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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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fette 48Q Dr. Mochs Wochenschrift. Nr. S5 Du Schreiber dieses verfügt nicht über die Eloquenz, den hohen Bildungsgrad, die scharfe Logik und Äuffassungsgabe und noch weniger über die Genialität des verehrten Präsidenten der genannten Körperschaft, aber er hat das Land in dreißig Jahren kreuz und quer durchzogen und die Entwicklung der meisten jüdischen Kolonien von ihrer Gründung an mit Aufmerksamkeit verfolgt und hat Freuden, mehr aber noch Leiden vieler Ansiedler mit eigenen Augen angesehen und mitgefühlt. Wenn die jüdischen Kolonisten im Allgemeinen weniger florieren und e8 nicht zur Wohlhabenheit der Angehörigen der christlichen Templergemeinden bringen, so sieht der Präsident des Jüdischen Kolonisationsvereines in Wien mit vielem Rechte die Schuld in dem Umstande, daß oftmals im Ackerbau ganz unerfahrene, gar kein Gewerbe erlernte Einwanderer, die auch nicht über das erforderliche Anfangskapital verfügen, sich ansässig machen und daß die erworbenen Areale mangels genügender Geldmittel zu klein sind, keine Expansion ermöglichen, so daß die beranwc-chsende Generation abermals vom Vaterhause auswandern muß. Was Herr Stiaßny aber nicht erwähnt ist, daß die europäische vermögende Judenschaft sich den ausgezeichneten Produkten der arbeitsamen Kolonisten gegenüber apathisch verhält, was vorzugsweise vom Weine gilt; die Krise, unter welcher die Wein produzierenden Kolonien leiden, würde nicht das große Ausmaß angenommen haben, wenn unsere reichen Glaubensgenossen sich zu dem Opfer anfschwingen wollten, anstatt der gewohnten Weinmarke die ebenbürtige Rischon le Zion auf ihre Tafel zu setzen, wie es die meisten unter den christlichen Pilgern tun, welche daS Land nicht verlaßen, ohne ein gewisses Quantum Wein, Honig oder dergleichen den Templern zu bestellen, teils um diese zu unterstützen, teils um sich an den Aufenthalt auf geheiligtem Boden bei jeder Mahlzeit zu erinnern. Es gibt keine Statistik des Fremdenverkehres in Palästina' aber in meiner langjährigen Erfahrung habe ich bedauernd konstatiert' daß zu demselben die Judenschaft einen verschwindenden Bruchteil stellt» würden aber die wohlhabenden Juden ebenso ins Land der Väter pilgern, wie es die europäischen und amerikanischen Christen tun, dann würden sie auch mit mehr Liebe und Verständnis der Entwicklung der jüdischen Kolonien folgen und mit mir, darin einig sein, daß diese Sache der größten Opfer wert und würdig ist. Ferner müßten, da für eine schlanke Abnahme des erzeugten Weines auch in Zukunft wenig Aussicht ist, sich die Kolonisten anderen Produkten zuwenden, wozu aber Geldmittel erforderlich sind, denn selbst beim Uebergang zum sehr empfehlenswerten Getreidebau ist währerid der ersten zwei Jahre auf kein Erträgnis zu rechnen. Noch rentabler wäre die Kultur 'von Olivenbäumen, doch müßten auch da wieder die genügenden Mittel vorhanden sein, nicht nur. bis zttm Tragen der ersten Früchte ausharren zu können, als auch zur Anschaffung der modernen, rationell arbeitenden Oelpressen; einige ruffische Einwanderer, bei welchen diese Bedingungen erf.illt stad, sehen ihre Kapttalien und Arbeit reichlich belohnt. Nach Aussage eghptischer Fellahs, die ins Land kommen, sind Klima und Boden bei Nachhilfe von künstlicher Bewässerung sehr geeignet zum Baumwoll-Anbau; mehr noch behaupten dies die Baumwollpflanzer der Tarsus-Ebene, welche alle Vorbedingungen für einen lukrativen Anbau dieser immer mehr an Bedeutung gewinnenden Pflanze tn mehreren Teilen des heiligen Landes, z. B. rings um die Ufer des Liberias-Sees, rings