Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 364 Dr. Blochs Wochenschrift. Rr. 21 das Kommando des ^Skorpion" zu übernehmen. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit dem Präsidenten Taft, unter dem er, als dieser Generalgouverneur der Philippinen war, als Mariueattache funktionierte. In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts war Uriah P. Levy ein Kommodore in der Flotte der Vereinigten Staaten und außer diesem sowie dem ebenfalls jetzt aus dem aktiven Dienst geschiedenen Kontreadmiral E. D. Tausfig ist Admiral Marix der einzige Jude, der eine so hohe Stellung in der amerikanischen Marine erreichte. Die schlichte Synagoge der jüdischen Gemeinde von Portland, Maine, sah an einem Sabbat im Sommer des Jahres 1908 zufällig fünf hervorragende Juden gleichzeitig in ihrem Gottesdienste. Zwei waren amerikanische Kontreadmirale, Marix und Tausfig, einer Mitglied von Roosevelts Ministeriums, Olivicr Straus, einer, der ein Ministerportefeuille unter Präfident Cleveland ausgeschlagen hatte, Isidor Straus, und einer der Richter von Portorico, Adolf Grant Wolf. Feuilleton Kageuhafte Synagogen in Egypten. Der Direktor der ,,Alliarice"-Schule in Kairo, M. Somcch, veröffentlicht soeben einige interessante Daten über die Judenviertcl von Kairo und Alexandrien, denen wir die folgenden Stellen entnehmen : Die Judengemeinde von Kairo besitzt auch ihr Ghetto, in welchem sie noch bis vor nicht langer Zeit eingeschlossen war. Erst vor einem halben Jahrhundert wurden die Schranken des Ghettos für immer geöffnet und die Juden begannen sich in die neueren Stadtteile zu verteilen. Die Reicheren bewohnen das vornehmste Stadtviertel, Jsmailich, woselbst sie vor fünf Jahren eine monumentale Synagoge aufführtcn. Tewfikieh ist der Stadtteil der wohlhabenden Bourgeoisie, während die kleinen Kaufleute und kleinen Angestellten in Abbassteh wohnen. Bloß die Eingebornen — und ihre Zahl ist sehr groß — die Arbeiter oller Kategorien und diejenigen, die tS aus Pietät tun, sind im Ghetto geblieben, das aber trotz der großen Ableitung der letzten Jahrzehnte s,u enge ist, um allen auch nur halbwegs auskömmliche Unterkunft zu bieten. Der starke Zufluß von Emigranten füllt bald die etwa sich ergebenden leeren Plätze aus. Das jüdische Viertel schließt zehn Synagogen in sich ein, die vom architektonischen Gesichtspunkte wohl nichts Jntereffantes bieten, aber wegen ihres Alters und der Sagen, die sich an dieselben knüpfen, wert sind, besonders hervorgehoben zu werden. Da ist zunächst die Maimonides-Synagoge. Sein Tod erfolgte im Jahre 1294 in Postat oder Alt-Kairo, aber sein Grab befindet sich in Tiberias, wo es Gegenstand frommer Verehrung ist. Die Tradition erzählt, daß die irdischen Reste Maimonides, ehe sie nach Palästina überführt wuttren, sieben Tage lang in einem Kellerraum der Synagoge verborgen gehalten wurden, die auch diesem Umstande ihren Namen verdankt. Die Synagoge besteht heute noch in ihrer ursprünglichen Form. MM gelangt in sie durch eine ins Souterrain führende Treppe und wird Tag und Nacht durch eine Lampe (das ewige Licht) beleuchtet. Der Volksglaube schreibt dieser Synagoge eine heilende Wunderkraft zu und sie ist niemals leer von Kranken, die h'er das Ende ihrer Leiden erhoffen. Eine zweite Synagoge ist dem Andenken des- Rabbi David ben Zimra, besser bekannt unter dem Monogramme Radbaz, geweiht. Rabbi David kam 1492 mit einer großen