Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 25 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021899--19373-3044352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 422 Dl. Mschs Wochmschrrst. Nr. 25: ein Italiener3-); iu den Jahren 1621—1635 wohnt in Lembergein Jude aus Konstantinopel:SamuelCzeleb i31) und m den Vierziger-Jahren des XVII. Jahrhunderts verkauft Schmaja Skampis sein Haus dem Lemberger Juden Wolf Kall33). Mit ihm zieht aus Lemberg der letzte portugiesische Jude. Aorresvondenzen, Cine Reminiszenz an die Affäre in der Sixtinischen Kapelle. (Die angeblichen Wischen Geldsammlungen für Prof. F e i l b o g e n.) Unsere Leser werden sich noch der allgemeinen Erregung erinnern, welche die Nachrichten von dem peinlichen Vorfall iu der Sixtinischen Kapelle am Ostersonntag 1908 speziell iu Wien hervorgerufen haben. Die Veranlassung des Ärgernisses war eine Wiener Dame, die Schwägerin des Professors Dr. Feilbogeu; allein auch dieser selbst war nicht ohne Me Schuld an den Geschehnissen, welche in den höchsten,' wie iu den weitesten Kreisen schmerzlichstes Bedauern weckten. Der k. u. k. Botschafter Gras S z e c s e n sprach im Vatikan seine Entrüstung über das Geschehene aus. Nachdem er den Zwischenfall unserem Auswärtigen Amte mitgeteilt hatte, wurde er angewiesen, dem Kardinal-Staatssekretär auch das tiefe Bedauern und die Entrüstung des Freiherrn v. Aehreuthal zum Ausdruck zu bringen. Ja mehreren Wiener Volksversammlungen wurden über de» Vorfall heftige Eutrüstungskundgebungen veranstaltet, zahlreiche Deputationen erschienen beim päpstlichen Nuntius, um ihm die Teilnahme auszudrücken. Die Hetze der antisemitischen Preßmeute gegen das Judentum nahm Formen der Raserei au. Allein auch innerhalb der Judeuheit war man über den Vorfall bestürzt und entrüstet. Neben bei Blutlüge hat der Aberglaube der Hostienschändung die zahlreichsten Opfer vom Judcntume im Mittelalter gefordert und gab den meisten Anlaß zu Raub und Mord, zur Ausrottung ganzer Gemeinden. Oberrabbiner Dr. Güdemann nahm Veranlassung, im israel. Tempel der Seitenstettengasse bei offener Bundeslade feierlich zu erklären: «Für uns Juden ist die Verpflichtung gegeben, den gottesdienstlichen Handlungen. eines jeden Kultus Ehrfurcht entgegenzubringen. Wir müssen daher auch vom Standpunkt unserer Religion jenen ehrfurchtwidrigen Vorgang nicht bloß auf das Tiefste beklagen, sondern auch auf das Schärfste verurteilen. Diese Erklärung gebe ich hier von der Kanzel an heiliger Stätte im Namen des Vorstandes und sämtlicher Rabbiner unserer Kultusgemeinde ab." Der Vorstand der israel. Kultusgemeiude Wien beschloß in der öffentlichen Plenarsitzung vom 24. April 1908 das Präsidium zu beauftragen, korporativ beim Ministerpräsidenten und dem Ku ltusminister vorzusprechen und zu erklären, daß die Wiener israelitische Kultusgemeiude in vollster Uebereinstimmuug mit der vom Oberrabbiner Dr. Güdemann von der Kanzel herab abgegebenen feierlichen Erklärung den Vorfall in der Sixtinischen Kapelle aufs Tiefste bedaure und aufs Schärffte verurteile. Namens der Deputation, welche aus deu Herren Dr. Alfred Stern, Landesschulrat Doktor Gustav K o h n und Banrat v. Goldschmidt bestand, hat der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern die Minister ersucht, diese Kundgebung des Wiener Kultusvorstaudes zur Kenntnis des K a i s e r s bringen zu wollen. Das «Deutsche Volksblatt" vom 5. Mai jenes Jahres, io seinem Bestreben, die jüdische Gesamtheit als Mitschuldige *°) Eonsularm, Bl>. 