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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-27 · 21 (27.5.1910) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
21 (27.5.1910)
Date
1910-05-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 363 Preisausschreiben! Ein hochherziger Freund unserer Bestrebungen hat uns die Summe von Eintausend Mark zur Prämiierung geeigneter Schriften für die jüdische Jugend zur Verfügung gestellt. Es kommen zwei Preise zur Verteilung: ein erster von sechshundert und ein zweiter von vierhundert Mark. Erwünscht ist eine Erzählung oder Novelle, die jüdisches Leben oder jüdische Gestalten derart schildert, daß die jüdische Sittenlehre für Juden und Christen anschaulich hervortritt, ohne daß die Tendenz aufdringlich sich bemerkbar macht. -Die Einreichung der Arbeiten hat bis zum 31. Jänner 1911 an die Adresse des Herrn D. Wolff, Kleiststraße 12, Berlin W. 62 zu erfolgen. Die Arbeiten sind mit einem Kennwort zu. versehen; dasselbe hat auf einem verschlossenen Briefumschlag wiederzukehren, der eine Karte mit dem Namen des Verfassers enthält. Die Prüfung der eingegangenen Arbeiten. und die Zuerkennung der Preise wird durch eine Kommission erfolgen, welche die Jugendschriften-Kommissionen der Großloge für Deutschland und des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich gemeinsam ernennen. Die Verteilung der Preise erfolgt bis spätestens Ostern 1911. Die preisgekrönten Arbeiten bleiben Eigentum der Großloge, die für ihre Verbreitung in geeigneter Weise Sorge tragen wird. Die Verfaffer übernehmen die Verpflichtung, die Arbeiten bis zum 11. August 1911 druckfertig herzustellen. Die Jugendschriften-KomMission der Großloge für Deutschland VIII II. 0. B. B. Dr. I. Elbogen, Vorsitzender. Augenarzt Hofrat Dr. Fuchs. Wie wir bereits gemeldet haben, beschäftigte das Bezirksgericht Josefstadt ein bezeichnender Streitfall eines Tempeldieners gegen Hofrat Dr. F u ch s. Nach Inhalt der Klage erschien der Tempeldiener in Begleitung einer aus Galizien zugereisten Patientin in der Privatordination des Klinikers, um die Patientin untersuchen zu lassen. Der Tempeldiener hatte die Rechnung ohne den berühmten Arzt gemacht, der eine Idiosynkrasie gegen polnische Juden hat. „Sie wissen, daß ich polnische Juden nicht leiden kann," sagte der Herr Professor und entschied sich, nachdem die Kranke zwei Stunden in seinem Wartezimmer vergeblich der ärztlichen Hilfe geharrt hatte, dafür, die polnische Jüdin solle in das Ambulatorium kommen, da er sie in der Prioatordination nicht vornehmen könne. Der Tempeldiener hat sich in seiner Ehre durch die Bemerkung des Klinikers gekränkt gefühlt und geklagt. Der Richter fällte einen Freispruch, und zwar mit einer recht seltsamen Begründnng. Eine Beschimpfung sei in dem Ausdruck polnische Juden nicht enthalten, weil dieser Ausdruck als ethnographische Bezeichnung aufzufassen und nicht immer in spöttischer Form gemeint sei. Die Bemerkung wollte nur die Tracht treffen, nicht die Ehre. Die einzig zuläffige Auffassung sei die, den Fall vom Standpunkt der Geschmackssache, ober nicht der Ehrensache zu betrachten. Ethnographische Exkulpierungsgründe sind ein Novum und der Richter, der diesen Freispruch fällte, hätte nicht vom guten Geschmack reden dürfen. Er hat eine Art Kostüm-Antisemitismus sanktioniert. Wien. Montag den 30. Mai, 7 Uhr abends, veranstaltet der Bethausvorstand XII bis XV im Tempel, XV., Turnergaffe 22, für den Kultusvorsteher dem sel. Herrn kais. Rat Wilhelm Pollak eine Trauerandacht, wozu alle Vorstände, Vereine und Korporationen höflichst geladen find. Wien. Samstag den 28. d. M. findet in der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler eine außerordentliche Plenarversammlung statt. Tagesordnung: Neubesetzung zweier Ausschußmandate. Zeit V28 Uhr abends. Wien. (Beth-Hamidrasch Talmud-Thora, II., Malzgajfe 16.) Samstag den 28. Mai 1910, nachmittags 3 Uhr, findet daselbst ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Böla Fischer statt. Thema: „Das Jus talionis in Israel". Vortrag II. Wien. (U n 0 i.ch i - A b e n d.) Am 28. Mai 1910 veranstaltet