Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 24 (17.6.1910)
- Date
- 1910-06-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 414 Dr. Blocks Wochenschrift. Nr. 84 hochverehrten Herrn Dr. Alfred Berger den Stoßseufzer: , . . „und noch immer will nicht die Lösung der Aufgabe gelingen, jüdische Kinder in der Schule zu guten Juden heranzubilden. —-Das wird, Verehrtester Herr Doktor, nie gelingen, weil es nicht gelingen kann. Doch darüber gestatten Sie mir, mich ein nächstes Mal ausführlicher auszusprechen. Ihr ganz ergebener Dr. Ad. K a p r a l i k. Der Verschönerer des alten Ninive. Auf einem neuen Tonzhlinder, der vor kurzem in das Britische Museum gelangt ist, wird in einer großen Inschrift von den Taten des Königs Sanherib erzählt, die nicht nur kriegerischen Eroberungen, sondern vor allem auch dem Ausbau unv der Verschönerung seiner Hauptstadt Ninive galten. In dieser wichtigen Inschrift gibt Sanherib, wie die „Internationale Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik" einem Bericht des englischen Assyriologen Dr. Pinches entnimmt, nach den üblichen Einleitungen eine Aufzählung seiner Ferdzüge, die die bisher bekannte Ueberlieferung in wichtigen Zügen ergänzt, und wendet sich dann in dem längsten Abschnitt der Schilderung der von ihm ausgeführten Bauten in Ninive zu. Nachdem der König davon gesprochen hat, wie er die Tempel und Heiliatümer verschönert habe, rühmt er sich, daß er wie keiner seiner Vorväter, die vor ihm das assyrische Reich regiert hatten, die Stadt vergrößert, das Straßennetz erweitert, Kanäle gezogen und Bäume gepflanzt habe. Nachdem der Fluß Tebiltu den alten Palast zerstört hatte, so habe er, der König, beschloffen, einen viel größeren an der gleichen Stätte zu erbauen. Nach ausgedehnten Vorarbeiten wurde der Palast errichtet und mit Gold, Silber, Bronze, kostbaren Steinen und wohlriechenden Hölzern ausgeschmückt. Kunstgeschichtlich wichtig ist seine Behauptung, daß er eines der Tore des Palastes im hettitischen Stile ausgeschmückt habe, womit er wahrscheinlich die geflügelten Tiere und Löwen, die wir aus der hettitischen Architektur kennen, meinte. Es scheint, daß Fensteröffrmngen nicht allein in den Kapellen und Tempeln, sondern auch in den Gemächern des Palastes angebracht und mit gebrannten Ziegeln und kostbarem Stein ausgeschmückt waren. Bäume wurden aus den verschiedensten Gegenden, die er mit Namen bezeichnet, herbeigebracht. Weißer Kalkstein für die geflügelten Tierfiguren kam aus der Nähe von Ninive, und für jedes einzelne der Tiere wurde ein Einzelblock gebrochen. Wie man sie nach Ninive transportierte, ist auf den Reliefplatten aus SauheribS Palast, die sich jetzt im British Museum befinden, ersichtlich. Von weiterem kunstgeschichtlichen Jntereffe ist die Beschreibung, wie man Bronze goß; in diesem Verfahren scheint man unter Sanherib durch einen „göttlichen Prinzen" mit Namen Nin-tst- Adagar bedeutende Fortschritte gemacht zu haben. Dann beschreibt der König den großen Park, der so groß war wie der Berg Amanus, und in dem er zahlreiche, bisher in Mesopotamien unbekannte Bäume und Sträucher anpflanzte. Es ist von King nachgewiesen worden, daß unter diesen Baumen auch der Baumwollbaum figurierte, da von Wolle der Bäume, die zur Herstellung von Kleidungsstücken gebraucht wurde, die Rede ist. Wir haben also in diesem Zylinder, der 691 v. Ehr. datiert ist. einen der frühesten Belege für Baumwollkultur und zwar auf Bäumen, nicht durch Sträucher. Ein etwa 100 Jahre früherer Beleg ist aus Indien bekannt, wo aus der Wolle des BaumwollbaumeS gefertigte Fäden zu Priesterschmuck verwandt werden mußten. Endlich spricht Sanherib noch von der große» Stadterweiterung von Ninive, die er durchgeführt hatte, von dem Mauerbau, von den 15 Toren, die er in den Mauern anlcgte und von denen jedes einzelne mit Namen bezeichnet ist, und von seinen großen Bewäfferungsanlagen. Glaubens auszuwählen. Je Deutlicher sie die Kennzeichen ihres semitischen Ursprungs an sich trügen, um so besser. Der Kommissär kannte seine Leute und als Roosevelt seine „Garde" musterte, mußte er gestehen, daß er seine Auswahl gut getroffen hatte. Ec gab den Leuten ihre Anweisungen und schickte sie am Abend nach dem Lokal, in dem Ahlwardt reden sollte. Man male sich das Gefühl von Ahlwardts Freunden aus, als sie gleich an der Tür von ein paar Schutzleuten empfangen wurden, über deren Abstammung nicht der geringste