Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 22 (3.6.1910)
- Date
- 1910-06-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021896--19323-3044299- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 22 ■entr-TTTTT rung, welche nie verlöschen und ihm eine dauerndes Anhenken bei uns sichern wird. Sie haben sich zum Zeichen Ihrer Veistimmung von ihren , Sitzen erhoben und es werden diese Trauerkundgebungen in dem Protokolle Unserer Sitzung Aufnahme finden. Neusystemierung der Religionslehrek- Bezüge. . Oönform öen Anträgen des Vertreter-Kollegiums ünd der Ilnterrichts-Kömmisswn wird eine Neusystemierung der Restgionslehrer-Bezüge Und eine Neuregelung der LehrerbestellungM vom Plenum genehmigt. Durch die neuen Bestimmungen wird eine einheitliche Lehrerverpflichtung für die 'wirklichen Religionskehrer normiert und durch die Einführung eines ZeitüvanceMeNts und die Erhöhung des GehaltsminimuMs> Wie .des GehaltsMMimums eine wesentliche Besserstellung des Lehrerpersonals hsrbeigeführt. Die Tendenz der Systemierungsbestimmungen geht dahin, dem Lehrer nach längerer Dienstzeit je nach Maßgabe seiner Qualifikation die Erlangung eines GehaltsmarimUms von 4200 Kronen, beziehungsweise 48OO Kronen zu ermöglichen. Dabei wurde die Wartezeit in den niederen GehaltSklassen kürzer, in den höheren länger vorgesehen. Jene Lehrer, welche im öffentlichen Schuldienst wirken und nur im Nebenamte den Religionsunterricht versehen, erhalten Dezennialzulagen. Für den Unterricht an Knabenbürgetschulen wird sämtlichen Lehrpersonen eine Zulage pro Wochenstunde gewährt. Die Kosten der Nruregulierung belaufen sich für düs Jahr 1910 unter Einbeziehung der bisherig provisorisch bemessenen Teuerungszulage, die nunmehr entfällt, auf rund 18.000 Kronen und wird das diesfällige Erfordernis durch die Einführung des Zeitavancements schon in den nächsten Jahren eine Steigerung bis. auf das Doppelte des diesjährigen Betrages erfahren. Die vom Vorstand der Chewra-Kadischa kooptierten Herren Samuel Gold mann und Carl Lemberger werden vom Kultusvorstande in dieser Eigenschaft bestätigt. Nach Erledigung von Stiftungsangelegenheiten wird die Sitzung um V2 2 Uhr nachmittags geschlossen. -I.- Hostat Dr. Emil Zuckerkands. * _ Die Wiener medizinische Fakultät und die medizinische Wssenschast in Oesterreich betrauern den Verlust eMes ihrer Größten! Oöfrat Professor Dr. Emil Mckerkcmdb der berühmte Anatom, der seine Disziplin durch wichtige wissenschaftliche Entdeckungen bereicherte, ist am 28. Mai, 61 Jahre alt, in seinem Heim, XfX.-, Nutzwaldstraße 22, gestorben. Er erlag einem Herzleiden, das ihn schon seit zwei Jahren quälte und seine Angehörigen und Freunde schon lange mit großen Besorgnissen erfüllte. Hofrat Dr. Zuckerkandl war 1849 zu Raab in Ungarn geboren. Seme medizinischen Studien absolvierteer in Wien, wo er auch 1674 zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Einer der fähigsten Schüler Hyrtls. der ihm zu Ehren den „Musculus Zuckerkandlii" benannte, wurde er bereits nach fünfjähriger Tätigkeit an der Ütrechter Universität 1879 als außerordentlicher Professor der Anatomie nach Wien berufen. Um Ordinarius zü werden, mußte er dann allerdings erst nach Graz, aber schon 1888 kehrte er als Nachfolger Langers nach Wien zurück, wo er seitdem eine fruchtbare wissenschaftliche Tätigkeit entfaltete. Zuckerkandl faßte seine Disziplin nicht einseitig auf, wir finden ihn auf allen Gebieten der Anatomie tätig, in alles mit seinem hellen, 'schärfen Geist hineinleuchtend. Seine Arbeiten beziehen sich sowohl ciüf die menschliche Anatomie, in der er durch die grundlegende Forschung der Nasenhöhle epochemachend wirkte, als auch auf die