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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 426 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 26 1860 wurde er zum Doktor der Medizin promoviert, ging dann ins Ausland, um sich in seinem Spezialfache, der Augenheilkunde, fortzubilden. Auf Grund seiner zahlreichen Fachwerke wurde er im Jahre 1875 außerordentlicher und 1885 ordentlicher Professor. Im Jahre 1895 ging er nach Persien. In einer dem Jubilar gewidmeten Festschrift des Akademikers Koni wird die Adresse der Charkower Studentenschaft an ihren geliebten Lehrer anläßlich dessen 35jährigen Jubiläums in Erinnerung gebracht. In dieser Adresse heißt es: „Lehrer! Lehre uns nach wie vor Mensch bleiben unter Menschen, lehre uns auch fürderhin in dem Kranken ohne Unterschied der Konfession und des Standes einen Bruder zu sehen, lehre uns auch in Zukunft die Wahrheit lieben, zeige uns, wie wir die Kräfte sammeln sollen, um im Alter die Reinheit der Ideale zu erhalten, damit das Leben unseren Geist nicht töte, selbst wenn wir in die Grube sinken. Lehre uns noch viele, viele Jahre unsere Kräfte dem kranken Bruder zu widmen." Das ist Leopold Hirschmann. Kaftanverbot in dm Warschauer öffentlichen Gärten. Aus Warschau wird uns der folgende merkwürdige Fall berichtet: Seit einiger Zeit wird den Juden in langem Kaftan das Betreten der öffentlichen Gärten verboten. Die Parkwächter berufen sich auf einen schriftlichen Auftrag der Stadtverwaltung und sind in der Ausübung derselben unerbittlich, oft brutal. Die jüdische Gemeindevertretung hat sich mit dieser Angelegenheit wiederholt beschäftigt, jedoch bisher keine Schritte unternommen. Nun entschloß sich das Präsidium der jüdischen Gemeinde, in einem scharf gehaltenen offiziellen Schreiben an die Stadtverwaltung gegen diese Maßregel, durch welche Zehntausenden von Juden die Erholung in frischer Luft unmöglich gemacht wird, Protest zu erheben. In dem Schreiben wird darauf hingewiesen, daß die Juden so wie die übrigen Bewohner der Stadt zu den städtischen Lasten beitragen und daher auch das Recht haben, an den Benefizien in gleichem Maße teilzunehmen. Im übrigen geht in Warschau noch der größte Teil der Juden in „langer Kleidung". In Magistratskreisen wird behauptet, die Maßregel sei deshalb notwendig gewesen, weil die Juden dem Spotte der übrigen Besucher der öffentlichen Anlagen ausgesetzt seien, was wiederholt zu unliebsamen Szenen geführt habe. Man ist in Warschau auf die Erledigung der Protestschrift gespannt. New-Bork- M. E. Gaynor, der neue Bürgermeister unserer Stadt, der sich jüngst durch sein Verbot der Abhaltung von Missionspredigten in der jüdischen Gegend — „da damit die Juden belästigt und mehr Schaden gestiftet, als Gutes getan werde" — die Zuneigung der hiesigen Judenheit erwarb, hat auf der Jahresversammlung des Unabhängigen Orden „Brith Awrohom". des größten jüdischen Ordens, vor 1100 Delegierten eine mit Enthusiasmus aufgenommene Rede gehalten. Er sagte in dieser Rede u. a. folgendes: „Die Verfolgung der Juden ist für mich ein Rätsel in der Geschichte der Menschheit. Warum werden die Juden Lehaßt und verfolgt? Alles Gute, was wir haben, stammt von ihnen. Sogar unser Gott ist von ihrem Fleisch und Blut geboren. Das Alte und das Reue Testament sind die Schöpfung jüdischer großer Männer. Und nachdem wir alles von ihnen empfangen haben, — können wir sie hassen und peinigen? Nehmt vom