um -den See Merom, in der fruchtbaren Ebene Jefreel, konstatieren. So wie in England, Deutschland und Italien mit Staatsuuterstützung eine Baumwollkuttur in den Kolonien geschaffen wird, so müßten in erster Linie Mische Industrielle den Baumwollbau in Palästina fördern und sich auf diese Weise teilweise von den Spekulationen des amerikanischen Baumwoll-Corner emanzipieren. Erst wenn eine größere Anzahl florierender jüdischer Kolonien über daS Land zerstreut geschaffen sein wird, mit genügenden Terrains zur Erweiterung und Vergrößerung, damit bei voraussichtlicher Zunahme der Bevölkerung die künftigen Generationen nicht wieder zum Wanderstab greifen müssen, dann wird zur Notwendigkeit werden, was jcht schon als Bedürfnis empfunden wird, die Schaffung eines geistigen und kommerziellen Mittelpunktes — einer Stadt, wie sie der geniale Architekt und Präsident des Jüd. Kolonisationsvereines in großartiger Konzeption projektiert. Der Einwand, daß dieses Projekt eine Utopie sei, ist unter anderem mtt dem Hinweis auf die von schwäbischen Bauern und Handwerkern geschaffenen Kolonien in Jerusalem, Jaffa und Caiffa, welche teilweise städtischen Charakter tragen. Schulen, Hotels und andere städtische Einrichtungen besitzen, widerlegt. Jerusalem, die hoch gelegene Gebirgsstadt. in dem wenigst fruchtbaren Teile des Landes gelegen, entspricht nicht den Anforderungen, die ein Emporium zu erfMlen hat, das kann nur eine am Meere gelegene Stadt, welche den Verkehr zwischen ihrem Hinterlande und den überseeischen Ländern, den Umtausch der Agrikultur- und Industrie-Produkte vermittelt. ' Die Platzauswahl für diese Stadt beschränkt sich, weil in den WMgeu Büchten der syrischen Küste bereits Ansiedlungen bestehen, die aüf die ältesten Zeiten zurückreichen, auf die nördliche Umgebung von Gaza, oder eventuell auf die Niederung am südlichen Ufer des Nähr ez Zerka, nördlich vom römischen Caesarea Augusti. in nächster Nähe der Kolonie Sichron Jakob. Ich habe die felsenfeste Ueberzeugüng^ daß trotz aller zu gewärtigenden Schwierigkeiten, Hindernisse und Widerwärtigkeiten diese Stadt entstehen wird, und sehe sie mtt geistigem Auge vor mir. wie Moses das verheißene Land vom Berge Nebo überblickte, im Bewußtsein, es nicht.betreten zu werden. Heinrich Rauman-Triest, Via dei Bachi 6. (Der Führer.) DaS ist der Titel einer sich als Novität geberdenden Erscheinung auf pädagogischem Gebiete. „Zur Erlernung ' des biblisch-hebräischen Sprachschatzes, der Geschichte, der Religions- und Sittenlehre des Judentums." Da wird wahrhaftig viel versprochen. Das Heft wird von mehreren rühmlich anerkannten Fachmännern, die dasselbe vielleicht nicht eingehend genug geprüft haben, in belobendem Sinne besprochen und zur Einführung bestens empfohlen. So möge es nun auch einem langjährigen, fleißigen Arbeiter im Weinberge des Herrn gestattet sein, seine Ansicht über diese Arbeit kundzugeben. auf die Gefahr hin, daß man ihm sagen könnte, er bringe seine Meinung pro domo zum Ausdruck. Der Autor des Heftes, Herr I. L. R a b i n o w i t s ch, Religionslehrer und Kantor — bei der Herausgabe des Merkchens scheint er allerdings den Religionslehrer daheim gelassen zu haben — bringt vieles Neue, das nicht gut, und einiges Gute, das aber nicht neu ist. Die Arbeit enthält ebenso viel Verstöße gegen die traditionellen Auffassungen von der Würde der heil. Schrift, wie Vergehen gegen die pädagogischen und logischen Grundsätze. Nur einige Stichproben, die besonders in die Augen fallen, sollen hier hervorgehoben und zu diesem Zwecke die ersten zwei Seiten der Schöpfungsgeschichte — das genügt vollkommen — kritisch betrachtet werden. Wenn auch einerseits zugegeben werden muß, daß unseren