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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 42^ skr. 3'8 Dr. Blocks WöchenMist. FrcS/ "71.000 v goldverzinslicher Eisenbahnprioritäten mit der Bestimmung, daß biese Zuwendung den Namen „Alexander und Anna Schorr-Widmung" führen solle. Durch diese hochherzige Widmung^ für welche dem edlen Wohltäter auch an dieser Stelle der tiefgefühlte Dank ausgesprochen wird, hat sich Herr Alexander Schorr ein unvergängliches Verdienst um das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim erworben. Möge dieses edle Beispiel im Kreise unserer wohlhabenden Glaubensgenoffen Nachahmung finden, damit es dem Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim, welches bereits jetzt 61 Lehrmädchen und Arbeiterinnen im Heim unentgeltliche Unterkunft und Verpflegung gewährt, ermöglicht werde, eine immer größere Anzahl hilfesuchender Mädchen in sein Heim aufzunehmen und denselben hiedurch die Möglichkeit einer zukünftigen ehrenvollen Existenz zu bieten. Wien. Mit großem Jntereffe verfolgen die Leser der „Wochenschrift" die „aktuellen Gemeindefragen" des Dr. B e r g e r aber der letzte Aufsatz hat mir direkt ans Herz gegriffen. Ist es doch der wichtigste Pfeiler des Judentums — die breite Basis, welche Dr. Berger zum Gegenstand seiner letzten Auseinandersetzung macht. Unsere Weisen bezeichnen es als den größten Fluch, als die höchste Gefahr min ronsnp — wenn die Lehre in Vergeffenheit geraten sollte — denn Israel ohne Lehre ist nicht denkbar, ein Reich der Priester ohne Lehre! Die Thora ist daher auch der Hauptpfeiler jedes israel. Gemeinwesens. Im Wiener Kultusvorstand find so viele Berufsarten vertreten. Der Großindustrielle, der Arzt und Advokat, der Baumeistex und Kaufmann — aber kein einziger Pädagoge. Seit dem Austritte Simons s. A., des fürs Judentum begeisterten großen Pädagogen, hat der Wiener Kultusvorstand keinen Pädagogen in seiner Mitte. Also das wichtigste Reffort ist im Kultusvorstand ohne Vertreter. Diese Lücke auszufüllen, wäre die. erste und nächste Pflicht des Wiener Kultusvorstandes, lieber „Lehrplan", „Lösung der Unterrichtsfrage", „Prüfungskommission" möchte ich mir ein andermal erlauben das Wort zu ergreifen. Für heute möchte ich nur an den löbl. Vorstand der Wiener Gemeinde appellieren, bei den nächsten Wahlen einen Pädagogen aufzustellen, oder was wichtiger wäre, jetzt schon zu kooptieren. Die Errichtung einer Gemeindeschule ist gewiß mit Freuden zu begrüßen, aber der verehrte Verfaffer der „aktuellen Gemeindesragen" vergißt, wenn er an die Musterschulen Hamburgs und Frankfurts erinnert, daß Wien, die größte jüdische Gemeinde mit einer Gemeindeschule, nur einem kleinen Bruchteile seiner Kultusmitglieder entgegenkommen würde. Wien müßte deren mehrere besitzen. Allein es wäre ein Anfang gemacht und damit der derzeitige sogenannte Religionsunterricht entlastet. Doch Wien besitzt ja schon eine solche Musterschule, wie sie dem Dr. Berger vorschwebt, er ist ja selbst im Vorstand des Talmud- Thora-Vereines, der eine 5-klaffige Volksschule mit Oeffentlichkeitsrecht erhält, zu welcher die Kultusgemeinde ihr Schärflein beiträgt — aber der Verein, welcher seit mehr als 60 Jahren besteht, ist, von der Subvention der Gemeinde im Betrage von 7000 Kronen und der aus dem Goldschmidt-Legat zugewiesenen 7500 Kronen abgesehen, auf die Beiträge von Mitgliedern und Spenden angewiesen. Der Verein führt einen fortwährenden Daseinskampf und diese Schule, die einzige Pflanzstätte echt jüdischen Geistes, kann ihre Lehrer, die Ersprießliches leisten, nicht gehörig besolden. Diese Schule, deren Schüler in allen Berufsschichten zu finden find — Aerzte, Advokaten, Kaufleute, Staatsbeamte sogar ein Theaterdirektor zählen zu den ehemaligen Schülern — ist heute eine Musterschule in pädagogischer und hygienischer Beziehung. Sie zahlt ihren Lehrern, an welche große Anforderungen gestellt werden, weit größere als die Kommune an ihre Lehrer stellt, geringere Löhne als die Kommune Wien, bei einer weit größeren