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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-17 · 24 (17.6.1910) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 413 Nr. 24 Dr. Vlochs Wochenschrift. te10 ne 1) gehörten vor das Reichstribunal und dorthin wird auch Isaak unzähligemale belangt. Als er dazu noch im Jahre 1588 den wichtigsten reußischen Zollplatz: die Maut in S n i a t y n (an der Bukowinaer Grenze) in Pacht nahm, hatten die Klagen kein Ende.1G) Der Kontakt mit der Bukowina und dem Orient im Allgemeinen lenkte Isaaks Aufmerksamkeit auf den Gewürzhandel, den er seit der Zeit führte.17) Zufolge seines Reichtums und seiner Stellung in der reußischen Judenschaft genießt Isaak große Achtung beim Adel und bei den Bürgern; er empfängt in seinem Hause die höchsten Beamten 18) und legt im Gerichte den gewöhnlichen Bürgereid ab, wogegen andere Juden mors j u d a i c o schwören mußten. ^) Isaaks Einfluß reichte bis an den königlichen Hof. Er will ein Haus an der Ecke der Juden- und Renßengasse erhalten, welches aber einer Bürgerswitwe gehört. König Sigismund August schreibt diesbezüglich an den Lemberger Stadtrat (1571), und um die Angelegenheit zu beschleunigen, schickt er nach Lemberg seinen Kämmerer Jakob Szczawinski. Der Stadtrat befolgte den Befehl des Königs und übergab dem Isaak das gewünschte Haus. 2°) -i- * * Reich an Geld und Ehre, gedachte Isaak eine neue Synagoge in Lemberg zu bauen; Frömmigkeit war in jener Zeit den Christen und Juden eigen. Die meisten Kirchen und Synagogen stammen aus jenem Jahrhundert. Die alte Lemberger Stadtsynagoge ist im Jahre 1571 in Flammm aufgegangen und als man sie wieder baute, erwies sie sich zu klein für die aufblühende städtische Judengemeinde. Besonders während der Märkte und Messen weilte in der Stadt eine Menge fremder jüdischer Kaufleute. In der Zeit kamen auch nach Lemberg viele tückische und italienische Juden, um die Weinfaktorei des Don Joseph Nasi, Herzog von Naxos, zu führen. * * * Der Synagogeubau war in Polen während des Mittelalters ganz unbeschränkt; man achtete nur darauf, daß die „ungläubigen Juden keinen hohen und schönen Tempel bauen und daß derselbe nicht andere Häuser überrage". Infolgedessen baute man die Synagogen tief in die Erde hinein, um trotz der Niedrigkeit des Gesamtbaues einen hohen Betsaal zu erhalten. In alle alten polnischen Synagogen steigt man viele Stufen hinunter (am Kasimir bei Krakau, in der Vorstadt in Lemberg), was manche durch den Wortlaut des Psalmes 130,1. „aus der Tiefe rief ich" erklären wollen. Die geistlichen Synoden in Polen drängten — wie in der ganzen christlichen Welt — zur Beschränkung des freien Synagogenbaues und so faßte die in Piotrkow im Jahre 1542 tagende Synode folgenden Beschluß: .. der König möge die neuen — sogar in Krakau erbauten Synagogen niederreißeli lassen (sinagogas novas . . . destrui facere mandet); da die Juden nur zum Andenken an die Leiden Christi geduldet werden, darf ihre Zahl nicht steigen und ist ihnen gestattet, die alten Synagogen zu r parieren, nicht aber neue zu bauen."21) Eine Verschärfung dieser Beschlüsse bilden die Gueseuer Synodaldekrete aus dem Jahre 1589 (§ 9).22) Der Kirchengeist drang in die Staatsgesetzgebung und König Alexander dekretierte; „ne Judaei novas Synagogas exstruere audeant“. Nachher wurde die ") A. (5. L. 3.7 pag. 100. Ueber Sniatyu ging der Weg von der Walachei nach Lemberg. ") A. C. L. 342 pag. 893—5 Lemberger Mautregister. ") A. C. L. 348 pag. 619. ") Der Schlußpassus seiner Eidesformel lautet einfach:... »i t a me Deus adjuvet«. 20) Arch. St. Lbg. Buch 227 Nr. 23 überdies: Zubrzyeki: Chronik der Stadt Lemberg pag. 193. 21) IIlanowski: Materyaly do hist. Ustaw. synod. IX S. 67-8. Titel XII. 22) Llonuwsnta Regni Pjloniae Bd. III. S. 117. Norm durch das R.staurierungsverbot alter Synagogen verschärft.