Zahl gleichfalls aus Spanien vertriebener Glaubensbrüder nach Kairo. Dank seines großen talmudischen Wissens. seines Reichtums und hervorragenden Tugenden gelang cs ihm, in kurzer Zeit eine einflußreiche Stellung zu erlangen und den Ruf der größten Autorität auf religiösem Gebiete im Lande zu gewinnen. Eine dritte Synagoge trägt den Namen des Rabbi Chaim Cafouffi, eines weniger bekannten Dajans aus dem 16. Jahrhundert. An sein Andenken knöpft sich ein geradezu vergötternder Kult der cgyptischen Juden. Sie schwören bei seinem Namen und umgeben sein Grab mit schwärmerischer Liebe. An seinen Namen knüpft sich auch folgende wundersame Sage. Einmal, als Rabbi Cbaim seine synagogale Funktion ausübte, wurde er plötzlich auf beiden Augen blind. Das Volk erblickte hierin einen Fingerzeig Gottes Man flüsterte sich verschiedene Geschichtchen zu und behauptete immer lauter, daß Rabbi Chaim wegen seiner Bestechlichkeit von Gott bestraft worden sei. Die Gerüchte kamen bald auch dem zu Tode erschrockenen Rabbi Chaim zu Ohren. Er beschloß der Sache auf den Grund zu gehen und sich vor aller Welt reinzuwaschen. Im Bewußtsein seines reinen Gewissens kündigte der Rabbi für den nächsten Sabbat, nachdem er von den Gerüchten Kenntnis erhielt, eine Festpredigt an. Die Synagoge war von Anhänger« des Rabbi, aber auch von Neugierigen und Mißaünstigen, die den blonden Rabbi sehen und hören wollten, vollgestopft. Rabbi Chaim, der auch sonst geistreich zu sein verstand, hatte sich an diesem Sabbat übertroffen. Die Gemeinde lauschte mit Enthusiasmus den heiligen Worten. Da sprach plötzlich Rabbi Chaim: „Oh meine Brüder, man hat meine Integrität in Zweifel geozen, man hat meine Unparteilichkeit im Ulteil verdächtigt, ja, man hat mich sogar in meinem Mißgeschick verhöhnt. Ich rufe den Allmächtigen zu meinem Zeugen an, daß rch die Bestechlichkeit nicht kannte und daß mir ein parteiisches Urteil stets fremd war. Bin ich ein Meineidiger, so möge mich ein sofortiger Tod Niederschlagen, wie cin.n Boscwicht. Bin ich aber unschuldig aller Verleumdungen, die gegen mich erhoben werden, so möge Gott in seiner Allmacht mir das Augenlicht wieder schenken, wie er mich dessen beraubt hat, damit die ganze Welt wisse, daß es eine göttliche Gerechtigkeit gibt . . .!" Rabbi Chaim hatte noch nicht zu Ende gesprochen, erzählt die Tradition weiter, als der Blinde plötzlich Licht um sich sah und seine Freunde unterscheiden konnte und sie bei ihrem Namen rief. Das war ein unwiderstehlicher, unvergeßlicher Augenblick. Von diesem Tage an fügte Rabbi Chaim seiner Namensfertigung immer „Haschem nissi" (Der Ewige ist mein Panier) hinzu. Diese Episode aus dem Leben des Rabbi Chaim wird auch von Augenzeugen, so besonders von dem oben erwähnten Rabbi David Ben Zimra, dessen Zeitgenosse er war, bestätigt. Die Synagoge des Esra Hasofer in Alt-Kairo, der ersten von den Arabern eroberten Stadt, ist die älteste. Die Tradition behauptet, daß diese Synagoge von selbst erbaut worden sei, in diesem Falle wäre sie 2500 Jahre alt. Sie gilt als besonders geheiligte Stätte, die an jedem Neumond von Juden überfüllt ist. Besonders im Monate Mai (?) ist die Zahl der Besucher sehr groß. Um diese Zeit wird hier zum Andenken des großen Schriftgelehrten ein solennes Fest gefeiert, zu dem Jung und Alt, Frauen und Kinder aus allen Teilen des Landes zuströmen, Spenden bringen und Gelübde erledigen. Diese Synagoge wurde vor