sitzung des Landtags ungescheut prahlte, warum sollte er nicht vom christlichsozialen Wien ehrenhalber die Verleihung des Bürgerrechtes verlangen. Sogar Ehrenbürger müßte er werden in einer Stadt, wo die Demagogie und Menschenhetze das Programm, das „Deutsche Volksblatt" die geistige Leuchte und die Retter des kleinen Mannes ungestraft zu Millionären werden können. Das Charakterbild Grast Schneiders. (Aus der „Oesterreich'schen Wochenschrift" Nr. 27, vom 10. JuU 1891.) 2n dem „Deutschen Bezirksverein Mariahilf" erzählte ein deutschnationaler Redner namens Seuchter über die Art, in welcher Herr P a t t a i durch Herrn Ernst Schneider von der Obmannschaft des „Reformverernes" verdrängt wurde. Ernst Schneider benützte die Gelegenheit, als Dr. Pattai nach Gastein abgereist war, um eine Generalversammlung einzuberufen und die Wahlen vorzunehmen. „Als Mitglieder des .Vereines ausgewiesen waren nur 136, die Zahl der abgegebenen Stimmzettel aber betrug 211, es hatten also entweder auch die von Schneider mitgebrachten Gäste mitgestimmt, oder es waren von der Partei Schneider 75 jSthnmrettel Eingeschmuggelt worden, um auf diese Weise den Sieg zu erreichen. Das ist aber noch nicht alles. Von den abgegebenen 211 Stimmzetteln wurden 4, welche auf den Namen Pattai lauteten, einfach für ungiltig erklärt und nun ergab sich endlich das erwünschte Resultat, indem 102 Stimmen für Pattai, 105 Stimmen für Schneider lauteten." Wir entnahmen diesen Bericht nicht etwa „judenliberalen Blättern", sondern dem Organ des Herrn Georg Schönerer, den „Unverfälschten deutschen Worten". Bezüglich der Stampiglienfälschung erklärte zwar Schneider im Parlament in der Sitzung vom 4. Juli 1891, daß Herr Hollomay es war, welcher dies in Antrag .gebracht hätte, wohingegen er, Schneider, den Antrag als ein verwerfliches Agitationsmittel ablehnte. Herr Schneider hatte vergessen, daß es gar nicht Hollomay war, der die Stampiglienfälschung zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gebracht, sondern der Graveur Potschka, der hievon nicht in liberalen oder „Judenblättern" sondern im „Oesterr. Reformer", dem antisemitischen Organe der Herren Pattai und Vetter und zwar in der Nummer vom 17. Oktober 1886 Mitteilung machte, mit der ausdrücklichen Erklärung, daß Herr Ernst Schneider selber die verhängnisvolle Stampiglie bestellte. Herr Potschka ist weder Jude noch liberal, sondern ein Parteigenosse Schneiders. In derselben Nummer des „Oesterreichischen Reformer" vom 17. Oktober 1886 schrieb einer der Führer der Wiener Antisemiten, der Steindrucker Leopold Hollvmäy: „Was sagt Herr Schneider dazu, wenn ich ihm Einest ins Gedächtnis rufe: Es war voriges Jahr, zirka, vier Wochen vor den O st e r.n, wo er mir ein Bild brachte, welches dse Äbfchlachtung eines Ehristenkindes durch Juden vorstellte, welches, ich für gewisse Zwecke in 20.000 Exemplaren anfertigen sollte und Herr Schneider den erläuternden Text schrieb, was ich jedoch rundweg verweigerte. Hätte mich da Herr Schneider nicht ans Messer geliefert wenn ich mich dazu hergegeben hätte?" „Ich glaube aber, ein Spitzbube ist der, der sagt: „Falls ein Jud.nkrawall einmal ausbricht, erfahre ich es sechs Stunden vorher (jedenfalls bezeichnend als Regierungsfreund). Da fahre ich ab!" Haben Sie das gesagt, Herr Lord Schneider?" Ueberdies klagte Cornelius Vetter in einer eigenen Broschüre Herrn Schneider an, daß er ihn ins „Unglück", ins „Kriminal" bringen wollte, weil er ihm den Antrag gestellt und ihn zu bereden versuchte, er möge die Arbeiter von Floridsdorf zu einem Attentate gegen Doktor Bloch veranlassen. „Heute noch zittere ich vor gerechter Entrüstung und Erregung über die Bosheit. Schlechtheil und kalte Berechnung, mit der Sie, einem Unschuldigen die Wege mindestens zu einer langwierigen Untersuchung gebahnt hätten", schrieb Cornelius Vetter. „Bloch wußte die Arbeiter von Floridsdorf zur Ueberzeugung zu bringen, daß die Beglücker und Wohltäter der Menschheit, besonders die des Arbeiterstandes, ausschließlich Juden und jüdische Fabrikanten seien." „Dieser Anschauung mußte entgegengetreten werden, doch wie? Etwa in einer Versammlung offen und ehrlich den Anschauungen des Wunderrabbi gu begegnen, die Arbeiter eines Besseren zu belehren? Weit gefehlt! Nein, heimtückisch, hinterlistig." So trat denn Mechanikus Schneider an Herrn Cornelius Vetter mit dem Anträge heran, durch ein schmutziges Pamphlet die Arbeiter gegen den.„Rabbi Bloch" aufzureizen; er soll durch ein — Attentat unschädlich gemacht werden. Herr Cornelius Vetter tat sich darauf zugute, daß er auf das Ansinnen des Mechanikus nicht einging. Er hält Schneider vor, daß er mit seinem Antrag ihn und seine — Familie habe ins Verderben bringen wollen. „Eine unschuldige Familie hätten Sie aber herzlos ins Unglück gestürzt, wenn nicht treue Freundschaft noch rechtzeitig warnend eingegriffen hätte", ruft er Herrn Schneider tzu.. Herr Vetter ist kein „Judenknecht" und von ihm wird auch Herr Schneider nicht behaupten, daß er ini Solde der Juden steht. Im Jahre 1886 veröffentlichte der Steindrucker L. Hollomay, gewesener Bezirksausschuß und Obmann des Antisemitischen Bezirksvereines auf der Landstraße, eine „allen Antisemiten Oesterreichs" gewidmete Broschüre unter dem Titel: „Mechaniker Ernst Schneider und sein Antisemitismus". In derselben ward erzählt, daß „sich Schneider von Schön er er die tiefsten Beleidigungen ins Gesicht schleudern ließ", darunter Worte, welche wir uns scheuen würden auch nur auszusprechen; von Vetter, Buschenhagen und anderen Parteigenossen empfing er geduldig Schmähungen, die jedem Mann von Ehre das Blut ins Gesicht treiben müssen — Herr Schneider ließ sich solche Bezeichnungen ruhig gefallen, ohne sich beleidigt zu fühlen". An anderen Stellen dieser Broschüre sagt. Hollomay, der Schneider gewiß besser kennt, als irgend ein anderer: „Herr Schneider wird seine bösen Absichten wohl zu leugnen suchen, aber er kann es nicht mit Erfolg, denn man frage nur bei mir nach, und ich