Stundenzahl — der hebräische Stundenplan umfaßt 2 Stunden täglich — mit Ausnahme des Samstag, an welchem kein Unterricht erteilt wird. Diese Schule hat kein Penfionsinstitut für die Lehrer und sie erfüllt das Wort eines Weisen: .mm »atn anaw a^r ’Jaa nnirt Da sollte die Gemeinde in erster Linie ein Plus leisten, bevor an eine Gemeindeschule gedacht wird. Sie hat auch manche Vorzüge gegen eine Gemeindeschule, das soll in einem späteren Artikel behandelt werden. a. o. Zur Tempelfrage im ersten Bezirk Wiens. Hochgeehrter Herr Redakteur! Ich habe in Ihrer Zeitung aus den Ausführungen des Kultusvorstehers Herrn Dr. Berger entnommen, daß im Schoße des Vorstandes die Frage der Erbauung eines neuen Tempels in der Innern Stadt ernstlich geprüft und ventiliert wird. Dies muß jedenfalls dankbarst anerkannt werden. Doch in den Ausführungen kommt ein Wort vor, das mich zu einigen Bemerkungen veranlaßt. Es wird da von einem Monumentalbau gesprochen, der aufgeführt werden soll, und da scheint es mir, daß man aus falscher Fährte ist. Fürs erste entspricht eine solche Pflanzmacherei ganz und gar nicht dem bescheidenen Wesen unseres Volkes und zweitens, wenn dies auch nicht der Fall wäre, so ist ein Prachtbau in einer engen Gasse, wie die Seitenstettengaffe ist, total wirkungslos und das viele Geld dafür umsonst ausgegeben. Unsere Architekten find ohnehin darauf einzesprengt, alles nur fürs Auge herzurichten, es ist nicht notwendig, sie noch dazu aufzufordern. Was wir brauchen, ist ein Bau, der seinen Zweck entspricht, und zwar: Ein Bau, in dem man von allen Plätzen aus gut sieht und hört, ferner, in dem soviele Fenster und Türen vorhanden find, daß die Ausdünstung von mehreren Tausend Menschen leicht Abzug finden und genügend frische Luft einströmen kann, ein Bau, der soviele Ausgänge hat, daß jeder, der darinnen ist, mag er sich in welchem Stockwerke oder in welchem Teil des Hauses immer befinden, mit vollkommener Beruhigung darinnen verweilen kann. Man möge endlich aufhören, sich von den Künstlern tyrannisieren zu laffen und dagegen den Wünschen der Praktiker mehr Rechnung tragen. Hochachtungsvollst Albert Mandelbaum. Lemberg, 31. Juni. (Die Wahlen in die Kultusgemeinde.) Gestern fanden hier die Wahlen in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde aus der dritten Kurie statt. Es waren fünf Vorstandsmitglieder zu wählen. Die Zionisten hatten eine starke Agitation entfaltet. Sie erlitten jedoch eine vollkommene Niederlage. 886 Stimmen wurden abgegeben, davon entfielen auf jene Kandidaten der Zionisten, welche die meisten Stimmen auf sich vereinigten, 272. Unter den zionistischen Kandidaten befand sich auch Abg. Stand. Infolge dieses Wahlergebniffes veranstalteten die Zionisten abends Demonstrationen vor dem Wahllokal sowie vor der Wohnung des Präsidenten der Handelskammer, v. H o r o w i tz, wobei einige Fensterscheiben eingeworfen wurden. Die Wahlen in die Kultusgemeinde werden mit der Stimmabgabe in der ersten und zweiten Kurie fortgesetzt werden. Beide Kurien wählen je fünf Vorstandsmitglieder. Professor Ignaz Goldzihers 60. Geburtstag. Am 22. d. M. beging der berühmte Budapester Profesior für orientalische Wissenschaften Dr. Ignaz Goldziher seinen 60. Geburtstag. Dr. Goldziher, der nicht nur ein ausgezeichneter Hebräer, sondern auch ein vorzüglicher Kenner der talmudischen Literatur ist, war nahezu dreißig Jahre hindurch der erste Sekretär der Budapester israelitischen Kultusgemeinde und gab diesen Posten erst auf, als er nach vielen Präterierungen und nachdem — wie dies in Ungarn schon zu sein pflegt — sein Weltruf als Gelehrter auch zu den offiziellen Streifen gedrungen war, endlich zum ordentlichen Profeffor für orientalische Philologie und Geschichte ernannt wurde. Im Auslande ist die große wissenschaftliche Bedeutung Goldzihers längst anerkannt worden. Auf dem Orientalisten-Kongreß in Stockholm hat ihm 8er König von Schweden die vom Kongresse ihm gewidmete große goldene Medaille

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