Zweifel möglich war. Ueberall an den Pfeilern und Fenstern standen sie umher, selbst wie steinerne Säulen, mit ihren gebogenen Nasen und schwarzen Haaren, um Ahlwardt zu schützen. Und sie beschützten ihn auch. Unter den Zuhörern befanden sich natürlich auch einige Juden, und als einer von ihnen versuchte, die Rede zu stören, packte ihn einer der Schutzleute mit dem „reinen" Profil beim Kragen und beförderte ihn glatt auf die Straße, - Kriefknsten- A. B. Die alten Hebräer waren zumeist Blondköpfe und das allein widerlegt manche Argumentation moderner antisemitischer Wissenschaft. Im Hohen Liede, Kap VII., Vers 6, wird die Sulamith geschildert: „Das Haar ihres Hauptes dem Purpur gleicht". L, S. getauft. Der Professor an der Wiener Universität, W i e s n e r ist jüdischer Abstammung. S. F. Der Leiter des Theaters in Franzensbad, Direktor Berthold Wolf ist schon vor Jahren aus dem Judentum ausgetreten, der Lehrer der dortigen Volksschule, Herr Viktor Eduard Popper ist getauft. Alter Freund. Anonyme Ratschläge sind nur mit Vorsicht aufzunehmeu. Eifriger Leser. Nur der Lebende untersteht dem Urteil der Zeitgenossen. Der Tote steht bereits vor einem höheren Richter und wir haben bloß des Guten und Schönen zu gedenken, welches sein Leben uns hinterlassen. Notiz. Im Schwefelbade „Trenesen-Tepliez", deren Heilquellen seit nahezu 500 Jahren mit Erfolg benützt werden, fing die Hauptsaison am 1. Mai an und es herrscht bereits ein reges Badeleben. Seit dem 1. Mai spielt außer dem Kurorchesteri und der Zigeunerkapelle jeden Mittwoch nachmittag auch die Militärmusik. Was uns aber am nächsten interessiert, wurde die koschere Restauration, vollkommen neu eingerichte, an einen bekannten koscheren Restaurateur Jakob Pinkas aus Wien verpachtet. Diese Restauration wird nach streng orthodox-rituellen Satzungen geleitet und am 20. d. M. eröffnet« Wie Roosevelt den Ahlwardt schützte. Zn einer Biographie Roosevelts „Vom Reitersmann zum Präsidenten" von Dr. Max Kullnick, die im Verlage von Mittler u. Sohn in Berlin erschienen ist, findet sich eine kleine, bisher wenig bekannt gewordene Episode aus der Agitatwnsreise Ahlwardts, die dieser im Jahre 1895 nach Amerika unternommen hatte. Roosevelt war um diese Zeit Polizeipräsident von New-Pork. Ahlwardt sollte in einer öffentlichen Versammlung sprechen. Seine Freunde aber fürchteten für seine Sicherheit und begaben sich zu Roosevelt, um ihn zu bitten, für den Schutz des Gastes zu sorgen. „Was befürchten Sie denn?" fragte Roosevell. „Herr Ahlwardt ist oft sehr scharf in seinen Ausdrücken," erwiderten sie. „Da könnten sich möglicherweise die Inden zusammenrotten und ihn beschimpfen." „Das ist Unsinn," war seine Antwort, „es gibt in New-Iork keine friedlicheren Bürger als die Juden." Da die Abgesandten dabei beharrten, das Erscheinen einer besonderen Leibwache von Schutzleuten würde etwaige Ruhestörer am besten im Zaume halten, so entließ sie Roosevelt mit der Versicherung, Ahlwardt solle an dem betreffenden Abend einen ausreichenden Schutz erhalten. Kaum hatte sich die Tür hinter den Männern geschloffen, als er einen Polizeikommiffär zu sich berief und ihm befahl, aus der gesamten Schutzmannschast dreißig Leute jüdischen Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher und aufrichtiger Teilnahme, welche uns anläßlich des Hinscheidens unserer unvergeßlichen Mutter, der Frau Minna Pollak Rabbiners-Witwe zuteil wurden, sowie für die zahlreiche Beteiligung am Leichenbegängnisse sagen wir auf diesem Wege jedem einzelnen tiefsinnigen und herzlichen Dank. Wien im Juni 1910. Die trauernd Hinterbliebenen. Aufruf. MIifühlende, wohltätige Glaubensgenossen, helfet uns ein anständiges Walsenmädchen wieder gesund machen! Selbes hatte sieh von ihien Kinderjahren durch Fleiss und Tätigkeit ordentlich ernährt und durch Ueberanstrengung Lungenkrankheit zugezogen. Da sie zur Erhaltung ihres Lebens einen Kurplatz aufsuchen muss und ihr dies nur mit Hilfe von Spenden ihrer edlen Glaubensbrüder erreichbar ist, so werden gesunde, glückliche Menschen ersucht, ihre Dankopfer an den unterfertigten Isr. Fraiienvereln PimitZ, Mähren, für Fräulein Ida Singer, Pirnitz (Mähren), ahzusenden. Pirnitz, 1. Juni 1910. Für den Israelitischen Frauenverein Pirnitz: als Kassier: als Präsidentin: Emil Furcht Fanny Bretschnelder. Folgende Spenden sind bereits eingelanfen: Ungenannt K 6.— Geschwister Kohn K 6.—, Ru2a Furcht K 6.—.