Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 25 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 425 Nr. 25 Dr. Blocks Wochenschrift. a) Geschichte der deutschen Juden im 17. und 18. Jahrhundert Zweimal wöchentlich: b) jüdische Kalenderkunde einmal wöchentlich; c) Exegese (Patriarchen) einmal wöchentlich: d) Methodik und Didaktik des systematischen Religionsunterrichtes mit anschließenden Probelektionen einmal wöchentlich: 3. Rabbiner Dr. Deutsch: a) Religionsphilosophie : Jkarim von Josef Albu zweimal wöchentlich : b) Ritualien zweimal wöchentlich. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß die eine oder die andere Disziplin in den SLudienplan noch eingeschoben werden wird. Kantoren bietet sich vielfach Gelegenheit, in ihrem Fache sich weiter fortzubilden! Wir würden uns freuen, wenn auch aus dem Nachbarreiche Oesterreich sich Teilnehmer und Teilnehmerinnen einfinden wollten, eines herzlichen Willkommens könnten sie sich versichert halten! Anmeldungen nimmt Lehrer Moops, Breslau, Glauerstraße 1, gern entgegen, der sich bereit erklärt, Wohnungen mit und ohne Beköstigung in preiswürdiger Höhe nachzuweisen. Die französischen Wahlen. Aus dem Englischen von I. Sz. Man schreibt dem Jewish Comment in Baltimore Md. von Paris: Ein bedeutungsvolles Zeichen der Zeit während der letzten Wahlen war die völlige Abwesenheit des Antisemitismus, und man kann mit Genugtuung konstatieren, Antisemitismus ist in Frankreich ausgestorben. Der Dreysus-Alp ist der Vergeffenheit anheimgefallen. Frankreich hat, nachdem es die Geschichte in seinen Annalen verzeichnet, dieselbe mit einem nassen Schwamme von seiner Schultafel abgewischt und ist entschlossen, daß sein Volk nie wieder in einen ähnlichen Wahn verfalle. Der arme Herr M. Drumont ist hoch an den Jahren seiner Rassenhaß-Insel auf dem Trockenen liegen geblieben. Alle seine früheren Genossen haben sich von ihm abgewandt. Eine Broschüre unlängst von Rafael Vian unter dem Titel „Zwanzig Jahre Antisemitismus" veröffentlicht, zeigt deutlich und klar die Ursache, welche den Verfall der antisemitischen Bewegung herbeigeführt. Drumont geriet nach und nach mit allen seinen früheren Kollegen in Streit und zog fich die Feindseligkeit der Academie und der Geistlichkeit zu. Der letzte seiner Genossen, der ihm noch geblieben, war Arton, der während des Panama-Skandals eine traurige Berühmtheit erlangt hat. Und dieser Arton hat seitdem Selbstmord begangen. Und nun steht Drumont ganz allein. Die Bewegung, die er seinerzeit mit so viel Reklame geleitet, hat ein frühzeitiges Ende gefunden. Sogar Royalisten wie Leon Daudet, welche gedacht, mit Hilfe des Antisemitismus das Königtum wieder etablieren zu können, mußten endlich auch ihre Pläne aufgeben, da ihr königlicher Gönner es verschmähte, seinen Namen und seine verlorene Sache fernerhin durch solch fragwürdige Mitteln beschmutzen zu lassen. Armer Redakteur der Libre Parole! Frankreich läßt seine Juden in Ruhe und ist nicht zugrunde gegangen. Es hat fich nicht an Sie um Abwehr und Schutz gewendet. Es ist nicht in Kriege verwickelt und sein Kredit ist besser als je zuvor. Sein Handel blüht und seine Gewerbe gedeihen. Könige betreten seine Gestade und Expräfidenten halten gewichtige Reden in ihren Hallen. Juden werden in das Parlamnt gewählt, werden zu Staatsräten ernannt und als Professoren an den Univerfitäten angestellt. Jawohl, Frankreich lebt und gedeiht. Aber Sie, Herr Redakteur, wie ergeht es Ihnen? Sind Sie so tief gesunken, daß Sie sogar das Mitleid der Juden erregen? Vom Pariser Konsistorium. Der vom Sekretär M. Helbronner verfaßte Bericht des Pariser Konsistoriums enthält einige interessante Daten und Ziffern. Das erste jüdische Konsistorium in Paris wurde am 12. Mai 1809 gebildet. Ihre