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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Blochs Wochenschrift. Leite 42t Geschäfte führe, das Schöffegericht ist aüderer Meinung und gibt den Befehl, Mosche zu verhaften. Aufgeregt protestiert er dagegen, „er sei Untertan des Reichskanzlers und daher habe über ihn das Stadtgericht keine Gewaltl"15) Die Schöffen winken auf die „Knittelgarde", Mosche greift den im Saale anwesenden Hofmann des Reichskanzlers Zamojski Szczerbicz amAermel an und will den Knittelmännern nicht folgen. Die Schöffen springen von ihren Stühlen auf und der Bürgermeister greift nach der Glocke; unter gewaltigem Tumult wird Mosche in das städtische Gefängnis abgeführt. Im letzten Augenblick wollte er eine Kaution erlegen, es half nicht und er mußte, im schmutzigen Kerker mit Dieben und Saufbolden vier Tage sitzen. Am 30. April 1587 wurde er aus dem Kerker entlassen, nachdem er vorher dem Antonio Katakallo zwei Wechselbriefe auf 2640 fl. und 430 fl. zur Deckung der Schulden geben mußte. Als Sicherstellung dieser Wechsel beließ er 62 Faß Malvasier, ein Faß Oliven und ein halbes Faß Limonen. Zu allen drei Kellern wurden doppelte Schlüssel zugearbeitet, der eine blieb bei Mosche, der andere bei Antonio; einer konnte ohne den anderen zur Ware nicht kommen. Der Erlös ging zur Deckung der Wechsel, von denen der eine auf vier Monate, der andere auf drei Monate lautete. Die Wechsel waren in italienischer Sprache abgefaßt, dies war nämlich die Geschäftssprache der Mosso?°) Mosche war gebrochen. Eine derartige Niederlage hatte er nicht erwartet; er verläßt Lemberg und ganz Polen, um „das Interregnum mit samt den Confusiones justibiarum der königlosen Zeit im Auslande zu über warten". Vor seiner Abreise schreibt er an die Freunde folgende traurige Zeilen: „Ich kümmere mich um nichts mehr, denn ich vertraue auf Gott; wenn ich nur ein Gewand und Brot haben werde, dann kümmere ich mich um niemand mehr, denn ich weiß, was jetzt in der Welt vorgeht, ich werde überall mein Brot finden und am Ende will ich nach Jerusalem fahren, um dort zu wohnen. Sitte beute17) Freunde sind dir feindlich gesinnt, sie möchten dich") vernichten, dich plündern, die Steine gegen dich anrufen, hätte ich nicht die Sympathie und die Gnade des Herrn Kanzlers, der mich so sehr achtet, mich nicht als Kaufmann, sondern als einen der Nächsten seines Hauses ansieht und mir daher vor allen anderen einen Platz einräumt, würden die Lemberger die uns erwiesene Zuneigung nicht ruhig mitansehen, sie hätten uns lebend aufgefressen. Euer Schwager verkauft hier stinkenden Malvasierwein zu 90 fl. auf drei Monate und zu 83 fl. per Kassa und er ist keine 50 fl. wert. Unsere Hunde (Lemberger Juden) springen vor Neid und verbreiten viel böses über mich, allein es bleibt an ihnen haften."") Mosche weilte neun Jahre im Auslande und kam nach Lemberg erst im Jahre 1596, um endgiltig seine Geschäfte abzuwickeln. Während der Zeit standen vier Fässer Malvasier aus Lager beim Stadtdolmetsch Lukaschewicz. Die Mosso mußten, wie alle fremden Kaufleute, ihre Verträge durch Vermittlung des beeideten Dolmetsch abschließen. Der Armenier Lukaschewicz wollte den Wein nicht so lange bei sich im Keller halten und verkaufte drei Fässer ä. 80 fl. an Herrn Stadtrat A n s e r i n u s und an die Frau Rydlowicz aus Przemysl. Das vierte Faß nahm er selber und bezahlte nur 30 fl.; die restierenden 50 fl. zog er für seine Arbeit als Dolmetsch ab und übergab den Betrag von 3X80 2404-30 270 fl. dem in Lemberg weilenden Mordochaj Mosso. Nach seiner Rückkehr nach Lemberg strengte Mosche dem Dolmetsch einen Prozeß tut20); in den Akten liegen unzählige Repliken, Dupliken und Tripliken vor, ls) A. C. L. 345 pg. 911. ") LorinSki: Patrychat S. 53. ") deine seilieet meine. 