Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 19 (13.5.1910)
- Date
- 1910-05-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seit« 834 So seü> ihr keinem von uns recht, Und bleibet Fledermäuse." Wer mag da nicht erkennen Die Tröpfe, die mit feigem Sinn Vom Altar weg zum Altar hin Um Gnadentropfen rennen Im Eigennutz-Geleise, Als Zwitter aller Fehler nur, Ein Graul der edleren Natur, Die rechten Fledermäuse? . . . II. Gideon s Wafserprobe. Die da vor dem Wasser knie'n, Laß sie fahren, laß sie zieh'n. Richter, 7. Vom Gebirge Gilead Rasseln erzumspannte Glieder, Kriegesmannen steigen matt, Lechzend in das Tal hernieder, Wo der kühle Quell Charod Langersehnte Labung bot. Wilder Feinde Siegessang Schallt so schrill vom Moreh-Hügel; „Israel verkriecht sich bang!" Rauscht des Windes Echoflügel. Zorndurchbebt erbraust der Wald, Daß den Hohn er überhallt. Dr. Blochs Wochenschrift. Gideon bedenkt jedoch Seines Gottes hehres Zeichen: „Uns'rer find zu viele noch, Um den Sieg dort zu erreichen." Er, der Baalzertrümmerer, Winkt den Knappen zu sich her. „Purah, Umschau halt am Quell: Aufrecht die da stehen bleiben, Schlürfend aus den Händen schnell, Nieder sich zu knieen sträuben, Sie zu sammeln, sei bereit, Auf sie zählen wir im Streit." „Denen Wahn und feiger Sinn Aber in den Gliedern stecken, Daß sie auch beim Trinken hin Auf die Kniee leicht sich strecken, Die da vor dem Wasser knie'n, Laß sie fahren, laß sie zieh'n!" „Wenig nur, die nicht zum Trug Neigen, sprichst du scheu verwundert! Sind zum Siegen nicht genug Von Zehntausend denn Dreihundert? Das Geschick erfüllt sich schon: Nun für Gott und Gideon!" Nr. 19 Wen befremdet's, daß zur Stund' Auch vor dem Taufwafferbecken, Leeren Formelkram im Mund, Auf den Knieen hin sich strecken Feiglinge in falscher Scham, Schwachgemüter, lendenlahm? Krächzen „Raben" minder gell, Heulen „Wölfe" *) nicht so grimmig, Als in Gilead am Quell? Ucberall vieltausendstimmig Schnaubt betörte Wut uns an, Drohet, was sie drohen kann. Sollte eingeschüchtert nicht Bon dem Heulen, von dem Kräzchen, Niederknieend mancher Wicht Nach Erlösungstropfen lechzen? Sie, ein Tau der Heiligkeit, Weihen ihn, der sie entweiht. Aufrecht bleibt der treue Mut, Ob umwallt von Wasserproben, Ob umsprüht von Leidensglut, Siegverklärten Blick's nach Oben. Doch die vor dem Wasser knie'n, Laßt sie fahren, laßt sie zieh'n. * Rabe und Wolf hießen die feindlichen Anführer. Literatur. Dr. oec. publ. Jakob Segall. Tie Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München 1875—1905. (Veröffentlichung des Bureaus für Statistik der Juden, Heft 7.) Berlin 1910. Verlag des Bureaus für Statistik der Juden. 108 Seiten. Preis M. 3.—. 'Während das Bureau für Statistik der Juden in feinen Veröffentlichungen bisher einzelne Länder zum Gegenstand der Untersuchung gemacht hat (Rußland, Oesterreich, Rumänien, Hessen), geht es jetzt daran, die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in den Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Breslau, Hamburg, einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Als erste Arbeit auf diesem Gebiete liegt ein Werk Dr. Jakob S e g a l l s, eines Schülers des kais. Unterstaatssekretärs z. D. Prof. Dr. v. Mayr, „Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München 1876—1905" vor. Diese Arbeit verdankt ihr Entstehen einer Anregung des Vereins fürStatistik der Juden in München, welcher sie auch herausgegeben hat. Aus zweierlei Gründen ist die jüdische Bevölkerung Münchens zum Ausgangspunkt für die Serie von Arbeiten gernacht worden, welche die Entwicklung der jüdischen Großgemeinden zum Gegenstände haben. Einmal sind in München mehr als in anderen kommunalstatistischen Aemtern die statistisch erfaßbaren Verhältnisse der einzelnen Konfcssionsgruppen behandelt worden. Schon aus diesem Grunde ließ sich hier eine ziemlich erschöpfende Bearbeitung geben. Dann aber sind gerade die Münchener Verhältnisse in vielfacher Beziehung typisch für die großstädtischen Juden in Deutschland. Die Münchener jüdische Gemeinde verdankt nämlich ihr starkes Wachstum in den letzten 20 Jahren zwei Erscheinungen, die wir als charakteristische