Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 23 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 23 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 393 Wien. Der Obmann des Bethausvereines „Chassidim" (Sephard Klaus), Herr Salomon Dobschütz, ist am Donnerstag den 2. d. M. nach dreiwöchentlichem Krankenlager im Rothschild- Spital, 73 Jahre alt, gestorben. Von der großen Beliebtheit des edlen, wahrhaft gottergebenen Mannes Zeigte die äußerst zahlreiche Beteiligung am Leichenbegängnisse, das Sonntag am 5. d. M., '9 Udr vormittags, am Zentralfriedhofe stattfand. Den Hesped hielt Herr Doyen Josef Baumgarten. Am offenen Grabe nahmen Herr Michael Bergmann, ein blinder Greis von 92 Jahren, Herr Mendel R a v i e c k y, Verfaffer dcs „Mazmiach Jeschua", und der greise Obmannstellvertreter Herr Markus May in bewegten Worten Abschied von ihrem langjährigen Obmann, der den Verein bedeutend gefördert hat. Am Sarge trauerten die Gattin, die Söhne aus erster Ehe, Schwiegersohn Oberkantor Markus A. Lauda u (Wiener- Neustadt) und Schwiegersohn Dr. Wilder, Frau Anna D o b s ch ü tz samt Kindern, Gutsbesitzer Steiner nnd zahlreiche Vereinsmitglieder. Herr Dobschütz, der seit 1860 die Brodher Kaufleute am Wiener und Brunner Platze vertrat, genoß das Vertrauen großer Kreise. Er wurde zu Häupten seines Sohnes. Rabbiner Doktor L. Dobschütz aus Skotschau, der ihm vor anderthalb Jahren im Tode vorangegangen war, zur ewigen Ruhe gebettet. Wien. (Beth-Hamidrasch Talmud-Thora, II., Malzgaffe 16.) Samstag den 11. Juni 1910, nachmittags 3 Ubr, findet daselbst ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Bola Fischer statt. Thema: „Ordalien oder Gottesurteile im Talmud und bei den alten Völkern." Wien. (Verein der jüdischen Handels- und Pri v at -Angeste ll ten „Achwah".) Mittwoch den 15. d. M. Vereirsabend im Cafe „Stefanie", II., Stefaniestraße 2. Thema: „Nationaljudentum". Referent: Redakteur Siegfried Wahr. Anschließend Diskussion. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Zuschriften sind bis auf Weiteres an den Schriftführer Kollegen Karl Grünwald, II., Nordbahnstraße 34 zu richten. Wien. (Institut Bauer.) Das renommierte „I n st i t u t Bauer, vormals Simon" in Wien, I., Hoher Markt 3, vollendet in diesem Monate das 40. Jahr seines Bestehens. Aus diesem Anlasse erschien ein Festbericht des gegenwärtigen Direktors B. Planer, der das Werden und Entstehen der Anstalt, die neben dem erstklassigen Pensionat eine öffentliche 8-klassige Volks- und Bürgerschule umfaßt, eingehend schildert. Die Leistungen dieser einzigen freisinnigen, vollständigen Knaben-Volks- und Bürgerschule mit Oeffentlichkeitsrecht wurden von der Schulbehörde wiederholt belobt. Die vorzüglichen Erfolge werden begreiflich, wenn man erfährt, daß eine nur geringe Schülerzahl (10) in einer Klasse vereinigt ist, so daß jeder einzelne Zögling seinen Fähigkeiten und seinen Eigenschaften entsprechend unterrichtlich und erziehlich behandelt werden kann. Dem Berichte geht ein Aufsatz über die Erziehung im vorschulpssichtigen Alter vom Direktor B. Planer voraus. Die Arbeit dieses fe n und scharf beobachtenden Psychologen und Pädagogen ist jeder gebildeten Mutter sehr zu empfehlen, denn sie wird daraus erkennen, daß das Erziehungswerk schon mit dem ersten Lebensmonate beginnt und in den Winken über Bildung der Sinne, der Sprache rc. wird jeder Erzieher praktische Ratschläge finden. Die Ansichten des Verfassers beruhen auf durchdachten pädagogischen Grundsätzen und sind aus einer klaren Einsicht in die Vorgänge der Kindesseele hervorgegangen. Leopold Oser-Widmung. Hofrat Professor Dr. Leopold Oser hat den Betrag von 20.000 K. Oesterreichische Kronenrente, der ihm anläßlich seines 70. Geburtsfestes feierlich übergeben worden ist, der Kultusgemeinde als Leopold Oser-Widmung mit der Bestimmung übertragen, daß alle zwei Jahre Subalternärzte der Allgemeinen Poliklinik und des israelitischen Spitales, und zwar alternierend, mit Reifestipendien, eventuell durch Prämiierung von wissenschaftlichen Arbeiten, allenfalls auch Rigorosenten der Medizin ohne Unterschied der Konfession bedacht werden sollen. Die seinerzeitigen Verleihungen erfolgen durch die genannten Institute autonom. Wien. Sonntag den 29. v. M. fand zu Ehren des Herausgebers des Kurortealbums Herrn Gustav Breuer und seiner Gattin Berta geb. Brick anläßlich ihrer silbernen Hochzeit ein solenner Festabend statt. Trotz des schönen Abends, der viel mehr zum Aufenthalt im Freien einlud, waren Freunde und Kollegen in großer Zahl erschienen, ein Beweis für die warmen Sympathien, deren sich das Jubelpaar erfreut. Eingeleitet