Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 25 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr, 25v Dr. Blochr Wochenschrift. Sette 4ar Feierliche Einweihung des Volks Speisehauses des Humanitären. Vereines Achwah in Wien (II./ Herminengasse 8.) Wieder hat jüdischer Wohltätigkeitssinn ein Werk geschaffen, das umso höher geschätzt werden muß, weil es besonders für die Parias der jüdischen Armen, für die Ostjuden, sorgen will. Es ist die von dem humanitären Vereine „Achwah" gegründete und erhaltene Speisehalle, in der Mittags und Abends um den bei den heutigen Teuerungsverhältnisien minimalen Preis von 40, bezw. 30 Hellern an Unbemittelte eine kräftige und reichliche Mahlzeit verabreicht wird, die auch den strengen rituellen Vorschriften entspricht. Welchem Bedürfniffe dieses Werk entsprach, dafür zeugt am deutlichsten der Umstand, daß die Speisehalle zu jeder Mahlzeit von 400 bis 500 Personen frequentiert wird, darunter von etwa 100 Stud-nten, denen zwei besondere Räume reserviert sind. Sonntag den 89. Mai d. I. fand die offizielle feierliche Einweihung der im II. Bezirke, Hecminengasie 8 gelegenen, aus 6 bequemen, hygienisch eingerichteten Räumen bestehenden Speisehalle statt, zu der sich so zahlreiche Persönlichkeiten eingefunden hatten, daß sich die Räumlichkeiten als zu klein erwiesen. Unter den Erschienenen bemerkte man die Herren Rabbinen Dr. Schmiedl, Dr. Feuchtwan g, Dr. K a m i n k a und Fürst, — Herr Oberrabbiner Doktor Güdemann hatte sein Ferubleiben entschuldigt — die Reichsratsabgeordneten Stand und Dr. Gabel, Gemeinderat N e u st a d t l, den Sekretär der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Adler, Herrn Oberkantor Bauer und Vertreter fast sämtlicher Wiener israelittschen Tempel- und Wohltätigkeitsvereine, sowie aller jüdischen Studentenvereine. In der reich mit Pflanzen geschmückten Speisehalle begrüßte der Obmann des Vereines Herr H a m m e r die erschienenen Festgäste, legte die Ziele des Vereines dar und bat um eifrige Unterstützung der Vereinsziele. Nachdem hierauf Herr Oberkantor S ch o r r mit seiner geschulten Sängerschar den Psalm 30 in herzergreifender Weise exekutiert hatte, hielt Herr Dr. R o t h b l u m eine Ansprache, in der er den Erschienenen die Förderung des Vereines wärm ans Herz legte. Herr Reichsratsabgeordneter Stand, der die Festrede hielt, wies auf die eminente Bedeutung der von dem Vereine „Achwah" geschaffenen Institution, insbesondere für den in der fremden Großstadt doppelt hilflosen armen Ostjuden hin und forderte die Anwesenden auf, das schöne Werk tatkräftigst zu fördern. - Mit der Absingung der Volkshymne und einem Hoch auf unseren Kaiser schloß die erhebende Feier. Bei dem hierauf folgenden Rundgange durch die Räume der Speisehalle wurde allgemein die musterhafte Einrichtung gelobt, die an Reinlichkeit und Hygiene nichts zu wünschen übrig lasse. Gründung eiues jüdischen Turnvereines für den X. Bezirk. Mittwoch den 15. Juni wurde in den Hofmannschen Rosensälen eine Versammlung abgehalten, durch welche weitere Kreise der Bevölkerung für die jüdische Turnsache gewonnen werden sollten. Fast 150 Personen waren erschienen und folgten den Ausführungen der Referenten. Herr sind. jur. Friedrich Steiner eröffnete namens der Einberufer die Versammlung, worauf auf seinen Vorschlag unter lebhaftem Beifall Herr Dr. Max Jerusalem, einer der ältesten Vorkämpfer der jüdischen Turnidee, zum Vorsitzenden und Herr Rudolf Fried zum Schriftführer gewählt wurden. Das erste Referat des Herrn JUC. Ernst Skutetzky (Unitas) behandelte die Zusammenhänge zwischen der allgemeinen jüdischen Renaissance und dem jüdischen Turnwesen. Reicher Beifall folgte den geistvollen Ausführungen. Stürmisch akklamiert ergriff hierauf Se. Ehrwürden Rabbiner Doktor A. Mandl das Wort, um seiner Befriedigung über die Gründung des Vereines Ausdruck zu geben. Namens des I. jüdischen Turnvereines sagte Herr Dr. Stein dem neuen Vereine werktätige Unterstützung zu. Herr Dr. Max Rosenthal referierte über den gesundheitlichen Wert des Turnens. Lebhafter Beifall dankte ihm wie auch den letzten Redner Herrn Professor Gutmann, der besonders der Jugend eifriges Turnen empfahl. Nachdem noch ein vorbereitendes Komitee gewählt worden war, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit herzlichem Dank an die Referenten. Unter dem Eindrücke des Abends meldeten sich 60 ausübende und 25 unterstützende Mitglieder für den neuen Verein. Das vorbereitende Komitee wird die Vereinsstatuten zur Genehmigung einreichen und einen Turnsaal mieten. Im Herbste wird die Aufnahme der Turntättgkeit durch eine Riege junger Leute erfolgen. Dann soll eine Damen- und eine Alte Herren-Riege aufgestellt werden. Es wäre wünschenswert, wenn auch die ältere jüdische Generation des X. Bezirkes, die für rein religiöse und wohltätige Zwecke so große Opfer bringt, auch diese gute jüdische Sache durch Beitritt zum Vereine fördern würde. Der Mindestbeitrag für unterstützende Mitglieder beträgt jährlich Kronen 3.