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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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j Seite 424 / eigenhändig überreicht. Auch sonst erhielt Goldziher zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Goldziher gehört zu den wenigen Juden, die ordentliche Mitglieder der Budopester Akademie der Wissenschaften find uod genießt sogar die Ehre, Präsident der Sektion für alte Philologie zu sein. Goldziher hat den Orient wiederholt bereist. Die interessante Episode auf seinen Studienreisen ist wohl sein Erlebnis in einer Stadt bet Kairo, die eine berühmte alte arabische Hochschule besitzt. Goldziher besuchte diese Schule, während der Scheik seinen Schülern die arabischen Wissenschaften vortrug. Eine Zeitlang hörte Goldziher ruhig zu, schließlich konnte er nicht an sich halten und begann mit dem arabischen Lehrer einen Disput über eine Auslegung des Korans. Die Disputation wurde immer heftiger, bis schließlich der Scheik die Waffen streckte und erklärte, dem gottbegnadeten Manne nicht gewachsen zu sein, und Goldziher bat, den Unterricht an seiner statt fortzusetzen. Goldziher gefiel dieser Einfall und er, der Fremde, der im ganzen zwei Jahre in Damaskus verbracht hatte, um die arabische Sprache zu erlernen, setzte den Vortrag in so klarer, moderner arabischer Sprache fort, daß selbst der Anfänger ihm folgen konnte. Der Scheik war außer sich vor Staunen. Nach Schluß des Vortrages versammelte der Scheik die Aeltesten der Gemeinde, die nach langer Beratung Goldzieher durch den Scheik wiffen ließen, daß, nachdem er ein Gesandter Gottes zu sein scheint, die Gemeinde den Unterricht der Soften (Hörer der Theologie) Goldziher anvertrauen wolle. Goldziher, der damals Sekretär der Budapester jüdischen Gemeinde war, lehnte ab, aber diese Episode wirkte jedenfalls aneifernd auf sein weiteres Studium. Ehrrmg eines jüdische« Schulmannes, Budapest. Eine besondere Auszeichnung wurde in diesen Tagen Herrn Bernhard Heber, Profeffor am staatlichen Obergymnafinm im VJI. Bezirk in der Barcsaygaffe in Budapest zuteil. Sein Fach ist lateinische und griechische Sprache und Literatur. Da fügte es sich nun, daß Herr Professor Heber in diesem Schuljahre alle seine Schüler, die er von der ersten Klasse angefangen bis zur achten' Klasse unterrichtete, zur Reifeprüfung führte. Der Oberstudiendirektor, der als Prüfungskommiffär präsidierte, hörte mit sichtlichem Vergnügen die auf alle Fragen gegebenen verständigen und präzisen Antworten der Abiturienten an und überreichte, als alle Schüler schon geantwortet hatten, dem Profeffor Heber ein Aktenstück. Ganz unbefangen, ohne auch nur die geringste Ahnung von dem Inhalte des Aktenstückes zu haben, durchflog der brave Mann das Schriftstück, welches, mit dem Siegel des königlichen Kultus- und Unterrichtsministeriums versehen, die den Namen Heber Bernat führende Stiftung der Schuljugend bestätigte und bekräftigte. Vorwurfsvoll blickte der Profeffor seine Schüler au und sagte: „Was habt Ihr da getan? Entweder Ihr habt das Geld Eueren Eltern erpreßt, dann ist die Stiftung nicht Euer Verdienst, oder Ihr habt Euch etwas entzogen, was Euch angenehm gewesen wäre, dann kann mir die Stiftung keine wahre Freude bereiten." „Nein, Herr Professor" — sprach einer von den Abiturienten — das Geld haben wir nicht erpreßt, haben es uns auch nicht entzogen, denn niemals