kurzem genau auf der alten Stelle und nach dem alten Plan von Neuem erbaut. Hier wird auch jene Lade bewahrt, in welcher sich ein angeblich von Esra selbst geschriebenes Sefer-Thora befand und von einem leichtfertigen Aufseher an einen Kaufmann aus dem Westen verkauft wurde. In dieser alten Synagoge befindet sich auch der Keller des Propheten Eliahu, der hier vor vielen Jahrhunderten verborgen, gelebt haben soll. Auch hier brennt Tag und Nacht das ewige Licht. Schließlich sei auch eine kleine mit Gittern versehene Stelle in der Synagoge erwähnt, an welcher laut der Tradition Jeremias seine unsterblichen Kmoth rezitierte. Niemand wagt diese Stelle zu betreten aus Angst, noch im selben Jahre sterben zu müsftn. Nur leidenden schwangeren Frauen ist der Zutritt gestattet. Auch Alexandrien hat einige uralte Synagogen. So die Elia- Synagoge zum Andenken an einen Besuch des Propheten in Alexandrien. Ihre Entstehung wird in die Zeit Philos verlegt. Man denkt eben daran, diese Synagoge zu rekonstruieren und aus ihr ein modernes Bethaus zu machen. Auch in Maballa, einer überwiegend muselmännischen Stadt mit nur wenigen jüdischen Einwohnern, besteht eine uralte Synagoge, die jedoch ihren Ruhm und den Zufluß von fremden Besuchern einer Bibelhandschrist zu danken hat, die sie beherbergt. Der Volksglaube schreibt dieser Handschrift wundertätige Kraft zu. Aus allen Ecken und Enden des Landes strömen tausende Menschen jahraus jahrein dieser Synagoge zu, um hier wenigstens einmal im Jahre ein Gebet zu verrichten. _ Dis Kunst bei den moderne« Juden. (Ein Jnterwiew mit dem Maler Hermann Struck.) Der Korrespondent der Konftantinopeler jüdischen Zuschrift „L'Äurore", Jakir Bckar, hatte mit dem in Venedig weilenden berühmten Maler Hermann Struck eine Unterredung über die Kunst bei den modernen Juden, aus der wir die folgenden, interessanten Stellen wiedergeben: Auf die Frage, ob es jüdische Kunst gebe, antwortete der Künstler: „Es ist sehr schwer, diese Frage peremptorisch zu beautworren, denn es wurde hierüber so viel geschrieben, daß die Frage eher verdunkelt als geklärt wurde. Vor Allem aber müsse man sich über die Frage klar werden, was unter jüdischer Kunst zu verstehen sei, denn die Jrrtümer der Meisten, die sich bisher mit diesem Gegenstände befaßten, sind der Verwechslung der beiden Begriffe, „Kunst, ansgeführt durch jüdische Künstler und jüdische Kunst" zuzuschreiben. Ein von einem unserer Künstler ausgeführtes Kunstwerk kann dann auf das künstlerische Konto unserer Rasse gesetzt werden, wenn sie Qualitäten aufweist, die nur einer jüdischen Seele eigen sind, mit anderen Worten: der Ausdruck „jüdische Kunst", kann nur auf Bilder angewendet werden, die von einem Juden gemalt wurden, der uns die Gefühle und die Leidenschaften unseres Volkes, sein Leben mit dem ganzen jüdischen Herzen zur Darstellung bringt. Uebrigens glaubte man auch oft Bilder als jüdische Kunst zu qualifizieren, die jüdisch-historische Szenen, jüdische Typen, jüdisches Familienleben rc. darstellen. Aber auch das war ein Irrtum. Selbst wenn diese Bilder von einem Juden gemalt sind, würden sie nicht verdienen, als jüdische Kunst angesehen zu werden, wenn sie nicht von jüdischem Bewußtsein, von einer jüdischen Seele inspiriert sind. Meiner bescheidenen Meinung nach ist als das Meisterwerk jüdischer Knnst das berühmte Brld „Ben- Ami" oder, wie es holländisch heißt: „De Zoon von het onde Volk“