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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-27 · 21 (27.5.1910) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
21 (27.5.1910)
Date
1910-05-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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<Beite 366 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 21 zug der jüdischen Theologie in höchst objektiver Weise und in anziehender Form entwicst. Man kann nicht gut über den Inhalt dieses alten, aber nicht veralteten Werkes hinausgehen, ohne Ueberflüssiges zu sagen. Köhler behandelt die schwer überwindbare Materie mit virtuoser Gewandtheit und lückenloser Kenntnis aller Quellen aus alter und neuer Zeit. Sein Buch zerfällt in Einleitung (S. 1—25) und drei Hauptteile: 1. G o t t: a) Gott m seiner Selbstmitteilung (25—37); d) Die Gottesidee des Judentums (25—106); e) Gott in seiner Beziehung zur Welt. (109-17). 2. Der Mensch. (185—237). 3. Israel und das Gottesreich. (244—325). — Allzusehr drängt sich in der großen Fülle des Stoffes hie und da die Reflexion ui den Vordergrund. Die persönlichen Empfindungen des Verfassers sind rtns ganz Nebensache. Allerdings begreift man es, wenn hie und M^das Gefühl zu Worte kommt, besonders wo es sich um Abwehr und Zurückweisung handelt. Und solche Gelegenheit bietet sich ja reichliche Auch der rationalistische Standpunkt des Verfassers schadet manchmal der strengkritlschen Auffassung und auch die in Amerika und im amerikanischen Ritus übliche Art der Erklärung und Wiedergabe religiöser Vorstellungen des Judentums wird n'cht immer zum Vorteile des Ganzen eingcflihrt. Es tut mir nur leid, daß auch Köhler ab und zu trotz der Vortrefflichkeit seines Werkes in den Ton der Protestanten verfällt und von „verkümmerter später Halacha (312) äußerlicher Geboterfüllung" (340) „Verknöcherung", „toter Form" spricht. Ich glaube, wir könnten das füglich unseren Gegnern überlaffen, ohne in den „Verruf" von Orthodoxen zu kommen. Der Verfasser trägt dem Geiste der Neuzeit Rechnung genug und versucht es allenthalben, die modernsten Ideen mit der jüdischen Theologie in Einklang zu bringen. Dadurch wird allerdings dem Rationalismus zu viel Recht eingeräumt. Er geht den gefährlichsten Fragen nicht aus dem Wege und löst die Probleme auf Grund unserer Ueberlieferung oft mit Glück und ohne Verkrümmung. Auch der Laien-Leser wird eine klare Vorstellung über jüdische Theologie bekommen. Eines aber muß betont werden. Der Standpüntt des Verfassers ist ein extrem-liberaler. Und es leidet die wissenschaftliche Objektivität hie und da durch diesen Standpunkt, wenn auch der Verfasser sich redlich bemüht, parteilos zu urteilen. Er wird von den Konservativen gründlich hergenommen werden. Das Streben, beiden Seiten gerecht zu werden, führt oft zu Unklarheit. „Die Synagoge hat ihre besonderen Institutionen und Eeremonien, aber keine Sakramente wie die Kirche. Die Institutionen, wie die Feiertage, wollen geschichtliche Erinnerungen wachrufen. Die Ceremopien, „Zeugnisse" und „Mahnzeichen" genannt, haben die Heiligung des Menschenlebens oder des Volkes zum Zweck; keine derselben aber trägt einen sakramentalen Charakter in dem Sinne, daß sie eine Heils - kraft besäße, um dem Menschen etwas von der Gottesnatur mitzuteilen oder ihn zum Mitglied der Glaubensgemeinschaft zu machen, wie dies bei der kirchlichen Taufe oder dem Abendmahl der Fall ist. D i e Zugehörigkeit zum Judentum beginnt mit d e r G e b u r t, die allein den Juden die Verpflichtungen auferlegt. die der am Sinai mit Israel für alle Zeiten geschloffene Gottesbund in sich schließt. Das