Meränale der Gegenwart bezeichnen können, dem Zuge vom Lande in die Stadt und der Einwanderung vom Auslande. In der Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung selbst hat sich während dieser Zeit eine Veränderung von tiefgreifender Bedeutung vollzogen. Während in den Jahren 1875—1880 und 1880—1885 die ortsgebürtigeu und die aus dem sonstigen Bayern gebürtigen Juden den Kern der Gemeinde bildeten, begann Ende der 80er Jahre mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Münchens der Zuzug der sonst im Deutschen Reich gebürtigen Juden, namentlich aus Württemberg und Preußen, -stärker zu werden und es erfolgte eine erhebliche Einwanderung von Ausländern. Die Folge dieser Umgestaltung der inneren Gliederung der jüdischen Masse ist einerseits starker Männerüberschuß, Abnahme der Kinderzahl und Zunahme der höheren Altersklassen, Zunahme der Ledigen über 15 Jahre und Abnahme der Verheirateten, andrerseits ein starkes Nachlassen in dem natürlichen Wachstum der jüdischen Bevölkerung infolge Sinkens der Geburten- und Fruchtbarkeitsziffer. Die Sterblichkeit, vor allem die Säuglingssterblichkeit, ist überaus günstig. Die Eheziffer ist niedrig und konstant; im hohen Prozentsatz der Mischehen steht München den größten jüdischen Gemeinden Deutschlands gleich. '-Die -erwähnte Zunahme der jüdischen Bevölkerung Münchens (in gleichem Schritt mit der christlichen) hat nicht darin ihren Grund, daß die eingesessene jüdische Bevölkerung sich auf dem natürlichen Weg der Fortpflanzung entsprechend (d. h. in gleichem Schritt mit der christlichen) vermehrt habe, sondern in der Einwanderung fremdgebürtiger Juden nach München, besonders aus dem Ausland und ganz besonders in den letzten Jahrfünften. Da die deutschen Juden zum größten Teil Städter sind, so dürfte es möglich sein, durch Erforschung und Darstellung der Bevölkerungsverhaltniffe der Juden in einer Anzahl deutscher Großstädte, deren statistische Aemter die konfessionelle Gliederung der Bevölkerung eingehender berücksichtigen, als dies in der Reichs- und Landesstatistik geschieht, unsere Kenntnis der Bevölkerungsberhältnisse der deutschen Juden überhaupt wesentlich zu fördern. Dies ist tatsächlich schon durch die vorliegende Arbeit, deren Hauptergebnisse wir kurz hervorgehoben haben, teilweise erreicht. Die Segall'sche Arbeit ist daher wissenschaftlich und praktisch von bedeutendem Wert. Sie kennen zu lernen, wird für jeden erforderlich sein, der sich irgendwie mit der gegenwärtigen Lage der jüdischen Bevölkerung beschäftigt. _ Neue Bücher. Rabbiner Dr. Felix Kanter. Homiletische Essays über zeitgemäße Fragen zu allen Wochenabschnitten des Jahres. Frankfurt am Main. Verlag von I. Kaufmann. 1910. - Michael Abraham Methodisch geordnetes Wörterbuch zu einer Auswahl hebräischer Gebete und Psalmen nebst einem alphabetischen Wörterverzeichnis und einem Abriß der hebräischen Grammatik. Frankfurt am Main. Verlag von I. Kaufmann. 1910. Dr. Hermann Gärtner, Rabbiner in Mitrovitz, Slavonien. D e r d r a m a ti s ch e C h ar a k t e r des Buches Hiob und die Tendez desselben. Im Selbstverläge des Verfassers. 1909. Druck von H. Jtzkowski. Berlin, Auguststraße 96. Briefkasten« „Nationaljude, Berlin." Die Angaben des Prager Blattes beruhen auf irrtümlichen Voraussetzungen. Dem improvisierten Wahlkomitee, welches zusammengetreten war, um die Gemeinderatskandidaturen der Täuflinge im I. Wahlkörper der Inneren Stadt Wien zu Falle zu bringen, hat kein einziges Mitglied irgend einer Wiener zionistischen und national-jüdischen Organisation angehört. Auch die Agitationsarbeit am Wahltage, das persönliche Abholen säumiger Wähler haben nicht zionistische Studenten, welche sich dieser Arbeit vollständig fern hielten, sondern die Mitglieder des Wahlkomitees, zum Teil ergraute Männer, selber besorgt. Gründe für diese „Zurückhaltung" zu eruieren, unterlassen wir, weil das auf das Gebiet der Kombination und Hypothesen führen müßte. I. P. in Bielitz. Der 15, Tamus 5630 war der 5. Juli 1860, der auf einen Donnerstag fiel. K. F. Der verstorbene König Eduard von England war den Juden wohlgesinnt. Jüdische Finanzmänner genossen sein Vertrauen