Christentum die Lehren, Traditionen.und Abstammung vom Judentum hinweg, — was wird uns da bleiben?" Die Juden von Guiana. In Guiana in Südamerika leben ungefähr 4500 Juden^ Sie Wohnen zumeist in der Hauptstadt der Kolonie, Päramilo, einer Stadt von insgesamt 50.000 Einwohnern. Die Juden besitzen zwei schöne Synagogen. Kürzlich wurde Honorable David da Costa zum Präsidenten des' Parlaments und des Obersten Gerichtshofes der Kolonie Guiana ernannt. David da Costa war viele Jahre hindurch Parneß der portugiesischen Gemeinde und ist einer der angesehensten Juden der Kolonie. Die Juden' beschäftigen sich hauptsächlich mit Kakao-, Bananen- und Zuckerplantation, ebenso wurden mehrere große Goldminen von Juden entdeckt, sowie auch die Guttäperchaindustrie ihr Aufblühen hauptsächlich den Juden zu verdanken hat. Auf dem Gebiete der Medizin, Jurisprudenz und des Erziehungswesens nehmen unsere Glaubensbrüder eine führende Stellung ein. Der Generaldirektor aller öffentlichen Schulen der Provinz Surinam ist gleichfalls ein Jude, M. Benjamins. Vermischtes. Der neue Dekan der Wiener juridischen Fakultät. In der jüngst stattgefundenen Sitzung des Professorenkollegiums der Wiener juridischen Fakultät wurde der Professor des österreichischen Zivilrechtes, Herrenhausmitglied Hofrat Professor Josef Freiherr Schey v. Koromla zum Dekan für das Studienjahr 1910/11 gewählt. Als Prodekan für das kommende Studienjahr wird Hospat Professor Dr. Karl Stoß fungieren. Ladenschluß und jüdische Feiertage. Der Magistrat publiziert eine Kundmachung, derzufolge auf Grund des Gesetzes vom 14. Jänner 1910 für nachstehende Tage ein ausnahmsweiser Ladenschluß festgesetzt ist: 1. vier Tage vor den jüdischen ^Pfingsten, 2. sechs Tage vor Beginn der Schulsaison, 3. drei "Tage vor dem jüdischen Neujahr, 4. drei Tage vor dem jüdischen Laubhüttenfest und 5. sieben Tage vor Weihnachten. An den oberwähnten Tagen dürfen die Geschäftsläden samt den zu. denselben gehörigen Kontoren und Magazinen ausnahmsweise bis 9 Uhr abends, beziehungsweise beim Lebensmittelhandel bis 10 Uhr abends offen gehalten werden. Kunden, die beim Ladenschluß schon anwesend sind, dürfen noch bedient werden. Für die Verlängerung der Arbeitszeit gebührt den Hilfsarbeitern angemessene besondere Belohnung. Wien. (Vortrag.) Montag den 27. d. M., 8 Uhr abends, findet im großen Saale des Hotel „Bayrischer Hof", II, Taborstraße, ein Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. M. Jung aus Ung.-Brod statt. Thema: Die jüdische Mittelschule. — Gäste herzlichst willkommen. Wien. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewer betreibender in Wien, II., ObereDonaustraße 81.) Sonntag den 26..Juni d. I. findet in der Vereinskanzlei die feierliche Enthüllung der Gedenktafel für den seligen Herrn Sandl Grünberger statt zur dankbaren Erinnerung an die langjährige, verdienstvolle Tätigkeit des Verewigten im Vereinsausschufse. Zu dieser Feier find die Herren Vereinsmitglieder, sowie die Freunde und Bekannten des seligen Herrn Grünberger höflichst eingeladen. Wien. (Der „Jüdisch-akademische Philosoph e n - V e r e i n") teilt allen seinen Mitgliedern - und Freunden mit, daß am 27. l. M. 1!i2 Uhr die Promotion seines ehemaligen Präsidenten Herrn Fritz Frankl, sowie seiner Mitglieder, der Herren Karl Kohn, Josef Körner und^Manfred Lemberger, zu Doktoren der Philosophie stattfindet.

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