Kindern heutzutage der Thoratext nicht in seinem ganzen Umfange beigebracht werden soll, so kann anderseits nicht bestritten werden, daß die Integrität der fünf Bücher Mosis von uns strengstens gewahrt werden muß und daß ein magerer Auszug, besonders wenn auch dieser willkürlich in den Einzelheiten korrumpiert ist, unseren'Kindern nicht als Grundlage unserer Religion in die Hände gegeben werden darf. Der „Hammadrich" ist aber nichts anderes als ein solcher Auszug aus dem Urtexte der heil. Schrift, und selbst in dem Auszuge sind die Verse derart verstümmelt, daß dadurch nicht nur der Zusammenhang des Inhaltes gestört, sondern stellenweise auch die deutsche Sprache in Mitleidenschaft gezogen ist. So heißt es gleich auf der ersten Seite des Heftes: „Im Anfänge schuf Gott den Himmel und die Erde." Die Verie 2 und 4 sind weggelaffen und es folgt gleich : „Da sprach Gott: es werde Licht usw."Wenn:es Lber früher.-nichl-stnster-gewesen ist, d. h., wenn Herr Rabinowitsch die Schilderung des Zustandes der Erde vor Erschöpfung des Lichtes unterschlägt, so brauchte ja das Licht nicht erst erschaffen zu werden und die sprachliche Anknüpfung: „Da sprach Gott" usw. wird sinnlos. Gleich zum ersten Verse der Schöpfungsgeschichte ist in einer Randglosse ein Glaubensartikel beigegeben, der nicht weniger als 16 Eigenschaften Gottes aufzählt. Sollen die siebenjährigen Kinder den langatmigen und ihrem Fassungsvermögen unzugänglichen Satz; einfach auswendig lernen? Diese Disziplin hat Maimonides .pädagogischer und leichtfaßlicher eingerichtet und dabei offenbar erst für ein reiferes Alter bestimmt. Die Schöpfungstage von 2 bis 6 sind im Urtext ohne bestimmten Artikel aufgezählt, sollten also nicht, wie im „Hammadrich", mit „der" zweite, dritte Tag usw. übersetzt werden. Eine Anzahl von Textversen ist in dem Hefte durch fette Schrift hervorgehoben. An ihnen soll, wie die Vorrede verspricht, der hebräische Sprachschatz erlernt, durch sie das Verständnis der Gebete ermöglicht werden. Zu diesem Zwecke ist dem Merkchen ein alphabetisches Wörterverzeichnis und eine Reihe grammatischer Tabellen (Konjugationsmuster rc.) beigegeben. Was sollen die Kinder damit anfangen? Diese Methode erinnert an einen Amerikareisenden, der durch Memoiren des Lexikons und eines grammatischen Trichters englisch lernt und drüben weder versteht, noch verstanden wird.. Zur Konjugationslehre ist hier das Zeitwort "lbt# als Muster schlecht gewählt. Hiezu eignet sich nur ein in allen 7 Formen vorkommendes Verbum, während „Schamor" im Hiphil und Hophal nicht gebräuchlich ist. Dagegen wäre es im Hithpael am richtigen Platze, um die Regel von der Umstellung des Thaw zu-demonstrieren; „Katol" kommt außer im Kal in keiner Form vor. Die Bezeichnung der Einzahl als IVF (@. 27) verbietet sich erstens wegen ihrer Ungebräuchlichkeit, zweitens wegen der dem Kenner der talmudischen Sprache geläufigen Nebenbedeutung. Schließlich eine Bemerkung pro domo. Die Uebersetzung nach der Methode der korrespondierenden Zeilen ist von Rabinovitsch meiner allbekannten Pentateuch-Ausgabe, sägen wir — nachgemächt, wiewohl das Recht dieser Uebersetzungsmethode in allen 5 Büchern Vorbehalten erscheint. Diese Ausgabe, approbiert vom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht, erscheint seit dem Jahre 1869 und ist im In- und Auslande stark verbreitet Dem Herausgeber des „Hammadrich" möchte ich zurufen: „Nimm andern nicht ihr geistiges Eigentum,' um damit über den Mangel an eigenen fruchtbaren Ideen hinwegzutauschen." Dem Erfinder einer jüdischen Sittenlehre am Buchrand sollte maw dies nicht erst sägen müssen! ......; . v r, ÄudolfxFüchs.>Ä.

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