Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 24 (17.6.1910)
- Date
- 1910-06-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 410 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 24 zusichere, weshalb er hoffe, datz sie auch alle sich gleichmäßig den Gesetzen fügen werden. Die Katholiken können des Schutzes der Regierung sicher sein, doch obliege ihnen die Pflicht, alles zu unterlassen, was die Rechte und die religiösen Gefühle der Andersgläubigen verletzen könnte. Diese Erklärung hat in Rom allgemeines Aufsehen erregt. Verhandlungen der Duma. Antrag auf Aufhebung des Ansässigkeitsrayons für die Juden. Petersburg, 14. Juni. In der Duma brachten heute 166 Abgeordnete, bestehend aus den Mitgliedern der Linken und 25 Oktobristen, einen Antrag auf Aufhebung des Ansässigkeitsrayons für die Juden ein. Im Motivenbericht wird darauf hingewiesen, datz die vom Ministerium des Innern eingebrachte Vorlage, betreffend die Unantastbarkeit der Person, Domizilbeschränkungen für Bürger zulasse, die in der Vorlage besonders ausgeführt sind, sowie darauf, datz es im Erposee zur Vorlage heiße, die Initiative zur Aufhebung des Ansässigkeitsrayons für die Juden müsse von der Volksvertretung ausgehen. Der Antrag der Abgeordneten betont, datz das Fortbestehen der Domizilbeschränkungen für die Juden in dem erneuten Rußland äußerst ungerecht sei, dem Manifest vom 30. November widerspreche, dem Staate direkt Schaden zufüge und die wirtschaftliche Entwicklung eindämme, zu der alle Bürger ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität beizutragen berufen sind, und hebt hervor, datz es zur Demoralisierung eines Teiles der Verwaltung beitrage, die die Domizilbeschränkungen der Juden zum eigenen Vorteile ausnütze, indem sie Umgehungen des Gesetzes gestatte. permiscbtes. Ei« verdienstvoller Schulmann. Herr Leopold Schulhof, städtischer Lehrer Mid israelitischer Religionslehrer an der Mädchenschule, II., Novaragasse 30, vollenvet am 21; Juni sein siebzigstes Lebensjahr. Der Jubilar wirkt seit 45 Jahren im Lehramte, 35 Jahre ist er im zweiten Wiener Gemeindebezirk als Volksschullehrer und israel. Religionslchrer tätig. Herr Schulhof erfreut sich nicht nur in allen Kreisen der Wiener Gesellschaft der größten Wertschätzung, er genießt auch weit über die Grenzen unserer Stadt als Schriftsteller und Publizist besonderes Ansehen. Seinen zahlreichen Schülern, die er in der Schulstnbe mit großer G.schicklichkeit und Hingebung heranbildete, blieb er auch nach dem Verlaffen der Vo.ksschule ein väterlicher Freund und sorgte, wo es not tat, auch für die materiellen Bedürfnisse bei ihrem weiteren Studium» wo u er sich die Mittel aus wohlhabenden Bürgerkreisen zu verschaffen wußte. Ganz besondere Verdienste hat sich aber der Jubilar um das Judentum erworben. Unerschrocken nahm er den Kampf gegen die antisemitischen Machthaber auf. um die Rechte der jüdischen Schulkinder und Lehrer zu wahren. Als im Jahre 1889 manche Wiener Lehrer das Bedürfnis hüten, ihre antisemitische Zugehörigkeit durch Verspottung, Verhöhnung und Drangsalierung ihrer jüdischen Schüler zr erweisen, sammelte Herr Schwbof das diesbezügliche Material und aeißelte sodann in einer Reihe von Artikeln in der „Sonn- und Montags-Zeitung" das unwürdige Treiben der Wiener Jünger Pestalozzis. Die Unterrichtsverwaltung mußte der öffentlichen Empörung gerecht werden und ordnete eine strenge Untersuchung an, nach welcher alle Beschwerden der „Sonn-und Montags-Zeitung" unwiderleglich erwiesen wurden, worauf in einem scharfen Erlasse das unverantwortliche Treiben jener Lehrer streng gerügt wurde. Nichtsdestoweniger glaubte der k. k. Bezirksschulrat ein Uebriges tun zu müssen und maßregelte den Verfasser jener Artikel „wegen Außerachtlassung der Standespflichten". Die Folgen blieben nicht aus und der Versager der Artikel „Der Antisemitismus in der Schule" wurde bei jeder Gelegenheit präterirt, zurückgesetzt und materiell arg geschädigt. Aber der beabsichtigte Zweck war erreicht; die jüdischen Schulkinder hatten Ruhe. Allein zehn Jahre später gefiel es wiederum manchen Lehrern, ihr antisemitisches Mütchen an jüdischen Schulkindern zu kühlen. Unser alter Käupe griff wieder zur Feder und geißelte in scharfen Worten ui einer Reihe von Artikeln in „Blochs Oestcrreichischer Wochenschrift" das schmachvolle Treiben, indem er gleichzeitig auf den diesbezüglichen