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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-05-13 · 19 (13.5.1910) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 _ Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 329 Vereinsmitglied Friederich Marmorek gibt die Anregung, daß die Chewra-Kadischa nicht bloß bei Todesfällen, sondern auch bei freudigen Anlässen an den Wohltätigkeitsfinn der Juden appelliere. Vereinsmitglied Herr Moriz Baum bespricht eingehend die Tätigkeit der Chewra-Kadischa. Er regt an, daß der Vorstand der Kultusgemeinde in dein von ihm alljährlich veranstalteten Vortragszyklus einige Abende dem jüdischen Vereinswesen reserviere, um das Publikum über Wesen, Wirken und BedeutunG der größeren, in Wien bestehenden Wohltätigkeitsvereine aüfzuklären. Auch er kommt auf die gänzlich unzulänglichen Lokalitäten der Chewra-Kadischa zu sprechen, welchem Uebelstande nur durch Errichtung eines neuen Amtsgebäudes oder dadurch abgeholfen werden könnte, daß die Chewra-Kadischa, eventuell auch die Armenanstalt, deren Klientel sich hauptsächlich aus der Leopoldstadt und der Brigittenau zusammensetze, in die Leopoldstadt verlegt werde. Ueber einige Bemerkungen des Vereinsmitgliedes Herrn G r u b e r in Bezug auf Beerdigungsangelegenheiten, sagt der Präsident zu, die Delegierten der Chewra-Kadischa zu einer gemeinsamen Besprechung einzuladen. Vorstandsmitglied Samuel Steiner gibt unter Hinweis auf die Ausführungen des Herrn Dr. Weiß einige Aufklärungen hinsichtlich der Verabfolgung von Medikamenten. Der Revisor Herr Heinrich Neurath erstattet im eigenen Namen, sowie im Namen des II. Revisors, Herrn Samuel G o l d m a n n einen Bericht über die von den Genannten vorgenommenen Revisionen der Buch- und Kassaführung, welche in vollkommenster Ordnung gefunden wurde. Ueber seinen Antrag wird dem Vorstande einhellig das Absolutorium erteilt. Ueber eine schriftlich eingelaufene Anregung des Herrn Wilhelm Löwy, die Delegierten der Chewra-Kadischa zu ihrer Ligitimation gegenüber den Leidtragenden mit einem Abzeichen zu versehen, bemerkt der Präsident, daß den Delegierten solche Abzeichen zur Verfügung stehen; einer obligatorischen Verpflichtung, diese Abzeichen zu tragen, könne nicht zugestimmt werden. Nach der Wiederwahl der bisherigen Revisoren, der Herren Samuel G o l d m a n n und Heinrich Neurath, wird die Generalversammlung geschloffen. Der neue Schulbau des Mädchenunterstützungsvereines. In dem traurigen Kriegsjahr 1866, da viele Familien durch den Tod, den ihre Ernährer auf dem Schlachtfelde fanden, in arge Bedrängnis geraten waren, faßte eine kleine Schar junger Wiener Mädchen den edlen Plan, ihre in Not befindlichen Milschwestern selbst zum Erwerbe fähig zu machen. Sie gründeten den Mädchenunterstützungsverein und haben damit den ersten Schritt zur Selbständigkeit der Frauen im Berufsleben getan. Sie ließen arme Mädchen für verschiedene Industriezweige ausbilden, und drei Jahre spater war der kleine Verein, dessen Gründungsgedanke allgemein sympathische Förderung fand, bereits in der Lage, eine eigene Schule — die erste Frauengewerbeschule Wiens — zu errichten. Während der folgenden Jahre hat der aufstrebende Verein in seinen geräumigen Lokalitäten in der Kaiser Iosefstraße vielen Tausenden von Mädchen durch die gewissenhafte Ausbildung in verschiedenen Disziplinen die Grundlagen einer gesicherten Existenz geschaffen. Die Fürsorge wird soweit ausgedehnt, daß man die Mädchen nach Absolvierung der Schule auch in entsprechenden Stellungen unterbringt. Und es mag der schönste Lohn und die höchste Anerkennung für die Betätigung der Vereinsdämen und die ausgezeichnete Wirksamkeit des Lehrkörpers sein, daß es bei der Besetzung von Posten als besondere Empfehlung gilt, Absolventin der Schule des Mädchenunterstützungsvereines zu sein. In den letzten