34, pg. 1045—7. 81) Consularia, Bd. 43, pg. 85—90. **) Lemberger Gerichtsplnax, (Jüd. Gememdebibliothek Lemberg) Pg. 22*. an dem Vorfälle darzustellen, die Kundgebungen des Wiener Oherrabbiners und Kultusvorstandes als Komödie zu verdächtigen, publizierte hierauf in fetten Lettern folgende Mit^ teilung: : - . «Das Prager Organ der tschechischen Katholiken, „Cech", brachte die Nachricht, daß unter der Judenschaft Wiens und Prags eine Geldsammlüng für Professor Feilbogen eingeleitet worden sei, deren Ergebnis den Hostienentweiher Feilbogen für den Verlust seiner Lehrstelle entschädigen soll. Einzelne Juden in Prag haben sich auf der Subskriptionsliste mit , Beträgen von 500 bis 1600 Kronen eingetragen! Hiezu bemerkt die Prager „Lokalkorrespondenz" des Juden Simon Pollak: «Wie wir versichern können, ist diese Nachricht des «Cech" vollkommen verläßlich; einer unserer Gewährsmänner hat selbst eine Subskriptionsliste gesehen." Das hieß nichts anderes, als daß die Juden sich mit Professor Feilbogen identifizieren und die Mitteilung sollte offenbar umso aufreizender wirken,' wenn ein Jude als Kronzeuge für die Nachricht aufgeführt wurde. Selbstverständlich mußte jüdischerseits der Weiterverbreitung der offenkundig unwahren Mitteilung mit einem nachdrücklichen Dementi ein Riegel vorgeschoben werden. Die Abwehrnotiz erschien denn auch in der „Oesterr. Wochenschrift" Nr. 19, vom 8. Mai 1908. Diese, wie nicht anders denkbar, recht energische, in diesem Falle mit der gebotenen Entschiedenheit und Schärfe abgesaßte Abwehrnotiz bildete den Gegenstand einer Ehrenbeleidigungsklage, welche der Herausgeber der «1. Prager Lokalkorrespondenz", Simon Pol l a k, gegen uns beim Landesals Schwurgericht zu Wien, angestrengt hat, über welche nach zweijährigen Vorerhebungen und mannigfachen Wandlungen am 20. d. M. die Schlußverhandlung stattfinden sollte. Die Verhandlung entfiel, nachdem über Intervention des Vorsitzenden Herrn O.-L.G.-R. Dr. Julius Mraczek ein Vergleich zustande kam. Nachdem nämlich der Mager Simön Pvllak M 'HM Richter zugegeben hatte, daß die im Mai 1908 von ihm in seiner «Ersten Lokalkorrespondenz" gebrachte Mitteilung von Sammlungen unter den Juden in Wien und Prag zugunsten des Prof. Dr. Feilbogen, wie et sich seither überzeugte, u f trüben und unrichtigen In f o r m a t i o u e n beruhte", verstand sich die ^Oesterr. Wochenschrift" zur Publikation nachstehender Erklärung: Nachdem Herr Simon Pollak erklärt hat, daß die im Mai 1908 von ihm in seiner «Ersten Prager Lokalkorrespoudenz" gebrachte Mitteilung von Sammlungen unter den Juden in Wien und Prag zugunsten des Professor Doktor Feilbogen, wie er sich seither überzeugte, auf trüben und unrichtigen Informationen beruhte, nehme ich keinen Anstand, meinerseits zu erklären, daß meine dieser Mitteilung entgegengesetzte publizistische Abwehr jedes persönlichen beleidigenden Charakters entbehrte und daß ich seither auch zur Kenntnis gelangte, daß Herr Simon Pollak nicht getauft ist, wonach auch die diesem Umstande widersprechenden Konklusionen entfallen. Wien, 20. Juni 1910. Dr. Io s. S. Blo ch. Kaiserin Elisaveth-Lehrmadchen-und Ärveiterinnen-Heim. Vom Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen- Heim erhalten wir folgende Mitteilung: Herr Alexander Schorr in Wien widmete dem Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim ein mit seinem beziehungsweise seiner Gattin Frau Anna Schorr lebenslänglichen Fruchtgenuffe belastetes Kapital, im Nominalwerte Mn