— Der Verein hat seinen Sitz im Cafe Favoriten, Favoritenstraße 67, wohin alle Zuschriften gerichtet werden mögen. Austritte ans dem Judentum Vom 12. Juni bis 19« Juni 1910. Bondy Emma geb. Granichstätten, Direktorsgattin, geb. 17. August 1878r Wien, IV., Alleegasse 48. Bondy Margarethe, geb. 11. Februar 1905, Wien, IV., Alleegasse 4. Fröhlich Max, Revident der Sfldbahn, geb. 84. Mai 1873, Marburg, IV., Viktorgasse 21. Fuchs Tekla Ella, Studentin, geb. 18. September 1890, Wien, I., Wipplingerstrasse 31. Pollak Malvinä, Private, geb. 23. August 1881, Neutra, I. Bez., Mölkerbastei 10. Singer Ilona, Sängerin, geb. 14, Juni 1890, Wien, II., Ausstellaugsstrasse 9. Singer Felicie geb. Felideim, Private, geb. 26. September 1867, Szerencs, Ausstellungstrasse 9. Singer Estello, Sängerin, geb. 24. Jänner 1892, Wien, Ausstellungstrasse 9 Westreich Marie, Private, geb. 19. Juni 18.3, Petrowitz, (Schlesien), VI., Gumpendorferstrasse 87. St. Pölten. Unter den zum Empfange Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät auf dem Perron des Staatsbahnhofes Erschienenen befand sich auch als Vertreter der hiesigen Kultusgemeinde Herr Rabbiner Dr. Adolf Schächter. Se. Exzellenz der Herr Statthalter Graf Kielmansegg stellte den Herrn Rabbiner Sr. Majestät vor. Der Kaiser erkundigte sich nach der Seelenanzahl der Gemeinde und der Größe des Sprengels, worauf Herr Dr. Schächter bemerkte, daß er auch das Rabbinat der Kultusgemeinde Tulln-Klosterneuburg inne habe. Sodann fragte Se. Majestät nach dem Wirkungskreise in dem Sprengel, und Herr Dr. Schächter antwortete, daß er daselbst alle rabbinatsamtlichen Funktionen und die Inspektion des Religionsunterrichtes versehe. „Dann haben sie genug zu tun", bemerkte Se. Majestät. Gewitsch. Eine ebenso seltene wie herrliche Feier wurde Montag den 1. Schwnostag im hiesigen Tempel begangen. Der hier zuständige, in Wien wohnhafte Heinrich Grätzer spendete zum Andenken seiner gesegneten Eltern der hiesigen Gemeinde eine prachtvolle, mit herrlichen „Kle-kodesch" versehene Thora-Rolle. Diese wurde am obgenannten Tage vom Herrn Rabbiner Dr. D Keßler in feierlicher Weise durch eine sehr gehaltvolle Rede ihrem höheren Zwecke übergeben. Die Thora wurde vom Herrn Rabbiner aus dem Gemeindehause unter einem Baldachin bei Vorantritt weißgekleideter Mädchen und des Tempelchores in den Tempel gebracht. Beim Eintritte in das Gotteshaus intonierte der trefflich geschulte Tempelchor unter der bewährten Leitung unser, s Oberkantors Herrn Arnold Schimkowitsch das „S’u sch’orim" von Naumburg. Der Spender konnte leider selbst nicht kommen. Er bekundete aber seinen besonderen Lokalpatriotismus noch dadurch, daß er X 100 zur sofortigen Verteilung an die hiesigen Ortsarmen sandte, die auch am Vorabende stattfand. M. G. Bäan. (Gemeindekonstituierung.) In ihrer ddto. 19. Juni d. I. abgehaltenen Generalversammlung hat sich die israelitische Kultusgemeinde zu Pr.-Büan unter Leitung des verdienstvollen Gemeindepräses Herrn Adolf Baron zu einer autonomen, orthodoxen, israelitischen Kultusgemeinde konstituiert. Die begeisterungsvolle Anregung gab Se. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Mor. Reich. Die Vorarbeiten leiteten in rühmenswert unermüdlicher Weise die Repräsentanten» respektive Vizepräses der israelitischen Kultusgemeinde Herr Gustav Burg und Herr Simon Weinberger. Einen hervorragenden Anteil an der Konstituierungsbewegung hatte auch der frühere vieljährige, hochverdiente Präses der Kultusgemeinde Herr Ignatz Ochs. Arad. (Trauung.) Sonntag den 26. Juni findet die Trauung des Fräuleins Eszti Rosenberg, Tochter der Wüwe Frau Oberrabbiner Dr. Alex. Rosenberg, mit Dr. Max Drechsler statt. Eine griechische Auszeichnung an einen jüdischen Konsul. Der türkische Konsul in Antwerpen Nissin Roditi Bey wurde vom König von Griechenland mit dem Offizierskreuz des Erlöserordens von Griechenland ausgezeichnet. Ableben der Baronin Helene de Menasse. Aus Alerandrien wird berichtet: Baron Alfred de Meuasfe, Munizipalrat der Stadt Alerandrien, hat einen schweren Verlust erlitten. Seine Frau wurde im Alter von 35 Jahren nach kurzer Krankheit vom Tode weggerafft. Die Verstorbene stand trotz ihrer Jugend an der Spitze nahezu aller jüdischen und