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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-03 · 22 (3.6.1910) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 22 Dr Bloch’s Jahrgang irvo Zenttalorgan für die gesamten linteressen des Judentums. -□' . □- Wien, 3. Juni 1910 LrscbeLnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien. IX/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Gloch's Wochenschrift, Wien. O e> ~ — ~ - =€>o "p Bezugspreis für Vrfirrrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen : Die 4mal gespal- H tene Petitzeile 24 Heller. G nO— -P B. ft. Poflfxarftaffrnarnf Sleartng-Verkebr Mr. 810.976. Redattion und Administration: Wien rx/ir Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. Inhalt: Leitartikel: Bosnien und die Juden. — Aktuelle Gemeindefragen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die parlamentarische Aktion zugunsten Finnlands. Die ungarischen Reichstagswahlen und die Juden. Die Familie Adler und der englische Thron. Ein Denkmal für Jules Verne. Der Halleh'sche Komet. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultus- Vorstandes Vom 22. Mai 1910. Hofrat Dr. Emil Zuckerkand!. Vortrag. Antisemitismus in galizischen Badeorten. Die Lage der jüdischen Schankwirte in Galizien. Hilmi Pascha über den Zionismus. Ein jüdischer Generalpostinspektor in Frankreich. Auszeichnung eines jüdlschen Kriegshelden. Der russische Senat gegen das Ministerium in einer Judenfrage. Ausweisungen aus Rußland. Sistierung einer russisch-jüdischen Wochenschrift. Das Leichenbegängnis der Dichterin Orzesko. Die Juden in der L emstwoverwaltun;. Ein Bauern-Deputierter als Verteidiger der Juden in der Duma. Die Ruhetage der jüdischen Soldaten in der Türkei. Die erste Chewra-Kadischa in Havanna. Von den jüdischen Negern. - Vermischtes. — Feuilleton: Ein Br.ef aus Kiew. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Kosnirn nnfc die Iudrn. Vom Jubel der Bevölkerung umbraust hat Kaiser Franz Joseph seinen Einzug in Bosnien und die Herzegowina gehalten. Aufrichtigste Ergebenheit und Freude streuten Blumen auf die Wege des Monarchen, der seinen Völkern ein imposantes Beispiel von Pflichtgefühl gibt, indem er in seinem gesegneten hohen Alter die schweren Strapazen einer so langen Reise und der großen Empfänge auf sich genommen hat. Er hat niemals die Schonung seiner Person gekannt, wenn es den Interessen des Staates galt und er kennt sie umso weniger jetzt, da er die seit den Türkenkriegen begonnene Entwicklung Oesterreich-Ungarns nach dem Orient hin abschließt und der historischen Großtat der Annexion durch sein Erscheinen die Weihe gibt. Alle Verleumdungen des Auslandes über einen ewigen Krater der Revolution in unseren neuen Reichslanden zerflattern jetzt vor unserem Kaiser und die einmütige Huldigung der Volksstämme gibt den serbischen Phrasen über Unterdrückung, dem Kriegsruf des Vorjahres die vernichtende Antwort. Da nun mit der Kaiserreise die Vollendung eines neuen Hauses abgeschlossen ist, in welchem Menschen so selbstverständlich wohnen werden, als wäre es immer so gewesen, als wären nicht die Fundaments auf schwierigen Felsen mit Blut und Schweiß aufgebaut worden, so ziemt es sich, derer zu gedenken, die da unten Kraft und Leben aufgewendet haben, um Kraft und Leben des österreichisch-ungarischen Staates zu vergrößern und zu verschönern. Ohne unbescheiden zu sein, dürfen wir Juden da unseren großen moralischen Anteil reklamieren, ja wir müssen es sogar zur Schutzwehr in einer Zeit, da wir von so vielen Seiten immer tiefer hinuntergedrückt werden sollen. Auf beiden Gebieten, dem kriegerischen des Eroberers und bei der Kulturarbeit, die den Besiegten erst gewann, haben wir Juden das Unsere und darüber getan, haben wir durch die Tat der gegen uns züngelnden Lügenhydra' der Verleumdung die Köpfe abgerissen, die leider immer wieder nachgewachsen sind. Rach wie vor hört die antisemitische Presse nicht auf, von unserer Feigheit zu sprechen und verlangt unsere Unterdrückung in den oberen Stellen des Militärs, möchte am liebsten uns eine entwürdigende Kopfsteuer statt des Kriegsdienstes auferlegen. Als ob nicht wie in allen anderen modernen Kriegen die jüdischen Soldaten auch auf den dürstenden steilen Abhängen des Karst gegen die fanatischen Scharen des Hadschi Loja tapfer vorwärts gegangen und haufenweise neben ihren christlichen Kameraden gefallen wären. Die eisernen Grabzeichen, die unser Kaiser jetzt voll Rührung grüßte, sind auch Denkmäler für die vielen jüdischen Soldaten, die in offener Feldschlacht und im monatelangen Guerillakrieg ^bis zur serbischen und montenegrinischen Grenze hin für* Kaiser und Reich ihr junges Leben gelassen haben. Als das Werk des Krieges dann getan war, am Konak in Sarajewo die Kaiserstandarle ruhig und unangefochten in den Lüften flatterte, da zog wieder ein starkes Kontingent von Juden aus. um aus dem großen Räuberneste Bosnien ein kultiviertes Land zu machen mit Aeckern und Straßen. Eisenbahnen und modernen Städten, ein Land der Ordnung und der Sicherheit. Da waren die allerschwersten Pionierarbeiten auf hartem Felde, abgeschnitten von der Kultur und inmitten der Feindseligkeit der Bevölkerung und aller Umstände, zu leisten. Wenn heute die erbittertsten Feinde unserer Monarchie zugeben müssen, daß die österreichische Verwaltung in den Jahrzehnten seit der Okkupation Wunderwerke geleistet hat, so gebührt ein großer Teil dieses Lobes den Juden. Zu hunderten sind sie hinuntergewandert, um sich bei allen Arten von Bauten beschäftigen zu lassen, um die Verwaltung zu organisieren, um sich für den patriotischen Gedanken einzusetzen. Von Geldgeschäften war wohl keine Spur und keine Rede. Wenn der Kmet von jemandem finanziell abhängig ist und ausgebeutet wird, so ist sein Herr nur der einheimische Beg, wie es in bewegten Parlamentsdebatten auch deutlich ausgeführt wurde. Für die Juden gab es Arbeit, nichts als harte Arbeit und sie haben sie auch mit bestem Erfolge und selbstlos geleistet, was ihnen die Behörden auch wiederholt bestätigt haben. Das hindert aber nicht, daß man sie hierzulande nicht für geeignet hält zu Staatsämtern, daß man ihre Arbeitslust und ihre Zu -

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