Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Seite 350 Dr. Blochs Wochenschrift. Bei mir is zu spät, mei Lumpl") geht in Fransen obr wann is cunol übertaucht hob, dann möcht ich sie bitten, guter Herr Nachbar, daß sie für mein Seelenheil Fürbitt' leisten sollen." Der Besuch seitens meines Vaters, seine Todesgedanken zu zerstreuen, war nicht gelungen und jener beharrte dabei, daß seine Zeit bald um sei und ihm der vorgebrachte Wunsch sehr am Herzen liege. „Gott wird ihnen ihre Gesundheit wieder schenken" eutgegnete mein Vater, aber ich will auf ihr ernstes Verlangen nicht mit losen Worten antworten. -Ja, ich werde für Sie beten, doch bei uns Juden muß man zu solchem Behufe den Namen des Bedachten und seiner Mutter wissen. Wenn Sie also Gewicht darauf legen, sagen Sie mir genau wie Sie und Ihre Mutter heißen." Die Antwort lautete: Mein Taufname ist Johann, der meiner in Gott ruhenden Mutter war Christine." Diese Drtten notierte mein Vater auf das erste Blatt des Buches und als Leidenfrost wieder weggegangen war, genoß er mit überirdischer Wonne die alles Leid stillende Lektüre in dem zurückerstatteten Folianten. Der Herbst war wieder ins Land gezogen und hielt seine blutige Ernte im Kreise der Lungenleidenden. Auch unser Nachbar war für die Sense reif und an einem regnerischen Herbstnachmittage ertönte an der Bahre des entschlummerten Leidenfrost der Totensang: (Aroumdedsnutt. Durch die Gunst wohltätiger Freunde und Angehöriger waren wir in der Wohnung wieder geblieben und während draußen vor dem Tore der Geistliche seine lateinischen Sterbelieder anstimmte, saß mein Vater, in Tränen gebadet in der wieder möblierten Stube und lernte in heißer Andacht Mischnajiß für: „Johann ben Christine". Von Jahr zu Jahr am 15. November, dem Jahrestage unseres verstorbenen Nachbars, hat mein Vater sein Gebet erneuert, wobei er uns Kindern betonte: „Chaside TJmos boolam jesch lohem chelek leolom habo. Die frommen guten Christen, wie der selige Leidenfrost war, haben ihren vollen Anteil an dem Jenseits. Wir Kinder waren von diesem Ausspruche nicht sHr erbaut. Wir bekamen so viel Prügel von den Christenknaben auf dieser Welt, daß unS die verheißene Begegnung im Himmel selbst mit den frommsten unter ihnen nicht ganz harmlos und daher völlig überstüsfig erschien. ptarato». Ernstes und Heiteres aus den Erinnerungen eines Wiener Philharmonikers von Joseph Sulzer. Wien und Leipzig 1910. Verlag von I. Eisenstein & Co., Wien IX/3. Wenn man mit diesen Erinnerungen von Joseph Sulzer zu Ende ist, dann hat man das Empfinden, mit einem interessanten, begabten und herzlichen Menschen, der für die guten und bösen Stunden der Vergangenheit ein zärtliches Gedenken hat, eine wunderbare Stnnde verplaudert zu haben. Und das ist wohl das Beste, was man einem so rein persönlichen Buche nachsagen kann. Es sind keine „Memoiren" und diesen freundlichen Erinnerungen, die sich so anspruchslös geben, fehlt Gott sei Dank die Pose des Bedeutungsvollen gänzlich. Dafür aber lebt in diesem schlichten Geplauder der heimliche Zauber, der Wien, die Mufikstadt, mit tausend Fäden umgibt und unS diese Stadt so heimatvertraut und anziehend macht. Der nun mehr als Sechzigjährige schiebt hier einmal den Vorhang einer künstlerisch reichbewegten Vergangenheit zurück und längst verklungene Namen der Lieblinge der öffentlichen Gunst, denen einmal eine ganze Welt zu Füßen lag, klingen wieder: Die Renard, Adelina Patti, Rokitansky, Materna, Wilt, Sarasate, WiniawSki, die Lucca und wie sie alle heißen, die uns das Gold ihrer Kehle und den Rausch der Musik gaben. Er spielte Bruckner und sah deffen schüchterne Wunderlichkeiten« Biele, denen die Musikgeschichte Unsterblichkeit sicherte, haben ihren Dirigentenstab einmal oder mehrmals über ihn geschwungen, Verdi, Wagner, Johann Strauß, Brahms. Der Autor, der sich selbst «pen ehrenvollen Platz in der Musikgeschichte Wiens erobert hat, bftibt aber bescheiden im Hintergründe — ein schöner Zug, den man in „Erinnerungen" sonst nicht zu treffen pflegt — imb beschäftigt sich fast nur mit den anderen, die er einmal in unmittelbarer Nähe bewundem und lieben