hatten wir unsere Pfennige mit größerer Freude einem Zwecke gewidmet, als diesem, womit wir unseren Kameraden, die nach uns kommen, unsere unvergängliche Liebe und Hochachtung zu Ihnen Herr Profeffor beweisen wollen." In der Stiftungsurkunde wurde festgesetzt, daß jedes Jahr derjenige Schüler die Perzente der Stiftungssumme erhalt, welcher in den Gegenständen des Profeffors Heber sich auszeichnet. Die geehrten Leser dieses geschätzten Blattes sollen aber erfahren, daß Profeffor Heber nicht nur ein fachkundiger, liebevoller Pädagoge, sondern auch ein guter, recht braver Jude ist. Er ist Mitglied des jüdischen Schulstuhles im VI. Bezirke, versäumt nie eine Schulstuhlfitzuug, ist immer anwesend bei den Rrligiousprüfungeu, zu denen er als Schulstuhlmitglied entsendet wird. Josef Schön. Preßbnrg. (Fünfundzwanzigjähriges Lehrerjubiläum.) Eine erhebende, wahrhaft imposante Feier fand Sonntag den 19. Juni im großen Turnsaale der hiesigen israelitischen orthodoxen Kultusgemeinde statt. Der in weiten Kreisen der Bevölkerung, sowie im Lande bestens bekannt Direktor der hiesigen Volksschulen und Religionkprofeffor der hiesigen höheren Handelsschule Herr Wilhelm Kohn beging die 25. Jahreswende seiner Berufstätigkeit als Jugendbildncr. Die Ehrenwelche dem Gefeierten aus diesem Anlaffe zuteil wurden, zeigten es klar und deutlich, daß die Verdienste des Direktors Wilhelm Kohn nicht nur seitens seiner Ge- Nr. 25 meinde, seiner Vorgesetzten Schulbehörde, sondern allüberall bekanntgeschätzt und gewürdigt werden. Es hatten sich zu der erwähnten Feier eingefunden: Se. Ehrwürden Oberrabbiner Akiba Schreiber, die Gemeindevorsteher David Naß und Hermann Steiner, seitens der Schulkommission Advokat Dr. Moritz Leitersdorf in seiner Eigenschaft als Schulstuhlpräses, Vizepräses Friedrich Duschinsky, David Kraus, Moritz Freuder, die Stadtrepräsentanten Hofrat Dr. Bela Tauscher, städtischer Oberphysikus, Bäla Steckelhuber, Jakob Meyer, seitens der obersten Schulbehörde kön. Rat Schulinspektor Bartholomäus v. Plechy, die Vizeschulinspektoren Dr. Mauksch und Doktor Rajcsanyi Julius, Kolomann Hercsuth, seitens der höheren Handelsschule Direktor Julius Szojka, Dr. Max Herzfeld, Dr. Ludwig Wagner, Dr. Jenö Stary. seitens der hiesigen Staats-Oberrealschule die Professoren Dr. Mehler und Dr. Kreilisheim» von Seite der katholischen Volksschulen Oberlehrer Mihalicska, von den evangelischen Volksschulen Oberlehrer Freißmuth, Stelczer, in Vertretung der hauptstädt. Kollegen, Redakteur Julius Gabel, die Repräsentanten I. L. Schlesinger, Bernhard Schlesinger, Alfred Suchy, die Lehrkörper der Knaben-Bürgerschule Prof, und Direktor Max Oesterreicher, Prof. Arpad Sebestyen, seitens der Mädchenbürgerschule Direktor Prof. Jakob Fischer mit dem Frl. Eweline Landesmann, Hojos Grünwald, der Lehrkörper der hiesigen Primarschule mit den Lehrern Bela Feuer und Moritz Ehrenthal, der gesamte Lehrkörper der orth.