Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 20 Seite 344 nommen. Aus Keszthely wird gemeldet: Wie aus den Vorbereitungen geschlossen werden kann, welche die Vaterstadt Goldmarks zum Empfange des achtzigjährigen gefeierten Komponisten rüstet, wird Goldmark am 21. d. M. in seiner Geburtsstadt überaus festlich empfangen werden. Die Mädchen von Keszthely haben beschlossen, sämtliche Kähne des Plattensees mit Fahnen und Blumen zu schmücken und zu Ehren Goldmarks ein Wasserfest zu veranstalten. An dem Eeburtshause Goldmarks wird ein von dem Bildhauer Lukacsy modelliertes Relief angebracht werden, über dem einige charakteristische Takte aus der „Königin von Saba" auf den Komponisten Hinweisen. Dr. Josef Grüufeld gestorben. Samstag den 14. d. M. ist in seiner Wohnung, IX., Porzellangasse Nr. 4, der Privatdozent und Abteilungsvorstand der Poliklinik, Dr. Josef G r ü n f e l d, im Alter von 70 Jahren gestorben. Dr. Grünfeld war im Jahre 1840 zu Györke in Ungarn geboren und wurde 1867 in Wien zum Doktor der Medizin promoviert. 1881 habilitierte er sich als Privatdozeut für Syphilis an der Universität Wien und hielt seine Kurse zmrächst an der Klinik Albert ab, bis er 1885 an der Allgemeinen Poliklinik eine Abteilung für Syphilis und Krankheiten der Harnorgane als Vorstand übernahm, die er bis Ende 1907 leitete. Schon während seiner Assistentenzeit beschäftigt er sich eifrig mit endoskopischen Studien und erhob die Besichtigung der Harnröhre und Blase zu einer selbständigen Methode, die von ihm durch Einführung einfacher und bequemer, von ihm konstruierter Instrumente und Apparate den praktischen Aerzten zugänglich gemacht wurde und heute ein unentbehrliches diagnostisches und therapeutisches Hilfsmittel der Aerzte aller Weltteile ist. Dr. Grünfeld war außerdem literarisch sehr fruchtbar. Ueber 70 Arbeiten aus seinem Forschungsgebiete, darunter mehrere Monographien, entstammen seiner Feder. Neben seiner wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeit hat Dr. Grünfeld in zahlreichen Korporationen und Vereinen verdienstlich gewirkt. Das ärztliche Lesezimmer im Allgemeinen Krankenhause verdankt seiner Initiative die Entstehung. Ferner war er durch 13 Jahre Mitglied des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, beinahe durch 10 Jahre Präsident der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union, Präsident des Vereines zur Unterstützung mittelloser, israelitischer Studierender, Gründer und Ehrenpräsident des Arbeitsvermittlungs- Vereines für jüdische Hochschüler usw. Seiner Anregung folgen auch in letzterer Zeit jüngere Kräfte, die den Bau eines Studentenheims propagieren. Die große Wertschätzung, deren sich der Dahingeschiedene zu erfreuen hatte, kam anläßlich des Leichenbegängnisses, das am Montag 16. d. M. vom Trauerhause aus stattfand, in imposanter Weise zum Ausdrucke, Unter den zahllosen Trauergästen, die sich eiugefundeu hatten, bemerkte man: Die Hofräte und Universitätsprofessoren O s e r. Pollitzer und W i n t e r n i tz, Direktor der Poliklinik Hofrat von R e u ß, die Universitätsprofessoren E h r m a u n, Klein und K ö n i g st e i n, in Vertretung der k. k.» Gesellschaft der Aerzte Professor Bergmeister, Abteilungs- Vorstand Dozent Dr. Nobel, Delegierte des Medizinischen Doktorenkollegiums. Der Kultusvorstand war vertreten durch die Herren: Präsident Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Dr. Gustav K oh n, die Vertreter Gemeinderat Max Frank, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, die kais. Räte Jonas Weil und Leopold Langer und den Ersten Sekretär kais. Rat Dr. Lieben. Vom Bethausvorstande sah man die Herren Dr. L e w i und Theodor K o h n, von der Chewra-Kadischa die Vorstandsmitglieder S. Steiner und S. Simon. Für den israelitischen Humanitätsverein „Wien B. B." war dessen Präsident Dr. Wilhelm K n ö p fmacher und für