Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 23 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 394 Rr. 23 Dr. Mochs Wochenschrift. weisend, um — im Stillen — nach allen Richtungen fürsorglich helfend dort einzugreife», wo es gilt, Not und Elend zu mildern. Allgemeine Sympathien wenden sich darum dem Jubilar zu. Jllava. Der gewesene Justizminister Alex. E r d e l y, der im Nachbarbezirke als Abgeordnetenkandidat der Regierungspartei aufgetreten ist, hat diese Woche den hiesigen Weingroßhändler Herrn Felix Fischer mit seinem Besuche beehrt, aus welchem Anlässe in dem Geschäftslokale eine I use stattgefunden hat. Dieser Besuch galt nicht nur dem Vertreter des Handels, der hier eine Weingroßhandlung errichtet und durch seinen Fleiß und sein reelles Geschäftsgebahren dem ungarischen Handel und Weinbau auch außerhalb der Grenzen des Vaterlandes Ruhm verschafft hat, sondern er galt auch der Judenschaft, da der Exminister, dieser bekannte Vorkämpfer des Liberalismus, auch die hiesige Judenschast durch diesen Besuch geehrt hat. Vor dem im Geschäfte versammelten großen Publikum hielt derselbe eine Ansprache an Herrn Fischer, in welcher er dessen Verdienste in lobender Weise hervorhob und des Patriotismus der ganzen Judenschaft Erwähnung tat. Der Besuch des Exministers und dessen Ansprache war nicht nur eine wohlverdiente Ehrung für den Großkaufmann Herrn Felix Fischer, sondern auch eine Auszeichnung der Judenheit. Mukobei. (R a b b i n e r in st a l l a t i o n.) Am 26. Mai hat die israel. Knltusgemei de Vinkovci ihren neugewählten Oberrabbiner Lazar Schönfeld in feierlicher Weise installiert. Eine fünfgliedrige Deputation fuhr unter Leitung des Gemeinde-Präses Albert Beck dem ankommeuden Oberrabbiner bis Brod entgegen. Am Bahnhofe wurde Herr Oberrabbiner Schönfeld, der in Begleitung seines Schwiegervaters Oberrabbiner Franz Furt (Nagy Käroly) kam. von einer großen Anzahl der Gemeindemitglieder erwartet, woselbst Herr Lndwig Stein im Namen der Repräsentanz den neuen geistigen Führer begrüßte. Vor dem Temvel bildete die Schuljugend Spalier und begrüßte auf herzliche Weise ihren neuen Rabbiner. In dem dichtbesetzten Tempel angelangt, begann die Installations-Feierlichkeit mit einer schön gehaltenen Begrüßungsansprache des Herrn Sekretär Beck, der im Namen der Gemeinde den Wünschen und Hoffnungen, welche in diesem feierlichen Momente ein jedes Gemeindemitglied beseelen, beredten Ausdruck gab. Nach Verrichtung des Mischnah-Gebetes bestieg Herr Oberrabbiner Furt die Kanzel und installierte seinen Schwiegersohn mit tiefempfundenen, warmen Worten in sein Amt, worauf Herr Oberrabbiner Schönfeld seine Antrittsrede hielt, welche einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer machte. Er gelobte in seiner Rede, die Gemeinde in traditionstreuem Geiste zu leiten, die Jugend zu warmfühlenden, selbstbewußten Juden und zu treuen, opferwilligen Patrioten zu erziehen. Unter den anwesenden Gäste sah man: Regierungs-Sekretär, Bezirksvorsteher Piskorie, Bezirksrichter Meste» Bürgermeister Albrecht, Direktor des Obergymnasiums Bayer, königl. Oberforstrat Bokor, Vertreter der verschiedenen Konfessionen, Anstalten. Schulen und Institutionen der Stadt, ferner Herrn Oberrabbiner Dr. Diamant, Vukovar, Rabbiner Ster», Brod, und noch mehrere. Abend fand ein engeres Bankett statt. Prag. Der wissenschaftliche Verein für Volkskunde und Sprachwissenschaft veranstaltete am 24. Mai einen Diskussionsabend, an welchem Herr Dr. I. Eisenberg einen fesselnden Vortrag über „Die Jusaflegende in der Koranliteratur" hielt. Der Vortragende führte in der Einleitung aus, daß die Grundlage einer jeden Sage Geschichte ist und hinter jeder legendarischen Schale sich ein historischer Kern, irgend eine Ergebenheit verbirgt, die zur Entstehung der Legende Anlaß gab. Wie Völker und Nationen ihre genetische Entwicklung auf einen und denselben Ursprung zurückführen, ihre Wiege auf einer und derselben Stelle zu entdecken suchen und ihre Abstammung von denselben Urahnen ableiten, so entspringen auch die Legenden derselben, so grundverschieden sie auch zu sein scheinkn, einer und derselben Quelle und weisen denselben Entstehungsgrund auf. So haben sich in der Koranliteratur nach und nach dem Talmud und dem alten Midraschim entnommene Erzählungen vom Leben der Propheten eingebürgert, welche auf biblischen Berichten fußen und hier eine Anlehnung an den Koran erfahren haben. Da Mohammeds Wissen von den Propheten höchst lückenhaft und unklar war, so lauten auch seine den heidnischen Arabern vorgetragenen Erzählungen unzusammenhängend. oftmals als einander widersprechend