durfte. Ei« Zufall will es, daß diese Veröffentlichung mit dem fünfzig, jährigen Jubiläum der Philharmoniker zusammenfällt und eigentlich enthält -ar«h sie in großen Zügen den Entwicklungsgang der Philharmonischen. -Gleichzeitig aber bringen uns diese Erinnerungen allen .großen musikalischen Ereigniffen der letzten fünfzig Jahre in Wien menschlich näher. Die „klefne Schrift hat daher gleiches Interesse für ^")-Lunge. " den Musikfreund wie für den Musikkenner und wer etwas recht Liebes und Herzliches lesen und dabei den Umriß der Entwicklung des musikalischen Wien in seiner Glanzperiode kennen lernen will, möge sich diese „Erinnerungen" ansehen. Thekla Blech-Merwin. Neue Bücher. Palästina. Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. VII. Jahrgang, 1910. Ausgabe A. Nr. 4 und 5. München, Westermühlstr. 19/IV. Inhalt: Beiträge zur Geschichte der Besiedelung Palästinas durch Juden. — Rischon-le-Zion. — Eine Frage betreffs des Ausdruckes „Erez Israel". — Der vierte Geschäftsbericht des „Bezalel". — Die jüdische Einwanderung nach Palästina. — Motorfahrräder und Automobile in Arabien. — Die Schaffung einer naturwiffenschaftlichen technischen Bibliothek in Palästina. — Aus dem Jahresbericht der „Chewewe Zion". — Bodenreform in Alt- und Neu-Jsrael. — Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit. — Ein neues Kulturinstitut für Palästina. — Anthropologische Untersuchungen an zentralastatischen Juden. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Mesopotamiens. — Aus den Kolonien. — Vermischtes. — Allerlei. — Literatur. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Inden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Berlin 6 2. An der Spandauerbrücke 15. Begründet von Dr. Arthur Nuppin. Redigiert von Dr. Brunno Blau. VI. Jahrgang, Heft Nr. 5, Mai!9lO. Inhalt: I. Abhandlungen: Dr. Rudolf Wassermann, München. Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in der Provinz Posen und das Ostmarkenproblem. Dr. oec. publ. Jakob Segall, Berlin. Die Vitalität der jüdischen Geborenen. — II. Statistisches Archiv: Etat der Berliner jüdischen Gemeinde. Zur jüdischen Einwanderung nach Palästina. — Ehrlich: Die Aufgaben der Sozialpolitik im österreichischen Osten, insbesondere in der Bukowina, mit besonderer Beleuchtung der Juden- und Bauernfrage. — Funk: Die Entstehung des Talmuds Guggenheim. Die Entwicklung des Krankenkassenwesens in der israel. Kultusgemeinde zu Offenbach a. M. — Adler: Von Ghetto zu Ghetto. — Trietsch: Palästina Handbuch 1910. Theodor Roosevelt: Staats- und Lebenskunst. Aus seinen Reden und Botschaften ausgewählt von Dr. Max Kullnick, Preis 3 Mk., geb. 4 Mk. Zweite Auflage. 1910. Verlag von Karl Curtius, Berlin. S. A. Horodetzky: Rabbi Nachman von B razlaw. Beitrag zur Geschichte der jüdischen Mystik. Berlin 1910. Verlag von M. Poppelauer. Israel Nobel, Rabbiner in Filehne (Posen), Gedenkblätter für Oberrabbiner Salomon K u t n a. Im Aufträge von Freunden und Schülern des Verewigten. Mit dem Bildnis des Verewigten. Selbstverlag des Herausgebers, Fi lehne, 1910. B. Lewin, Tachkemoni. Literarisch-wissenschaftliches Jahrbuch des Vereines jüdischer gesetzestreuer Studenten. „Teschkemoni" in Bern. Bern, 1910. Briefkasten Fr. F. B. Wir haben die Angelegenheit der kompetenten Stelle zur weiteren Verfügung übergeben. Jsak S. in Podwoloczyska. Der II. Juni 1650 war Dienstag der 1. Tamus 5610. Rabb Dr. R. G. in K. Wir bitten um Geduld. H. Eibschütz, Sereth. Die von Ihnen erwähnten und näher bezeichneten Speuoenausweise werden den Zwecken der Chewra- Kadischa zugewendet. Der Mädchen-Unterstiitzungsverein, über dessen Feierlichkeit die „Österreichische Wochenschrift^ in letzter Nummer berichtet hat, ist selbstverständlich ein jüdischer Verein. „Unbestimmt". Dr. Z a m e n h o f ist ein jüdischer Arzt, lebt derzeit in Warschau. Otto L i l i e n t h a l ist als Christ geboren. M. Frühling, Schriftsteller in Wien. Wir ersuchen um Angabe Ihrer Adresse. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, die zur Einhehnng derselben von uns versendeten Postaufträge gefälligst honorieren zn wollen. Die Administration.