Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Bkochs Wochenschrift. Sette 369 Nach Eröffnung der Versammlung und Begrüßung der Erschienenen widmete der Präsident kaiserl. Rat Dr. Krüger den im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen, um den Verein hochverdienten Herren Wilhelm Freyberg, Emil Horner, Ferdinand Klebinder und Donat Zifferer ehrende Nachrufe. Hierauf erstattete die Schriftführerin Frau Dr. Lina Weiß den mit großem Beifalle aufgenommenen Rechenschaftsbericht. Demselben ist insbesondere zu entnehmen, daß seit der Unterbringung des Heimes im eigenen Gebäude in demselben ununterbrochen sechzig Lehrmädchen und Arbeiterinnen u nentgeltlich verpflegt werden und daß die durch den Verein ausgebildeten Arbeiterinnen sich durchwegs in günstigen Stellungen befinden, einige sogar schon ihr Gewerbe selbständig und mit sehr gutem Erfolge ausüben. Im Anschlüsse an den Rechenschaftsbericht sprachen die Herren Dr. Samuely, Dr. David, Dr. K a m i n k a, Dr. Ascher und Abgeordneter Dr. O fner dem Vorstande Dank und Anerkennung für deffen unermüdliche Tätigkeit und die großen Erfolge des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heims auf dem Gebiete der Jugendfürsorge aus und gaben die Versicherung, daß die durch fie vertretenen Körperschaften auch in Zukunft die segensreichen Bestrebungen des Vereines auf das Tatkräftigste fördern werden. Nach dem sohin von der Kassaverwalterin Frau Cäcilie Frankl unter allgemeinem Beifall erstatteten Kassaberichte trug Herr Revisor Ferdinand Löwy den Revisionsbericht vor und beantragte, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Nach den hierauf vorgenommenen Wahlen schritt der Präsident zum Schluffe der Versammlung. Im Anschlüsse an dieselbe brachten Schützlinge des Heims zwei die Arbeit verherrlichende Gedichte zum Vortrag, worauf Herr Schriftsteller Moriz Gelber einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über: „Geschichten von Menschen und Schätzen aus Tausend und einer Nacht" hielt. . Bei den in der Generalversammlung vorgenommenen Wahlen wurden über Antrag des Herrn Dr. Ascher sämtliche bisherige Vorstandsmitglieder neuerlich in den Vorstand berufen und bei der sohin erfolgten Konstituierung des Vorstandes Herr kais. Rat Dr. S. Krüger zum Präsidenten, die Damen Regine Mayer, Alice Bruckner und Emma Frankl zu Vizepräfidentinnen, Lina Weiß zur Schriftführerin, Regine M a y zu deren Stellvertreterin, Cäcilie Frankl zur Kaffaverwalterin, Helene Stein zu deren Stellvertreterin und Herr Stadtbaumeister Viktor Schwadron zum Direktor des Heims gewählt. Wien. Die „Israelitische Allianz zu Wien" hat von der „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris auf das Gratulatiönstelegramm folgendes Schreiben erhalten: Monsieur 1s President: Nous avons äte tres sensibles aux voeux affectueux que l’Alliance de Vienne a, au cours de son Assemblee generale annuelle, forme en faveur de l’Allianee Israelite Universelle 4 l’occasion du cinquantieme anniversaire de sa fondation. Nous avons rhonneur de vous adresser pour vous, pour vos excellents collägues du Comite, pour tous les membres qui se sont assoeies d’un vote unanime ä cette Manifestation de Sympathie l’expression du notre cordiale gratidude. Nous sommes assurä que, dans Tavenir comme par la passe, nos affectueus relations en vue du bien de nos fröres continueiont ä s’inspirer de cet esprit de cordialite, de cette communautä de vues qui nous ont permis en tant de circonstances d’unir nos efforts pour la protection et le rel&vement de nos correligionnaires. Agräez, Monsieur le President, l’assurance de nos meilleurs sentiments. Le Präsident: N. Leven m. p. ' Tschechen und Juden. Brünn. Das in Olrnütz erscheinende liberale „Mähr. Tagblatt" schreibt: Unsere jüdischen Gemeinden in Mähren halten bisher durchwegs deutsche Verwaltung. Das