oder gar der Wahrheit zuwiderlaufcnd. Nur die Josefgeschichte erscheint in Sure li halbwegs zusammenhängend, ein Beweis, daß er sie sich besonders ins Gedächtnis einprägte. Deshalb nennt er sie auch (V. 3) die schönste aller Körangeschichten, die im Koran Vorkommen. Und diese Bezeichnung verdient nicht nur die biblische Darstellung wegen der darin zum Ausdrucke kommenden Verkettung von Ursachen und Wirkungen, sondern auch die des Koran wegen der poetisch schönen Form, in die sie gekleidet ist und die der Koranerklärer und Legendenschriftsteller wegen der farbenreichen Bilder, die hier vorherrschen. — Der Vortragende las hierauf die erweiterten Legenden der Literatur des Korans vor, die die Jugend Jusafs, seine Triumphe, sein Schicksal in der Grube, sein Verkauf nach Egypten, die Liebe der Zaliha zu ihm, die Träume des egyptischen Königs, welche zur Enthebung Jusafs zum Herrscher führten und seine letzten Lebensschicksale in lebendigen Farben schildern und mit überschwänglichen Sagen schmücken. Interessant ist, daß mitunter auch arabische Sprichwörter zur Erklärung mancher Legenden herangezogen werden. So verbot Jakob seinem Sohne, die Träume den Brüdern zu erzählen, um nicht ihren Neid zu erwecken. Doch erzählte er selbst sie den Frauen, welche wieder ihren Söhnen dieselben bekanntgaben. Deshalb sagt ein Sprichwort: „Du darfst keinem Menschen einen Brief, keinen Manne eine Frau und keiner Frau ein Geheimnis anvertrancn." Der Vortragende erntete für seine Ausführungen reichen Beifall. Ein Denkmal für die Rachel. Aus Genf wird berichtet: Die große Tragödin Rachel, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Frankreich mit ihren Ruhm erfüllte, wird nun ein Denkmal erhalten. In Genf hat sich ein Komitee gebildet, das die Vorarbeiten für dieses Monument, wohl das erste, das einer Schauspielerin errichtet wird, bereits begonnen hat. Die Rachel, mit ihrem wirklichen Namen Elisa-Rachel Felix, ist in Mumps im Kanton Aargau geboren. Auszeichnung jüdischer Militärärzte in Rußland. Die jüdischen Aerzte Moses Sljepin, Wolf Poljak und Chaim Cheikin wurden wegen ihrer hervorragenden Dienste als Militärärzte mit dem Stanislausorden dritter Klasse ausgezeichnet. Auszeichnung eines jüdischen Arztes durch den König von Italien. Der König von Italien verlieh dem Chirurgen des italienischen Hospitales in Konstantinopel Dr. S. Rar das Offizierskreuz des italienischen Kronenordens. Dr. Rar genießt in Konstantinopel sowohl als Arzt, wie auch als Menschenfreund einen ausgezeichneten Ruf. Ein jüdischer Gendarmerieches in Konstantinopel. Wie das Konstantinopler Blatt „L'Aurore" meldet, wurde Jsaac Effendi Jessua zum Chef der ersten Division des Generalkommandos der Gendarmerie im Kriegsministerium ernannt. Feuilleton. Johann Gottfried Senme «nddas Hebräische. (Zu seinem 100. Todestage, 13. Juni.) „Veritatem sequi et colere, tueri justitiam, omnibus aeque bene veile ac facere, nil exlimescere.“ Das ist das Motto, welches Seumes Autobiographie „Mein Leben" einleitet. „Der Wahrheit folgen und sie Pflegen, Gerechtigkeit hüten, allen in gleicher Weise Wohlwollen und wohltun, nichts fürchten." Hier haben wir den ganzen Mann, von dem wir ein Detail berichten wollen, da der hundertste Jahrestag seines Todes naht, der ihn in T e p l i tz oder, wie der Fortsetzer seiner Autobiographie, Clodius, schreibt, Töplitz ereilte, wo er am 15. Juni 1810 begraben wurde. Sen me, ich weiß nicht, ob dieser Dichter und Schriftsteller vielen aus unserem viel und vieles lesenden Publikum bekannt sein wird. Mancher wird sich vielleicht erinnern, in seiner Jugend dessen Gedicht gelesen zu haben^das „Der Wilde" betitelt ist und das von dem Kanadier berichtet, „der Europens übertünchte Höflichkeit nicht kannte", aber doch besser ist als der gebildete Europäer. „Wir Wilden sind doch beffere Menschen", ist ein vielzitiertes Wort aus diesem Gedichte und dies Wort ist inhalts- und beziehungsreich. Nachdem der Wilde es gesprochen, „schlägt er sich seitwärts in die Büsche". Wir empfehlen aber, da sich jetzt der 100. Todestag Seumes naht, die Werke dieses Mannes, welche in einer vortrefflichen lOteiligen Ausgabe (Berlin, Hempel) vorliegen, zu lesen. Man wird aus ihnen viel Belehrung und Erbauung schöpfen, es find die Werke eines Mannes, der, um das Wort des Propheten auf ihn anzuwenden, „sein Joch trug von Jugend an". Wie er selbst erzählt, fiel sein Geburtstag, laut der alten Familienbibeldie durch eingebundenes weißes Papier zugleich die Familienchronik war, auf den 29. Jänner 1763. Sein Geburtsort war Posern, ein Dörfchen im jetzigen preußischen Regierungsbezirke Merseburg