-israel. Knaben- und Mädchenvolksschulen, die Schuljugend u. s. w. Nachdem der Jubilar in den Saal geleitet worden war und seinen Platz auf der Estrade eingenommen hatte, hielt Schulstuhlpräses Dr. Moritz Leitersdorf eine schwungvolle Ansprache an denselben, in welcher er die ganz außerordentlichen Verdienste des Gefeierten ins rechte Licht setzte und damit schloß, daß der Gefeierte den Stolz der hiesigen Gemeinde bildet und dieselbe es sehr wohl zu würdigen weiß, in welcher Weise durch das segensreiche Wirken des Jubilars unsere Schule sowohl in nationaler wie sittlich-religiöser Weise erblüht sei. Der Redner überreichte dem gefeierten Direktor sodann das Ehrengeschenk der Gemeinde. Sehr ehrend und auszeichnend für den Gefeierten waren auch die Ansprachen aller folgenden Redner. Es.sprachen Schulinspektor königl. Rat B. v. Plechy, Vizeschulinspektor Dr. Ernst Mauksch, der Direktor der hiesigen höheren Handelsschule Julius Szojka, namens des hiesigen städt. Lehrervereines Dr. Ludwig Wagner, für die kath. Schulen Oberlehrer Johann Mihalicska, für die evang. Schulen Oberlehrer Freißmuth, namens des Landeslehrer-Vereines Lehrer Moritz Ehrenthal, der auch die besonders warm gehaltene Zuschrift dieses Vereines zur Verlesung brachte. Namens der Eltern sprach sehrtrcffendStadtrepräs.Fr. Duschinsky Professor Arpad Sebestyen namens der Knabenbürgerschule, in Vertretung der hiesigen Kollegen Lehrer Armin Buchsbaum in sehr schöner formvollender Rede. Derselbe überreichte dem Gefeierten gleichzeitig die 'Geschenke der derzeitigen und der gewesenen Schüler,' sowie jene des Lehrkörpers. Namens der hauptstädtischen Kollegen sprach Redakteur Julius Gabel, seitens der gewesenen Schüler und Schülerinnen Dr. Sigmund Samuel und Fräulein Lipner, seitens der derzeitigen Schüler Eduard Lowy. Rosenfeld usw. ES darf mit Recht gesagt werden, daß in unserer Stadt ein Lehrer und Jugenderzieher noch nie in ähnlich auszeichnender Weise gefeiert wurde. Abends fand zu Ehren des Jubilars ein Festbankett statt, welches von den Kollegen, Freunden und zahlreichen Bekannten des Jubilars zahlreich besucht war, nicht minder seitens der gewesenen Schüler, unter denen wir die Herren Dr. Sigmund Samuel, Militärarzt Dr. Mayer, Dr. Kreilisheim. Oskar Meier Freund, Szamek, Redakteur Sam. Bettelheim besonders hervorheben. Es fehlte nicht an gelungenen Toasten. Telegramme waren weit über 150 eingelaufen, ebenso Zuschriften von Vereinen und Korporationen. Telegraphische Glückwünsche sandten unter anderen der hiesige Reichstagsabgeordnete und der derzeitige Alterspräsident des ungarischen Abgeordnetenhauses Carl v. Neußiedler, Präparandiedirektor Banoczy aus Budapest, Präses der israelitischen Landesdurchführungskommisston Adolf Handl, vom Vorstandspräses Lasar Gestettner, vom Professor Simon Weltmann aus Szabadka usw. Um 1 Uhr nachts endete das sehr animierte Bankett. L. öe — f. Ferienkurse in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer. Breslau. Am Donnerstag den 7. Juli beginnen in Breslau wieder die Ferienkurse in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer» die bis Mittwoch den 27. Juli einschließlich dauern werden. Der Kursus ist kostenlos. An dem Kursus können Lehrer und Lehrerinnen allgemein teilnehmen, denen nach Maßgabe vorhandener Mittel auch Subventionen zur Bestreitung der Aufenthaltskosten gewährt werden. Unterstützt wird das Unternehmen von dem D. F. G. Bund, von verschiedenen anderen Institutionen, namentlich von dem Vorstände der Breslauer Synagogengemeinde. Bisher siick die Kurse gut besucht gewesen und auch der diesjährige verspricht, nach den Anfragen zu urteilen, eine rege Teilnahme- Es werden lesen: 1. Seminarrabbiner Prof. Dr. Bach a) über Mischua (joma) zweimal wöchentlich; b) Buch der Gesetze von Maimonides einmal wöchentlich; 2. Dozent Dr. Brann: Dr. Blochs Wochenschrift.

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