der akademisch; Verein „Jüdische Kultur", II., Blumauergasse 20 im „Hotel Guth", II., Stefaniestraße, einen literarischen Abend mit nachstehendem Programm: Tr. A. Coralnik: Unoichi; Unoichi: Vortrag eigener Werke. * * * Gesangsvortrag von jüdischen Volksliedern. Beginn 8 Uhr abends. Karten ä 1 K und 60 h find im Vrreinslokale II., Blumauergasse 20, sowie an der Abendkasse erhältlich. Austritte aus dem Judentum Vom 15. bis 22. Mai 1910. Bellak Eugenie, Erzieherin, geh. 7. September 1884, Wien, IV., Radeckgasse 5. Berkovitz Heinrich, k. k. Armeediener, geb. io. September 1851, Nagyeseb, Ungarn, XVII., Weissgasse 5. Berdach Felix, Ober-Realschüler, geb. 23. Oktober 1894, Wien, II., Praterstrasse 56. Brunwald Eduard, Buehbindergehilfe, geb. 7. November 1835, Warschau, XX., Klostemenburgerstrasse 47. Joki Max, Privatier, geb. 16. Jauner 1869, Göding, II , Praterstrasse 76. Karany Irma, geb. 16. April 1903, evang. A. K., Wien, I., Kolowratring 4. Hohn Paul, geb. 23. Mai 1880, evangelisch, Wien, Prag wohnhaft. Löbl Robert, Jurist, geb. 14. August 1888, Wien, IV., Wohllebengasse 10. Markovits Daniel, Privatbeamter, geb. 4. November 1870, Buda- pest, >!., Kronprinz Rudolfstrasse 8. Morgenstern Josef, Eisenbahnbediensteter, geb. 27. März 1866, Teplitz, Böhmen, IX., Liechtensteinstrasse 78. Morgenstern geb. Beutel Hedwig, Eisenbahnbeamtens-Gattin, geb. 3. Februar 1872, Polaun, Böhmen, IX., Liechtensteinstrasse 78. Müller geb. Winternitz Karoline, Kaufmanns-Witwe, geb. 25. Mai 1861, Wien, XIII., Maxingstrasse. Oppenheim Anton, Agent, geb. 18. Oktober 1885, Crajova, Rumänien, II., Schiffamts gasse 4. Schmiedt Auguste Hermine, Schneiderin, geb. 7. August 1883, Wien, IV , Schönburgstrasse 15. Semlechner geb. Pollak Therese Rosa, Private, geb. 5. Jänner 1882, Prag, IV., Louisengasse 13. Trencfin. Unter riesiger Teilnahme und imposanter Trauerkungebung wurde Freitag den 20. d. M. die in Wien verstorbene, ob ihrer Frömmigkeit und Wohltätigkeit allgemein verehrte und beliebte Oberrabbiners-Gattin Therese Diamant zu Grabe getragen. In ergreifenden Nachrufen würdigten die Oberrabbiner Dr. Moriz Diamant (Trencsin), Dr. Julius Diamant (Vukovar), Josef Rosenfeld (Galgocz) und Dr. Max Himmler (Jllava) die seltenen Tugenden der hochgeschätzten Heimgegangenen. Nagy-Kanizsa. Meinem Berichte über die Trauer kundgebung anläßlich der Leichenfeier des sel. Dr. Simon Blau, fühle ich mich gedrängt, was ich in der ersten schmerzlichen Aufregung übersehen hatte, nachträglich Folgendes hinzuzufügen. Herr Oberkantor Leon KLrtschmüroff exekutierte in gewohnt künstlerischer Vollendung unter Assistenz eines gut geschulten Männerguartetts die üblichen Trauergesänge. Kärtschmäroffs schöner, warmer Bariton ergriff bei diesem traurigen Anlasse ganz besonders alle Hörer, da er mit tiefster Empfindung gleichsam als letzten Gruß dem Freunde sein Bestes gab. L. W. Paris. (Eine neue Synagoge.) Baron Edmund von Rothschild läßt demnächst hier auf seine Kosten im Viertel Grenelle eine Synagoge bauen. London. (Bemerkenswerte Worte eines englischen Bischofs.) Der Bischof von Birmingham hielt in einer christlichen Versammlung eine Rede, in der folgende Worte vorkamen: „Selbst im heutigen England bezeugt die Feindseligkeit, mit der die Juden in den einzelnen Teilen Londons behandelt werden, mehr ihre Tugend als ihr Laster, mehr unsere Schande als unsere Ehre, und wenn Sie an die Geschichte der Beziehungen zwischen Christen und Juden denken, so müssen Sie erkennen, daß Sie eine ungeheure Schuldenlast gegen die Juden in sich tragen." New Nork. (Ein jüdischer Admiral.) Kontreadmiral Adolf Marix ist jetzt im Alter von 62 Jahren aus dem aktiven amerikanischen Marinedienst geschieden. Ec ist im Jahre 1848 in Sachsen geboren, kam als Knabe nach Amerika und im Alter von 16 Jahren in die Marineatademie. 20 Jahre alt trat er in den Flottendienst und avanzierte sehr schnell. Er diente auf der Maine, dem im amerikanisch-spanischen Kriege auf der Reede von Havanna in die Luft geflogenen Schlachtschiff, welches er kurz vor der Katastrophe verlaffen hatte, um

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