Jahren tauchte infolge des immer stärkeren Andranges der Gedanke lauf, einen eigenen Schulbau aufzuführen. In der Präsidentin Frau Dr. Marie Schüßler, die seit vielen Jahren ihre ganze Alraft den schönen Zwecken des Mädchenunterstützungsoereines mit nie rastender Opferfreudigkeit und rührender Hingebung widmet, fand dieser Plan eine unermüdliche Förderin. Ihrer unausgesetzten Tätigkeit und dem edlen Eifer ihrer Mitarbeiterinnen im Vorstande ist es gelungen, das Projekt des Schulbaues in verhältnismäßig kurzer Zeit in die Wirklichkeit umzusetzen. Gestern wurden die Damen 'nun der Genugtuung teilhaftig, den stattlichen Schulbau in Anwesenheit eines Kreises illustrer Gäste zu eröffnen. Das Haus steht kn der Seegasse 16 und repräsentiert sich schon von außen sehr hübsch und geschmackvoll. Es ist nach den Plänen des Architekten Ludwig Schmiedl vom Baumeister Ambor ausgeführt worden. In dem mit Blattpflanzen stilvoll dekorierten Turnsaal, in 'dessen Vorderfront die Kaiserbüste aus einem Lorbeerhain hervorragte, spielte sich die schöne Feier ab. Frau Doktor Schüßler und die Vorstandsdamen empfingen die Festgäste. Es waren erschienen : Der Vereinsvorstand, bestehend aus den Damen Frau Hofrat Berta Edle Frydmann v. Prawy, Anna Feinberg. Henriette Benies. Theddy Bloch, Mathilde F l e i s ch m a n n, Regine Frey, Katharine Ianowitzer, Helene Kuranda, Luise Mandl, Emma Pollak- Gutmann-Gelse, Melanie Rie, Malvine Schütz, Mathilde von Straf ser-Eyörvar, Lydie W i n t e r n i tz, Marianne Benedikt eine der Gründerinnen des Vereines —, Fanni Biach, Ida Diamant. Weiters sah man den Reichsratsabgeordneten Hofrat Kuranda. Direktor Paul Hammerschlag, der zu den wärmsten Gönnern und bewährtesten Freunden des Vereines zählt, Präsidenten Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Landesschulrat Doktor Gustav K o h n und kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Landesschulinspektor O t t e l, Direktor Felix Kuranda, Vizedirektor Adolf Stern, Polizeirat Semek, Doktor Bruno Frankl von Hochwart, Professor Doktor Gärtner und Gemahlin, kais. Rat Dr. Krüger und Gemahlin, Schriftstellerin Alice Gurschner, Frau Professor Dr. Annie Strauß, in 'Vertretung einer Reihe humanitärer Vereine die Präsidentinnen Amalie Beck, Frau Dr. Weiß, Frau Klotilde Benedikt, Frau Rosa Z i f f e r e r, Fräulein Bartonek, Fräulein Lehmann, Frau Julie Zern er, Frau Regierungsrat Himmelbauer. Frau Luise Kuffler, Frau Hremine Kadi sch, Frau Professor Ehrmann, Herr Rudolf von Straffer, kaiserlicher Rat Heller und viele andere. Die Absingung eines Psalmes durch die Schülerinnen des Vereines unter Leitung des Professors B. Rothenst e i n eröffnete die Feier. Sodann hielt die Präsidentin Frau Dr. Marie Schüßler eine Begrüßungsansprache, in der sie sagte: „Nach 43 Jahren angestrengter Arbeit ist es dem Vereine gelungen, ein Heim zu schaffen. Sie wissen, was der Verein ist und was er anstrebt; er ist die Zuflucht der hilfsbedürftigen weiblichen Jugend, er will den armen Mädchen durch Unterricht und Anleitung zur Arbeit die wirtschaftliche Existenz sichern, er will ihnen aber auch die schweren Lehrjahre durch Beistand und Hilfe erleichtern. Damit nimmt er lebendigen Anteil an den großen Fragen, die unsere Zeit bewegen. Seinen Schulen ein würdiges Obdach, den Schützlingen hygienisch einwandfreie Räume zu bieten, war seit langen Jahren unser sehnlichster Wunsch. Heute stehen wir am Ziele, auf eigenem Grund und Boden. Und das danken wir in erster Linie Ihrer werktätigen Unterstützung. Ihrer großmütigen Förderung. Ihnen hiefür den Dank abzustallen, halte ich für meine erste Pflicht im neuen Hause. Ich bringe ihn Ihnen aus vollem Herzen dar, im eigenen Namen, im Namen des Vereinsvorstandes und der zahlreichen Schützlinge. Und so heiße ich Sie nochmals aufs

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