vergleichende Anatomie und die Entwicklungsgeschichte. Von seinen Publikationen auf dem Felde der vergleichenden Anatomie sind besonders die über das Riechzentrum und das Hirnrelief erwähnenswert. In den letzten Jahren hat Hofrat Zuckerkandl durch Entdeckung eines neuen Organs, des nach ihm benannten Zuckerkandlschen Organs, in der menschlichen und tierischen Nebenniere ein bisher dunkles Gebiet der Physiologie erschlossen. Im persönlichen Verkehr war Zuckerkandl von einer faszinierenden Liebenswürdigkeit. Seinen Schülern war er Freund, Helfer und Berater in allen Lebenslagen. Im Seziersaal ging er von Tisch zu Tisch und unterwies selbst die jungen Mediziner, so daß er trotz wachsender Hörerzahl stets in Kontakt mit allen blieb. Stieß er auf eine besondere Begabung, so konnte man sicher sein, daß er sie nicht wieder aus dem Auge ließ und sie in jeder möglichen Weise förderte. Nicht wenige seiner Schüler haben sich unter seiner Anleitung einen Namen gemacht. Fern von jeder Gelehrteneitelkeit empfand er warm für alles Gute und Schöne, und mit dem vollen Ernst in der Behandlung seines Faches verband er wahre Menschlichkeit, die sich gerade der armen Studenten, der Kranken und Leidenden annahm. Sich feiern zu lassen, war ihm fremd. Als er vor drei Jahren sein 25jähriges Professorenjubiläum beging und ihn der Sprecher der Hörerschaft apostrophieren wollte, verbat er sich jedes Wort des Lobes, und der Tag wurde im Hörsaal ganz ohne Feier begangen mit der gewöhnlichen Arbeit. llnterrichtsminister Graf Stürgkh hat anläßlich des Ablebens des Universitätsprofessors Hofrates Dr. Zuckerkandl an den Rektor der Wiener Universität folgendes Schreiben gerichtet: „Durch das soeben zu meiner Kenntnis gelangte Ableben des Herrn Universitätsprofessors Hofrates Dr. Emil Zuckerkandl hat die Wiener medizinische Fakultät eine ihrer vortrefflichsten Kräfte, dir Universität einen ihrer glänzendsten Lehrer, die Wissenschaft einen ihrer erfolgreichsten Forscher verloren. War durch den Altmeister Hyrtl die Anatomie die dauernd gefestigte Grundlage der naturwissenschaftlich-ärztlichen Erkenntnis und Forschung geworden, so war es seinem reichbegabten und unermüdlichen Schüler Zuckerkandl beschieden, durch sein seltenes Lehrtalent und durch seine von künstlerischer Auffassung getragene Art der Darstellung zahlreichen jüngeren Naturforschern und Äerzten eine gediegene Ausbildung in der Anatomie zu bieten und durch seine eigenen Arbeiten die Kenntnis von dem menschlichen und tierischen Körper bis in den kleinsten Teil seiner Organe zu erweitern. Wie ihm die Freundschaft und Wertschätzung seiner Fachgenossen, die Verehrung seiner Schüler über das Grab hinaus treu bleiben wird, so wird sein Name unter den Hervorragendsten seines Faches unvergeßlich sein. Auch die Ilnterrichtsverwaltung gedenkt der großen Verdienste, die sich der Verewigte in langjähriger Lehrtätigkeit um die medizinischen Fakultäten in Wien und Graz erworben hat, mit anerkennender Dankbarkeit. Ich beehre mich daher, an Eure Magnifizenz das Ersuchen zu stellen, dem medizinischen Professorenkollegium und dem Akademischen Senate der Wiener Universität den Ausdruck meines aufrichtigsten Beileids zu übermitteln." Der Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses Dr. Robert Pattai hat an den Chefredakteur Dr. Julius Szeps anläßlich des Ablebens seines Schwagers Professor Hofrat Dr. Zuckerkandl ein Schreiben gerichtet, in dem er auf den herben Verlust hinweist, den nicht nur seine Familie, sondern die ganze Wissenschaft durch den Tod dieses hervorragenden Gelehrten erlitten. In der Iahressitzung der Akademie der Wissen - schäften gedachte Kuratorstellvertreter Minister a. D. Dr.