die „Eintracht B. B." Vizepräsident Ernst G ö tz l mit zahlreichen Mitgliedern dieser Vereinigungen erschienen. Als Vertreter von Korporationen hatten sich des ferneren eingefunden: Der Vizepräsident der Israel. Union kais. Rat Wilhelm A n n i n g e r, für den Tempelverein im IX. Bezirk der Präsident Gottlieb Bettelheim, für das Damenkomitee der israelitischen Versorgungsanstalt dessen Präsidentin Frau Jda Diamant. Ferner die Vereinsvorsteherinnen Frau Professor Benedikt, Frau Amalie Beck, Frau Antonie Graf, Frau Dr. Zins, Frau Dr. W e i ß. Fast vollzählig waren erschienen: Der Vorstand und die Beiräte des Kaiser Franz Josef- Ferienheim und das Kuratorium des österr. Seehospizes. Eine Zöglingsdeputation des L. D. Königsberg'schen Institutes unter Führung der Direktrize Fräulein Lipschitz, sowie Zöglingsabordnungen des Ferienheim und des Seehospizes. Namens der Talmud-Thora Herr Simon B u ch w a l d, namens des Vereines „Adaß Jsroel" Herr Wolf Pappenheim. Unter den Trauergästen sah man des ferneren die Herren: Kustos Dr. S. Frankfurter vom Unterrichtsministerium, Baurat Rudolf H e r r m a n n, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Hermann F i a l l a, die Gemeinderäte Dr. Mittler und Melcher, Bezirksrat Doktor S ch n e p f, Generaldirektor Philipp Porges, Konsul Baron König, die Schriftsteller kais. Rat Ignaz Wilhelm, Dr. I. S. Bloch, Heinrich G l ü ck s m a n n, Direktor W i l h e l m, Religionsinspektor Prof. M. K a u i tz, Frau Regine L a n d e i s, Präsident S. B r o d, Bethausobmann Hermann E l t b o g e n, Ortsschulrat Josef Fuchs, Oberinspizient Fried und viele Andere. Nachdem im Trauerhause Oberkantor Don Fuchs, assistiert von Kantor R o t h w e i n und dem Mänuerchor, in ergreifender Weise die üblichen Trauergesänge rezitiert hatte, bewegte sich der schier endlose Zug zum Zeutralsriedhofe. Hier trat Oberrabbiner Dr. Güdemann an die Bahre, um in einem tiefempfundenen Nachrufe den Dahingeschiedenen als einen der besten Menschen, der besten Juden und der besten Familienväter zu charakterisieren. Hierauf nahm Präsident Dr. Alfred Stern namens des Kultusvorstandes Abschied von dem Verstorbenen, dessen Wirken im Kultusvorstande und dessen Verdienste um die Gemeinde eingehend zu würdigen. Präsident Stern, der sich in seiner Trauerrede für die hiezu berufene Stelle den Sitzungssaal der Gemeinde noch vorbehielt. Redner wies darauf hin, daß der Name Grünfeld sowohl durch das Wirken des Dahingeschiedenen, wie auch durch die humanitären Schöpfungen seiner Gattin unvergänglich mit der Geschichte unserer Gemeinde verknüpft sei. Abteilungsvorstand Dozent Dr. Nobel würdigte namens der Poliklinik das Wirken Grünfelds für diese Institution und schilderte, was Grünfeld auf wissenschaftlichem Gebiete, was er als Mensch den Patienten, was er als Lehrer den Schülern und als Kollege den Aerzten gewesen, wie er beispielgebend durch seinen rastlosen Fleiß, seinen Ernst und Bescheidenheit gewirkt Kaiserlicher Rat Wilhelm A n n i n g e r hielt hierauf namens der Israel. Union den folgenden Nachruf: „Im Namen und im Aufträge des Vorstandes der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" rufe ich Dir, Dozent Dr. Josef Grünfeld, unsere letzten Abschiedsgrüße nach. Vor kaum vier Wochen, gelegentlich der Festversammlung unseres Vereines anläßlich seines 25jährigen Bestandes, wurden Deine Verdienste um denselben in warmen Worten gefeiert. Du hast, als Du noch in der Vollkraft Deines Schaffens standest, in Gemeinschaft mit einer kleinen Anzahl gleichgesinnter Männer unseren Verein gegründet und durch eine Reihe von Jahren mit großer Pflichttreue das Präsidium desselben geführt. Trotz Deiner, von Deinem Berufe stark in Anspruch genommenen, beschränkten Zeit hast Du mit größter Aufopferung Dich der Aufgabe unterzogen, eine Organisation zu schaffen, welche berufen sein soll, Deine Glaubens-