^8) Alle diese Beschränkungen wußte Isaak aus dem Wege zu räumen, kaufte beim Stadtrat einen Platz um 1500 fl. und erlangte die Bestätigung des Kaufes durch den König Stephan Batory. Die Bestätigung des Königs — quae absque consensu Nostro firma esse non potuit — trägt das Datum: Warschau, am 28. März 1581.24) Nach diesen Umständen und Formalitäten übergab Isaak den Bau dem Italiener Paolo Romano aus Chiamut in Grisonien, der damals in Lemberg viel zu tun hatte. Ec baute eben zu jener Zeit die berühmte „Walachische Kirche". Der Meister führte die Synagoge in spätgotischem Style auf; ein Quadratfaal mit hochschwingender gotischer Wölbung, die vielen Nippen schießen hoch zusammen und an der Giebelrosette ist das Datum des Baues sichtbar. Es lautet: n^p'i" d. i. 342--1582. Während dis Baues suchte Isaak die Erlaubnis des Lemberger Erzbi chofs zu erlangen, um allen Formalitäten gerecht zu werden. Erzbischof Johannes Demetrius Solik o w s k i war aber ein strenger und düsterer Herr, der die Jesuiten nach Lemberg gebracht; er wollte seine Zustimmung keinesfalls erteilen und berichtete über den Vorfall nach Rom an die Congr egatio de Propaganda F i d e25) So wurde die Synagoge ohne Erlaubnis des Erzbischofs geöffnet, was auf ihr weiteres Schicksal einen gewichtigen Eindruck ausübte. Einstweilen wollte Isaak noch eine Frauengalerie hinzubauen, wurde aber inzwischen im Jahre 1495 vom Tode ereilt und überließ die Arbeit seinen zwei Söhnen: M a r d o ch a j und N a ch m a n, die das Patronimicum ihres Vaters: Jsaakowicz führten. Baden. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nr. 29 Ihrer sehr geschätzten Wochenschrift findet fich im „Briefkasten" eine an die Adreffe eines Abgeordneten gerichtete Notiz, in der unter Anderem der römische „Caesar" aus “>na hergeleitet wird. Das ist nicht richtig. Die Gleichung: Griechisches X lateinisches C stimmt ganz natürlich; im Lateinischen wurde 0 überall wie X (eigentlich ähnlicher 6) gesprochen; aus lateinischem Caesar ist griechisch Xa:aap (Xaisar) gebildet. Die lateinische Form ist die ältere. Aus "Tn dieselbe herzuleiten geht durchaus nicht. Hebräisches 2 ergibt lateinisch ch (getrennt zu sprechen wie kh); hebräisch n ausschließlich t h und das Segol .'. stets langes e nie ae. Denn ae im Lateinischen ist ein Diphkong, der keineswegs so gelautet hat, wie wir ihn jetzt sprechen, also nicht ä, sondern a-e, zweisilbig, worin das ä ganz deutlich gehört wurde und den Akzent trug, indes das e, der zweite Bestandteil, etwas verdunkelt gesprochen, fich mehr dem 1 näherte, weshalb die Griechen für lateinisches ae ein rj (langes e) setzten, sondern immer ai. Die Römer sprachen „Caesar" nicht: „Zäsar" — sondern Xaesar; hebräisches ">rn hätte im Lateinischen keine andere Form als „Chether" ergeben können, woraus nie ein Caesar entstehen hätte können. Aus einer oberflächlichen Aehnlichkeit zweier Worte, die eine ganz äußerlich zufällige ist, auf organische Verwandtschaft schließen und das Eine zum Etymon des Anderen machen oder Beide auf ein Drittes als gemeinsame Quelle zurückführen wollen, das geht durchaus nicht; der gesetzliche Lautwandel ist hier ausschließlich maßgebend. Es gibt derlei etymologische Spielereien — oder Späße — genug. Ich verweise darauf, daß irgend ein Witzbold (oder sollte es ernst gemeint sein?) hebräisches Jehovah mit dem dem alten Jupiter zugrunde liegenden Stamme Jov zusammengebracht hat. Als Spaß kann man fich das noch gefallen laffen — ernstlich kann das nur Jemand behaupten, der mit Linguistik nie etwas zu tun gehabt. In derselben Nummer finde ich im Artikel des a3) A. C. L. 361 pag. 216 ss. 24) Balaban: Lemberger Juden im XVI. und XVII. Jahrhundert (Poln.) Dokument Nr. 15. 25) Theiner: Annales ecclesiastici III 341—3.

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