ersten vier Mitglieder waren Benjamin Rodiguez, Worms de Romilly, Jsaac. de Olivieira und der Grand Rabbin Michel Seligmann. Damals gab es in. Paris 2700 jüdische Seelen, während es heute deren mehr als 55.000 gibt. In Paris bestehen heute 73 verschiedene Anstalten, in denen jüdischer Religionsunterricht erteilt wird. Die Schülerzahl beträgt 2739, diejenige der Lehrer 50. Die Kosten des Religionsunterrichtes belaufen sich auf 50.000 Francs. Bemerkenswert ist, daß das Konsistorium nicht in der Lage war, gewisse Beschlüsse zu fassen, da die Vollversammlung nicht beschlußfähig war. Ein mesopotamisches Panama. Großes Aufsehen erregt in Konstantinopel eine Depesche des Vali von Bagdad, Nazin Pascha, in welcher die Regierung dringendst ersucht wird, die Bewässerungsarbeiten in Konstantinopel sofort einstellen zu lassen und den Vertrag mit dem englischen Ingenieur Sir William Willcoks zu lösen. Wie nun Konstantinopler Blätter hiezu bemerken, handle es sich um einen argen Skandal, der bei den Manipulationen Willcooks in Mesopotamien aufgedeckt worden sei. Diesen Berichten zufolge habe Willcooks in diesen anderthalb Jahren, seitdem er im Aufträge der Regierung in Mesopotamien arbeite, bereits 130.000 türkische Pfund verbraucht und nicht nur kein einziges neues Werk geschaffen, sondern eine solche Ankenntnis an den Tag gelegt, daß dadurch in der ganzen Gegend unermeßlicher und zum Teil uneinbringlicher Schaden zugefügt wurde. Diese Nachricht interessiert die jüdische Oeffentlichkeit aus dem Grunde, weil Sir William Willcooks in Europa, hauptsächlich aber in England in jüdischen Kreisen Propaganda gemacht, um die reichen jüdischen Organisationen zu einer Kolonisationstätigkeit in Mesopotamien anzueifern. Tatsächlich hat der Conseil der Jto in London sich mit diesem Projekte eingehend beschäftigt und Israel Zangwill hatte mit Ingenieur Willcooks wiederholt eingehende Beratungen gepflogen. Ebenso ist es den Berichten und den Kostenüberschlägen dieses englischen Ingenieurs zuzuschreiben, daß die Jewish Colonisation Association (Jca) eine Studienerpedition nach Mesopotamien entsendet hat und unseres Wissens sich auch gegenwärtig noch in Mesopotamien aufhält. Es ist selbstredend, daß, selbst wenn die Mitteilungen über angebliche Mißwirtschaft Willcooks und seines technischen Stabes auf Wahrheit beruhen, die nachgewiesene Fruchtbarkeit und Kolonisierbarkeit Mesopotamiens auch weiter wahr bleibt. Ein englisch-französisches Journal erscheint seit einiger Zeit in Jerusalem in englischer und zur Hälfte in französischer Sprache. Das Blatt, das den Namen „Truth" („Die Wahrheit") führt, beginnt in seiner ersten Nummer eine Artikelserie unter dem Titel: „Die ökonomische Lage Palästinas", in welcher als die Haupthindernisse des Fortschrittes die zahllosen Wohltätigkeitsinstitute, die Streitigkeiten zwischen den einzelnen Sekten und der Mangel staatlicher, nicht konfessioneller Schulen angegeben sind. Palästina ist so reich an Mineralien wie Sibirien. Australien oder Klondika. Nach Angabe des Blattes sind auch die Juden in unzählige „Sekten" gespalten, die einander immer befehlen. So gebe es in Jerusalem Aschkenasim, Sephardim, Hassidim, Vonkharalis, Gourgrs, Perser, Daghestanim, Jemeniten, Samaritaner und Karaiten. Das Blatt konstatiert ferner eine stetige Abnahme der jüdischen Einwanderung nach Palästina und eine Steigerung der Auswanderung junger Leute nach Amerika. Ehrung eines jüdischen Gelehrten in Rußland. Vorige Woche wurde an der Charkower Universität das 50jährige Doktorjubiläum des ordentlichen Professors der Augenheilkunde Dr. Leopold Hirschmann in feierlicher Weise begangen. Hirschmann wurde im Jahre 1839 in Kurland geboren. Das Gymnasium absolvierte er in Charkow mit der goldenen Medaille. Im Jahre