Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 24 (17.6.1910)
- Date
- 1910-06-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 24 Veite 409 Dr. Blochs Wochenschrift. Zu erwähnen wäre noch, daß ein Kandidat, der des Mandates wegen sich getauft hat und Franz Kossuth zum Taufpaten wählte, einem Juden gegenüber unterlag. Ein Ginzburg-Museum in Petersburg. Wie „Rjetsch" Meldet» hat die Petersburger Synügogengemeinde ln einer jüngst stättgehavten Sitzung beschlossen» has Andenken des Baron Harare Ginzburg durch die Errichtung eines jüdischen Museums zu verewigen.. Das Museum, das den Namen des Verstorbenen tragen wird, wird einen eigenen Saal besitzen, in welchem sich ausschließlich Gegenstände befinden werden, die sich auf die Geschichte der berühmten Ginzburg-Familie beziehen. Die Erben des Verstorbenen haben bereits die Zusage gemacht» dem Museum alle im Besitze der Familie befindlichen Reliquien Und historischen Gegenstände zur Verfügung zu stellen. Ausschluß -er Juden aus den höheren technischen und Handelslehranstalten. Aus Petersburg wird uns gemeldet: Handelsminister Tomaschew hat im Zirkularwege allen ihm unterstehenden Lehranstalten die ÄufnahMsbedmgungen für das kommende Schuljahr zügehen lassen. Auf Grund dieser Bestimmungen werden in den Petersburger höheren technischen und Handelslehranstalten im nächsten Schuljahre Juden überhaupt keine Aufnahme finden. Cs bleibt nämlich für das polytechnische, das Berginstitut und für das Institut für Zivilingenieure die Bestimmung aufrecht, daß die Zahl der jüdischen Hörer nicht mehr als drei Prozent der gesamten Hörerschaft ausmachen dürfe. Da diese Zahl bereits im Vorjahre erreicht wurde und das Verhältnis auch heute noch besteht, ist für neueintretende jüdische Hörer kein Platz. Diese Maßregel des Handelsministers veranlaßt zahlreiche Hörer des technischen Faches, ins Ausland, zu gehen. Offizielle Statistik der Juden in Rußland. Die statistische Zentralkommission im russischen Ministerium des Innern - veröffentlicht soeben ihr Jahrbuch für das Jahr 1909, dem wir die folgenden wichtigeren Daten entnehmen : Am 1. Jänner 1909 betrug die Zahl der russischen Bevölkerung 160,095.200 Seelen. Davon waren 6,243.712 (3 9°/o) Juden. Seit der letzten Volkszählung im Jahre 1897 ist die Zahl der Gesamtbevölkerung Rußlands um 33,199.000 Seelen gestiegen. Diesem allgemeinen Zuwachse würde zu Beginn des Jahres 1909 eine jüdische Bevölkerung von rund 6,400.000 entsprochen haben. Die Zahl der Juden ist demnach im Verhältnisse zur übrigen Bevölkerung Rußlands um rund 150.000 zurückgegangen. Tatsächlich ist die jüdische Bevölkerung in den letzten zehn Jahren um ein Bedeutendes mehr zurückgegangen, als die offizielle Statistik aufweist, da diese nicht auf einer Volkszählung, sondern nur auf vagen Berechnungen beruht. Ein Kongreß russisch-jüdischer Aerzte. Auf Anregung des Odessaer Arztes Dr. M. Schwarzmann findet im Herbste diefes Jahres ein Kongreß der jüdischen Aerzte Rußlands statt. Außer Standesfragen werden auf dem Kongreß folgende Themata zur Behandlung gelangen. Die sanitären und hygienischen Verhältnisse unter den russischen Juden. Mittel zur physischen Entwicklung der Juden. Die Hygiene in den jüdischen Schulen. Medizinische Fragen im Zusammenhänge mit der Emigration. Jerusalem, den 5. Juni 1910. Verehrliche Redaktion! In Nummer 21 Ihres geschätzten Wochenblattes brachten Sie eine Mitteilung aus Jerusalem, den beabsichtigten Besuch des Prinzen Eitel Friedrich in der Lämel-Schule betreffend. Die in dieser Mitteilung enthaltenen Angaben entsprechen nicht der