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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-03 · 22 (3.6.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 374 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 22 Iudengasse in Neustadt aus und bemerkte bei dieser Gelegenheit den ihn Umstehenden, daß der Komet mit seinem Schweife nach Wien sich wende. Nabbi Josef den Moses aus Höchstädt (bei Augsburg). Schüler des Rabbi Jsserlein, aus dessen Leket Joscher wir das Nähere über Jsserleins Leben und Wirken erfahren, referiert hierbei, daß wirklich in demselben Jahre der Fürst von Wien in Prag vergiftet und der Sohn des Fürsten, der die Verfolgung in Wien angestiftet hatte, durch den König von Ungarn getötet wurde. Es waren dies Ladislaus, der 1457 in Prag war, um mit seiner Braut getraut zu werden, dort aber vergiftet wurde und am 23. November 1457 starb, und Graf Ulrich von Lilly, der am 10. November 1456 in Belgrad ermordet wurde (siehe Muchar, Band VII., S. 418). Unwillkürlich kommen uns die Worte der Calpurnia (Julius Cäsar II. 2) in den Sinn: „Kometen sieht man nicht, wann Bettler sterben: Der Himmel selbst flammt Fürstentod herab." Wien. Dr. M. Bauer. Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kullusvorftaudes unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern vom SS Mai 1910. Beginn 11 Uhr vormittag?. Einlauf: Spenden. Von Frau Louis Mandl gemäß einem letzten Wunsche ihres verstorbenen Gatten für bedürftige Arme . . . . K 1000.— „ Herrn Vorsteher Moritz Edler von Knffner für Beteilung Armer des XVI. und XVII. Bezirkes . . „ 680.— „ Frau Bertha Pollak für jüdische Arme des IV., VI. und VII.. X., XI., XIV. Bezirkes je K 100, zusammen „ 500.— „ Familie Schöngut anläßlich der Beerdigung des Herrn Moritz Schöngut für die Armen des XVl. und XVII. Bezirkes...- „ 200.— * Herrn Moritz Medak zur Beteilung von Armen des XVI. und XVII. Bezirkes.. . „ 60.— „ Herrn General Eduard Fischer, als Kranzablösungsspende nach Herrn kais. Rat Wilhelm Pollak, für wohltätige Zwecke..„ 30.— Dankschreiben des Herrn Dr. Arnold Rosenbacher, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Prag für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn Prof. Dr. L. Königstein für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seines 60. Geburtstages. Dankschreiben der Frau Jenny Klemperer für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens des Herrn Dr. Alois Klemperer. Kondolenzschreiben des Vorstandes des Kaiser Franz Joseph- Jubiläumstempels für den X. Wiener Gemeindebezirk und des Vereines „Adaß Jisroel" anläßlich des Hinscheidens des Vorstandsmitgliedes Herrn kais. Rat Wilhelm Pollak. Dankschreiben des Herrn Gyula Nußbaum in Preßburg für die seiner Frau im Spitale der Kultusgemeinde zuteil gewordene ausgezeichnete Pflege. Dankschreiben der Frau Bertha Jellitz für das seitens der Kultusgemeinde unentgeltlich veranstaltete Leichenbegängnis ihrer- Mutter. Dankschreiben der Frau Berta Pollak für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten des Herrn kais. Rat Wilhelm Pollak. Der Präsident hält folgende Ansprache: Bevor wir zur Tagesordnung übergehen, ist es meine Aufgabe, zweier Männer zu gedenken, denen wir vor wenigen Tagen das Geleite zu ihrer Ruhestätte gaben. Kaiserlicher Rat Wilhelm Pollak ist unserem Kollegium, welchem er nach seiner letzten Wiederwahl vor kaum zwei Jahren angehörte, plötzlich durch den Tod entrissen worden. Die kurze Zeit seit seiner letzten Wiederwahl gestattete ihm nicht, seinen in früheren Jahren bekundeten Eifer aufs neue zu betätigen. Wohl aber hat er eben in früheren Jahren und noch früher, zur Zeit, als die selbstständige