Judentum ist ein r e l i g i ö s e s Erbe, eine priesterliche Volksmission und wird nicht erst durch einen Weiheakt und ein Glaubensbekenntnis übernommen." (926-327). Man wird zugcben, daß hier in wenigen Worten sehr viel, u. zw. zu viel gesagt ist. Das ehrliche Bemühen, in einem Atem historisch, religiös, national, ethisch, universell, liberal, überlieferungstreu zu sein, schafft doch einige Verlegenheit. Und im Grunde genommen ist Köhler doch nicht national, nicht konservativ, sondern nur kritisch-historisch, und universell. Dieser Zug geht durch das ganze Werk, dem die tiefste Gelehrsamkeit und umfassendste Kenntnis zu Grunde liegt. Es ist mit Geschmack und Eleganz geschrieben und reiht sich würdig den bereits erschienenen Werken der ganzen Reihe an, kann insbesondere als eine entsprechende Ergänzung des ausgezeichneten Buches von Güdemann „Jüdische Apologetik" gelten. Haus Thoma, Landschaften. 15 Blätter in Doppelton-Rcproduktion nach Werken des Meisters in einem von Hans Thoma selbst entworfenen Umschlag vereinigt 1 Mark. Verlag von Josef Scholz in Mainz. Der Erfolg der von der Freien Lehrervereinigung herausgegebenen Kunstgaben, dieser künstlerischen Erbauungsbücher, hat gelehrt, daß in weitesten Kreisen der Wunsch rege ist, die Kunst unserer großen Meister in schöner Wiedergabe im Hause zu haben. Kann man doch so jederzett nach den Blättern greifen und sich an ihnen erfreuen, wie man sonst wohl ein Gedicht aufschlägt und seine Schönheit genießt. Diese Kunstgaben machen es jedem, auch dem Unbemittelten, möglich, große und ernste Kunst als sein eigen zu erwerben, und die Wiedergaben sind so gut, daß soviel von dem ursprünglichen Werke hineingebannt ist, wie eine Wiedergabe nur gestattet. Bei dieser Gelegenheit mögen auch die bisher erschienenen Hefte Erwähnung finden: I. Hans Thoma, ein Buch seiner Kunst. 16 Blätter; 2. Wilhelm Steinhaufen, Göttliches und Menschliches. 3. Vom Heiland, ein Buch deutscher Kunst, 16 Blätter; 4. Alfred Nethel, 16 Blätter; 5. Fritz von Uhde, 14 Blätter; 6. Giovanni Segantini, 17 Blätter; Wilhelm Leibl, 14 Blatter. Jedes Heft, wie gesagt, nur 1 Mark. Möchten die Hefte zur Freude vieler recht große Verbreitung finden. Schiller. Herausgegeben von Ignaz Jezower. Verlegt bei Herrn Hillger. Berlin 1910. M. 2.—. Eine Sammlung wertvoller Aufsätze über Schiller, so: Peter Hille, Schillers Besuch bei Schubert; Paul Lindau, Schiller als »Redakteur; L. Geiger, Schiller und Goethe; Susanna Rubinstein, Schiller und Kant; Ferd. Nürnberger, Falsche Lichter, u. a., die jeder Schiller-Freund in dieser Zusammensetzung mit Freuden begrüßen wird. R. Malwida von Weyserchurg. Der Lebensabend einer I d e a l i st i n. PoWausgabe. Berlin und Leipzig, 1910. Schuster und Löffle^ Dk. 3.—. Wer die-.Memöiren einer Jdealistin", die nächst Goethes Meisterwerk vielleicht reizvollste und tiefste Autobiographie des neunzehnten Jahrhunderts, gelesen hat, wird zu diesem „Nachtrag" mit gespannter Erwartung greifen. Er wird ihn aus der Hand legen mit dem tiefen Bedauern, daß ihm nicht noch weitere gefolgt sind. Wo ist heute die Jugend, die an solchen Wertmessern menschlicher Würde Orientirung sucht? ..So waren die Männer von 1848! Deutsche Jugend, kennst Du sie noch! Bist Du an ihrer Erinnerung zum Freiheitsdurst entbrannt? Bist Du bereit, wenn der Tag des großen Kampfes wieder kommt, für die Erringung heiliger Ideale den Reichtum des Lebens in den Opferbrand zu werfen?" (S. 266.) Wallfahrten nach den Geistesherden, von denen heiliges Feuer in diese Zeilen glimmt, daran könnte unsere sieche Zeit genesen, lieber der Herrlichkeit des Ganzen verschwinden Einzelheiten, wie