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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-03 · 22 (3.6.1910) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 370 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 22 verlässigkeit anzweifelt und gegen das gesetzliche und moralische Recht den antisemitischen Lügen an den kompetenten^ Stellen mehr glaubt, als den laut rufenden bosnischen Tatsachen. Der Tageshistoriker muh noch anlählich der Kaiserreise auf ein drittes Kapitel jüdischer Verdienste Hinweisen, das den einheimischen Juden Bosniens und der Herzegowina zufällt, den Sephardim. Diesen ist es vor der Okkupation wahrlich nicht schlecht gegangen, wie niemals unter der stammesverwandten türkischen Herrschaft. Aber obwohl sie in den innigsten Wechselbeziehungen mit der Türkei stehen, haben sie niemals die mindeste Miene gemacht, sich irredentistischen oder nationalseparatistischen Bewegungen anzuschliehen, wie ganz oder teilweise alle übrigen Volksstämme des Landes. Auf der Basis des Gesetzes lebend, das hier wie überall ihr Schutz ist, unterstützten sie durch ihr Beispiel den inneren Anschluß der Reichslande an die übrige Monarchie, kamen sie den Behörden stets entgegen, waren das beste Element des neuen Regimes. 2n der ganzen Geschichte der Okkupation und Annexion wurde kein einziger Jude kompromittiert, wenn einer genannt wurde, dann nur Zu patriotischem Lobe. Das verweist das Märchen von den jüdischen Revolutions- und Separationsgelüsten wieder einmal in das Reich der Fabel, das würde ganz Oesterreich zu Dank verpflichten, wenn nicht die besten bosnischen Patrioten eben — Juden wären. Des Kaisers hohe Weisheit und Güte hat nun auch in Bosnien und der Herzegowina beim Empfange der jüdischen Würdenträger gezeigt, dah ihm die Verdienste der Juden nicht unbekannt geblieben wären. Zu hoffen wäre nur, dah viele seiner Begleiter daran denken, wem es zum großen Teile zu danken ist, wenn sie im Hofzug durch ein Stück hochkultivierter ehemaliger Balkanwildnis fahren konnten. Vielleicht kommt es diesen Ministern und Würdenträgern in Bosnien und der Herzegowina zum Bewußtsein, daß eigentlich der Staat Schaden leidet, wenn man die regsamen, patriotischen und fleißigen Juden unterdrückt, statt den geschäftspolitischen Terrorismus der kulturwihrigen Antisemiten. q- * * Der Kaiser in Sarajewo. Se. Majestät der Kaiser empfing in Sarajewo unter den verschiedenen Deputationen auch die Vertreter der Judenschaft in Bosnien und der Herzegowina. Der Sprecher der sephardischen israelitischen Kultusgemeinde, Landtagsabgeordneter S a l o m, hielt folgende Huldigungsansprache: «Euere Majestät! An der unbeschreiblichen Freude, welche alle Schichten der Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina erfüllt, ihren geliebten und allergnädigsten Kaiser und König in ihrer Mitte zu sehen, nehmen mit der ganzen Glut dankbarer Liebe auch die sephardischen Juden dieser Länder teil. Wir sind überglücklich, daß es uns, den Vertretern unserer Kultusgemeinde, vergönnt ist, Euerer Majestät die Gefühle unbegrenzter, kindlicher Liebe und unwandelbarer Untertanentreue zu unterbreiten. Indem wir zum allmächtigen Gott warme Gebete für das Glück und das Gedeihen unseres erlauchten Herrscherhauses und unserer Monarchie senden, rufen wir begeistert aus: Gott erhalte Euere Majestät bis zu den äußersten Grenzen des menschlichen Lebens. Zivio! Zivio! Zivio! Der Kaiser antwortete: „Ich danke Ihnen für den Mir kundgegebenen Beweis Ihrer Treue und Anhänglichkeit an Mich und Mein Haus und versichere Sie Meiner steten Gnade und Huld. Ich danke Ihnen für die zum Ausdruck