Wahrheit. Weder Herr Dr. P. Nathan aus Berlin noch die Direktion der Lämel-Schule haben um den Besuch des prinzlichen Paares in dieser oder ist einer anderen Änstält nachgesucht. Der Besuch in der Lämel-Schule würde vielmehr aüf Anregung des hiesigen deutschen GenetalkonsÜlS allein in das Programm für den hiesigen Aufenthalt des Prinzen und der Prinzessin Eitel Friedrich ausgenommen. Der österreichisch-ungarische Konsul wurde von dem beabsichtigten Besuch in offizieller Weise verständigt und ebenso der Leiter der Schule. Herr Dr. Nathan, der anläßlich feiner Reise nach Haifa nur zu kurzem Aufenthalt nach Jerusalem gekommen war. wär an 'sein eigenes Reiseprogramm gebunden und hätte bei 8sni prinzlichen Besuch in der Lämel-Schule. falls dieser programmäßig erfolgt wäre, nicht zugegen sein können. Auf Grund des Umstandes, daß im Laufe des Winters viele Meningitisfälle innerhalb der jüdischen Bevölkerung vorgekommen waren und daß diese Krankheit zur Zeit des prinzlichen Besuches noch nicht ganz erloschen war. wurde dem Prinzen und der Prinzessin in der letzten Minute angeraten, von dem Besuche in der Lämel-Schule Abstand zu nehmen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ephraim Cohn, Direktor der Lämel-Schule. Zu den jüngsten Naturalisationen in Rumänien. Wie bereits berichtet, hat die rumänische Deputiertenkammer vor Schluß der Session die Naturalisationsgesuche von zwanzig Juden zustimmend erledigt. Mit diesem Parlamentsbeschlusse erscheinen die Betreffenden noch nicht naturalisiert, da der Beschluß des Parlamentes noch der Ratifizierung seitens des Senates bedarf. Wie uns aus Bukarest berichtet wird, soll der Senat tatsächlich drei Petenten die Naturalisation verweigert haben. Interessant ist die Berufsstatistik jener zwanzig Juden, um deren Naturalisierung es sich hier dreht. Es sind drei Aerzte, drei Privatsekretäre hoher politischer Persönlichkeiten. fünf Kaufleute, ein Professor, ein Ingenieur (der Sohn des berühmten rumänischen Dichters Rosetti- Roman). ein Pächter und sechs Gewerbetreibende. Eine Warnung des türkischen Oberrabbmates. In jüngster Zeit erhält das Oberrabbinat in Konstantinopel von russischen, rumänischen, wie auch von galizischen und ungarischen Juden zahlreiche Gesuche und Anfragen über Ansiedlungsmöglichkeiten im türkischen Reiche. Nicht nur in Palästina, sondern auch in anderen, hauptsächlich den europäischen Gebieten des ottomanischen Reiches-suchen diese Juden neue Ansiedlungsmöglichkeilen. Das türkische Oberrabbinat. außerstande, alle diese Gesuche einzeln zu erledigen, erläßt nun eine Warnung vor überhasteter und voreiliger Einwanderung in die Türkei, so lange die türkische Regierung im Wege des Parlamentes den ganzen Komplex der Einwanderungsfrage nicht mit voller Klarheit gelöst haben wird. Gegenwärtig steht noch das alte Einwanderungsgesetz in Kraft, das den Juden die Einwanderung nach Palästina nur auf bestimmte Frist gestattet. Der ominöse „rote Zettel" ist noch nicht aus der Welt geschafft. MT’*'* Luigi Luzzatti an eine katholische Deputation. Aus Rom wird berichtet: Aus Anlaß einer politischen Divergenz zwischen einem katholischen Verein und einer demokratischen Vereinigung fand hier vor einigen Tagen eine massenhaft besuchte Protestversammlung aller katholischen Vereine statt, aus welcher eine Deputation an den Ministerpräsidenten Luigi Luzzatti entsendet wurde, um ihn um Schutz gegen die angeblichen Uebergriffe der Radikalen zu bitten. Auf die Ansprache des Führers der Delegation erwiderte der Ministerpräsident, daß die Regierung allen Konfessionen die gleichen Rechte