18) dich mich. m ") A. C. L. 345 pF. 954-6. Z, £2°) A. &. L. 350, pag. 243—60. das Ende der Sache konnten wir aber nicht auffinden, sowie uns das Ende der beiden Brüder unbekannt ist. Der Name Mosso, auf den wir in den Jahren 1667—1596 so viel mal stießen, verschwindet aus Stadtakten unwiderruflich. Im Jahre 1598 findet der Epilog des Mosso'schen Dramas statt: Dawid Passy aus Pera, der Kompagnon Mordochaj Mosso's quittiert dem Lemberger Juden Abraham C z y e die Summe von 2400 fl: für dreißig Faß Malvasierwein.21) Am 26. März 1589 verleiht König Sigismund III. dem Juden aus Kandia Joseph Kohen ein ähnliches Privileg, wie es die Mosso erhalten haben. Er darf überall wohnen, mit allen möglichen Waren handeln und soll als polnischer Staatsbürger betrachtet werden22). Außer den aufgezählten „Fränken" oder Portugiesen — wie sie in den Akten genannt werden — wohnten in Lemberg noch viele Andere und betrieben hier ihren Handel in großem Maße. Der Armenier Christoph kauft beim „Portugiesen" Chaskel, Sohn Judas, 75 Faß Malvasier für Zinn, Lyoner und Danziger Tuch; Chaim Kohen tauscht 6 Faß Malvasier, 60 Steine Reis und einen Zentner Gewürz gegen 50 Pfund Bernstein ein22). Am Lemberger Platz treibt sich Abraham Gambai, ein portugiesischer Agent, herum, der die Geschäfte für seine Landsleute vermittelt. Er leiht bei Antonio Katakallo 2300 fl. für Isaak Zabok aus Konstantinopel2^), er quittiert im Namen des Mose Czenstochen dem Lemberger Apotheker Jarosch Wittembtrg-Wendelski22), er mietet Fuhrleute in Lemberg und schickt sie mit Ware nach Konstantinopel. Für eine solche Fahrt nahmen die Fuhrleute im Jahre 1589: 528 fl.2°). Die Preise der griechischen Weine kennen wir aus verschiedenen Verrechnungen und Briefen. Ein Faß Malvasier kostete 80—83 fl. per Kasse und 90 fl. gegen drei Monate Zeit. Als die Geschäfte der Fränken sich verschlimmerten, verschuldeten sie sich am Lemberger Platze und zahlten 60—150°/o* Zu ihrem Gelde konnten sie schwer kommen, denn ihre Geschäfte waren verzweigt und von verschiedenen Konjunkturen abhängig. .So bescheinigten im Jahre 1570 beide Agenten Chaim Kohen und Abraham Mosso, daß folgende' Venezianer Kaufleute ansässige, verheiratete und ordentliche Leute sind: Abraham Sohn Jakobs Aboab, Isaak Sohn Abrahams, Samuel Madriara, Jakob Sohn Isaak aus Salonichi, Kalman Alphen aus Jerusalem (von Saphed?), Samuel Kohen. Johanan de Mowli, der Diener des Samuel, der jetzt in Venedig im Kerker sitzt und Jesaia Mahasu Jentob (Jomtobh) auf Samos, der aus Damaskus stammt27). Gegen das Ende des 16. Jahrhunderts liquidieren schon die Fränken ihre Geschäfte. Mosche Mosso erscheint — wie bekannt — zum letztenmal in Lemberg im Jahre 1696. Mose T u b i e j schuldet dem Griechen D i a n n i S a l v a g o eine große Summe für Ware und Mietzins2»); die Venezianer Juden Salomon Markus und Abraham M i s r a ch i verkaufen im Jahre 1597 ihr Haus in Zamoää dem Engländer Isaak Mettkaff um 650 fl?») Mit dem Jahre 1600 verschwinden aus den Akten die Namen der Portugiesen und aus Lemberg und Zamosä die Träger dieser Namen. Der Tod des großen Kanzlers (1605) vernichtete gänzlich die großen Pläne der „fränkischen Eindringlinge". In den Akten des 17. Jahrhunderts stießen wir drei Mal auf die Namen der Portugiesen. Im Jahre 1526 kauft in der Lemberger Vorstadt einen Baugrund um 1000 fl. Abraham, „der Schatullenmacher", «) A. C. L 353,,pag. 1726. 2a) Balab an: Zydzi lwowscy-Allegat Nr. 23. 2S) Lozinski l. c. S. 43. 24) A St. L. Consularia 13, pg. 605. 25) ibidem pg. 656. 26) ibidem pg. 981. 27) Scharr, Alleg. V. 28) A. St. L. Consularia Band 16, pg. 959 (I. 1596). 2#) ibidem Bd. 17, pg. 59. N

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