Kultusgemeinde Fünfhaus bestand und er als Vorsteher derselben fungierte, zum Besten unserer Gemeinde nach den verschiedensten Richtungen gewirkt. Vermöge der Sympathie, die er in allen Kreisen genoß, wurden ihm viele Ehrenstellen in öffentlichen und privaten Korporationen zuteil und es wird ihm nachgerühmt, daß er allenthalben bestrebt war, unseren armen Glaubensbrüdern, welche sich an ihn wandten, zu dienen, Erwerbsmöglichkeiten für dieselben zu schaffen. Eine Dankeskundgebung von ihm, veröffentlicht in den Journalen am Tage nach seinem Tode, man könnte dies als Dank aus dem Jenseits ansehen, gerichtet an Hunderte unserer jüdischen und christlichen Mitbürger für ihr Votum, um ihn in die Repräsentanz unserer Stadtgemeinde zu entsenden, gibt Zeugnis von der Beliebtheit, von der Verehrung, die er in den weitesten Kreisen fand. Und so wird ihm auch ein dankbares und ehrendes Andenken im Kreise unserer Kultusgemeinde für immerwährende Zeiten erhalten bleiben. Und noch einen wackeren, braven und ausgezeichneten Mann, der, wenn auch nicht bis zu seinem Lebensende, so doch in früheren Zeiten durch 13 Jahre unserem Kollegium angehörte, haben wir in dieser Woche zu Grabe geleitet. Dr. Josef Grünfeld! Die Protokolle über unsere verschiedentlichen Beratungen geben Zeugnis von den vielfachen zielbewußten Anregungen, von der unermüdlichen opfervollen Tätigkeit des Dahingeschiedenen. Seiner Initiative ist die Errichtung einer jüdischen Betstätte im Allgemeinen Krankenhaus zu danken, ein Besitzstand, der dauernd aufrecht erhalten wird, so daß nunmehr auch in .dem neu erstehenden Krankenhause für eine jüdische Betstätte Sorge getragen Ist'. Werüer 'JüiÜäkitztz: entsprang die seither dauernd fortgeführte wissenschaftliche Erforschung unseres uralten Friedhofes, dessen Besitz sich die arme ausgeplünderte Judengemeinde bei ihrer Vertreibung aus Wien vor 240 Jahren gesichert hatte. Auf ärztlichem, zugleich jüdisch-konfessionellem Gebiete unternahm er die Regelung einer Institution, und es ist bezeichnend, daß für diese Regelung, welche noch immer nicht zustande gekommen ist, gerade in den letzten Tagen ein seinerzeit erstattetes vorzügliches Referat des Dahingeschiedenen hervorgesucht und zur Grundlage der Beratungen genommen wurde. Im Unterrichtswesen, in der Wohltätigkeitspflege, in unserem Spitalwesen, überhaupt in allen die öffentliche Hygiene betreffenden Angelegenheiten stellte er seine reichen Kenntnisse, seine hervorragende wissenschaftliche Begabung. sein organisatorisches Talent in den Dienst unserer Gemeinde, und dies nicht allein in unserem Vorstande, sondern auch bei unseren Vereinen, deren Vorständen er angehörte. So, um nur Weniges hervorzuheben, hat er die Ausspeisung der armen Kinder in unserer Talmund Thora-Schule angeregt, so hat er als fangjähriger Vorsteher und Präsident des jüdischen Studenten Unterstützungs-Vereines hingebungsvoll gewirkt und ist seiner Initiative die Kreierung einer sehr bedeutenden interkonfessionellen Aerztestiftung zu danken. Von ihm, im Vereine mit seiner Gattin, welche wir als eine der edelsten, unermüdlichsten Wohltäterinnen unserer Gemeinde kennen und. ehren, ist das Ferienheim, sowie das Seehospiz in Grado ins Leben gerufen und ist so für Hunderte und Hunderte armer jüdischer Kinder alljährlich eine Heil- und Pflegestätte, geschaffen worden. Soll ich schildern, welcher Segen hiedurch verbreitet wird, soll ich in Erinnerung bringen, wie unermüdlich er sich bei den vielen Agenden unserer Gemeinde, welche den Gottesdienst, die Schule, die Wohltätigkeit betreffen, betätigte? Es ist dies alles in unserer lebhaften Erinne-

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