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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-17 · 24 (17.6.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ftr.|24 Seite 402 Dr. Blocks Wochenschrift. Angriffe im „Deutschen Volksblatt" nicht mehr lange aushalten können und werden, jeden geforderten. Preis .bezahlen. Eines schönen Morgens wird im „Deutschen Volksblatt" zu lesen sein, daß die bisherigen Veröffentlichungen über die christlichsozialen Führer ein Irrtum gewesen wären, em bedauerliches Versehen der Redaktion und vice versa wird die „Reichspost" eine Agitation für die Reichsratswahl Verganis einleiten. Der Schreibtisch mit den Erinnerungen wird wieder versperrt, die Verwaltungsratsstellen als große Errungenschaften, die Vaukreditbank als soziale Tat angeprie,en werden, Bielohlawek wird wieder schreiben: Guter Freund, Geßmann wird neue Proklamationen für das „Deutsche Volksblatt" erlassen, der Parteichef Liechtenstein wird dem ganzen, auf Kosten der Bevölkerung geschlossenen Friedensschlüsse seinen Segen geben. In vollster Ruhe wird sich die Macht der christlichsozialen Partei und die Millionen ihrer Führer weiter entwickeln. Dem Ehrenbürger von Mühldorf wird dieser Uebergang gewiß nicht schwer fallen und seinen obersten Parteigenossen wird es nicht schwer fallen, sich hochachtungsvoll wieder neben ihm zu setzen. Gleiche Brüder — warum nicht auch gleiche Kappen? Verganis Offenherzigkeiten. 2m nachfolgenden zitieren wir wörtlich einige Meinungen Verganis über.die Größen der christlichsozialen Partei, welche er bis zum letzten Sonntagsblatte des „D. V." im verschwiegenen Busen bewahrte. Da heißt es im Leitartikel über: Bielohlawek als Redner und Führer. Gestern haben wir in der Generaldebatte über den Staatsvoranschlag einen Redner gehört, dessen Ausführungen so recht deutlich die Verwirrung wiederspiegelten, die die schwierige.Lage in den Köpfen mancher Abgeordneten angerichtet hat. Herr Bielohlawek gab einen Speech von sich, der inhaltlich so ziemlich das Konfuseste war, was man jemals an dieser Stelle vernahm. Doch darüber, daß es ein Bielohlawek überhaupt wagt, als Wortführer einer großen Partei aufzutreten, wollen wir weiter kein Wort verlieren. Etwas anderes ist es aber, wenn er leitende Grundsätze des Parteiprogrammes im Handumdrehen umstößt, wie er das gestern getan hat, indem er gegen die genossenschaftliche Organisation des Gewerbestandes Stellung nahm und damit mit einem kühnen Satze in das Lager derjenigen hinübervoltigierte, die stets über die berufsgenossenschaftliche Organisation spöttelten und den Befähigungsnachweis als eine Art von mittelalterlicher Institution hinstellten. So oft der Abgeordnete Bielohlawek in den letzten Monaten im Parlamente das Wort ergriff, gab es jedesmal eine arge Entgleisung. D.ie Frage, wie jemand, der selbst nicht weiß, welchen Weg er gehen soll, den Ehrgeiz haben kann, ein „Führer" sein zu wollen, ist da gewiß, am Platze. Sehr interessant sind die geheimen Vorgeschichten der letzten Vürgermeisterwahl unter dem Titel: Wie Ceßmann feine Bürgermeisterkandidatur vorbereitete. Kurz nachdem der Bürgermeister bettlägerig geworden war, überraschte Dr. Geßmann die Oeffentlichkeit durch einen Angriff auf die Regierung; er wiederholte ihn dann noch zweimal und hielt dann bei dem Abschiedsbankette der Landgemeindeabgeordneten beim „Silbernen Brunnen" eine Rede, die ihre Spitze deutlich gegen den Handelsminister Dr. Weiskirchner kehrte. — Zwei Tage darauf wurde bekannt, daß man in Regierungskreisen — Dr. Lueger war noch nicht tot — die Wahl Dr. Eeßmanns zum Bürgermeister wünsche, und am 25. Februar sprach Geßmann junior beim kaiserlichen