Ministerial-Erlaß von 1889 hinwies. Das wirkte. Die lUdlsche Schuljugend bekam und behielt nun Ruhe. In welch' erfolgreicher Weise Herr Schulhof für die jüdischen Lehrer und Lehramtskandidaten mit seiner treffsichern Feder eingriff, wie oft es ihm gelang, dank seiner vielen, einflußreichen Verbindungen ein Chilul haschem aus der Welt zu schaffen, wollen wir, falls es der Jubilar gestattet, gelegentlich zur Veröffentlichung bringen. Für heute wollen wir nur lir't Vergnügen konstatieren, daß sich zahlreiche Korporationen, Kollegen, Freunde und Schüler rüsten, dem verdienten Schulmanne, dem unerschrockenen Vorkämpfer für jüdische Jnterkssen mannigfache Ehrungen zu bereiten. Wien. (Trauung.) Sonntag den 19. d. M. um 2 Uhr nachmittags findet im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Julie Löw mit Herrn Salomon Urich, Oberkantor in Neutitschein, statt. Wien. (Trauung.) Mittwoch, den 29. Juni l. I. findet um 1/32 Uhr nachmittags in Göding die Trauung des Fräuleins Lilly M e i s e l, Tochter des Herrn Carl Meisel, mit Herrn Oberingenieur Ernst B r o d, Sohn des Herrn S. Brod, Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 19. Juni um 1 Uhr mittags findet im Tempel, II., Große Schiffgasse 8. die Trauung des Fräuleins Sarah Donath, Tochter des Herrn Edmund Donath, mit Herrn Adolf Benedikt statt. Wien. (M ä d ch e n-U nt e r st ü tz u n g s v e r e i n.) An den Schulen dieses humanitären Vereines beginnen die Einschreibungen sür das nächste Schuliahr Mittwoch den 15. d. M. um halb 3 Uhr nachmittags. Aufnahmsweeberinnen — mittellose, israelitische Mädchen, die das 14., (für die Handelskurse das 15.) Lebensjahr zurückgelegt haben, können sich in Begleitung ihrer Eltern oder Vormünder in der Schulkanzlei, IX., Seegasse 16, melden. Beizubringen sind Geburts-, Impf- und letztes Schulz ugnis. Wien. (Leth-Hamidrasch Talmud-Thora, II., Malzgasse 16.) Samstag den 18. Juni 1910, nachmittags V-3 Uhr, findet daselbst der S ch l u ß v o r t r a g für das Sommerbalbjahr des Herrn Rabbinatskandidaten Bela Fischer statt. Thema: „Exegese des Wochenabschnittes" und „Sprüche der Väter". Erich Wolfgang Korngold. Samstag den 11. Juni fand im Stadttempel, I., Seitenstettengaffe, die feierliche Bar-Mizwa des jugendlichen und berühmten Komponisten Erich Wolfgang K o r n g o l d, Sohn des Schriftstellers Dr. Julius Korngold, statt. Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Moritz Bauer richtete an den genialen Knaben eine überaus gehaltvolle Ansprache, nannte ihn mit dem Bibelworte einen „Gesalbten Gottes" und ermahnte ihn zu treuem Festhalten zur angestammten Religion und Sitte. Auch Oberkantor Don Fuchs trug durch seine vollendete Vortragsweise zur Hebung des Weihemomentes bei. Die Bar- Mizwa-Feier wird dem jungen und schon so gefeierten Künstler ewig im Gedächtnisse bleiben. Der Begründer der Netzwarenindustrie in Oesterreich gestorben. Dienstag nachmittags fand auf dem Zentralfriedhofe das Leichenbegängnis des Kommerzialrates Ignaz Grostmann statt, ver Sametag nach langem, schweren Leiden im 67. Lebensjahre gestorben war. Herr Großmann war Haärnetzfabrikant und der Schöpfer der österreichischen Netzwarenhausindustrie, welche in mehr als 500 Orten gepflegt wird. Seine Verdienste um die Industrie fanden wiederholt öffentliche Anerkennung. Er war auch ein Mitbegründer des Wiener Modekiubs, als, dessen Schriftführer er durch elf Jahre fungierte, und des Neubauer Kreditvereines und gehörte lange Zeit dem Aufsichtsrat des Nudolfsheimer Vorschußvereines an. Mehrere Jahre war er Bezirksausschuß des 7. Bezirkes, wobei er eine ausgedehnte humanitäre Tätigkeit entwickelte. Großmann hinterläßt fünf Kinder. Seine älteste Tochter ist an den Arzt Dr. Gratzinger verehelicht, einer seiner Söhne war Kapellmeister und hat auch seinerzeit als Militärkapellmeister in Wien konzertiert. . Außerordentliche Generalversammlung des Brigittenauer israel. Unterstützungs-Vereines. Durch den Rücktritt des bisherigen Obmannes Juwelier Herr Jakob K o h n und die im Gefolge habende Demission des Gesamtvorstandes ist in diesem, seit mehr als einem Jahrzehnt in der Brigittenau Humanitär wirkenden Vereine eine akute Krise eingetreten. Der provisorische Obmann, Herr Bernhard P o l l a k, berief sonach für den 7. d. M. im Saale des Restaurant Kohn, XX., Heinzelmann- ^asse, eine außerordentliche Generalversammlung ein, zu der auch die