die Stelle über den Talmud (S. 18) u. a. m. R. W. Staerk. Die E n t st e h u n g des Alten Testamentes. Leipzig, 1905. I. G. Göschen. M. 0.80. Das Schriftchen gibt in knappen Worten eine Uebersicht über den Stand der Bibelkritik bei den protestantischen Alttestamentlern. »Jetzt," so heißt es S. 22, „gehört die Einsicht in den religionsgeschichtlichen und literarischen Werdegang, an dessen Ende P (der Priesterkodex) steht, zu den Elementarkenntnissen der alttestamentlichen Theologen." Es erinnert diese Zuversicht an die Selbstverständlichkeit, mit der man vor Kepler und Kopernikus au das Weltsystem des Ptolemäus glaubte und im ganzen Mittelalter, auch vielfach in Mischen Kreisen, auf Aristoteles geschworen hat. Noch darf man freilich jeden Angriff gegen diese Grundlage eines ganzen weithin ausgewachsenen Systems als „literarisches Kuriosum" bezeichnen. Aber wo Menschen schweigen, werden vielleicht Steine reden. So manchen Stoß hat dem stolzen Bau bereits die Erde mit den überraschenden historischen Funden versetzt, die sie immer zahlreicher aus ihrem Schoße zutage fördert. Vielleicht kommt einmal die Zeit, wo man einsieht, daß doch der Anteil des Volkes in Israel an religiösen Dingen eine zu scharfsichtige Kontrolle übte, als daß es so gläubig all die hierarchischen Konstruktionen hingenommen hättedie eigens darauf angelegt sein müßten, um den Spürsinn nuferer wissenschaftlichen Detektive ans eine harte Probe zu stellen. Im Uebrigen erfreut an dem Verfasser eine Vorsicht, die, wie S. 121, 160 u. s. w., ausdrücklich auf das Hypothesenhafte seiner Aufstellungen aufmerksam macht. R. Theodore Duret: Edouard Manet. Sein Leben und seine K u n st. Preis broschiert M. 30.—, elegant gebunden M. 35.—. Paul Cassirers Verlag, Berlin. Das berühmte Werk, das, im Original vergriffen, hier in vortrefflicher deutscher Uebersetzung vorliegt, hat seine Bedeutung weit über den Rahmen der Kunstgeschichte hinaus. Ein Kämpfer, durch den Bann des Herkommens zur Rolle der Sonderlings mit allem Spott und Hohn verurteilt und doch unbeirrt und ohne Verbitterung jahraus jahrein auf dem gleichen Wege die Anerkennung derer erstrebend, die ihn so schnöde abweisen, wird vor der Zeit aufgerieben. Kaum in die Erde gebettet, wird er unter den ersten Künstlern seines Jahrhunderts genannt. Und einer der Freunde, die treu und gläubig zu ihm halten und ihm die Anerkennung erzwingen, setzt ihm in dieser Monographie ein unvergängliches Denkmal. Auch andere stritten unerschrocken für seine Sache zu einer Zeit, die solche Parteinahme als Zeichen schlechten Geschmackes verurteilte, zuerst Zola, dann Traust, Gambetta und Clemeneeau. Zu Berlin holte sich der Direktor der Nationalgalerie, Herr v. Tschudi, für seine Anerkennung Manets eine Lektion Wilhelms II. Drei Bilder des Vaters der modernen Malkunst mußten auf Befehl des Kaisers ihren Platz mit einem weniger beachteten tauschen. Und nun hat sein Werk längst den Triumphzug über die Erde angetreten und eine Wanderausstellung seiner Schöpfungen zieht jetzt in den Hauptstädten alle Freunde echter Kunst an. Der Katalog verzeichnet, was die Leser dieses Blattes interessieren dürfte, unter den Besitzern eine Anzahl Juden, etliche zählten zu Manets Freundeskreise. So setzt wahre Größe sich durch trotz aller Hemmungen und Widerstände. R. Sriefkafterr- „Judäus". Sie hätten den guten Mann im Caf6 C. nur schimpfen lassen sollen; die Freiheit, sich zu blamieren, darf niemand geschmälert werden. Uebrigens kann die zur Schau getragene Dummh ei unmöglich echt sein; der Mann ist erst seit einem Jahr getauft

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