ist begreiflich, da die weitaus grobe Mehrzahl der Juden in Mähren sich zur deutschen Nationalität bekennt, und es im ganzen Lande schwerlich einen einzigen Juden geben dürfte, welcher der deutschen Sprache nicht mächtig wäre. Von tschechischer Seite sieht man dies natürlich nicht gern und bestrebt sich, eine Aenderung herbeizuführen. Man will in Pr er au den Anfang machen. Dort zählt man in der Iudengemeinde 107 Deutsche und 146 Mitglieder, die sich in den tschechischen Kataster eintragen lieben. Darauf gründet man die Hoffnung. datz die Wahlen im kommenden Jahre eine tschechische Vertretung der Prerauer Jsraelitengemeinde bringen werden. Franzeusbad. Bei der am 12. d. M. stattgefundenen Konstituierung des Kultusgemeinde-Borfiandes wurde Herr Theodor Spie gl einstimmig zum Vorsteher wiedergewählt. Durch diese Wiederwahl hat die Kultusgemeinde Franzensbad nur sich selbst geehrt, aber auch unzweideutig zu verstehen gegeben, daß fie die Verdienste des Vorstehers um die Gemeinde zu würdigen versteht und sich mit deffen Wirksamkett voll und ganz einverstanden erklärt. Und auch mit Recht, denn Herrn Spiegl ist es durch seinen edlen Eifer, nie rastende Opferfteudigkeit und rührende Hingebung gelungen, in einer verhältnismäßig kurzen Zeit das administrative und religiöse Wesen unserer Kultusgemeinde so auszubauen, daß fie jeder mustergültigen Gemeinde an die Spitze gestellt werden kann. Die Einrichtung und Ausgestaltung einer dem modernen Zeitgeiste angemeffenen Kultusgemeindekanzlei, die herrliche und geschmackvolle Ausschmückung des Tempels, die Regelung des der konservativen Richtung entsprechenden Gottesdienstes und besonders die hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Wohttätigkett, dies alles ist nur ein Teil derjenigen Erfolge, welche in erster Reihe dem Bemühen des Herrn Spiegl zu verdanken find und die nur durch die unermüdliche Tätigkeit desselben und durch den edlen Eifer und das feste Zusammenhalten seiner Mitarbeiter im Vorstande errungen werden konnten. Die Pflege des Gemeinsamkeitsgefühl im Vorstände und das harmonische Zusammenwirken zwischen Rabbinat und Vorstand wird gewiß das jüdische Bewußtsein und das Ansehen unserer Gemeinde wieder heben und kräftigen, das durch eine unversöhnliche Opposition und die ungerechtfertigtsten Anwürfe gegen Vorstand und Rabbinat sehr viel gelitten hat. Wir hoffen, daß der Vorstand auf dieser Bahn weiter fortschreiten und den projektierten Bau eines rttuellen Bades, für den Herr Spiegl sich seit Jahren einsetzt, nun endlich zur Ausführung bringen wird. In den Ausschuß find die Herren Ernst P i ck, Dr. Julius Hirsch, Dr. Leopold Steinsberg, Jakob Schneider, Dr. Ferdinand Bloch wieder- und Salomon Löwy, Dr.Alfred Krauß, Postoffizial Weiner, Hugo K o h n und Arthur Rauch neugewählt worden. Budapest. (Auszeichnungen.) Der Kaiser hat den Präsidenten des Pester Heiligen Vereins (Chewra-Kadischa), Herrn Julius Winterberg durch die Verleihung der Würde eines königlich ungarischen Hofrates ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wird einem Manne zuteil, der all seinen Ehrgeiz in ein möglichst intensives Wirken auf dem Gebiete der öffentlichen Wohltätigkeit gesetzt hat. Hofrat Julius Winterberg spielt in der Budapester Kaufmannschaft eine hervorragende Rolle. Seine seltenen persönlichen Vorzüge, seine ungewöhnliche Bildung, sein bedeutendes Rednertalent und sein hochentwickelter Sinn für richtig angewandte Humanität erwarben ihm die Wertschätzung wettester Kreise. Er hat für wohltätige Zwecke Opfer gebracht, wie nur Wenige in Ungarn. Sein Wirken als Präsident der Chewra-Kadischa ist von der dankbaren Anerkennung seiner Glaubensgenoffen begleitet. Es wird darum die Ehrung, die dem ausgezeichneten Manne jetzt zuteil geworden, lebhafte Genugtuung Hervorrufen. Es dürfte intereffieren, daß Hofrat Winter^