Rate Vergani vor, um ihn zu bitten, die Bürgermeisterkandidatur Geßmann senior zu unterstützen, und Tags darauf wiederholte Abgeordneter Dr. Geßmann diese Bitte persönlich, woraus ihm erwidert wurde, daß das Aeußerste, was das „Deutsche Volksblatt" tun könne, se.i, nicht gegen die Kandidatur Dr. Geßmanns Stellung zu nehmen, und das auch nur dann, wenn Dr. Meiskirchner nicht kandidiere und Abgeordneter Dr. Geßmann uns in einer von ihm unterschriebenen Erklärung Garantien dafür gebe, daß die christlichsoziale Partei auch unter seiner Führung unbedingt an der deutschen Gemeinbürgschaft festhalten und niemals in nationalen Dingen sich von den übrigen deutschen Parteien trennen werde. — Am 2. März erhielten wir diese von uns entworfene Erklärung mit der Unterschrift Dr. Geßmanns zurück. Am 1. März nachmittags um 4 Uhr war auch Vizebürgermeister Hierhammer beim Herrn Vergani erschienen, um ihm von der Eristenz eines politischen Testamentes Dr. Luegers Mitteilung zu machen, in dem Dr. Weiskirchner als Nachfolger bezeichnet werde. — Darüber interpelliert, gab Geßmann junior die Versicherung ab, daß Dr. Weiskirchner die Bürgermeisterstelle nicht, übernehmen werde und die Majorität für Geßmann senior bereits gesichert sei.. Die „letzten Worte" Dr. Luegers! Inzwischen aber war das frevelhafte Spiel aufgedeckt worden, das in der Extraausgabe der „Reichspost" vom 25. Februar mit den angeblichen „letzten Worten" Dr. Luegers getrieben worden war. In dieser Sonderausgabe waren Dr. Lueger Worte in den Mund gelegt worden — „man" hoffte damals noch, das politische Testament Dr. Luegers verheimlichen zu können — die nicht anders gedeutet werden konnten als eine Empfehlung Dr. Geßmanns zum Nachfolger Dr. Luegers. Diese „letzten Worte" Dr. Luegers waren indessen eine Erfindung. Kaiserlicher Rat Mayer legte der Pflegerin Dr. Luegers, der Schwester Mathilde, die der Unterredung Dr. Geßmanns mit Dr. Lueger von Anfang bis zu Ende beigewohnt hatte, die Extraausgabe der „Reichspost" darüber vor. Sie las sie und erklärte dann: „Aber das ist ja gar nicht wahr! Davon wurde nicht gesprochen." — Von dieser Feststellung wurden sofort die damaligen Vizebürgermeister Dr. Neumayer und Hierhammer in Kenntnis gesetzt. — Daß aber Dr. Geßmann die schleunige Verbreitung der erfundenen „letzten Worte" selbst zeranlaßt hatte, geht daraus hervor, daß er sich beeilte, selbst die „freudige" Kunde davon noch in der Nacht in unsere Schriftleitung zu telephonieren. Warum die Kandidatur Geßmanns scheiterte. Am 11. März erschien Geßmann junior bei Herrn Vergani, um diesen zu ersuchen, nunmehr mit aller Entschiedenheit für die Wahl Dr. Geßmanns zum Bürgermeister einzutreten, worauf Herr Vergani folgendes erwiderte: „Es ist sehr schwer, für Ihren Herrn Vater einzutreten, weil man ihm berechtigte Vorwürfe macht, daß er an dem Zustandekommen des Ausgleiches mit Ungarn schuld habe. Auch als Förderer der unglückseligen Wahlreform wurde er zum Schädling der Deutschen. Endlich wird ihm im Rathause und in allen Kreisen der Bevölkerung vorgeworfen, daß er die Machinationen einiger Herren duldet und unterstützt. Steiner erklärt jedem, der es hören will, daß dem gesamten Landesausschusse die lleberschreitungen beim Steinhof wohl bekannt waren und alle, also auch Dr. Geßmann, ebenso schuld an den Ueberschreitungen seien wie er. Er habe es aber opferwillig auf sich genommen, allein die Schuld zu tragen. — Die finanziellen Gründungen Ihres Herrn Vaters machen auch böses Blut. Und nun will ich Ihnen — sagte Herr Vergani zu Geßmann junior — noch die vier Hauptgründe angeben, warum man Ihren Vater

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