wurde die Feier unter Klaviervorträgen des Frl. Irma Breuer, worauf unter herzlichen Ansprachen die Uederreichung der prachtvollen und sinnigen G schenke ei folgte. Das schöne Fest wird allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Wie«. Am vorigen Donnerstag fand im Lokale des Beth- Hamidrasch „Ez Chajim" in der Großen Schiffgaffe die Generalversammlung des isralitischen Krankenunterstützungsvereincs statt, die nur mäßig besucht war. Es ist überhaupt in hohem Grade bedauerlich. daß ein solch humane Tendenzen verfolgender Verein viel zu wenig Teilnahme findet, so daß derselbe seit Jahren regelmäßig mit einem Defizit abfchließt, wie es auch diesmal der Fall, und hilft gewöhnlich der gute Engel, Herr Obmann Marcus B o n d y. aus der Klemme, wie er ja überhaupt nur an 40 Persc. '• die rituelle Mittagskost verabreicht, weil eben die Mittel nicht weiter reichen und sollte für die gute Sache mehr Propaganda gemacht werden, desgleichen müßten die galiziichen Gemeinden als Mitglieder beitreten, zumal die Kostgänger des Vereins zumeist Galiziauer sind. Ruch Verlesung des Jahresberichtes wurde dem Vorstande das Abfolutorium erteilt, Herr Bondy aber war Gegenstand herzlicher Ovationen. — n Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Wohltätige jüdische Jugend zur unentgeltlichen Ausspeisung armer Juden in Wien, II., Untere Augart, nstraße Nr. 10." hat mit seiner statutarischen Wirksamkeit begonnen und werden Gesuche der Petenten täglich von 3 bis 4 Uhr übernommen. Gleichzeitig sieht der Verein der Ueberreichung von Offerten derjenigen Reflektanten entgegen, welche die Ausspeisung für seine Rechnung zu übernehmen bereit sind. Austritte ans dem Judentum Vom 29. Mai bis 4. Juni 1910. Basch Nelli, Privat, geb. 1. September 1883, Budapest, IX. Bezirk, Peregringasse 2. Domansky Babette, geb. 12. Juli 1848, Kosteletz, Mähren. Enge! Georg Rudolf Josef, Architekt, geb. 9. Februar 1881, Wien. II., Weintraubeuyasse 11. Groe von Gyulafalva Gisela, Freifrau von Bogdan, geb. 1873, Wien, IV., Hengasse 20. Gutmann Ignatz, Sänger, geb. 21. November 1892, Wien, IX. Bez., Nnssdorferstrasse 5. Kirchbaum Hermine, geb. 24. April 1885, Ottakring-Wien, XVIII., Hackegasse 13. Kominik Ida, Private, geb. 6. Februar 1871, Budapest, III. Bezirk, Hansalgasse 4. König Sidonie geb. Thaler, Advokatenswitwe, geb. 3. November 1878, VI., Mariahilferstrasse 1 a. Neumann Otto, Dr., Hof- und Gerichtsadvokat, IX., Thurngasse 15 a, Rebner Melanie, geb. 20. September 1885, Wien, evangelisch, wohnhaft Neuses bei Koburg Silberwerk Ignaz, geb. 6. Juli 1871, Budapest, VI., Stumperg. 26. Tachau Auguste, Schneiderin, geb. 2. Februar 1872, Jablonska, YUI Alä6räträsä6 59 Wohlfeiler Alfred, Kaufmann, geb. 1. Mai 1881, Bielitz, IX. Bez., Tandlergasse 6. Zucker Regine geb. Wertheimer, geb. 30. September 1877, Essegg, V., Grüngasse 16 a. 4- * * Der Magistrat in Laibach teilt mit d. a. Note, Z. 15008, vom 18. Mai d. I. mit, daß der am 21. Mai 1885 in Hohenau Nr. 103 geborene Walter Heilig, Feldwebel im k. k. Jnfanterie-Regimente Nr. 27 in Laibach, seinen Austritt aus der israelitischen Religionsgenossenschast und den Eintritt in die römisch-katholische Kirche zur Anzeige gebracht hat. Straßnitz. (R a b b i n e r w a h l.) Zum hiesigen Rabbiner wurde einstimmig Herr Dr. D. Spitzer, Rabbiner in Franzensbad, gewählt; derselbe tritt seine neue Stelle am l. Setpember l. I. an. Kremsier. Dr. Richard G r ü n f e l d, Rabbiner in Bingen, Sohn des hiesigen Talmudgelehrten Herrn Philipp Grünfeld, wurde nach Augsburg berufen. Luhatschowitz. Der Kurarzt Dr. Siegfried Frankl hat seine Tätigkeit hier wieder ausgenommen. Er ist hier der einzige jüdische Arzt. Karlsbad. Se. Majestät Kaiser Franz Joseph hat dem ungarischen Badearzte Dr. Eugen E r e n y i in Anerkennung der auf dem Gebiete des SanitRswesens erworbenen Verdienste den Titel eines königlichen Rates verliehen. Pilsen. In vollster geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit begebt am Sonntag den 12. d. M. Herr Adolf Hofmann, Obmann der Chewra-Kadischa in Pillen, seinen 70. Geburtstag. Ob seines Innreren nnd biederen Cvar, kters erfreut sich der geschätzte Jubilar auch außerhalb unserer R l'gionsgemeik'schofl der herzlichsten Sympathien. T otz angestrengter Berufstätigkeit stellt er gern seine Arbeitskraft in den Dienst der heiligen Bruderschaft, in welcher die Religion allumfassender praktischer Menschenliebe Gemilus-Chesed schcl Emes ihre höchsten Triumphe feiert. Unberührt von der Sucht nach glänzendem Schaugepränge und hohlem Schein sucht unser verehrter Obmann den Pflichtenkreis der Chewra zu erweitern, ihr neue Bahnen