gebrachten Gefühle und bin überzeugt, daß Ihre Gemeinde, die so viel TreUe und Anhänglichkeit für ihre angestammte Sitte erwiesen hat, auch für Land und Herrscher stets Treue und Liebe bewahren wird." Der Führer der Deputation der österreichisch-ungarischen Israeliten, Oberrabbiner Dr. Weszel, richtete an den Kaiser folgende Worte: „Eure Majestät, allergnädigster Kaiser und König! Mit tiefem Danke erfüllt uns die Gnade, vor Eure Majestät treten zu hülfen, um die Huldigung aller unserer Glaubensgenossen darzubringen. Wir haben von unseren Vätern als teures Erbstück die nie wankende Treue nnd Anhänglichkeit zum Kaiser und König und die Liebe zum Vaterlande übernommen, wir verwahren dieses Gut und übergeben es ungeschmälert unseren Kindern. Wir danken Eurer Majestät ehrfurchtsvoll für den väterlichen Schutz und für die Gewährung der verfassungsmäßigen Rechte, deren wir auch in diesem Laude teilhaftig wurden. In allen unseren Gotteshäusern werden inbrünstige Gebete für das Wohl und Heil Eurer Majestäf an den Allmächtigen gerichtet und aus der Tiefe unseres Herzens stimmen wir in den Ruf ein: Gott erhalte unseren Kaiser und König! Hoch! Hoch! Hoch!" Der Kaiser erwiderte: „Empfangen Sie Meinen Dank für Ihre Huldigung und seien Sie überzeugt, daß Ich auf Ihre Mitwirkung an der Hebung des Wohlstandes dieser Länder zähle. Ihre Mir bekannte Anhänglichkeit an Mich und Mein Haus sichern Ihnen Mein dauerndes Wohlwollen." Während der Empfänge der Deputationen konversierte der Kaiser mit den einzelnen Mitgliedern der Abordnungen. Den Präsidenten der spaniolischen Kultusgemeinde Jeschua Salom fragte der Kaiser: „Wie viele Spaniolen sind im Lande? Es freut Mich, Sie hier versammelt zu sehen. Sind alle Herren aus Sarajewo oder ist eiu Teil aus der Provinz gekommen? Ich danke den Herren für ihr Erscheinen." Der Kaiser ließ .sich hierauf die Mitglieder der Deputation vorstellen Und fragte dann-die beiden Rabbiner, in welcher Sprache der Gottesdienst gbgehalten werde. Auf die Antwort: „In hebräischer Sprache," bemerkte der Kaiser: „Althebräisch, nicht wahr?" -- Den Herrn Girolamo Salom sägte der Kaiser: „Wir haben uns vor anderthalb Jahren in Wien gesehen. Welche Beschäftigung haben Sie?" Der Kaiser sprach auch die Herren Poljokan aus Banjaluka und Elias K a j a n an. Den Präsidenten der Kultusgemeinde der österreichisch - ungarischen Israeliten, Rot k o p f, fragte der Kaiser, ob er schon lange in Sarajewo sei und yd er viel zu tun habe. Zum Oberrabbiner Doktor Weszel gewendet, sagte er: „Wann ist die Synagoge erbaut worden? Sie ist sehr groß und sehr kunstvoll. Ich habe sie beim Einzüge gesehen und sie hat Mir sehr gut gefallen." Der Kaiser ließ sich sämtliche Mitglieder der Kultusgemeinde vorstellen, sprach jeden einzelnen mit freundlichen Worten an und bemerkte wiederholt: „Es freut Mich, die Herren wieder zu sehen." > : - Den Präsidenten der Begräbnisbtüderschaft Hetrn Diamant fragte der Kaiser, wie viel der Verein Mitglieder habe und ob viel zu tun sei. Beim Präsidenten der Kultusgemeinde in Banjaluka, Herrn Grünwald, erkundigte sich der Monarch, wie' groß die Gemeinde sei und o b e r gedient habe, und auf die Antwort : ,Weim Regiment Nr. 78" bemerkte der Kaiser: „Das liegt ja in Slavonien." Auch Herrn Eh ah ämöwi c fragte der Monarch nach dessen militärischer Dienstzeit, und als der Gefragte das Infanterieregiment Nr. 30 nannte, bemerkte der Kaiser : „Sie sind also aus Lemberg. . Mir haben uns übrigens vor anderthalb Jahren schon in Wien gesehen." Herrn Josef Weil aus Brcka sagte der Kaiser: „Brcka entwickelt sich."

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